Review: Before Watchmen: Crimson Corsair (Graphic Novel)

Kaum eine Dreiviertelstunde ist es her, dass ich aus der neuen Wohnung in mein altes Heim gereist bin, um nun fix und erledigt ins Wochenende zu driften. Nachdem ich euch aber die gesamte Woche schmählich vernachlässigt habe, schiebe ich zum Wochenendeinstand zumindest noch die finale Review der Before Watchmen-Reihe nach.

Before Watchmen:
Crimson Corsair

Before Watchmen: Moloch, Dollar Bill & Crimson Corsair, USA 2012/2013, 114 Seiten

Before Watchmen: Crimson Corsair | © Panini
© Panini

Autoren:
J. Michael Straczynski (Moloch)
Len Wein (Dollar Bill, Crimson Corsair)
John Higgins (Crimson Corsair)
Zeichner:
Eduardo Risso (Moloch)
Steve Rude (Dollar Bill)
John Higgins (Crimson Corsair)

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-862-01486-6

Genre:
Action | Drama | Science-Fiction

 

Inhalt:

Bereits in jungen Jahren hatte Eddie Jacobs ob seines Äußeren mit Ablehnung und Abscheu zu kämpfen. Während seine Kindheit alles andere als glücklich war, schwang er sich alsbald zu einem gefürchteten Superschurken, dem Moloch auf. Erst das Erscheinen von Dr. Manhattan bringt sein Imperium schlussendlich zu Fall und führt ihn ein ums andere Mal ins Gefängnis. Dort lernt Moloch schließlich Bußfertigkeit und akzeptiert Dr. Manhattans Übermacht. Eddie wendet sich Gott zu, unterliegt aber nach seiner Entlassung aus der Haft alsbald dem Einfluss von Ozymandias, der ihn für seine eigenen, im Dunklen liegenden Ziele einzusetzen gedenkt und den geläuterten Schurken zunächst ohne dessen Wissen langsam aber stetig zugrunde richtet.

Ausschnitt aus Before Watchmen: Crimson Corsair | © Panini
© Panini

Das Leben von Dollar Bill aka William Benjamin Brady hingegen nahm von Anfang an eine deutlich vielversprechendere Route und an seiner Schule war nicht nur der Schönling, sondern auch ein gefeierter Sportstar mit einer Vielzahl Stipendien, zumindest bis eine Verletzung seiner Karriere ein jähes Ende bereitet und ihn beinahe an den Abgrund treibt. Seiner Illusionen beraubt willigt er schließlich ein, für die National Bank in das Kostüm von Dollar Bill zu schlüpfen, dem persönlichen Beschützer der Ersparnisse ihrer Kunden und wird bald ein gefeierter Medienheld, wenn er auch mit einem Superhelden kaum etwas gemein hat. Das soll sich ändern, als Brady sich auf Geheiß seiner Arbeitgeber bei den Minutemen vorstellt, die ihn wider Erwarten mit Kusshand in ihr Team aufnehmen, wohlwissend, dass seine bisherigen Heldentaten nur Show waren. Kurz läuft es gut, doch bald wird auch Dollar Bill klar, dass die Minutemen nicht annähernd so glamourös und integer sind, wie sie es die Öffentlichkeit glauben lassen.

Zuletzt wäre da noch Gordon McLachlan, der im Juni 1771 als Junioroffizier zu der Flotte von König George III stößt. Nachdem er sich allerdings gegen seinen Kapitän Lemuel Chane auflehnt und eine Meuterei anzuzetteln versucht, will dieser ihn aufs Härteste bestrafen, doch ein Angriff macht dem Treiben ein End, ieht allerdings den gefesselten McLachlan hinab in die Tiefe. Nach Tagen auf See verliert der in Ungnade gefallene Offizier das Bewusstsein und findet sich in der Gesellschaft des Roten Korsaren auf dem berüchtigten Geisterschiff Fliegender Holländer wider. McLachlan kann nicht glauben, dass seine Seele auf ewig dort gefangen sein soll und so verrät ihm der Rote Korsar, dass es dreier Gegenstände im Tausch für seine Freiheit bedarf. In Ermangelung von Alternativen begibt sich McLachlan auf eine Suche, die ihn an die Grenzen des Wahnsinns treiben wird.

Rezension:

Gut sieben Monate ist es her, dass ich den ersten Band der Before Watchmen-Reihe an dieser Stelle vorgestellt habe und trotz der mannigfachen negativen Reaktionen auf diese vermeintliche Geldmacherei kann ich nun zumindest das Fazit ziehen, dass die Prequels in meinen Augen doch durchaus zu überzeugen wussten und teilweise der Geist der Vorlage durchaus vorhanden war, wenn auch die wenigsten Bände wirklich essentiell für das Verständnis oder den Genuss der ursprünglichen Geschichte notwendig sind und die Qualität der einzelnen Vorgeschichten durchaus durchwachsen war. Nun liegt also mit dem Crimson Corsair betitelten achten Band die finale Ausgabe vor und versammelt mehrere One-Shots und Kurzgeschichten, die bisher nicht ihren Weg in die jeweiligen Sammelbände gefunden haben, da sie einerseits nachgeschoben worden sind oder im Fall des namensgebenden Crimson Corsair ursprünglich als Fortsetzungsgeschichten mit nur wenigen Seiten in die anderen Hefte integriert waren, wobei mir diese Art der Veröffentlichung doch bei weitem mehr zusagt.

Ausschnitt aus Before Watchmen: Crimson Corsair | © Panini

Dennoch mag man sich darüber streiten, inwieweit es nun noch Not getan hat, mehr über die Hintergründe des Moloch, von Dollar Bill und natürlich des Roten Korsaren zu erfahren, denn auch wenn die Geschichten allesamt überzeugend geraten sind und die jeweiligen Figuren gekonnt in Szene setzen und näher beleuchten, handelt es sich eben dennoch um Randfiguren. Beispielsweise kennt man von Dollar Bill nur die Umstände seines Todes und bekommt hier nun in kompakter Form seine Lebensgeschichte präsentiert, selbstverständlich inklusive Treffen mit den Minutemen und seinem unrühmlichen Ende. Das liest sich weg wie nichts und ist in dieser kurzen, knappen Form auch nicht langweilig, aber wirklich wirklich wichtig ist es für das Verständnis, den Kontext, das Watchmen-Universum im Allgemeinen eigentlich nicht. Ebenso verhält es sich auch bei den anderen beiden Figuren und so hatte ich hier das erste Mal wirklich das Gefühl, dass man die Kuh lediglich ein letztes Mal hat melken wollen, wobei zumindest Crimson Corsair ja ursprünglich zwischen den Kapiteln eingestreut ein wenig den Geist der Vorlage atmet, da dort der Comic im Comic ja ebenso integriert worden ist.

Außerdem sieht insbesondere letztgenannte von John Higgins gezeichnete Geschichte einfach wahnsinnig gut aus in ihrer farbentleerten, düsteren Darstellung, die an alte Horrorgeschichten gemahnt und mit einigen großartigen Panels aufwarten kann. Zuletzt auch die Geschichte um Moloch bietet einen Stück weit natürlich einen Mehrwert und durch die Verknüpfung mit den anderen Vorgeschichten wirkt das Gesamtwerk noch einmal ein wenig runder, zumal erneut Ozymandias seinen Auftritt hat und man ein letztes Mal sein Wirken im Hintergrund beobachten kann, wenn hier auch eigentlich keine neuen Informationen, sondern nur ein neuer Blickwinkel geliefert werden. Vom Informationsgehalt ist dann tatsächlich auch die Geschichte von Dollar Bill am ehesten zu vernachlässigen, die zwar Lücken schließt, aber letztlich eine Figur beleuchtet, die keine Bewandtnis für das eigentliche Geschehen hat.

Ausschnitt aus Before Watchmen: Crimson Corsair | © Panini
© Panini

Schlussendlich ist der Band Crimson Corsair ein Konglomerat mal mehr, mal weniger interessanter Geschichten, die man natürlich als Sammler lesen kann, die aber auch aufzeigen, dass der Zyklus der Prequel-Bände sein unweigerliches Ende finden muss, denn die großen, spannenden, einschneidenden Ereignisse und Vorgeschichten wurden längst abgehandelt und eine gewisse Ermüdung stellt sich ein. Zusammen mit Silk Spectre und der aus dem Kontext gerissenen Episode um Rorschach ist also diese Kurzgeschichtensammlung am ehesten zu vernachlässigen. Dennoch wie gesagt ein letzter Band, den man ohne größere Bedenken in seiner Sammlung wissen kann, wenn man sich denn nicht zu viel von den nachgeschobenen Geschichten erwartet.

Fazit & Wertung:

Während die im finalen Band Before Watchmen: Crimson Corsair enthaltenen drei Geschichten jede für sich zu überzeugen wissen, verlieren sie im Kontext der vorangegangenen Erzählungen jedoch leider erheblich an Notwendigkeit und bieten kaum essentiell wichtige Informationen, sind beinahe belanglos, aber dennoch ein stimmiger Abschluss der breit angelegten Reihe.

6,5 von 10 Geschichten von Schurken, Helden und Verdammten

Before Watchmen: Crimson Corsair

  • Geschichten von Schurken, Helden und Verdammten - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Während die im finalen Band Before Watchmen: Crimson Corsair enthaltenen drei Geschichten jede für sich zu überzeugen wissen, verlieren sie im Kontext der vorangegangenen Erzählungen jedoch leider erheblich an Notwendigkeit und bieten kaum essentiell wichtige Informationen, sind beinahe belanglos, aber dennoch ein stimmiger Abschluss der breit angelegten Reihe.

6.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tofu Nerdpunk: 8/10 Punkte

Before Watchmen: Crimson Corsair ist am 16.12.13 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!


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