Review: Californication | Staffel 6 (Serie)

So, heute bin ich mal ein wenig früher dran und kredenze euch meine neueste Serien-Kritik zu vergleichsweise ungewohnter Stunde, denn heute habe ich sturmfrei und es gibt da noch einige Filme, die ihrer Sichtung harren. Außerdem will ich Da Vinci’s Demons weiterschauen und auch die zweite Staffel Shameless möchte ich irgendwann einmal – vielleicht ja heute – zu Ende schauen. Deshalb lasse ich euch auch jetzt mit meinem Artikel allein, bestell mir lecker Essen und wünsche euch einen guten Start ins Wochenende!

Californication
Staffel 6

Californication, USA 2007- , ca. 25 Min. je Folge

Californication | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Serienschöpfer:
Tom Kapinos
Showrunner:
Tom Kapinos

Main-Cast:
David Duchovny (Hank Moody)
Natascha McElhone (Karen)
Madeleine Martin (Becca Moody)
Evan Handler (Charlie Runkle)
Pamela Adlon (Marcy Runkle)
in weiteren Rollen:
Maggie Grace (Faith)
Stephen Tobolowsky (Stu Beggs)
Tim Minchin (Atticus Fetch)
Maggie Wheeler (Ophelia)
Patrick Fischler (Gabriel)
Jason Beghe (Richard Bates)

Genre:
Drama | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Die Überdosis hat Hank vergleichsweise gut überstanden, doch seine Ex Carrie, die ihm den Drogen-Cocktail verabreicht hat, ist in der Folge ins Koma gefallen. Gerade nach den Anschuldigungen von Carries Freundin plagen Hank Gewissensbisse und nach seiner Krankenhausentlassung frönt er mehr denn je dem Alkoholkonsum bis seine Freunde und Familie ihn schließlich drängen, eine Entzugsklinik zu besuchen. Dort lernt Hank Faith kennen, die ihm schon bald eröffnet, mit Rock-Musikern als deren Muse durch das Land zu touren. Nachdem er mit Faith eine Beerdigung besucht hat, ist es mit dem Entzug schon bald vorbei und während die beiden sich langsam näher kommen, arrangiert Charlie für Hank ein Treffen mit dem Rock-Star Atticus Fetch, der mit Hank gemeinsam eine epochale Rock-Oper kreieren will.

Szenenbild aus Californication | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Zunächst sträubt Hank sich zwar, willigt aber schließlich ein, während er immer intimere Bande zu Faith knüpft und beginnt, sie ebenfalls als Muse in Anspruch zu nehmen und seine geschriebenen Werke mit ihr zu diskutieren. Becca unterdessen beschließt, sich ebenfalls als Schriftstellerin versuchen zu wollen und liefert bald schon ihr erstes Werk bei Hank ab. Charlie unterdessen sieht sich durch eine unglückliche Verkettung von Missverständnissen gezwungen, sich als schwul auszugeben, um den Star Robbie Mac vertreten zu können. Verständlicherweise bringt ihn diese Farce bald in arge Bedrängnis, doch auch Hank hat seine liebe Mühe, steht eine Aussprache mit Karen schließlich noch immer aus.

Rezension:

Eine weitere Staffel Californication ist ins Land gezogen und ein weiteres Mal ist es an der Zeit, die Geschehnisse Revue passieren zu lassen. Vieles bleibt gewohnt, so dass es auch in dieser Staffel einen Star gibt, der Hanks Dienste in Anspruch nehmen will und wieder einmal führt das zu zahlreichen Problemen und Verwicklungen. So weit so gut, denn haben andere Serien ihren Case-of-the-Week, so hat diese Serie eben ihren Star-of-the-Season und war es im vergangenen Jahr ein Rapper, der ein Drehbuch geschrieben haben wollte, ist es dieses Jahr eben ein Rocker, der eine Rock-Oper geschrieben haben möchte. Dieser herrlich durchgeknallte, aber leider auch sehr stereotyp und klischeebehaftet dargestellte Rock-Star namens Atticus wird verkörpert von einem glänzend aufgelegten Tim Minchin, der hier nun also die in seinen Auftritten als Komiker bereits thematisierten gescheiterten Ambitionen als Rock-Star endlich einmal ausleben darf und dabei von euphorisch bis depressiv in nur einer einzigen Folge die gesamte Bandbreite eines typischen Vollblutmusikers zum Besten geben darf.

Szenenbild aus Californication | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Minchin ist dabei aber keineswegs Hauptattraktion der Staffel, denn dieser Part bleibt freilich der bereits aus diversen Filmen bekannten Maggie Grace (Taken/Taken 2, Lockout) vorbehalten, die mit ihrer Rolle als Faith die seit Kate Hudson in Almost Famous sympathischste und charismatischste Musiker-Muse geben darf und dabei erfreulicherweise vom Typ her eine gewisse Ähnlichkeit mit Natascha McElhone als Karen aufweist, so dass durchaus verständlich ist, warum Hank sich recht bald in die junge und extrovertierte Frau verguckt, die ihn noch dazu nicht einmal für seinen Lebensstil verurteilt. So eine Person hat er auch bitter nötig, denn nach der Tablettenüberdosis in der vergangenen Staffel sind selbst seine engsten Freunde soweit, ihn in den Entzug schicken zu wollen, um ihren funktionierenden Alkoholiker zurückzubekommen. Das ist natürlich auch nicht jedermanns Humor und eigentlich recht harter Tobak, macht aber in der Welt von Californication, die nicht zum ersten Mal wie ein gewollt überhöhtes Zerrbild des echten Kalifornien wirkt, durchaus Sinn, aber es bliebe durchaus nachvollziehbar, wenn man sich an Aussagen wie diesen stoßen möge.

Allerdings war Showtimes Californication auch seit jeher eine schwarzhumorige Dramedy und da verzeiht man schließlich so einiges, denn auch wenn die Serie neben ihrem überaus düsteren, meist unter die Gürtellinie zielenden Humor auch über dramatisches Potential verfügt, beschränkt sich die Ausarbeitung dieses Potentials meist nur auf Hanks unstete Beziehung zu Karen und so macht auch die sechste Staffel in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Das hat zwar zur Folge, dass mancher Nebenplot nur allzu sehr an den Haaren herbeigezogen wirkt und selbst eine Entführung ihr dramatisches Moment verliert, um für einen schnöden Lacher geopfert zu werden, ebenso wie auch die Figuren tatsächlich – auch wenn man es kaum glauben mag – noch abgedrehter werden. Da wirkt selbst Marilyn Manson in seinem Gastauftritt als er selbst noch überraschend brav und das soll schon einiges heißen! Dafür gibt sich erneut Rob Lowe für einen der witzigsten Gastauftritte der Staffel her und verkörpert erneut Eddie Nero, der eine Art Cat Steven’sche Katharsis hinter sich hat.

Szenenbild aus Californication | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Es wird also verrückt in der sechsten Staffel Californication, aber erneut gelingt es den Autoren, nicht nur einige rührende Szenen zwischen Karen und Hank in die Handlung zu betten, sondern auch Becca wieder ein wenig mehr zu integrieren und auch ihr die dringend benötigten Szenen auf den Leib zu schreiben, auch wenn von ihren anfänglichen musikalischen Ambitionen nun wirklich und schlussendlich nichts mehr übrig geblieben zu sein scheint und sie nun auf den Pfaden ihres Vaters wandeln möchte; ein Wankelmut allerdings auch, der trefflich zu einer Pubertierenden passt, wobei sie natürlich immer noch das bei weitem weiseste Mitglied der Familie Moody darstellt. Einzig Evan Handler als Charlie Runkle wird in dieser Staffel in manchen Folgen leider nur allzu stiefmütterlich behandelt und versteift sich in der zweiten Hälfte ganz darauf, Marcy zurückzugewinnen, die ebenfalls nicht allzu viel in Interaktion mit den anderen Hauptakteuren treten darf. Diese Abkehr bewirkt aber auch, dass Hank und speziell Faith ohne schlechtes Gewissen im Zentrum der Handlung stehen können und was bleibt ist eine Staffel, die mich erneut rundherum zu unterhalten wusste, mit tollen Darstellern und Figuren aufwartet, herrlich haarsträubende Geschichten erzählt und dabei gerade selten genug über das Ziel hinausgeschossen ist, dass ich es ihr noch spielend verzeihen kann. Für die finale siebte Staffel darf dann aber bitte gerne einen halben Gang zurückgeschraubt werden.

Fazit & Wertung:

Ganz ohne Anlaufschwierigkeiten ist es Californication, diesem Serien-Bastard aus Lyrik und Exzess – und das ist wahnsinnig liebevoll gemeint! – sofort gelungen, mich wieder in seinen Bann zu ziehen und mich durch eine zuweilen tragische, vor allem aber oftmals brüllend komische, versaute Staffel zu hetzen, die mir einmal mehr ausnehmend gut gefallen hat!

8,5 von 10 exzentrischen Rockstar-Attitüden

Californication | Staffel 6

  • Exzentrische Rockstar-Attitüden - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Ganz ohne Anlaufschwierigkeiten ist es Californication, diesem Serien-Bastard aus Lyrik und Exzess – und das ist wahnsinnig liebevoll gemeint! – sofort gelungen, mich wieder in seinen Bann zu ziehen und mich durch eine zuweilen tragische, vor allem aber oftmals brüllend komische, versaute Staffel zu hetzen, die mir einmal mehr ausnehmend gut gefallen hat!

8.5/10
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Sende

Episodenübersicht: Staffel 6

01. Das Leben danach (8,5/10)
02. Gruppentherapie (8/10)
03. Tote Rockstars (9/10)
04. Ménage-à-trois (8,5/10)
05. Koks und Gitarren (8,5/10)
06. Im Angesicht des Todes (8/10)
07. Mein Abend mit Marilyn (8/10)
08. Schonungslose Wahrheit (9/10)
09. Rachesex (9/10)
10. Glaubenskrise (8/10)
11. Auf zu neuen Ufern (9/10)
12. Ein märchenhaftes Ende? (9/10)

 
 
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Californication | Staffel 6 ist am 08.05.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Paramount Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:



Blu-ray:



  • Mit der „Almost Famous“-Referenz hast du mich nun natürlich am Wickel. Eigentlich reizt mich die Serie nicht mehr so, aber nun? Werde ich irgendwann wohl doch reinschauen…

    • Höhö, habe ich das nicht geschickt gemacht!? An der Referenz bist du auch nicht ganz unschuldig mit deinem Artikel, auch wenn sich mir der Vergleich beim Schauen tatsächlich aufgedrängt hat. Es gibt ja viele, die die Staffel doch sehr schwach fanden und ich wundere mich doch sehr, dass ich das so anders wahrgenommen habe, weil ich einerseits eben die Figur der Faith toll fand, aber auch, dass wieder das Thema Schriftstellerei wieder deutlich mehr in den Vordergrund rückt.

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