Review: Jack Taylor | Staffel 1 (Serie)

Boah klasse, wenn das mal kein Timing ist! Einerseits geht es später in die Kneipe und der Bezug zu der heute zu besprechenden Serie ist recht eindeutig und offensichtlich, andererseits habe ich just gestern mit der Lektüre von Ein Drama für Jack Taylor begonnen, dem vierten Teil der Buch-Reihe. Wenn das mal nichts ist! In diesem Sinne einen allseits schönen Abend und viel Spaß beim lesen und begeistern lassen. Oder so…

Jack Taylor
Staffel 1

Jack Taylor, IE/DE 2010- , ca. 90 Min. je Folge

Jack Taylor | © Edel:Motion
© Edel:Motion

Serienschöpfer:
Stuart Orme
Ken Bruen
Showrunner:
Stuart Orme

Main-Cast:
Iain Glen (Jack Taylor)
Nora-Jane Noone (Garda Kate Noonan)
Killian Scott (Cody Farraher)

Genre:
Krimi | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Nachdem Jack Taylor aus dem Dienst als Garda entlassen worden ist, weil er dem irischen Innenminister ins Gesicht geschlagen hat, richtet es sich der Ex-Polizist im Hinterzimmer seiner Stammkneipe, dem Grogan’s ein, und übernimmt fortan Fälle, denen die Polizei selbst keine Beachtung schenkt oder die als Suizid abgetan werden. Mit seinem mehr als bedenklichen Trinkverhalten steht er sich dabei zwar immer wieder selbst im Weg und bringt sich auch gerne höchstselbst in Lebensgefahr, doch erwirbt er sich auch nach und nach einen Ruf als der richtige Mann für prekäre Fälle.

Szenenbild aus Jack Taylor | © Edel:Motion
© Edel:Motion

Ihm zur Seite steht dabei die Garda Kate Noonan, die ihm mehr als einmal Zugang zu internen Ermittlungsakten gewährt und sich dabei selbst auf Glatteis begibt, zumal seine ehemaligen Kollegen nicht gerade viel von dem ständig betrunkenen Raubein halten, das sie mit seinen sarkastischen Sprüchen zur Weißglut treibt. Bald schon hat Taylor zudem den Studenten Cody Farraher an der Hacke, für den Taylor ein regelrechtes Idol zu sein scheint und der ihn nur zu bereitwillig bei seinen Ermittlungen unterstützt.

Rezension:

Als ich das erste Mal davon hörte, dass die Jack Taylor-Romane von Ken Bruen in Form einer TV-Serie – besser gesagt Aneinanderreihung von TV-Filmen – adaptiert würden, konnte ich mein Glück kaum fassen, war ich zu diesem Zeitpunkt doch frisch dem trunksüchtigen und lakonischen Ermittler verfallen, also ziemlich genau im Juni 2012, als meine euphorische Buch-Kritik des ersten Bandes Jack Taylor fliegt raus im Medienjournal erschien. Obschon die erste Folge bereits 2010 in Irland Premiere feierte, sollte es bis Ende letzten Jahres dauern, bis man auch hierzulande in den Genuss der Folgen kam. Iain Glen erschien mir damals schon als formidable Besetzung, lag es auch noch keine lange Zeit zurück, dass er mich in Game of Thrones als Jorah Mormont das erste Mal nachhaltig begeistert hatte, während er mir durchaus seit langen Jahren immer mal wieder in kleineren Rollen begegnet und aufgefallen ist.

Szenenbild aus Jack Taylor | © Edel:Motion
© Edel:Motion

So ist es auch tatsächlich Iain Glen, der ganz zuvorderst und ohne Vertun für die Qualität der Serie verantwortlich zeichnet, denn trotz seiner schottischen Herkunft – und dem Nach Aussage irischer Zuschauer nur mäßig überzeugenden Galway-Dialekt – ist es seine schiere Präsenz, sein Charisma und Schauspiel, die der Figur Jack Taylor genau die Aspekte zugestehen, die den Romanhelden trotz seiner zahlreichen Fehler so anziehend gemacht haben und das, obwohl natürlich für die TV-Filme, die sich jeweils einem der Bücher widmen (sich zugegebenermaßen aber auch mehr und mehr von der Vorlage entfernen), die Handlung merklich gestrafft werden musste und so beispielsweise auch die vielen Buch-Auszüge und Zitate sowie ein Großteil der inneren Monologe nicht übernommen werden konnten, ebenso wie Ken Bruens spezifischer Erzählduktus und seine lakonisch-schnörkellose Erzählweise den Grenzen des neuen Mediums zum Opfer fielen.

Während Iain Glen also der deutlichste Zugewinn der Serie Jack Taylor ist und dem Ermittler ein passendes wie charismatisches Konterfei verleiht, wird davon ab leider allzu schnell deutlich, wie sehr sich die Folgen doch an den Mainstream anzubiedern versuchen und den Fällen ihre Härte nehmen, nicht gerade behutsam die Ecken und Kanten abgeschliffen worden sind. Wer Jack Taylor nicht kennt, wird wenig an ihm auszusetzen haben, aber wer sich an die rohe Faszination der Bücher erinnert, dem wird auffallen, dass weder Galway noch Taylor himself so düster und abgründig, so fatalistisch und ohne Hoffnung daherkommen, wie man es erwarten würde. Auch die Fälle wirken, nachdem sie auf 90 Minuten Fernsehunterhaltung zusammengestaucht worden sind, deutlich konventioneller, werden vor allem aber dank Taylor und nicht trotz Taylor gelöst, der womöglich gravierendste Unterschied zu den Büchern, zusammen mit dem merklich zurückgefahrenen Alkoholkonsum, den man dem geneigten Zuschauer in der ursprünglichen, exzessiven Form wohl nicht zumuten zu können meinte.

Szenenbild aus Jack Taylor | © Edel:Motion
© Edel:Motion

Dadurch wird die Serie Jack Taylor aber mitnichten schlecht, enttäuscht eben nur in derlei Belangen den versierten Kenner der Buch-Vorlage. Allen anderen bieten die Fälle stimmungsvolle Krimi-Unterhaltung, die in der vorliegenden Form immer noch deutlich ruppiger, düsterer und schwarzhumoriger daherkommt als ein Großteil vergleichbarer Produktionen. Vor allem aber entwickeln sich Figuren und Umfeld im Laufe der sechs Folgen umfassenden Staffel fort, was auch nicht gang und gäbe ist in diesem Sujet und deshalb lobend erwähnt werden darf, wenn die Zeitsprünge zwischen einzelnen Folgen auch zunächst irritieren mögen. Ein wenig Recherche hilft, um zu erfahren, dass bei der Erstausstrahlung tatsächlich teils ein bis anderthalb Jahre zwischen einigen Folgen vergangen sind, während das ZDF eine Ausstrahlung binnen fünf Wochen präferiert hat, wobei wir hierzulande auch in den Genuss der sechsten Folge Das schweigende Kind kamen, die in Irland noch immer ihrer Ausstrahlung harrt. Scheitert man also daran, die Veröffentlichungspolitik zu verstehen, freut man sich nun lieber über die Verfügbarkeit von geballten sechs Folgen Jack Taylor, ärgert sich dafür umso mehr über die auf den DVDs fehlende Originaltonspur. Auch was die Verantwortlichen bei dieser Entscheidung geritten haben mag, wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben (meine Bewertung der Serie aber natürlich in keiner Weise beeinflussen).

Fazit & Wertung:

Der Serie Jack Taylor gelingt es nicht immer, die Stärken der Buch-Vorlage von Ken Bruen gewinnbringend zu verwandeln, aber Iain Glens ruppiger Charme bei der Verkörperung des trinkfesten Haudegens allein genügt, um zumindest mal einen Blick zu riskieren bei dieser doch vergleichsweise ungewöhnlichen Krimi-Serie mit ihrem rauen, irischen Flair.

7,5 von 10 Pints Guinness

Jack Taylor | Staffel 1

  • Pints Guinness - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Der Serie Jack Taylor gelingt es nicht immer, die Stärken der Buch-Vorlage von Ken Bruen gewinnbringend zu verwandeln, aber Iain Glens ruppiger Charme bei der Verkörperung des trinkfesten Haudegens allein genügt, um zumindest mal einen Blick zu riskieren bei dieser doch vergleichsweise ungewöhnlichen Krimi-Serie mit ihrem rauen, irischen Flair.

7.5/10
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Episodenübersicht: Staffel 1

01. Der Ex-Bulle (7,5/10)
02. Auge um Auge (7,5/10)
03. Gefallene Mädchen (7,5/10)
04. Königin der Schmerzen (7,5/10)
05. Tag der Vergeltung (7,5/10)
06. Das schweigende Kind (7,5/10)

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Jack Taylor | Staffel 1 ist am 09.12.13 auf DVD im Vertrieb von Edel:Motion erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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