Review: Pax Britannia 1: Unnatural History | Jonathan Green (Buch)

Nach zwei Tagen Pause habe ich nun zumindest pünktlich zum Wochenendende (wie ich dieses Wort hasse!) immerhin eine neue Buch-Kritik zustande gebracht, die ich euch folglich nun freudestrahlend präsentieren möchte. Die strahlende Freude müsst ihr euch indes nun denken, da ihr mich ja nicht seht, aber das geht schon in Ordnung denke ich. Legen wir am besten einfach los, bevor ich noch mehr Blödsinn schreibe. Ach ja, und natürlich einen schönen dritten Advent allerseits!

Pax Britannia 1:
Unnatural History

Pax Britannia: Unnatural History, UK 2007, 376 Seiten

Pax Britannia 1: Unnatural History von Jonathan Green | © Luzifer Verlag
© Luzifer Verlag

Autor:
Jonathan Green

Verlag (D):
Luzifer Verlag
ISBN:
978-3-943-40819-5

Genre:
Steampunk | Abenteuer | Fantasy

 

Inhalt:

»Ich bin kein Besucher«, stellte er klar und ein schiefes Grinsen kräuselte dabei seine Mundwinkel, »Constable Palmerston«, fügte er nach einem Blick auf das Namensschild an der Brust des Automaten hinzu. Es war eine sonderbare Angewohnheit der Metropolitan Police, ihre kybernetischen Beamten mit Namen verstorbener Persönlichkeiten auszustatten. Konnte es vielleicht sein, dass die Kybernetiker bei Scotland Yard etwas wussten, das dem Rest der Welt verborgen blieb?

Ulysses Quicksilver, Abenteurer und Agent im Dienste Ihrer Majestät, der Queen Victoria, die bald ihr 160. Thronjubiläum feiern wird, taucht unverhofft von den Toten wieder auf und beansprucht sein Anwesen und das Vermögen der Familie Quicksilver zurück. Kaum in der Hauptstadt des Magna Britannia angekommen, wendet sich eine verzweifelte junge Frau an Ulysses und beauftragt ihn, ihren Vater, den renommierten Wissenschaftler Professor Ignatius Galapagos zu finden, der seit einem Einbruch ins Natural History Museum als verschollen gilt. Gemeinsam mit Ignatius‘ Tochter Geneviève und seinem treuen Hausdiener begibt sich Ulysses zum Ort des Verbrechens, nur um dort eine schreckliche Entdeckung zu machen.

Während Ulysses die Ermittlungen aufnimmt und alte Kontakte reaktiviert, stellt sich bald heraus, dass auch sein alter Erzfeind Jago Kane seine Finger im Spiel hat, während eine terroristische Vereinigung mit Namen Darwinian Dawn sich erhebt, um die Unruhen des ausgehenden 20. Jahrhunderts für ihre Zwecke zu nutzen und der viel zu lange währenden Herrschaft von Queen Victoria ein Ende zu setzen. Ulysses Quicksilver allerdings ist nicht gewillt, sich zum Spielball fremder Mächte machen zu lassen und bietet alles auf, seine Feinde in ihre Schranken zu weisen und bringt sich dabei selbst – wie schon so oft – in akute Lebensgefahr.

Rezension:

Die Steampunk-Reihe Pax Britannia von Jonathan Green (und später auch Al Ewing) erfreut sich seit ihrer Erstveröffentlichung 2007 wachsender Beliebtheit in England. Zumindest ist davon auszugehen, da die Reihe bislang zwölf Bücher und eine exklusive Ebook-Novelle aus der Feder von Neuzugang David Thomas Moore umfasst. Umso erfreulicher ist es, dass sich nun, sechs Jahre später, der Luzifer-Verlag der Aufgabe angenommen hat, die Reihe ins Deutsche zu übertragen. Zumindest hoffe ich, dass dem Erstling Unnatural History ein entsprechender Erfolg beschieden sein wird, um die Reihe fortzuführen, denn Greens Ansatz für seine persönliche Steampunk-Version des Magna Britannia strotzt nur so vor großartigen Einfällen.

Schattengestalten flackerten und krümmten sich an den Wänden. Ulysses‘ suchender Lampenschein fokussierte sich plötzlich auf blanken Zähnen, die in wütendem Knurren gebleckt waren, Augen starrten ihm in offensichtlichem Trotz entgegen. Das Gesicht, das in dem kalten Licht auftauchte, hatte wenig menschliches, sein Ausdruck verzerrte es zum Sinnbild bestialischer Wut.

Man muss zwar zugeben, dass sich in Unnatural History zahllose Klischees die Klinke in die Hand geben, doch gelingt es Green außerordentlich gut, diese zu einem mitreißenden Abenteuer zu verknüpfen, dass keine Zeit zum Atem holen lässt und durchgehend zu überzeugen weiß. Nicht nur, dass seine Steampunk-Alternativwelt im Jahre 1997 angesiedelt ist und der Jahrtausendwechsel kurz bevor steht, finden sich natürlich auch die namensgebenden Dampfbetriebenen Maschinen, Genexperimente, urzeitliche Dinosaurier, verrückte Wissenschaftler, eine undurchsichtige Femme fatale, ein fanatischer Terrorist, politische Intrigen, eine furchteinflößende, kaum noch menschlich wirkende Queen, die seit bald 160 Jahren das Empire regiert und davon ab eine schier unüberschaubare Anzahl von Geheimnissen und Rätseln, die – teils nur angedeutet – sicherlich auch in späteren Bänden noch aufgegriffen werden.

Getragen wird die Geschichte derweil von Protagonist Ulysses Quicksilver, der recht bald schon wie eine wilde und überzeugende Mischung aus James Bond, Indiana Jones und Sherlock Holmes anmutet und seinen großen Vorbildern in kaum etwas nachsteht, selbstverständlich stets begleitet von seinem treuen Diener Nimrod, der nicht nur den schnittigen Wagen des Dandy-Abenteurers – wie Ulysses leider mehr als einmal zu oft betitelt wird – fährt, sondern ihm auch tatkräftig zur Seite steht und mehr als einmal verbal Paroli zu geben weiß. Eingeleitet wird die Story von dem Text Der widernatürliche Ursprung, in dem Jonathan Green die Hintergründe von Pax Britannia zu beleuchten versucht, wobei es dieser Einleitung tatsächlich nicht bedurft hätte, bevor die Geschichte prompt damit beginnt, dass Quicksilver vermeintlich tot sei und sein Bruder dessen Erbe anzutreten gedenkt. Mit pathetischer Geste kehrt Ulysses aber natürlich gerade im rechten Moment heim und bald schon findet er sich in seinem ersten Fall wieder, der ihn ins Natural History Museum führt, wo eine Geschichte ihren Anfang nimmt, die zunächst weit überschaubarer und simpler wirkt, als es tatsächlich der Fall ist.

Tatsächlich waren es unglaubliche eineinhalb Jahrhunderte gewesen, in welchen die Visionäre jener Zeit von den Anfängen des Industriezeitalters und der einfallsreichen Nutzung der Dampfleistung aufgestiegen waren, um sich die Welt gefügig zu machen und sogar die Sterne zu bezwingen. Raumfahrt, eine Selbstverständlichkeit in der heutigen Zeit, war einst reine Science-Fiction gewesen, heraufbeschworen von Autoren wie H.G. Wells und Jules Verne. Mit der Beherrschung des interplanetarischen Reisens, der Inbetriebnahme der kapitalen Raumfahrtstation in Gatwick-Süd, der Einführung jeglicher Klassen von Staatsbürgern in die Reichskolonien Ihrer Majestät auf dem Mond und den umliegenden Planeten, munkelte man nun in gewissen geheimniskrämerischen Zirkeln über das Vorhaben, die einzig bestehende Grenze zu brechen, die der Menschheit nun noch blieb – die Zeitreise.

Wirklich gut hat mir gefallen, dass immer wieder Rückbezüge auf vorangegangene Ereignisse eingestreut werden und man so das Gefühl hat, sich inmitten einer laufenden Reihe zu befinden, die eben nicht gerade erst ihren Anfang genommen hat. Dadurch, zusammen mit den vielen gekonnt in die Erzählung eingeflochtenen Erörterungen zum Magna Britannia wirkt die Welt von Pax Britannia erstaunlich lebendig und in ihrer Ausgestaltung sehr homogen und das, obwohl hier wirklich hemmungslos in allen Genres geklaut wird und Unnatural History eine funkensprühende Mischung aus Steampunk, Fantasy, Krimi, Horror und Thriller geworden ist. So kann ich diesen ersten Band, wenn Green auch manchmal sprachlich zur Redundanz neigt, allen Freunden spannender Abenteuerlektüre nur empfehlen und bin voll der Hoffnung, dass auch die weiteren Bände der Reihe Pax Britannia bald ihren Weg nach Deutschland machen werden.

Fazit & Wertung:

Mag man auch anfänglich meinen, dass die wilde Verquickung zahlloser Genres und literarischer Versatzstücke in Pax Britannia im Grunde nicht funktionieren kann, belehrt Jonathan Greens erster Band Unnatural History einen bald eines Besseren und bietet temporeiche, stimmige Steampunk-Action vor spannender Kulisse.

8,5 von 10 entflohenen Dinosauriern

Pax Britannia 1: Unnatural History

  • Entflohene Dinosaurier - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mag man auch anfänglich meinen, dass die wilde Verquickung zahlloser Genres und literarischer Versatzstücke in Pax Britannia im Grunde nicht funktionieren kann, belehrt Jonathan Greens erster Band Unnatural History einen bald eines Besseren und bietet temporeiche, stimmige Steampunk-Action vor spannender Kulisse.

8.5/10
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Weitere Details zum Buch und den Autoren findet ihr auf der Seite des Luzifer Verlag. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe als PDF.

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Pax Britannia 1: Unnatural History ist am 31.10.13 als Taschenbuch im Luzifer Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

  • Genau dieses durcheinander an unterschiedlichsten Genres schreckt mich, trotz deiner recht positiven Meinung ,immer noch von dem Buch ab. Dafür warte ich händeringend auf The Ende, ebenfalls aus dem Hause Luzifer.

    • Ja, „The End“ werde ich mir beizeiten auch noch zu Gemüte führen. Mich hat schon allein das Cover geschreckt, aber es lohnt sich wirklich, wenn man denn Steampunk-Stories mag, zumal ich wirklich hoffe, dass der Luzifer-Verlag sich auch der weiteren „Pax Britannia“-Veröffentlichungen annimmt.

      • So wie ich Steffen einschätzen, wird da bestimmt noch was kommen. Bislang hat er ja nie halbe Sachen gemacht.

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