Review: Homefront (Film)

So, nachdem der geschätzte Kollege Dominik von Filmherum ja schon gespannt ist auf meine – seiner nicht ganz unähnlichen – Meinung zu diesem Film und wo besagter Film schließlich exakt ab morgen auch käuflich zu erwerben ist, kommt hier nun also meine Kritik zu Homefront, bevor es morgen noch einen Tag Arbeit zu überstehen gilt. Schönen Abend euch allen und viel Spaß bei der Lektüre!

Homefront

Homefront, USA 2013, 100 Min.

Homefront | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Gary Fleder
Autoren:
Sylvester Stallone (Drehbuch)
Chuck Logan (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Jason Statham (Phil Broker)
James Franco (Morgan ‘Gator’ Bodine)
Winona Ryder (Sheryl Marie Mott)
Kate Bosworth (Cassie Bodine Klum)
in weiteren Rollen:
Rachelle Lefevre (Susan Hetch)
Frank Grillo (Cyrus Hanks)
Clancy Brown (Sheriff Keith Rodrigue)
Izabela Vidovic (Maddy Broker)

Genre:
Action | Krimi | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Homefront | © Universum Film
© Universum Film

Zwei Jahre nach einem Undercover-Einsatz, bei dem der DEA-Agent Phil Broker den Drogenboss Danny T hat dingfest machen können, wobei dessen Sohn im Kugelhagel starb, zieht sich der Witwer und Vater einer Tochter aus dem aktiven Dienst zurück und zieht gemeinsam mit Tochter Maddy aufs Land, ganz so, wie seine verstorbene Frau es sich für die beiden gewünscht hätte. Dann allerdings gerät Maddy in der Schule mit einem Mitschüler aneinander und setzt eine unglaubliche Kettenreaktion in Gang, denn die Mutter des von ihr verdroschenen Jungen ist zufälligerweise die Schwester des aufstrebenden Methkoches Gator, den sie um Hilfe bittet, es dem Vater – der ihren Mann in aller Öffentlichkeit gedemütigt hat – und dessen Tochter heimzuzahlen.

Gator lässt sich widerstrebend darauf ein, gilt es schließlich, die Familienehre zu verteidigen, doch während er den Brokers in deren Abwesenheit einen Besuch abstattet, entdeckt er, dass es sich bei dem unscheinbar wirkenden Phil um einen Ex-DEA-Agenten handelt, sozusagen den natürlichen Feind eines ambitionierten Dealers und zieht fast ebenso schnell die Verbindung zu dem Tod des Sohnes von Danny T. Gemeinsam mit seiner alten Freundin Sheryl Marie Mott beschließt er, Danny T’s Gang zu kontaktieren und ihnen im Austausch für ihre Hilfe den Aufenthaltsort von Broker zu verraten. Dabei ahnt selbst der abgebrühte Gangster nicht, wie die Sache noch aus dem Ruder laufen wird.

Rezension:

Die Prämisse von Homefront ist so einfach wie fragwürdig und man muss schon mehr als nur ein Auge zudrücken, um die reaktionäre Selbstjustiz, die nicht nur unser Hauptprotagonist propagiert, sondern in deren Geist auch seine gerade mal neunjährige Tochter erzogen worden, hinnehmen zu können, doch entspricht dies auch dem Anspruch des Action-Kinos vergangener Tage, an das der Film ja offensichtlich eine Hommage sein soll, wie Drehbuchautor Sylvester Stallone nicht müde wird zu betonen. Hört man dessen Namen erwartet man natürlich ein Brett von Film und bekommt in dieser Beziehung auch durchaus einiges geboten, wobei es fast verwundert, wie viel Zeit er sich für die Exposition seiner Figuren und die Etablierung des Settings nimmt. Nach nicht einmal acht Minuten Intro, die wie eine verkappte Folge Sons of Anarchy wirken und Statham als langhaarigen Undercover-Ermittler Broker einführen, lernen wir – zwei Jahre später – dessen nicht minder schlagkräftige Tochter kennen, deren Auseinandersetzung mit einem Mitschüler auch prompt den Anstoß für die weitere Handlung liefert.

Szenenbild aus Homefront | © Universum Film
© Universum Film

Hier überrascht auch prompt Kate Boswoth als abgemagerte und hysterische White-Trash-Schlampe, der die später in Erscheinung tretende Winona Ryder übrigens in nichts nachsteht und zuletzt lernen wir dann James Franco als eloquenten wie konsequenten Drogendealer Gator kennen. Fun-Fact an dieser Stelle für Bevorzuger der Synchronfassung: Franco bekommt dieselbe Stimme wie Jesse Pinkman (Breaking Bad) spendiert; Assoziationen sind sofort geweckt. Nun kann die Geschichte an Fahrt aufnehmen und spitzt sich erwartungsgemäß immer weiter zu, auch wenn Stallone hier natürlich Zufälle über Zufälle bemühen muss, um das dadurch arg konstruiert wirkende Vehikel von Film voranzubringen, so dass Homefront auch wahrlich nicht mit Überraschungsmomenten gesegnet ist.

So wenig aber die Geschichte zu punkten versteht, so großartig ist immerhin die Besetzung geraten: Jason Statham einmal mehr in seiner Paraderolle als stoischer und kampferprobter Recke überrascht dabei noch am wenigsten, liefert aber gewohnt gute Leistungen ab, während speziell Izabela Vidovic als dessen Tochter positiv überrascht. Franco wiederum darf zwar lediglich eine Variation seines Alien aus Spring Breakers zum Besten geben, glänzt in seiner Rolle aber ebenso, wenn er sich alsbald auch als gar nicht mal so taffer Oberbösewicht entpuppt, der auch im vorgelagerten Finale des Films kaum eine Rolle spielt, bevor er zum Ende hin durchaus noch einmal auftrumpfen darf. Bis es allerdings so weit ist, nimmt sich der Film unerwartet viel Zeit und gut die Hälfte der Laufzeit ist bereits verstrichen, bevor es einmal wirklich ans Eingemachte geht.

Szenenbild aus Homefront | © Universum Film
© Universum Film

Leider verliert sich Stallone in der zweiten Hälfte schnell zu sehr in den zugegebenermaßen toll choreografierten Actionszenen und opfert dann die vormals so ausführliche Exposition der Figuren dem Effektgewitter, so dass beispielsweise die vermisste Hauskatze noch von Broker gerettet werden darf, die Tochter, vorher am Boden zerstört ob des Verschwindens, sie allerdings nicht mehr zu Gesicht bekommt. Auch das Schicksal verletzter Protagonisten bleibt am Ende offen und es ist bezeichnend, dass Stallone den Film mit einer hohlen Macho-Pose enden lässt, statt den Gedanken des alleinerziehenden Vaters noch mal aufzugreifen, zumal die arg beschaulichen Familien-Idyll-Szenen im ersten Teil noch extra durch den Weichspüler gejagt wurden, um noch heimeliger und verträumter zu wirken. Überhaupt spielt der Film gerne mit Farben und Einstellungen, setzt Blaufilter ein und kündigt mit schnellen Zwischenschnitten zum Ende einer Szene bereits die nächsten Einstellungen an, gibt sich also im Grunde betont modern, während der Film selbst eben mit seiner ganzen Redneck-Thematik und den stereotypen Figuren wie dem letzten Jahrhundert entlaufen wirkt. Eine ungewöhnliche wie eigenwillige Mischung, die Homefront zu einem dieser Filme macht, den man gesehen haben kann, aber eben nicht muss.

Fazit & Wertung:

Stallones Homefront ist ein in dem Punkt ungewöhnlicher Actioner, dass er sich wahnsinnig viel Zeit nimmt, Figuren und Setting zu etablieren, doch während er dadurch trotz mangelndem Innovationswillen Sympathiepunkte sammelt, verschenkt er diese gegen Ende mit abnehmender Kohärenz und einem logikbefreiten Spektakel, das alles Vorangegangene mit Lust unterminiert und zwar die Freunde brachialer Action befriedigen dürfte, den Film in seiner Gänze aber tatsächlich abwertet. Am Ende kaum mehr als ungewöhnliche Durchschnittskost, die hauptsächlich von den durchweg überzeugenden Darstellern getragen wird.

6,5 von 10 eskalierenden Auseinandersetzungen

Homefront

  • Eskalierende Auseinandersetzungen - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Stallones Homefront ist ein in dem Punkt ungewöhnlicher Actioner, dass er sich wahnsinnig viel Zeit nimmt, Figuren und Setting zu etablieren, doch während er dadurch trotz mangelndem Innovationswillen Sympathiepunkte sammelt, verschenkt er diese gegen Ende mit abnehmender Kohärenz und einem logikbefreiten Spektakel, das alles Vorangegangene mit Lust unterminiert und zwar die Freunde brachialer Action befriedigen dürfte, den Film in seiner Gänze aber tatsächlich abwertet. Am Ende kaum mehr als ungewöhnliche Durchschnittskost, die hauptsächlich von den durchweg überzeugenden Darstellern getragen wird.

6.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 6/10 Punkte
Filmherum: 3,5/5 Punkte

Homefront erscheint am 20.06.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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Kommentare (2)

  1. Dominik Höcht 21. Juni 2014

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