Review: Hesher – Der Rebell (Film)

Bevor diese Woche eine absolute Nullrunde in punkto neuer Blog-Einträge wird, haue ich doch zumindest eine seit einiger Zeit fertige Film-Kritik raus, um mich nicht gänzlich vom Blogger-Dasein zu verabschieden. Der neue Media Monday ist aber selbstverständlich ebenfalls schon in den Startlöchern und harrt seiner Veröffentlichung.

Hesher
Der Rebell

Hesher, USA 2010, 106 Min.

Hesher | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Spencer Susser
Autoren:
Spencer Susser
David Michôd

Main-Cast:

Joseph Gordon-Levitt (Hesher)
Natalie Portman (Nicole)
Rainn Wilson (Paul)
Devin Brochu (T.J.)
Piper Laurie (Grandma Madeleine Forney)

Genre:
Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Der unerwartete Tod der Mutter bei einem Verkehrsunfall reißt den zwölfjährigen T. J. und seinen Vater Paul völlig aus dem Leben. Die beiden ziehen bei T. J.s Großmutter ein und während sich sein Vater dem Alkohol ergibt und nur noch auf der Couch vor sich hinvegetiert, hat T. J. noch gänzlich andere Probleme, denn an seiner Schule ist er ein Außenseiter, hat keine Freunde und gerät ein ums andere Mal mit seinen streitlustigen Mitschülern aneinander. Derweil müht sich T. J. nach Kräften, das Unfallauto, in dem seine Mutter zu Tode kam, vom Pfandleiher auszulösen, da es für ihn die letzte Verbindung zur toten Mutter ist und Sinnbild seines Trauerprozesses.

Szenenbild aus Hesher | © Koch Media
© Koch Media

Dann taucht eines Tages der Metalhead Hesher bei T. J. auf und quartiert sich prompt bei ihm zuhause ein, während die demente Großmutter und der lethargische Vater dessen Anwesenheit beinahe klaglos akzeptieren, fühlt sich T. J. verständlicherweise völlig überrumpelt und weiß nicht wie ihm geschieht. Quasi als Gegenpol lernt T. J. die Supermarktverkäuferin Nicole kennen, die zwar mit ihren eigenen Problemen behaftet, beginnt, eine neue Bezugsperson für T. J. zu werden. Der chaotische Hesher allerdings bringt ihn ein ums andere Mal in prekäre Situationen und T. J.s Verzweiflung wächst, während er zunächst nicht realisiert, wie der rüpelhafte Anarcho ihn mit ungewöhnlichsten Mitteln aus seinem Schneckenhaus lockt.

Rezension:

Spencer Sussers Spielfilmdebüt Hesher ist leider nicht der ganz große Wurf geworden, der er möglicherweise hätte sein können, dennoch bleibt die Grundidee des Films unbestreitbar formidabel: Als pervertierte Anarcho-Version von Mary Poppins drängt sich der abgeranzte Hesher in die desolate Familie von T. J. und rüttelt das Leben des Jungen kräftig durch, um ihm schlussendlich über den Verlust der Mutter hinwegzutrösten und gleichsam dessen Vater aus seiner Lethargie zu reißen. Dabei bedient er sich dermaßen unorthodoxer Mittel, dass es ein fragwürdiges Vergnügen ist, diesem Treiben beizuwohnen, denn Heshers unverblümte Sprache und seine rabiat-ruppige Art lassen nur schwerlich so etwas wie Sympathie für die Figur aufkommen, während einem im Hinblick auf die tieftraurige Situation der perspektivlosen Familie das Lachen mehr als nur einmal im Halse steckenbleibt und sich der Film folglich genauso sperrig und unzugänglich gibt wie sein namensgebender Hauptprotagonist.

Szenenbild aus Hesher | © Koch Media
© Koch Media

Der runtergerockte Metalhead mit dem Slacker-Jargon und einem Faible für Pyromanie und Zerstörung wirkt zwar an manchen Stellen ein wenig zu gewollt anarchisch und obszön, um restlos überzeugen zu können, dennoch liefert Gordon-Levitt selbstverständlich eine mehr als solide Leistung ab, die sich zumindest erfreulich von seinen in letzter Zeit üblichen Rollen unterscheidet, so dass er mit sichtlicher Freude den Badass mimt, während Natalie Portman als graue Maus nur bedingt funktioniert, wenn sie auch ihr bestes tut, ihre Unsicherheiten und Neurosen nach außen zu kehren. Heimlicher Star neben dem unbestreitbaren Glücksgriff Devin Brochu als T. J. , der zu jedem Zeitpunkt alle Sympathien auf seine Seite zu ziehen weiß ist in diesem Fall aber Rainn Wilson (Super) als T. J.s Vater, der mit stoischem Gleichmut und der schieren Verzweiflung im Blick die ganze Wucht des schockierenden Schicksals vermittelt, das den jungen Witwer hier durch den Verlust der über alles geliebten Frau ereilt hat.

Fernab der darstellerischen Aspekte ist Hesher dann ein Werk voller Höhen und Tiefen, dessen Qualitäten zwar durchaus überwiegen, dem aber ein wenig mehr Feinschliff gutgetan hätte. Ich möchte dem Film gar nicht vorwerfen, so sperrig und unzugänglich daherzukommen, doch wirkt diese bewusste Abkehr vom Mainstream eben – ebenso wie die gesamte Figur des Hesher – an manchen Stellen zu kalkuliert, zu gewollt provozierend und obszön, so dass eben weder alle dramatischen Szenen zu funktionieren wissen, noch sämtliche Gags zu zünden imstande sind. Die emotionale Achterbahnfahrt, auf die der Zuschauer fraglos mitgenommen wird, ist teilweise einfach zu sprunghaft, zu wenig stringent und unausgegoren, als dass man fähig wäre, allen Stimmungsumschwüngen zu folgen.

Szenenbild aus Hesher | © Koch Media
© Koch Media

Nichtsdestotrotz, der rebellische Weckruf funktioniert seiner Intention nach und auch wenn nicht jede von Heshers Aktionen wirklich nachvollziehbar scheint und einen konkreten Nutzen nach sich zieht, ist es insbesondere das berührende Finale und die damit einhergehende Botschaft, die mich mit manchen Untiefen der dramaturgischen Ausgestaltung versöhnt haben, zumal Susser sich dankenswerterweise nicht dazu hinreißen lässt, klar Position zu beziehen, ob es sich bei Hesher denn nun um eine eingebildete Gestalt, einen realen Aussteiger oder etwas gänzlich anderes handelt, so dass Hesher als krudes, sperriges, von Fäkalsprache und Respektlosigkeiten geprägtes Drama durchaus zu funktionieren weiß, mit dieser seltsamen Ausrichtung und Darbietung nur eben nicht jedermanns Nerv wird treffen können, wenngleich ich mir ebenso sicher bin, dass dieser merkwürdige, unangepasste Film durchaus sein Publikum finden wird, dass ihn, wenn schon nicht lieben, sicherlich zu schätzen wissen wird, so wie ich mich einer gewissen irrationalen Sympathie für den Antihelden ebenso wenig erwehren konnte.

Fazit & Wertung:

Spencer Sussers Hesher funktioniert nicht in allen Belangen und die Unzugänglichkeit der Charaktere setzt sich in der filmischen Umsetzung fort, doch auch wenn die Mischung aus Vorstadt-Drama und respektloser Komödie als Konzept nicht immer aufgeht, offenbart der Film durchaus ein gesteigertes Maß an Qualitäten und punktet mit einer Vielzahl anrührender, tieftrauriger Szenen.

7 von 10 asozialen Verhaltensweisen

Hesher - Der Rebell

  • Asoziale Verhaltensweisen - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Spencer Sussers Hesher funktioniert nicht in allen Belangen und die Unzugänglichkeit der Charaktere setzt sich in der filmischen Umsetzung fort, doch auch wenn die Mischung aus Vorstadt-Drama und respektloser Komödie als Konzept nicht immer aufgeht, offenbart der Film durchaus ein gesteigertes Maß an Qualitäten und punktet mit einer Vielzahl anrührender, tieftrauriger Szenen.

7.0/10
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Hesher ist am 28.09.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Koch Media erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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