Review: Lovelace (Film)

So, nach einem Tag Pause und vorangegangenen Querelen mit dem deaktivierten Disqus, welches prompt zu einer Welle frustrierter Nicht-Kommentieren-Könner geführt hat, wird es allerhöchste Zeit, wieder zum üblichen Tagesgeschehen zurückzukehren und was läge da näher, als direkt die nächste Filmkritik rauszuhauen?!? Richtig, nichts, und deshalb gibt es jetzt auch – ja, richtig geschlussfolgert – die nächste Filmkritik.

Lovelace

Lovelace, USA 2013, 93 Min.

Lovelace | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseure:
Rob Epstein
Jeffrey Friedman
Autor:
Andy Bellin

Main-Cast:

Amanda Seyfried (Linda)
Peter Sarsgaard (Chuck)
in weiteren Rollen:
Hank Azaria (Gerry Damiano)
Wes Bentley (Thomas)
Adam Brody (Harry Reems)
Bobby Cannavale (Butchie Peraino)
James Franco (Hugh Hefner)
Debi Mazar (Dolly)
Chris Noth (Anthony Romano)
Robert Patrick (John Boreman)
Eric Roberts (Nat Laurendi)
Chloë Sevigny (Feminist Journalist)
Sharon Stone (Dorothy Boreman)
Juno Temple (Patsy)

Genre:
Drama | Biografie

Trailer:

 

Inhalt:

Es ist das Jahr 1970 und die einundzwanzigjährige Linda Boreman fristet unter der strengen Aufsicht ihrer Eltern Dorothy und John ein vergleichsweise prüdes Dasein, doch ihre merklich extrovertiertere Freundin Patsy überredet sie immer wieder zu Ausbrüchen aus ihrer Tristesse und drängt sie schließlich auch dazu, gemeinsam mit ihr als Go-Go-Tänzerin aufzutreten. Prompt fällt dem Barbesitzer Chuck Traynor die schüchterne Schönheit auf und er beginnt, ihr voller Galanterie den Hof zu machen. Amanda beginnt, sich in Chuck zu verlieben und es gelingt ihm gar, Lindas Eltern auf seine Seite zu ziehen, so dass es nicht allzu lange dauert, bis das junge Paar verheiratet ist. Chuck ist es auch, der Linda von ihrer Schüchternheit zu befreien versucht und ihr die Freuden der Sexualität in all ihren Formen näherbringt. Als Chuck dann allerdings in akute Geldnot kommt, vermittelt er Lindas besondere orale Fähigkeiten an die Porno-Industrie und Deep Throat wird gedreht.

Szenenbild aus Lovelace | © STUDIOCANAL
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Bald schon entwickelt sich der Streifen zum Phänomen und Linda wird unter ihrem Künstlernamen Linda Lovelace weithin berühmt, ist alsbald Gast auf den schicksten Partys und trifft Prominente wie Hugh Hefner und Sammy Davis Jr. Jahre später ist von dem Ruhm nicht mehr viel geblieben und mittels Lügendetektortest versucht Linda glaubhaft zu machen, dass sich die Geschichte ihres Lebens in Wahrheit ganz anders zugetragen hat und schnell wird klar, dass ihre romantisch verklärte Beziehung zu Chuck nicht einmal die Hälfte der Wahrheit dessen darstellt, was ihr wirklich widerfahren ist, während sie tiefer und tiefer in eine von Sex, Gewalt und Drogen dominierte Welt gedrängt worden ist.

Rezension:

Rob Epsteins und Jeffrey Friedmans Biopic Lovelace schickt sich an, die wahre Geschichte hinter Deep Throat und dessen Hauptdarstellerin Linda Lovelace (bürgerlich Linda Boreman) zu erzählen. Zunächst durchaus ambitioniert verliert sich der Film aber recht schnell in zahlreichen Plattitüden und selbst, wenn sich das alles so zugetragen haben mag, wirkt die Geschichte in ihrer Gänze kaum überraschend oder mitreißend, so dass das Werk letztlich trotz der Bemühungen der Macher und Darsteller recht oberflächlich wirkt und auch allenfalls an der Oberfläche der Person Linda Lovelace kratzt. Das liegt allerdings nicht an Amanda Seyfried, die ihre Sache durchaus gut macht und Linda überzeugend in ihren unterschiedlichen Lebensabschnitten verkörpert.

Szenenbild aus Lovelace | © STUDIOCANAL
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Neben Seyfried ist es vor allem auch Peter Sarsgaard, der als charismatisches Arschloch Chuck dem Film ein wenig Profil verleiht und auch ansonsten verfügt der mit Hank Azaria, Wes Bentley, James Franco, Adam Brody, Chris Noth, Eric Roberts, Chloë Sevigny, Juno Temple, Robert Patrick und Sharon Stone prominent besetzte Film über einen beeindruckenden Stab an Beteiligten, wobei man sich hier des Gefühls erwehren muss, dass deren Beteiligung an Lovelace dem reinen Selbstzweck dient, da ihre nur allzu kleinen und unscheinbaren Rollen dem Film nur bedingt weiterhelfen und in dieser Form durchaus nicht nötig gewesen wären. Natürlich handelt es sich eben um die Biografie von Linda Lovelace und es tut nicht not, beispielsweise dem von Franco verkörperten, jugendlichen Hugh Hefner mehr Profil zu verleihen, doch hätte man sich dessen Kurzauftritt dann auch schlichtweg schenken können.

Das soll allerdings auch nicht bedeuten, dass Lovelace durch die Bank misslungen wäre, denn nicht nur die Leistungen der Darsteller der beiden Hauptfiguren Linda und Chuck sind beachtlich, sondern auch das Gefühl der Zeit wurde durchaus ansprechend eingefangen und umgesetzt, ebenso wie mir die Art der Erzählweise gefallen hat, denn zunächst erinnert sich Linda an ihre Jugend und die Geschehnisse, so wie man meinen würde, dass sie sich zugetragen haben, doch nach der Hälfte des Films macht dieser einen Sprung in die Zukunft, zeigt Linda am Lügendetektor, um ihrem Verlag zu beweisen, dass die wahre Geschichte der Linda Lovelace sich genauso zugetragen hat, wie wir in einer zweiten Repetition der Ereignisse erfahren dürfen, die nicht etwa zuvor Gezeigtes widerholen, sondern anreichern und in kleinen Begebenheiten abändern, so dass ein weitaus bedrohlicheres, düstereres Bild entsteht, wie Linda buchstäblich in die Pornoindustrie gezwungen worden ist und was ihr dort widerfahren ist.

Szenenbild aus Lovelace | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Allerdings kann sich die Wirkung dieser doch an sich schockierenden Szenen eben nicht voll entfalten, weil man durch die unzuverlässige Erzählperspektive und die erwähnten Klischees keinen rechten Zugang zu der Hauptprotagonistin findet, zumal Lovelace auch in Anbetracht des durchaus schlüpfrigen Themas unerwartet prüde daherkommt, was nicht heißen soll, dass ich mir hier explizite Einstellungen gewünscht hätte, sondern lediglich, dass die Pornoindustrie eben in ihrer Form auffallend brav und bieder anmutet, so dass sich eben der Schrecken, den sie für Linda bedeutet hat, nicht wirklich entfalten will und kann. Die schlussendliche Katharsis der Figur, der Schlussakt des Films, war mir dann ebenfalls zu knapp und lapidar, so dass ich nicht umhin komme, festzustellen, dass der Film viele Möglichkeiten ungenutzt gelassen hat und trotz des durchaus vorhandenen Potentials erschreckend viel davon verschenkt hat, um die tragische Lebensgeschichte der wahren Person hinter der Figur auf überschaubare anderthalb Stunden runterzubrechen und letztlich nicht viel mehr zu liefern, als einen Ansporn, sich dem Buch der 2002 verstorbenen Linda Lovelace zu widmen, in dem man sicherlich deutlich mehr über die wahren Hintergründe erfahren dürfte, als in diesem doch erschreckend oft erschreckend oberflächlichen Film.

Fazit & Wertung:

Während Amanda Seyfried in Lovelace durchaus beweisen kann, was darstellerisch in ihr steckt, springt das Geschehen des Films selbst ein wenig zu hastig und ein wenig zu oberflächlich zu den verschiedenen Stationen im Leben der von Seyfried verkörperten Linda Lovelace, so dass am Ende eine zwar interessante, aber leider nicht sonderlich tiefgründige oder bewegende Biografie, aus der man merklich mehr hätte machen können.

6 von 10 Momenteindrücken einer tragischen Lebensgeschichte

Lovelace

  • Momenteindrücke einer tragischen Lebensgeschichte - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Während Amanda Seyfried in Lovelace durchaus beweisen kann, was darstellerisch in ihr steckt, springt das Geschehen des Films selbst ein wenig zu hastig und ein wenig zu oberflächlich zu den verschiedenen Stationen im Leben der von Seyfried verkörperten Linda Lovelace, so dass am Ende eine zwar interessante, aber leider nicht sonderlich tiefgründige oder bewegende Biografie, aus der man merklich mehr hätte machen können.

6.0/10
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