Review: Don Jon (Film)

Jetzt ist es amtlich: Ich habe einen Lauf. Trotz Stress und schönem Wetter gibt es auch heute wieder eine neue Kritik. Den Film fand ich zwar leider nicht so toll, wie ich mir erhofft hatte, aber was solls. Euch einen schönen Abend und morgen einen schnell vergehenden letzten Arbeitstag für die Woche (so ihr denn nicht am Wochenende arbeiten müsst, versteht sich).

Don Jon

Don Jon, USA 2013, 98 Min.

Don Jon | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Joseph Gordon-Levitt
Autor:
Joseph Gordon-Levitt

Main-Cast:
Joseph Gordon-Levitt (Jon)
Scarlett Johansson (Barbara)
Julianne Moore (Esther)
in weiteren Rollen:
Rob Brown (Bobby)
Glenne Headly (Angela)
Brie Larson (Monica)
Tony Danza (Jon Sr.)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Don Jon | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Jon Martello hat merklich Schlag bei den Ladies und dank Bodybuilding und einer gehörigen Portion Charisma ist es ihm ein Leichtes, die heißesten Frauen aufzureißen. Das hat ihm auch verdientermaßen den Spitznamen Don Jon eingebracht und er genießt sein Leben sichtlich, doch nach dem Sex ist vor dem Sex und so schleicht sich Jon ein ums andere Mal nach dem Akt zu seinem Laptop, um sich auf Internet-Pornos einen runterzuholen. Pornos, die ihm ein Hochgefühl bescheren, wie es keine Frau im wahren Leben bisher geschafft hat. Dennoch reizt ihn die Jagd und so lässt er sich von der attraktiven Barbara, an der er sich zunächst die Zähne ausbeißt, gehörig den Kopf verdrehen.

Barbara wiederum hat eine ganz klare Vorstellung davon, wie ihr Mr. Perfect zu sein hat – ganz so nämlich wie in den einschlägigen Liebesfilmen – und sie schreckt nicht davor zurück, alle Waffen einer Frau zu benutzen, um Jon in diese Richtung zu schubsen. Der stört sich daran zunächst wenig und glaubt, seine Traumfrau gefunden zu haben, während sie ihn zur Abendschule schickt, wo er auch Esther kennenlernt, die schnell seinem Hobby auf die Schliche kommt. Als Barbara allerdings ebenfalls Jon auf die Schliche kommt, stellt sie ihn vor die Wahl, sich für sie oder die Pornos zu entscheiden. Für Jon wahrlich keine leichte Entscheidung.

Rezension:

Als großer Fan von Joseph Gordon-Levitt (Brick, (500) Days of Summer, Looper uvm.) gehörte für mich das Drehbuch- und Regiedebüt des unbestritten talentierten Darstellers zweifellos zum Pflichtprogramm und vielleicht waren meine Erwartungen dadurch höher als gut für den Film gewesen wäre, doch Don Jon wusste zu keinem Zeitpunkt so richtig bei mir zu zünden, obwohl er sich mit dem Thema Porno-Sucht ein vergleichsweise unverbrauchtes Terrain ausgesucht hat und durchaus auch mit einigen Einfällen zu punkten weiß. Allerdings wirkt der Film doch in weiten Teilen recht holprig inszeniert und schafft es nicht, eine gleichbleibende Spannungskurve zu etablieren. Das fängt an bei den zahlreichen Wiederholungen den Wochenablauf von Jon betreffend, die zwar durchaus ihren Reiz haben und auch imstande sind, kleine Veränderungen in seiner Welt darzustellen, diese aber so diffizil und unmerklich wirken lassen, dass die Eintönigkeit des Gezeigten schnell ermüdend wirkt und keinen großen Aha-Effekt hervorzurufen versteht. Ebenso inszeniert sich Gordon-Levitt zwar ganz bewusst als Proll und wirft sich entsprechend in Pose, doch abnehmen möchte man ihm diese eben auch nicht zu hundert Prozent, ganz so, wie ich mir auch von Tony Danza mehr erhofft hatte, als einen einseitig ruppigen und kaum mit Facetten versehenen Vater, der tagein tagaus im Muscle-Shirt vor der Glotze hängt.

Szenenbild aus Don Jon | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Scarlett Johanssons Part ist da beinahe noch der Dankbarste, weil ihr die Wandlung vom typischen Love-Interest einschlägiger Rom-Coms hin zu einer manipulativen und engstirnigen White-Trash-Schlampe gut glückt und sie es das erste Mal geschafft hat, mir richtiggehend unsympathisch zu sein, wenn sie beispielsweise ihrem Freund verbietet, seine eigene Wohnung zu putzen, weil sich das natürlich für einen echten Kerl, für ihren Freund, nicht geziemt. In einem Dialog recht weit am Ende macht Gordon-Levitt dann auch noch einmal deutlich, wo er die Parallelen zwischen Rom-Coms und Pornos sieht und wie beide Sparten auf zugegebenermaßen recht unterschiedliche Weise die Erwartungshaltung von Männlein wie Weiblein zu beeinflussen wissen, was eben einerseits die Liebe, andererseits den Sex betrifft. Leider kommt auch dieses Statement zu kurz und fügt sich nicht gerade homogen in das Gesamtbild, ebenso wie das recht abrupt kommende Ende, das alles Gesehene noch einmal auf den Kopf stellt, sich im Grunde aber auch wieder am Mainstream anbiedert und Don Jon so die letzten Zähne zieht.

Denn eigentlich traut sich Joseph Gordon-Levitt so einiges in dem Film und spricht recht unverhohlen aus, was viele denken, so dass der Film gerade im vergleichsweise prüden Amerika durchaus für verlegenes Tuscheln gesorgt haben dürfte, doch verliert er sein eigentliches Thema mehr und mehr aus den Augen, schockiert den deutschen Zuschauer zudem nicht ansatzweise so wie erhofft und schwankt dabei zwischen kaum komischer Komödie und wenig tiefgründigem Drama, so dass der Film am Ende zu witzig ist, um ernst zu sein und zu ernst, um witzig zu sein, wohingegen die wirklichen Schattenseiten der Sucht in weiten Teilen außen vor bleiben und der Zuschauer auch die Ambitionen von Johanssons Rolle Barbara weit schneller durchschaut als der namensgebende Don Jon, während die im weiteren Verlauf wie aus dem Hut gezaubert wirkende Julianne Moore und ihre Figur mich kaum zu fesseln wusste, weil ihre Motivation, der Kern der Figur, mir doch arg konstruiert und fadenscheinig erschienen.

Szenenbild aus Don Jon | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Was bleibt sind ein paar herrlich offenherzige Off-Kommentare von Gordon-Levitt, ein stellenweise gekonntes Spiel mit den üblichen Versatzstücken einer Rom-Com mitsamt eines großartig typisierten Film im Film inklusive Channing Tatum und Anne Hathaway, Jons wöchentliche Beichte, die durchaus ein ums andere Mal zum Schmunzeln einlädt und dazwischen ein paar flapsige Dialoge und sinnstiftende Szenen, die aber nicht darüber hinwegtäuschen können, dass Don Jon in weiten Teilen von sturer Repetition lebt, die dem Film einige Längen aufbürdet, die einerseits nicht hätten sein müssen, andererseits umso deutlicher machen, dass bei der Grundidee mehr drin gewesen wäre, wenn der Autor/Regisseur/Hauptdarsteller den Mumm gehabt hätte, nicht mit Beginn der zweiten Hälfte immer schneller und hektischer werdend in genau die Richtung zurückzurudern, die er vorher so trefflich persifliert hat und stattdessen seinem Thema und seiner Figur treu zu bleiben. Das Ende ist dann leider genauso vorhersehbar wie bei den von Barbara so heiß und innig geliebten Liebesfilmen, was nicht halb so schlimm gewesen wäre, wenn es nicht so lieblos und überhastet einfach hintendran gehängt worden wäre.

Fazit & Wertung:

Joseph Gordon-Levitts Drehbuch- und Regie-Debüt Don Jon erweist sich bei näherer Betrachtung als erschreckend substanzlos, obwohl zahlreiche großartige Einfälle vorhanden sind und der schleichende Wandel in Jons Leben zum Schmunzeln einlädt. Leider verzettelt sich Gordon-Levitt aber mehr und mehr mit seinem Gegenentwurf zu einer klassischen RomCom und biedert sich gegen Ende dann doch wieder – für meinen Geschmack zu sehr – am Mainstream und den Zuschauern an.

5 von 10 nur leidlich befriedigenden One-Night-Stands

Don Jon

  • Nur leidlich befriedigende One-Night-Stands - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Joseph Gordon-Levitts Drehbuch- und Regie-Debüt Don Jon erweist sich bei näherer Betrachtung als erschreckend substanzlos, obwohl zahlreiche großartige Einfälle vorhanden sind und der schleichende Wandel in Jons Leben zum Schmunzeln einlädt. Leider verzettelt sich Gordon-Levitt aber mehr und mehr mit seinem Gegenentwurf zu einer klassischen RomCom und biedert sich gegen Ende dann doch wieder - für meinen Geschmack zu sehr - am Mainstream und den Zuschauern an.

5.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 4,5/10 Punkte
ERGOThek: 5/5 DeLoreans

Don Jon ist am 25.03.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Jan

    Du schreibst mir ziemlich aus der Seele. DON JON steht mit seinem Problem ja nicht alleine da, oft scheitern Filme, die sich erst als Genre-Persiflage verstehen, daran, dass sie gegen Ende hin genau in die gleichen Bahnen gelenkt werden wie das eigentlich vorher abgetane Konzept. (Spontan fällt mir da CABIN IN THE WOODS ein).
    Dabei stecken in dem Film ja wirklich nette Ideen, zum Beispiel der erste „romantische“ Kuss von Jon und Barbara im Foyer eines abgeranzten Kinos oder die über Tonbrücken gewonnene Komik (Apple-Sound -> Pornos).
    Aber leider fehlt der Handlung eben die Substanz, die JGL immer wieder in Interviews so stark zu verteidigen versuchte. Spricht er da doch von einer Kritik an den Geschlechterrollen, die irgendwie im fertigen Film nicht so ganz rüberkommen will und eher als Bestätigung, denn untergrabende Betrachtung wirkt.

    • Das freut mich, dass wir uns da so einig sind, zumal mir seitens der ERGOThek so herbes Unverständnis entgegenschwang und ich schon befürchtet habe, den Film nicht zu würdigen gewusst zu haben.

      Klar, die Einfälle sind toll, ihrem Grundsatz auch die sich stetig wiederholenden Szenen den Tagesablauf von Jon betreffend, ebenso wie der formelhafte Film im Film und was du genannt hast. Die Kritik an den Geschlechterrollen, da gebe ich dir Recht, kam kaum zu einem Zeitpunkt rüber und erst als Jon sich noch einmal mit Barbara unterhält und ganz plakativ seine Pornos mit ihren Liebesschnulzen vergleicht, ist überhaupt ein konkreter Ansatz in diese Richtung erkennbar, der dafür dann aber richtig schön mit dem Holzhammer daherkommt.

      Wie gesagt, ich hätte mir wirklich gewünscht, den Film mehr mögen zu können, aber vielleicht schafft es JGL ja mit seinem Zweitwerk, dich/mich/uns/wen-auch-immer zu überzeugen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass das seine letzte Regiearbeit gewesen sein wird.

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