Review: Das Spiel der Götter 4: Die eisige Zeit | Steven Erikson (Buch)

Und wieder einmal ist Sonntag und wieder einmal gilt es, die Bücher-Sparte zu berücksichtigen und weil mich Eriksons Fantasy-Reihe ähnlich gut in ihren Bann zu schlagen wusste wie der werte Herr Martin, kommt hier nun heute auch schon die Rezension zu:

Das Spiel der Götter 4
Die eisige Zeit

Memories of Ice. A Tale of the Malazan Book of the Fallen 3, Part 1, USA 2001, 640 Seiten

Das Spiel der Götter 4: Die eisige Zeit von Steven Erikson | © Blanvalet
© Blanvalet

Autor:
Steven Erikson

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-442-26968-6

Genre:
Fantasy | Drama | Abenteuer

 

Inhalt:

Nachdem die Imperatrix Laseen die malazanische Armee unter Dujek Einarm zu Ausgestoßenen erklärt hat, rückt ein Bündnis mit den genabackischen Truppen von Caladan Bruth in greifbare Nähe und eingeweihte Kreise wissen längst, dass es ein Kniff der Imperatrix gewesen sein muss, um so Dujek in die Lage zu versetzen, eine ausreichende Truppenstärke aufbauen zu können, um gegen die neueste Bedrohung aus dem Süden, die Pannionische Domäne und ihren Seher ins Feld zu ziehen, ein Reich, das auf religiösem Fanatismus erbaut, unter anderem die Tenescowri, Kannibalen, die der Pannionischen Armee folgen und die Gefallenen verspeisen, ob Feind ob Freund. Um der Bedrohung Einhalt zu gebieten, schließt sich auch Anomander Rake, Ritter des Dunkels und Herrscher von Mondbrut dem Feldzug an und Silberfuchs, eine Reinkarnation Flickenseels und Tochter der Mhybe scheint ebenfalls eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen. Unterdessen begegnet Toc der Jüngere, jüngst aus einem Gewirr des Chaos hervorgespien, zunächst dem T’lan Imass Onos T’ollan und kurz darauf der mysteriösen Lady Missgunst und ihren drei Seguleh-Gefährten, die sich ebenfalls auf dem Weg in die Pannionische Domäne befinden.

Der Sturz des Verkrüppelten Gottes hatte einen Kontinent zerschmettert. Wälder hatten gebrannt, Feuerstürme den Horizont in alle Richtungen hell erleuchtet und die schweren, aschegefüllten Wolken, die den Himmel bedeckten, in einen karmesinroten Schimmer getaucht. Es war, als hätte die Feuersbrunst nie mehr enden wollen – sie wütete weltverschlingend, wochenlang, monatelang, und die ganze Zeit über waren die Schreie eines Gottes zu hören gewesen.

Derweil rüstet sich die Grenzstadt Capustan gegen den Pannionischen Ansturm und hofft auf ein rechtzeitiges Eintreffen der Armeen Bruths und Einarms, doch schnell merken die Grauen Schwerter, ihres Zeichens Hüter der Stadt und Anhänger des Ebergottes Fener, dass die Gefahr weit schrecklicher ist als angenommen, denn in den Ebenen und Steppen treiben K’Chain Che’Malle ihr Unwesen, eine seit Jahrtausenden ausgestorben geglaubte Rasse. All das ist jedoch nichts gegen die Erkenntnisse von Ben Adaephon Delat – dem Schnellen Ben – , der gewahr wird, wie der vor endlosen Jahren auf die Erde gestürzte Verkrüppelte Gott seinen Einfluss auszudehnen und – an Brand gekettet – die schlafende Göttin wie auch alle magischen Gewirre langsam aber stetig mit seinem unheilvollen Einfluss zu infizieren beginnt.

Rezension:

Wieder einmal handelt es sich bei dem nunmehr vierten Band von Das Spiel der Götter um die erste Hälfte des englischen Originalbandes Memories of Ice, im Deutschen als Die eisige Zeit betitelt. Doch obwohl dem so ist kommt das Buch auf beachtliche 630 Seiten zuzüglich Anhang mit gewohnter wie obligatorischer Dramatis Personae, die zwar umfangreicher ausfallen könnte, aber unbestritten hilfreich für das Verständnis der Geschichte ist. Hingegen fehlen diesmal leider Karten des Kontinents Genabackis, wo die Handlung nun nach dem Ausflug in das Reich der sieben Städte in Band 2 und 3 quasi simultan zu den dortigen Geschehnissen wieder einsetzt, denn natürlich hat man nach zwei Büchern sicher nicht mehr die gesamte Geografie parat und es wäre für manche Wanderung und Irrfahrt hilfreich gewesen, statt nur mit einer grenzwertig überflüssige Karte der Stadt Capustan aufzuwarten, die zwar im Laufe der Erzählung an Bedeutung gewinnt, aber mitnichten Dreh- und Angelpunkt der ausufernden Erzählung ist.

Die Nachricht war weniger als eine Woche nach der Zerstörung nach Darujhistan gelangt, als die ersten Karawanen auf ihrem Weg nach Osten diesseits des Flusses den Übergang erreicht und festgestellt hatten, dass dort, wo einst eine brauchbare Brücke gestanden hatte, jetzt nur noch ein Haufen Steine lag. Geflüsterte Gerüchte erzählten von einem uralten Dämonen, der von Agenten des malazanischen Imperiums entfesselt worden und die Gadrobi-Hügel herabgeschritten war, um Darujhistan zu vernichten.

Zur Geschichte selbst: Hatte ich mich bei den vorangegangenen zwei Bänden noch darüber beklagt, auf einige liebgewonnene Figuren verzichten zu müssen, kommt es hier nun zum Wiedersehen mit Elster, Paran, dem schnellen Ben, und vielen anderen mehr. Ja selbst auf den merkwürdigen wie pathetischen und undurchsichtigen Kruppe muss der geneigte Leser nicht verzichten, da dieser recht bald bei der Armee eintrifft, die sich aus dem Gefolge der einstigen Kontrahenten Caladan Bruth und dem beim malazanischen Imperium in Ungnade gefallenen Dujek Einarm zusammensetzt und sich anschickt, gegen den Pannionischen Seher beziehungsweise dessen sich immer mehr ausbreitende Domäne ins Feld zu ziehen, der bereits in Die Gärten des Mondes mehrfach kurz Erwähnung fand. Um diesem Gegner die Stirn bieten zu können, gesellen sich zudem noch die Tiste Andii unter Anomander Rake hinzu und nicht zuletzt die T’lan Imass. Neben vielen alten Bekannten wird das Figurensortiment – wie schon aus der Inhaltsangabe ersichtlich – noch einmal gehörig aufgestockt und um zahlreiche Gestalten menschlicher wie nichtmenschlicher Herkunft erweitert.

Hoch anrechnen muss ich es Erikson in diesem Falle aber, dass ich keine Eingewöhnungszeit benötigt habe und von der ersten Seite an in der Handlung versinken konnte, die mit einer Jahrtausende in der Vergangenheit liegenden Rückblende beginnt und stimmungsvoll den Verkrüppelten Gott einführt, der uns wohl noch über mehrere Bände begleiten wird und eng verwoben scheint mit den Geschehnissen innerhalb der Pannionischen Domäne. Dabei frönt der Autor weiterhin der einer regelrechten Gigantomanie und die von ihm ersonnene Welt, so wird immer deutlicher, ist geradezu vollgestopft mit übernatürlichen Wesen- und Gottheiten, vermeintlich ausgestorbenen nichtmenschlichen Rassen, Geistern, Magiern und deren magischen Gewirren und natürlich Aufgestiegenen, die, von einfachen Menschen zu Göttern erhoben, sich unter anderem in eine Reihe mit dem ehemaligen Imperator Kellanved stellen können, seit seinem Aufstieg Schattenthron, Herr des Hohen Hauses Dunkel.

Ruhe war den Herren des Dieners ganz offensichtlich wichtig, denn sie hatten ihr Lager ein ganzes Stück abseits der Straße und in einiger Entfernung von den anderen Kaufleuten aufgeschlagen. Ihr Lagerplatz bot ihnen freie Sicht auf die Hügel südlich der Straße und die weite, offene Fläche der Ebene dahinter.
Auf dem Kutschbock lag eine räudige Katze und beobachtete, wie Grantl und Reese näher kamen.
»Ist das Eure Katze?«, fragte der Hauptmann.
Reese schaute blinzelnd zu ihr hin, dann seufzte er. »Ja, mein Herr. Ihr Name ist Eichhörnchen.«

Das Konzept der magischen Gewirre und unterschiedlichen Häuser wird in Die eisige Zeit auch noch einmal ausführlich behandelt und ausgebaut, so dass man nun auch mehr über die Drachenkarten erfährt, die schon seit jeher Entsprechung der existierenden Häuser und ihrer Untergebenen waren. Das muss man mögen und akzeptieren, für mich persönlich ist es allerdings noch immer eine frische und unverbrauchte Art der Herangehensweise an das Thema Magie, zumal hier vieles doch deutlich konkretisiert wird. Während man also über das Magie- und Götter-Konzept geteilter Meinung sein kann, lässt sich jedoch auf alle Fälle festhalten, dass Steven Erikson es versteht, die vielschichtige und komplexe Geschichte eloquent und zielsicher fortzuführen und dem Leser dabei den Figuren mit einem gesteigerten Maß eingestreuter, kursiv gedruckter, innerer Monologe näher zu bringen und ihre Beweggründe zu beleuchten, wenn sich aber natürlich manchmal der Verdacht aufdrängt, er nutze diesen Weg zur schnöden Informationsvermittlung, da er sich anders nicht zu behelfen weiß. Gemessen an der ansonsten vorherrschenden Wort- und Sprachgewalt und den blumigen Beschreibungen kann ich mir das allerdings auch nicht so recht vorstellen. Schlussendlich bleibt mir nur zu sagen, dass, wer die ersten Bände bereits verschlungen und genossen hat, von Die eisige Zeit auf keinen Fall enttäuscht werden wird, da nicht nur viele großartige Charaktere ihr Requiem feiern dürfen, sondern in einer zunehmend komplexer und bedrohlicher werdenden Handlung allesamt ihre Daseinsberechtigung untermauern und schon gespannt dem fünften Teil entgegenfiebern lassen, der dieser Tage ebenfalls in Neuauflage veröffentlicht worden ist und den dritten Band des Malazan Book of the Fallen abschließen wird.

Fazit & Wertung:

Wenn der von Steven Erikson erdachte Kontinent Genabackis in Das Spiel der Götter 4: Die eisige Zeit mittlerweile vor übernatürlichen Wesenheiten nur so wimmelt, schmälert das in keiner Weise die Faszination seines Fantasy-Epos und er unterstreicht eindrucksvoll, dass die Geschichte scheinbar gerade erst begonnen hat, während man sich als Leser über ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern freuen darf.

9 von 10 magischen Gewirren

Das Spiel der Götter 4: Die eisige Zeit

  • Magische Gewirre - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Wenn der von Steven Erikson erdachte Kontinent Genabackis in Das Spiel der Götter 4: Die eisige Zeit mittlerweile vor übernatürlichen Wesenheiten nur so wimmelt, schmälert das in keiner Weise die Faszination seines Fantasy-Epos und er unterstreicht eindrucksvoll, dass die Geschichte scheinbar gerade erst begonnen hat, während man sich als Leser über ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern freuen darf.

9.0/10
Leser-Wertung 9.5/10 (2 Stimmen)
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Das Spiel der Götter 4: Die eisige Zeit ist am 21.04.14 bei Blanvalet erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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