Review: Rush – Alles für den Sieg (Film)

Reden wir doch einfach mal wieder über einen Film, tun wir in letzter Zeit ja doch viel zu selten. Aber das wird sicher wieder, langsam komme ich schließlich wieder in Fahrt, wenn auch noch mit gehörigen Aussetzern. Trotzdem habe ich die Zeit gefunden, mir jetzt auch zu diesem Film eine Meinung zu bilden.

Rush
Alles für den Sieg

Rush, UK/DE/USA 2013, 123 Min.

Rush - Alles für den Sieg | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Ron Howard
Autor:
Peter Morgan

Main-Cast:
Chris Hemsworth (James Hunt)
Daniel Brühl (Niki Lauda)
in weiteren Rollen:
Olivia Wilde (Suzy Miller)
Alexandra Maria Lara (Marlene Lauda)
Pierfrancesco Favino (Clay Regazzoni)
Natalie Dormer (Nurse Gemma)

Genre:
Drama | Biografie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Rush - Alles für den Sieg | © Universum Film
© Universum Film

Anfang der 1970er Jahre betreten zwei Ausnahmetalente die Bühne des Formel-1-Rennsports, als dieser noch weitaus gefährlicher und adrenalingeschwängerter war, als es heutzutage der Fall ist: Einerseits der analytisch denkende und disziplinierte Österreicher Niki Lauda, andererseits der rebellische und unbekümmerte James Hunt, der trotz seiner Eskapaden und Exzesse ein nicht zu leugnendes Talent für den Rennsport aufweist. Schon als sich die beiden bei der Formel-3 begegnen, prallen zwei Welten aufeinander und eine beiderseitige Antipathie bricht sich Bahn. Nicht viele Jahre später sind beide in der Formel-1 angekommen und sehnen sich danach, die Fehde auf der Rennbahn auszutragen und schüren noch die gegenseitige Abneigung. Doch auch privat liegen Welten zwischen den beiden Talenten und während Hunt sich wie aus einer Laune heraus mit dem Model Suzy Miller verheiratet und die Ehe bald an die Wand fährt, lernt Lauda Marlene Knaus kennen und lieben.

Die Rivalität erreicht ihren Höhepunkt im Jahre 1976, als beide Fahrer bei renommierten Teams unter Vertrag stehen und auf Augenhöhe den Kampf um den Weltmeistertitel einläuten; Lauda im Ferrari und Hunt im McLaren. Dann allerdings kommt der schicksalsträchtige Tag des Rennens in der „grünen Hölle“ am Nürburgring. Lauda drängt aufgrund der Wetterverhältnisse und eines unkalkulierbaren Risikos darauf, das Rennen abzusagen, doch Hunt, der nur einen Versuch Laudas wittert, seinen Vorsprung auszubauen, stachelt die anderen Fahrer an, ihm kein Gehör zu schenken. Widerwillig nimmt auch Niki Lauda an dem Rennen teil, verunglückt jedoch in der zweiten Runde und erleidet lebensgefährliche Verletzungen, während sein Wagen in Flammen aufgeht…

Rezension:

Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ein Formel-1-Film mich einmal so zu packen wüsste, wie es nun Rush – Alles für den Sieg getan hat, denn dem Sport an sich konnte ich noch nie viel abgewinnen und Niki Lauda kannte ich auch nur in seiner Kommentatorenrolle bei RTL, da mein Vater eine gewisse Affinität für diesen Sport hatte. Zu groß allerdings war der Reiz, Daniel Brühl in dieser hochgelobten Rolle zu sehen und zu sehr interessierte mich, woher die Faszination rührte, dass der Film von vielen Seiten so euphorisch gelobt worden ist. Erfreulicherweise versteift sich Regisseur Ron Howard aber auch nicht darauf, einen Formel-1-Thriller zu drehen, der mit zahllosen Rennen zu ermüden droht, sondern inszeniert eine durch und durch packende Charakterstudie, die beinahe schon nur zufällig in diesem Milieu angesiedelt zu sein scheint, von Ehrgeiz und Rivalität, über Missgunst und Neid, bis hin zu Freundschaft und Wehmut aber eine ganze Bandbreite großer Gefühle offeriert. Tatsächlich ist es durchaus Daniel Brühl, der allen anderen die Schau stiehlt und Niki Lauda wirklich großartig verkörpert, wohingegen Chris Hemsworth als James Hunt nicht annähernd so brilliert, neben Brühl aber immerhin durchaus zu bestehen weiß.

Szenenbild aus Rush - Alles für den Sieg | © Universum Film
© Universum Film

Wiederum dem Regisseur und speziell auch dem Drehbuchautoren Peter Morgan ist es zu verdanken, dass der Film Rush keine Partei ergreift und beide Kontrahenten gleichberechtigt ins Geschehen mit einbezieht, so dass sich auch diverse Voice-over von den Rivalen finden lassen, während die Perspektive in die eine wie in die andere Richtung schwenkt, dabei aber auch stets darauf bedacht ist, Parallelen und Unterschiede in der jeweiligen Lebensweise und Biografie aufzuzeigen. Die weiblichen Hauptrollen von Olivia Wilde und Alexandra Maria-Lara fallen dabei auch erwartungsgemäß klein aus, jedoch runden ihre jeweiligen Figuren das Profil der so unterschiedlichen Kontrahenten gekonnt ab und tragen so zu einem stimmigen Gesamtbild bei.

Szenenbild aus Rush - Alles für den Sieg | © Universum Film
© Universum Film

Die Geschichte selbst beschränkt sich grob auf die Jahre 1970 – 1976 und so gelingt es, ihr auch eine ausreichende Dichte zu verleihen, anders, als hätte man versucht, Niki Laudas gesamtes Leben zu beleuchten oder auch James Hunts Karriere über die Weltmeisterschaft 1976 hinaus. Der Fokus liegt natürlich auf Laudas legendärem Unfall am Nürburgring, der zweifelsohne den vorgezogenen dramatischen Höhepunkt des Films bildet, ohne dass es indes zu einem Spannungsabfall käme, denn im Grunde ist die Zeit danach noch weit aufwühlender und emotionaler als der vorgelagerte Teil, der hauptsächlich dazu dient, das Setting und die Figuren zu etablieren und zu charakterisieren. Schön ist dabei auch, dass in Rush wieder einmal sehr viel Wert auf Detailtreue gelegt worden ist und so erstrahlen die 70er in ihrem besten Licht, wenn es wohl auch einige Anachronismen zu bestaunen gibt (siehe beispielsweise in der IMDb), die mir allerdings beim Schauen nicht negativ aufgefallen sind.

So viel Wert wie Ron Howard aber auch auf ein überzeugendes Flair und punktgenau besetzte Charaktere legt, ist es ihm gleichsam gelungen, eine meisterhafte Bildsprache für die Formel-1-Rennen zu erschaffen, wobei hier das eigentliche Lob durchaus dem Kameramann Anthony Dod Mantle gilt, der mit einer Vielzahl von Handkameraaufnahmen und ungewohnten, spannenden Blickwinkeln sowie fragmentarischen Momenteindrücken dazu beiträgt, dass man als Zuschauer ganz nah bei den Figuren ist und die Spannung sich geradezu überträgt, wenn auch der Gesamtüberblick dabei (Achtung, Wortspiel) auf der Strecke bleibt. Das ist aber auch nicht weitergehend tragisch, denn anfangs spärlich eingesetzte und im weiteren Verlauf immer häufigere – und immer wieder neu designte – Texteinblendungen halten über den Punktestand, Siege und Niederlagen auf dem Laufenden, so dass man sich ganz dem Gezeigten hingeben kann und selbst die schnellen Schnittfolgen, in denen einen Vielzahl Rennen und teils größere Zeitabstände abgehandelt werden, zu gefallen wissen.

Szenenbild aus Rush - Alles für den Sieg | © Universum Film
© Universum Film

Niki Lauda selbst erklärte zwar, dass die Rivalität zwischen ihm und Hunt sehr überspitzt dargestellt wird und betonte, dass beide eine innige Freundschaft verband, während die Medien die Mär von den zwei konkurrierenden Fahrern immer weiter verbreiteten, doch räumt dies auch Drehbuchautor Peter Morgan ein und man möge ihm verzeihen, denn schließlich ist Rush letzten Endes eben ein Spielfilm, wenn er sich auch trotz mancher dramaturgischen und inszenatorischen Freiheit genau das richtige Maß an dokumentarischem Charakter bewahrt hat, um von der ersten bis zur letzten Minute zu fesseln und in den letzten Einstellungen sowohl Niki Lauda als auch James Hunt den verdienten Tribut zu zollen.

Fazit & Wertung:

Mit Rush inszeniert Ron Howard ein Charakterdrama erster Güte. Nicht nur dank eines herausragenden Daniel Brühl als Niki Lauda, sondern auch in der Kombination mit Chris Hemsworths Darstellung von James Hunt macht er die Anziehungskraft und Faszination des Formel-1-Rennsports so unmittelbar erfahrbar, dass selbst Nicht-Fans unweigerlich mitgerissen werden von der dramatischen und ergreifenden Geschichte, die besser und temporeicher kaum hätte inszeniert werden können.

9 von 10 riskanten Überholmanövern

Rush - Alles für den Sieg

  • Riskante Überholmanöver - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Mit Rush inszeniert Ron Howard ein Charakterdrama erster Güte. Nicht nur dank eines herausragenden Daniel Brühl als Niki Lauda, sondern auch in der Kombination mit Chris Hemsworths Darstellung von James Hunt macht er die Anziehungskraft und Faszination des Formel-1-Rennsports so unmittelbar erfahrbar, dass selbst Nicht-Fans unweigerlich mitgerissen werden von der dramatischen und ergreifenden Geschichte, die besser und temporeicher kaum hätte inszeniert werden können.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 8/10 Punkte
ERGOThek: 5/5 DeLoreans
Filmherum: 5/5 Punkte

Rush – Alles für den Sieg ist am 28.03.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Sabine K.

    Wir haben den Film am Wochenende auch gesehen. Mein Mann und ich, wir sind beide Formel Eins-Gucker, schon Ewigkeiten und die Geschichte rund um Nikki Lauda und James Hunt ist uns schon bekannt. Und so war es klar, dass der Film in unsere Sammlung Eingang findet. Ich gebe zu, ich habe mir nicht allzu viel versprochen außer halt guter, seichter Unterhalterhaltung…und dann…dann haben wir gelacht, mitgelitten, mitgezittert… und am Ende dann auch fast geweint… Doch, beide, sowohl Daniel Brühl als auch Chris Hemsworth haben mich überzeugt! Klasse Film!

    Liebe Grüße
    Bine

    • Das freut mich, dass es dir – gerade als eingefleischtem Formel Eins-Fan – genauso ging. Ich habe mir auch nicht allzu viel von dem Film versprochen, außer eben Unterhaltung, und war vermutlich ebenso überrascht (eher noch mehr) als du, als es mich plötzlich in den Sessel gepresst hat und ich – du beschreibst es ganz richtig – „gelacht, mitgelitten, mitgezittert“ habe.

      Liebe Grüße zurück
      Wulf

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