Review: Dallas Buyers Club (Film)

Bei strahlendstem Sonnenschein und mitten während eines wunderbar erholsamen Wochenendes melde ich mich unverhofft, um euch von einem Film zu berichten, den ich mir jüngst habe ansehen dürfen und der mir doch erwartungsgemäß gut gefallen hat, wenn ich auch leider über einige Schwächen nicht habe hinwegsehen können. Trotzdem ist er nur zu empfehlen, ebenso wie selbstverständlich die Lektüre meiner Kritik, wie ich ganz unvoreingenommen konstatieren muss.

Dallas Buyers Club

Dallas Buyers Club, USA 2013, 117 Min.

Dallas Buyers Club | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Jean-Marc Vallée
Autoren:
Craig Borten
Melisa Wallack

Main-Cast:
Matthew McConaughey (Ron Woodroof)
Jennifer Garner (Eve)
Jared Leto (Rayon)
in weiteren Rollen:
Steve Zahn (Tucker)
Denis O’Hare (Dr. Sevard)
Michael O’Neill (Richard Barkley)
Dallas Roberts (David Wayne)
Griffin Dunne (Dr. Vass)
Kevin Rankin (T.J.)

Genre:
Biografie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Dallas Buyers Club | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Dallas, 1985: Nach einem Arbeitsunfall erfährt der Elektriker Ron Woodroof im Krankenhaus, dass er mit HIV infiziert sei und nach Schätzung des behandelnden Arztes Dr. Sevard noch 30 Tage zu leben hat. Der Draufgänger und Lebemann Ron, der seine Zeit am liebsten mit Rodeo, unverbindlichem Sex und Saufgelagen verbringt, glaubt sich im falschen Film, ist schließlich der Meinung, nur Schwule würden an HIV erkranken. Ähnlich engstirnig sind natürlich auch die Freunde des homophoben Rednecks und wollen mit ihrem alten Saufkumpan nichts mehr zu tun haben. Doch Ron gibt nicht auf und beschafft sich auf illegalem Wege das noch in der Testphase befindliche Medikament AZT, doch in der Folge geht es ihm noch schlechter und nachdem sein Lieferant ihn nicht weiter beliefern kann, begibt er sich auf der Suche nach einem alternativen Mittel bis nach Mexiko und lernt dort den zwangsemigrierten Dr. Vass kennen, der ihn mit alternativen Medikamenten versorgt und ihm auch die Gefahren von AZT bewusst macht.

Woodroof wittert das große Geld mit dem Vertrieb der alternativen Medikamente, doch da diese in den USA nicht zugelassen und der Verkauf strafbar ist, eröffnet er gemeinsam mit der Transfrau Rayon, die er bereits zuvor kennengelernt hatte und von der er sich neue Kontakte in der Schwulenszene erhofft, den Dallas Buyers Club, einen Club, der – für 400 Dollar je Monat – seine Mitglieder mit Medikamenten versorgt, da die unentgeltliche Abgabe der Mittel gemäß den Bestimmungen der US-Kontrollbehörde nicht unter Strafe steht. Nichtsdestotrotz ist ihnen der Quertreiber mit seinem halblegalen Club natürlich ein Dorn im Auge und sie setzen alles daran, seine Geschäfte auszuhebeln, während Woodroof weiterhin ums Überleben kämpft und die Ärztin Dr. Eve Saks von seiner Sicht der Dinge zu überzeugen versucht.

Rezension:

Die besten Geschichten schreibt das Leben sagt man und sieht sich im Falle von Dallas Buyers Club wieder darin bestätigt, denn die Geschichte des 1992 an AIDS verstorbenen Ron Woodroof, dem seine Ärzte so ziemlich sieben Jahre weniger eingeräumt haben – exakt dreißig Tage nämlich – und der sich nicht nur gegen die Pharmaindustrie und allgemein das amerikanische Gesundheitssystem auflehnt, sondern auch noch im Laufe der Jahre eine spürbare Entwicklung vom homophoben Redneck zu einem durchaus im Rahmen seiner Möglichkeiten aufgeklärten und toleranten Individuum zu reifen hat sicherlich Oscar-Potential und das werden auch die Autoren Craig Borten und Melisa Wallack erkannt haben. Schade in dem Zusammenhang, dass die Geschichte wohl mal wieder in Hollywood-Manier arg frei interpretiert und erzählt worden ist, was schon damit beginnt, dass Woodroof keineswegs homophob gewesen sei, sondern gar bisexuell und damit sicherlich weit entfernt von seinem filmischen Alter Ego, wenngleich ich nicht absprechen möchte, dass dessen Verkörperung für Matthew McConaughey die bis dato womöglich eindringlichste und forderndste Rolle gewesen sein mag.

Szenenbild aus Dallas Buyers Club | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Ein Film wie Dallas Buyers Club steht und fällt zweifelsohne mit seinen Darstellern und deren Leistungen und die sind im Falle von Matthew McConaughey und Jared Leto zweifelsohne grandios zu nennen und hat ihnen verdientermaßen jeweils Oscar und Golden Globe eingebracht, wobei ich mich dabei ganz bewusst nicht explizit auf derer beider gravierende Gewichtsabnahme von über 20 kg beziehe (die mich speziell im Falle McConaugheys zu Beginn des Films doch frappierend an Christian Bale in The Machinist hat denken lassen), die zwar eine nette Dreingabe, aber nicht ausschlaggebend für das intensive, den Mann hinter der Rolle völlig vergessen lassende Spiel waren. Jennifer Garner wirkt in diesem Kontext natürlich vergleichsweise blass und hätte spielend ausgetauscht werden können, aber irgendwer musste ja schließlich die Rolle der humanistischen Ärztin übernehmen, die aufgrund von Woodroofs Äußerungen hinter die Fassade des korrumpierten Gesundheitssystems zu blicken beginnt und damit wirkt wie am Reißbrett entworfen.

Angenehm auch bei derart intensivem Schauspiel ist die pathos- und klischeebefreite Annäherungsweise an das Thema seitens Regisseur Jean-Marc Vallée, denn das hätte der Geschichte nicht gut zu Gesicht gestanden und einige intensive, weil menschlich und nicht aufgesetzt wirkende Momente von Vornherein zerstört. So bemüht sich McConaughey eben gar nicht erst, seinen Ron sympathisch wirken zu lassen und ermöglicht dadurch eine viel akutere Empathie für die Figur, eben weil sie ob ihrer Fehler so menschlich wirkt, ungeachtet der Tatsache, dass sie eben nicht so recht dem realen Vorbild zu entsprechen scheint. Aber natürlich ist gerade die ungleiche und sich nur langsam entspinnende Freundschaft zwischen dem Macho-Texaner Ron und der Transsexuellen Rayon einer der Plotaufhänger und durfte wohl deshalb nicht fehlen. Lässt man dies unberücksichtigt, versprüht Dallas Buyers Club aber einen angenehmen Hauch von Authentizität und setzt nicht nur die Achtziger an sich, sondern auch das Milieu Ron Woodroofs stimmungsvoll in Szene, wobei auch die Texteinblendungen der seit Diagnose verstrichenen Tage helfen, dem Handlungsablauf zu folgen.

Szenenbild aus Dallas Buyers Club | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Leider verzettelt sich Vallée aber irgendwann in seinem eigenen Konzept und so wirkt die Handlung mit fortlaufender Spieldauer immer zerfahrener und faseriger, ergeht sich in impressionistischen, kurz gehaltenen Momentaufnahmen, blendet plötzlich ein Datum ein, das man aufgrund der zuvor gewählten tageweisen Zählung nicht so recht in den Kontext zu setzen weiß, springt dann sechs Monate in die Zukunft – statt auf die Tage zu verweisen und findet erst in der finalen Einstellung zu dem eingangs gewählten Schema zurück. Das wäre noch nicht einmal so dramatisch, wenn sich Woodroofs Gesundheitszustand nicht ebenso oft ändern wurde, wie die Handlung durch die Zeit springt und es mutet allenthalben befremdlich an, wie sich sein Erscheinungsbild und seine allgemeine Konstitution sprungartig zu wandeln scheinen, was in Anbetracht der gerade einmal 25 Tage Drehzeit dann aber für sich genommen auch schon wieder beachtlich ist. Am Ende bleibt die Feststellung, dass Dallas Buyers Club neben dem Umstand, dem Thema HIV und AIDS kaum neue Facetten abzuringen imstande zu sein, durch diese zerfahrene Inszenierung Möglichkeiten verschenkt, die ihn zu einem in allen Belangen herausragenden Film hätten machen können, denn so bleibt der schale Beigeschmack, Vallée hätte nicht recht gewusst, ob er nun die Katharsis eines Rednecks, eine Milieu-Studie, ein Charakter-Drama, eine David-gegen-Goliath-Story oder eine Gesellschaftskritik inszenieren soll und sich aus diesem Grunde entschieden hätte, einfach alles in einen Film zu packen. Ein unbestreitbar lohnenswerter Film bleibt es trotzdem, doch in punkto Inszenierung wäre da noch deutlich mehr drin gewesen, zumal manche Themen eben doch nur angeschnitten werden und im Laufe der Zeit zu einer Randnotiz zu verkommen scheinen.

Fazit & Wertung:

Mit Dallas Buyers Club ist weniger dem Regisseur Jean-Marc Vallée als den beiden Darstellern Matthew McConaughey und Jared Leto der große Wurf gelungen, denn mit der intensiven Performance und dem eindringlichen Spiel gelingt es den beiden gar über weite Strecken, von den unbestreitbar vorhandenen Schwächen im Drehbuch abzulenken und einen durch und durch berührenden, angenehm unsentimental und unaufgeregt erzählten Film zu schultern, der ohne ihrer beider Mitwirken vermutlich nur halb so gut geworden wäre.

8 von 10 Vitaminpräparaten

Dallas Buyers Club

  • Vitaminpräparate - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit Dallas Buyers Club ist weniger dem Regisseur Jean-Marc Vallée als den beiden Darstellern Matthew McConaughey und Jared Leto der große Wurf gelungen, denn mit der intensiven Performance und dem eindringlichen Spiel gelingt es den beiden gar über weite Strecken, von den unbestreitbar vorhandenen Schwächen im Drehbuch abzulenken und einen durch und durch berührenden, angenehm unsentimental und unaufgeregt erzählten Film zu schultern, der ohne ihrer beider Mitwirken vermutlich nur halb so gut geworden wäre.

8.0/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 7/10 Punkte
Filmherum: 4,5/5 Punkte

Dallas Buyers Club ist am 22.07.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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  • Stepnwolf

    Matthew McConaughey hat sich mittlerweile zu einem ernst zu nehmenden Schauspieler entwickelt. Seine letzten Rollen waren durchweg gelungen (inklusive der Serie „True Detectives“). Bin gespannt, ob er das Niveau bei „Interstellar“, einem der meist erwarteten Filme in diesem Jahr (zumindest für mich), halten kann.

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