Review: Megapolis | Thomas Elbel (Buch)

Herrje, schon ist plötzlich wieder Sonntagabend und ich frage mich, wo die Zeit, vor allem aber das Wochenende geblieben ist. Immerhin habe ich mich dann jetzt mal vor den Laptop bequemt, um meine neueste Buch-Kritik rauszuhauen, die ich dem Thomas auch schon viel zu lange schuldig bin.

Megapolis

Megapolis, DE 2013, 476 Seiten

Megapolis von Thomas Elbel | © Thomas Elbel
© Thomas Elbel

Autor:
Thomas Elbel

Verlag (D):
Thomas Elbel
ISBN:
978-3-000-43842-4

Genre:
Science-Fiction | Endzeit | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

»An dem mangelhaften Grad ihrer Ausreifung sind sie leicht zu erkennen. Kinder derselben Erzeuger, oder Geschwister, wie die Menschen sie nennen, pflegen untereinander ein besonderes emotionales Näheverhältnis. Insofern bedeuten unsere Ermittlungsergebnisse einen großen Fortschritt in den Bemühungen um Tessas Verhaftung und die Zerschlagung des menschlichen Terrorismus.«

Ein nuklearer Holocaust hat einen Großteil des Lebens auf der Erde ausgelöscht, doch die Menschheit ist längst dabei, sich auf ihren Exodus vorzubereiten und hat zu diesem Zweck damit begonnen, den Mars zu terraformen und zu bebauen. Hierzu haben sie gezüchtete Menschen, Klone, ins All entsandt, um dort die Vorkehrungen treffen zu lassen, doch bevor die Erdbevölkerung evakuiert werden kann, richten sich die Novaten, wie die neuen Menschen sich nennen, entgegen aller Asimov’schen Gesetze unter der Führung von Starbuck gegen ihre Schöpfer und vereinnahmen dia Megapolis auf dem Mars, während die letzten überlebenden Menschen gezwungen sind, in den Untergrund zu gehen.

Seth ist einer dieser Novaten und Mitglied der Jäger, denen es obliegt, den menschlichen Untergrund zu eliminieren, doch nach einem Anschlag auf eines der Ratsmitglieder, zu denen auch Starbuck gehört, meint einer der flüchtenden Menschen in Seth einen Mann namens Finn zu erkennen. Als die Anführerin der menschlichen Terroristen, Tessa, davon erfährt, sucht sie Seth auf, um der Sache nachzugehen, handelt es sich schließlich bei dessen Ebenbild Finn um ihren Ehemann, der noch dazu in direktem Kontakt mit Jack Lansing, dem Schöpfer der Novaten stand, von dem man behauptet, er verstecke sich noch immer in den weiten Wüsten der kargen Marsoberfläche. Als Seth sich unter Drogeneinfluss an sein früheres Leben auf der Erde zu erinnern beginnt, muss er sich fragen, ob nicht sein gesamtes Leben auf einer Lüge fußt.

Rezension:

Mit Megapolis hat Autor Thomas Elbel nun also seinen bereits dritten Roman veröffentlicht, diesmal allerdings im Eigenverlag, da Piper wohl nicht so recht glücklich war mit der Ausrichtung des Romans, die zu wenig Science-Fiction für die Sparteneinordnung und zu viel Science-Fiction für das reguläre Verlagsprogramm beinhaltet. Zudem handelt es sich bei dem Roman um den Erstling, der seinerzeit den Anstoß gab, dass Asylon überhaupt entstanden ist oder entstehen konnte. Nachdem ich das Buch nun also auch kenne und somit einen guten Überblick über das Gesamtwerk Herrn Elbels besitze, kann ich zumindest attestieren, dass der Verlag nicht gut daran getan hat, sich dieses Werk entgehen zu lassen, da es sich doch vortrefflich in das Sujet gefügt hätte und nicht merklich Science-Fiction-lastiger wirkt als eben Asylon oder Elysion. Das zu beurteilen soll ja allerdings gar nicht Aufgabe meiner Rezension sein und sollte lediglich helfen, den Roman besser verorten zu können.

Es stimmte: Der Vorwand für die unübliche Anwesenheit von Jägern auf der Ehrentribüne im Altarraum war Seths einhundertste Tötung. Eine Propagandalüge, so wie seine gesamte öffentliche Vita. Aber heute Abend sollte sie ihm erlauben, in der Nähe der Räte zu sein, ohne bei den Terroristen, die die Veranstaltung möglicherweise bereits unterwandert hatten, Verdacht zu erregen.

Zum eigentlichen Buch: Man merkt deutlich – und Herr Elbel merkt es in seinem äußerst lesenswerten Nachwort an -, dass Megapolis in der Tradition von Philip K. Dick und dessen berühmter Kurzgeschichte Träumen Androiden von elektrischen Schafen? steht, die bekanntermaßen die Vorlage zu Blade Runner geliefert hat. Hier allerdings wird der Gedanke dahingehend umgekrempelt, dass sich die künstlich geschaffenen Menschen über ihre Herren erhoben und den Mars in Besitz genommen haben. In dem Zusammenhang war es wirklich großartig, die ersten Seiten zu lesen und alsbald auf die Formulierung Menschliche Terroristen zu stoßen, während noch gar nicht dezidiert klargestellt worden ist, dass es sich bei den bisher in Erscheinung getretenen Protagonisten eben gar nicht um Menschen, sondern um so genannte Novaten handelt.

Überhaupt punktet Megapolis mit einem Gros an interessanten Einfällen und wartet mit mehr als nur einigen wenigen Story-Twists auf, die auch darüber hinwegtrösten, dass speziell in der zweiten Hälfte die Action zuweilen Überhand zu nehmen droht und gerade die mit viel Akribie skizzierte und detailliert beschriebene, namensgebende Megapolis auf dem Mars etwas in den Hintergrund rückt. Natürlich setzt die Geschichte auch ein gesundes Maß suspension of disbelief voraus, wie man so schön sagt, denn das simple Blaualgen imstande sind, den Mars quasi zu terraformen und bewohnbar zu machen ist natürlich grenzwertig haarsträubend, doch bin ich auch niemand, der sich an solchen Kleinigkeiten stört, denn die Welt, die Thomas Elbel erschafft, erscheint in sich doch durchaus konsistent und erwähne es nur der Vollständigkeit halber, da manch einer sich von den doch recht oberflächlichen Erklärungen gestört fühlen könnte, wenngleich sie wie gesagt für die Geschichte als solches nicht vonnöten sind und mehr der Atmosphäre dienlich sein sollen.

»Sollte ein Schöpfer unter seinen Geschöpfen wandeln?«
Der Mann wand sich hilflos in seinen Schlingen. Einige der Gefangenen verrenkten die Hälse, um zu sehen, was hinter ihnen vor sich ging. Manche hatten die Augen geschlossen, andere starrten in die Weiten des Deckengewölbes, als hätten sie von dort Rettung zu erwarten. Starbuck setzte die Klinge an. Das Büßergewand beulte sich unter ihrer Spitze ein und warf Falten. Das Getuschel in der Kirche erstarb.
»Ich denke, nein«, flüsterte Starbuck. »Ich denke, er sollte zurückkehren, zurück auf seinen Thron im Himmel. Ich würde es wollen, wenn ich du wäre.«

Diese wiederum kommt gewohnt temporeich daher und wartet mit einer Vielzahl unterschiedlicher Figuren auf, die nach und nach in Erscheinung treten, so dass man eigentlich kaum den Überblick zu verlieren droht. Und wenn auch nicht jede dieser Figuren über stereotype Charakteristika hinauskommt, nicht jede Idee neu und originär, nicht jede Überraschung wirklich überraschend ist, hat mich Megapolis in seiner Gesamtheit doch durchaus zu faszinieren gewusst, da Elbel es auch bereits bei seinem Erstling verstanden hat, mitreißende Welten zu entwerfen und spannende Geschichten zu erzählen. Nichtsdestotrotz merkt man im direkten Vergleich mit den zuvor erschienenen Nachfolgern schon, dass er mittlerweile deutlich mehr Expertise im Schreiben besitzt. Einzig der Clou, sich bei seinen Geschichten stets ein Hintertürchen für eine mögliche Fortsetzung offenzuhalten, findet sich auch hier bereits und man darf gespannt sein, ob er sich jemals einer seiner bisher ersonnenen Welten erneut widmen wird, denn das Potential für weitere Geschichten steckt in jedem seiner dystopischen Weltenentwürfe.

Fazit & Wertung:

Nachdem sein Erstlingsroman Megapolis in der Schublade langsam zu verstauben drohte, hat Thomas Elbel sich ein Herz gefasst, seine erste Dystopie im Eigenverlag nachzureichen und tritt den Beweis an, dass nicht alles, was die etablierten Verlage nicht zu vertreiben bereit sind, von minderer Qualität wäre. Sein Debüt, das nunmehr als dritter Roman aus seiner Feder erscheint, strotzt vor innovativen Ideen und überraschenden Wenden, besitzt eine Menge Verve und Drive und peitscht bis zur letzten Seite durch die abwechslungsreiche Geschichte. Wenn auch noch nicht ganz so ausgefeilt wie seine späteren Romane, ist das Buch doch nicht nur für Fans seiner Geschichten einen Blick wert, so man denn bereit ist, das zugrundeliegende Konzept der Marsbesiedlung nicht auf die Goldwaage zu legen.

8 von 10 den Menschen abtrünnig gewordenen Novaten

Megapolis

  • Den Menschen abtrünnig gewordene Novaten - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Nachdem sein Erstlingsroman Megapolis in der Schublade langsam zu verstauben drohte, hat Thomas Elbel sich ein Herz gefasst, seine erste Dystopie im Eigenverlag nachzureichen und tritt den Beweis an, dass nicht alles, was die etablierten Verlage nicht zu vertreiben bereit sind, von minderer Qualität wäre. Sein Debüt, das nunmehr als dritter Roman aus seiner Feder erscheint, strotzt vor innovativen Ideen und überraschenden Wenden, besitzt eine Menge Verve und Drive und peitscht bis zur letzten Seite durch die abwechslungsreiche Geschichte. Wenn auch noch nicht ganz so ausgefeilt wie seine späteren Romane, ist das Buch doch nicht nur für Fans seiner Geschichten einen Blick wert, so man denn bereit ist, das zugrundeliegende Konzept der Marsbesiedlung nicht auf die Goldwaage zu legen.

8.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf dessen Homepage Thomas Elbel.

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Megapolis ist am 04.11.13 als Taschenbuch im Selbstverlag von Thomas Elbel erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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