Review: Gangster Squad (Film)

Und schon ist wieder Sonntag und schon ist wieder Zeit für eine neue Film-Kritik, wofür ich zugegebenermaßen in diesem Fall ziemlich dankbar bin, denn der Artikel liegt schon einige Tage (in Wahrheit sogar Wochen!) auf Halde und harrte seiner Veröffentlichung, denn wie das eben so ist mit der Aktualität, war es mir natürlich wichtiger, die Filme zu besprechen, die erst noch auf DVD und Blu-ray erscheinen würden und so wanderte Gangster Squad ein ums andere Mal nach hinten. Jetzt aber passt es gerade und daher wünsche ich euch viel Freude bei diesem nicht mehr ganz so neuen Text, der wiederum aber immerhin meinen neuesten Blog-Eintrag darstellt. Ansonsten natürlich wie gehabt ein schönes Restwochenende, denn den guten Wochenstart wünsche ich natürlich wie gewohnt um 00:01 Uhr, wenn der neue Media Monday online geht.

Gangster Squad

Gangster Squad, USA 2013, 113 Min.

Gangster Squad | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Regisseur:
Ruben Fleischer
Autoren:
Will Beall (Drehbuch)
Paul Lieberman (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Josh Brolin (Sgt. John O’Mara)
Ryan Gosling (Sgt. Jerry Wooters)
Nick Nolte (Chief Parker)
Emma Stone (Grace Faraday)
Sean Penn (Mickey Cohen)
in weiteren Rollen:
Anthony Mackie (Officer Coleman Harris)
Giovanni Ribisi (Officer Conway Keeler)
Michael Peña (Officer Navidad Ramirez)
Robert Patrick (Officer Max Kennard)

Genre:
Action | Krimi

Trailer:

 

Inhalt:

Los Angeles, 1949: Die schillernde Metropole droht nach Kriegsende von einer Welle des Verbrechens überrollt zu werden. Drahtzieher ist in den meisten Fällen der beinahe unantastbar gewordene Ex-Boxer Mickey Cohen, den es von New York aus in die Stadt der Engel verschlagen hat und der mittlerweile eine Vielzahl von Polizisten und Politikern auf seiner Gehaltsliste stehen hat, während er mit Prostitution und Drogen immense Umsätze macht. Nun allerdings plant er ein Imperium zu errichten, das die gesamte Westküste umspannen soll und ihn endgültig unangreifbar macht. Davon unabhängig ist er dem Polizeichef Parker seit langem mehr als nur ein Dorn im Auge, doch die überall herrschende Angst vor dem Gangsterboss macht es Parker unmöglich, gezielt gegen Cohen vorzugehen.

Szenenbild aus Gangster Squad | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Also beschließt Parker, eine inoffizielle Spezialeinheit zu gründen, die ohne Marken oder Rücksicht auf das Gesetz mit allen Mitteln und Cohens eigenen Waffen gegen ihn vorgehen soll. Als Leiter der sogenannten Gangster Squad wirbt Parker den idealistischen und bärbeißigen Sergeant John O’Mara, der sich alsbald daran begibt, ein schlagkräftiges Team aus sechs Personen zusammenzustellen und gegen Cohen ins Feld zu ziehen. Auch den dandyhaften Sergeant Jerry Wooters versucht er von der Sinnhaftigkeit des Vorhabens zu überzeugen, der zunächst ablehnt und sich lieber mit Cohens Gefährtin Grace Faraday in den Laken wälzt. Als die Angelegenheit für ihn persönlich wird, schließt er sich jedoch bereitwillig dem ungleichen Gespann des Gangster Squad an und legt seine Marke ab.

Rezension:

Regisseur Ruben Fleischer dürfte den meisten dank seiner – in meinen Augen – Kultkomödie Zombieland ein Begriff sein und genau mit derselben augenzwinkernden Schwarzhumorigkeit inszeniert er nun mit Gangster Squad einen überbordenden, sich selbst nicht allzu ernst nehmenden und rasanten Gangster-Streifen, der von seinen vielen ikonischen Szenen und großen Gesten lebt, von Figuren, die samt und sonders der Klischee-Figuren-Kiste des Film Noir entsprungen zu sein scheinen, gerade deshalb in Kombination aber auch wundersam zu funktionieren wissen. Da kommt es ihm sicherlich auch zupass, dass er für seinen neuesten Film ein Konglomerat fähiger wie berühmter Schauspieler hat versammeln können, die sich einmal mehr mit sichtlicher Freude der zugegebenermaßen nur rudimentär entwickelten, dafür extrem temporeich inszenierten Geschichte ergeben und aus ihren Rollen rausholen, was nötig ist, um aus dem Film ein atemloses Erlebnis zu machen.

Szenenbild aus Gangster Squad | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Nicht nur Josh Brolin als grimmig-entschlossener Sergeant mit einem Haufen Prinzipien gibt in den ersten Einstellungen einen fulminanten Einstand, sondern insbesondere natürlich Sean Penn, der hier hart an der Grenze zum Over-Acting agiert, damit aber auch genau den Ton von Gangster Squad auf den Punkt bringt, weiß rundherum zu begeistern. Ryan Gosling steht dem in nichts nach und weiß dank seines Charismas neben den altgedienten Schauspielern durchaus zu bestehen. Damit wäre das Figurensortiment des Streifens auch hinlänglich umrissen, wobei vom Rest des Ensembles Emma Stone als obligatorische Femme Fatale noch den dankbarsten Part hat, während Darsteller wie Nick Nolte, Giovanni Ribisi, Anthony Mackie, Robert Patrick und Michael Pena auffallend blass bleiben und mehr als Stichwortgeber fungieren, als dass sie den Film um im weiteren Sinne wichtige Figuren bereichern würden. Dennoch zahlt es sich aus, den Rest der Eingreiftruppe nicht mit namenlosen Figuren besetzt zu haben, denn jeder von ihnen vermag seine Rolle zumindest ein wenig mit Manierismen und Gesten zu bereichern, um nicht das Gefühl zu vermitteln, sie allesamt wären austausch- und ersetzbar gewesen.

Davon ab kommt Gangster Squad auffallend modern daher, obwohl er ein stimmiges Feeling des damaligen Los Angeles verbreitet, wobei aber auch hier auf opulente, stilisierte, weithin bekannte Bilder gesetzt wird und Fleischers Interpretation des Genres wirkt, als habe er alle typischen Bilder, die man sich von derartigen Filmen erwarten würde zusammengewürfelt und am Ende noch so etwas wie eine Geschichte drumherum gestrickt. Das mag sich jetzt böse anhören, so ist es aber durchaus nicht gemeint, denn so sehr wie man sich im Vorfeld bewusst sein sollte, dass Film und Darsteller sich beileibe nicht ernst nehmen, so sollte man auch verstehen, dass diese Mischung gerade deshalb so hervorragend funktioniert, weil am Ende zwar ein sicherlich nicht anspruchsvoller, tiefgründiger oder gar moralische Fragen aufwerfender Film steht, sondern einer, der eine Menge Spaß und Unterhaltung bietet und mitnimmt auf eine Reise, in eine Zeit und an einen Ort, an dem es zwar sicherlich nicht annähernd so ausgesehen hat oder zugegangen sein wird wie hier, der dafür aber auch ungleich spannender und schillernder wirkt.

Szenenbild aus Gangster Squad | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Zwar basiert auch Gangster Squad auf einer wahren Geschichte, doch bin ich mir sicher, dass sich Drehbuchautor Will Beall hier doch einige Freiheiten genommen hat, ebenso wie Fleischer bei der Inszenierung. So wirkt der gesamte Film bewusst überzeichnet und ebenso präsentieren sich die Schusswechsel und Verfolgungsjagden auf eine Art und Weise, dass man sie nicht wirklich ernst nehmen kann oder auch müsste, ebenso wie Gewalt zwar vorhanden ist, aber derartig stilisiert daherkommt, dass selbst die sanfteren Gemüter daran keinen Anstoß nehmen dürften, was insofern überrascht, als dass Fleischer bei Zombieland in Sachen Splatter doch noch deutlich freigiebiger war und es auch hier gepasst hätte. Das soll aber kein Indiz sein für die Qualität eines Films und deshalb bleibt festzuhalten, dass die Story um eine sechsköpfige Eingreiftruppe, die im wahrsten Sinne des Wortes das Gesetz in die eigene Hand nimmt und im Alleingang ein ganzes Gangster-Imperium stürzt nur wenig glaubhaft ist und sicherlich nicht anspruchsvoll, dafür aber ein Action-Thriller in ungewohntem Gewand geworden ist, der schlicht und ergreifend Unterhaltung vom Allerfeinsten liefert.

Fazit & Wertung:

Gangster Squad punktet mit einer gehörigen Portion Selbstironie, opulenter Inszenierung und großem Gestus, der dem namhaften Cast, allen voran aber Sean Penn, sichtlich Freude bereitet. Nichts was man ernst nehmen könnte, aber ein Film, der eine Menge Spaß verspricht!

8 von 10 reißerischen Schusswechseln

Gangster Squad

  • Reißerische Schusswechsel - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Gangster Squad punktet mit einer gehörigen Portion Selbstironie, opulenter Inszenierung und großem Gestus, der dem namhaften Cast, allen voran aber Sean Penn, sichtlich Freude bereitet. Nichts was man ernst nehmen könnte, aber ein Film, der eine Menge Spaß verspricht!

8.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 3/10 Punkte

Gangster Squad ist am 24.05.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Warner Bros. erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Ich sehe, wir sind uns alles in allem mal wieder ziemlich einig, was einen Film angeht, vor allem was Mister Penn angeht ist unsere Wortwahl mal wieder ganz eng beieinander. Ist bei dir langsam fast genau so erschreckend wie beim Kollegen bullion 😉

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