Review: Abraham Lincoln Vampirjäger (Film)

So, QM-Überwachungsaudit ist auch überstanden, dann kann ich mich ja wieder meinen freizeitlichen cineastischen Neigungen hingeben und die nächste Film-Kritik raushauen. Feierabend ist schon was Schönes! :-)

Abraham Lincoln
Vampirjäger

Abraham Lincoln: Vampire Hunter, USA 2012, 105 Min.

Abraham Lincoln Vampirjäger | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Timur Bekmambetov
Autor:
Seth Grahame-Smith (Drehbuch & Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Benjamin Walker (Abraham Lincoln)
in weiteren Rollen:
Dominic Cooper (Henry Sturges)
Anthony Mackie (Will Johnson)
Mary Elizabeth Winstead (Mary Todd Lincoln)
Rufus Sewell (Adam)
Marton Csokas (Jack Barts)

Genre:
Action | Fantasy | Horror | Historie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Abraham Lincoln Vampirjäger | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Im Jahre 1818 muss der kleine Abraham Lincoln mitansehen, wie seine Mutter einer unerklärlichen Krankheit erliegt, nachdem der undurchsichtige wie furchteinflößende Jack Barts ihr des Nachts einen Besuch abgestattet hat. Schon zu dieser Zeit war Abraham klar, dass dunkle Mächte ihre Finger im Spiel hatten, doch erst Jahre später, als junger Mann, fasst er den Mut, Rache zu üben für den Tod seiner Mutter. Als Lincoln Barts stellt, offenbart dieser sein wahres Ich als blutdürstiger Vampir und zwingt Abraham schnell in die Knie. Im letzten Moment wird er von einem Mann namens Henry Sturges gerettet, der ihn darüber aufklärt, dass die Südstaaten Amerikas längst von den blutsaugenden Monstern bevölkert sind und Abraham beginnt, sich von Sturges im Kampf gegen die Vampire schulen zu lassen.

Unterdessen nimmt Lincoln eine Stelle in einem Gemischtwarenladen in Springfield, Illinois an und macht dort auch die Bekanntschaft von Mary, während er seine Nächte damit verbringt, Vampire zur Strecke zu bringen. Seine Feldzüge erwecken bald schon die Aufmerksamkeit des Obervampirs Adam, der Abraham Einhalt zu gebieten versucht. Als Abraham offenbar wird, dass sein einsamer Kampf gegen die Heerscharen von Vampiren kaum Erfolg versprechend ist und nichts gegen Adam auszurichten imstande ist, beschließt er, in die Politik zu gehen und macht sich schnell einen Namen. Jahre später ist Lincoln Präsident der Vereinigten Staaten und der Sezessionskrieg im vollen Gange. Als ihm bewusst wird, dass die Reihen der Konföderierten von Vampiren durchzogen sind, sieht er den Tag für das entscheidende Gefecht gekommen.

Rezension:

In meinen Augen ist Abraham Lincoln Vampirjäger ein überraschend gelungenes Mash-Up aus Historien-Drama und Vampir-Action geworden, das besser kaum hätte funktionieren können, zumal man sich das heutzutage übliche ironische Augenzwinkern komplett schenkt und wirklich und wahrhaftig so tut, als müsse es sich genauso zugetragen haben. Verständlicherweise mag die Ernsthaftigkeit, mit der seine Biografie um die Vampirgefahr ergänzt worden ist, denjenigen übel aufgestoßen sein, die sich ein hirnloses Action-Filmchen erwartet haben, bei dem in jeder Sekunde die Fetzen fliegen, aber dennoch sind meines Erachtens nach noch genügend einfallsreich gestaltete und temporeich inszenierte Vampirkloppereien enthalten, um über die Laufzeit von überschaubaren 105 Minuten zu unterhalten. Womöglich wäre Timur Bekmambetov sogar ein richtiger Kultfilm geglückt, wenn Abraham Lincoln als Figur nicht so ärgerlich blass bleiben würde, was gar nicht mal so sehr an Benjamin Walker, sondern vielmehr an der fragmentarischen Erzählweise liegen mag.

Szenenbild aus Abraham Lincoln Vampirjäger | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Hinzu kommt, dass sich nach einer guten Stunde ein Bruch in der Erzählung vollzieht, wenn Lincoln, um Jahre gealtert und der Ikone deutlich ähnlicher als noch sein jüngeres Alter Ego und mittlerweile Präsident der Vereinigten Staaten, sich zum schlussendlichen Kampf gegen die Vampire im Sezessionskrieg stellt. Wurde zuvor episodisch das Leben und der Aufstieg Lincolns beinahe ausführlich und detailliert geschildert, wird kaum gezeigt, wie er es geschafft hat, Präsident zu werden und das Finale nimmt auch ordentlich Raum ein, so dass die letzten 45 Minuten doch recht gehetzt wirken. Auch wenn aber der Film als Ganzes nicht uneingeschränkt homogen gewirkt hat und sicherlich auch ab und an mal mit einigen Längen zu kämpfen hat, so hat mir Abraham Lincoln Vampirjäger doch – insbesondere im Hinblick auf die vielen negativen Stimmen – erstaunlich gut gefallen.

Wenn ich auch die Bücher von Seth Grahame-Smith nicht gelesen habe, so kannte ich doch zumindest die Graphic Novel zu Stolz und Vorurteil und Zombies und konnte grob erahnen, was mich erwarten würde und man muss wirklich sagen, dass Grahame-Smith – der auch für das Drehbuch zum Film verantwortlich zeichnet – den historischen Begebenheiten durchaus Rechnung trägt und sie in seinem Erzählduktus berücksichtigt, wenn sie hier aber natürlich nicht im Vordergrund stehen. Man könnte sich natürlich genauso gut darüber echauffieren, dass man eine historische Gestalt dieser Größenordnung nicht dergestalt verunglimpfen dürfe und Abraham Lincoln Vampirjäger eine einzige, respektlose Farce sei, doch wird man dem Film – oder ursprünglich dem Buch – damit nicht gerecht, denn der titelgebende Held wird nie dem schnöden Effekt geopfert und durchaus respektvoll in Szene gesetzt.

Szenenbild aus Abraham Lincoln Vampirjäger | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Die Vampire wiederum sind regelrecht klassisch und bieten – abgesehen von ihrer Resistenz gegenüber dem Sonnenlicht – nichts aufregend Neues, taugen aber allemal für die deftigen Kampfeinlagen und ein wenig Splatter ab und an, die die Biografie des US-Präsidenten zweifelsohne gehörig aufpeppen. Würde der Film nicht so von Szene zu Szene springen, um noch ein paar historische Eckdaten auf dem Wege mitzunehmen, vollzöge sich nicht nach rund 60 Minuten genannter Bruch, er hätte toll werden können, taugt so aber doch immerhin noch für einen unterhaltsamen Abend.

Fazit & Wertung:

Timur Bekmambetovs Abraham Lincoln Vampirjäger ist eine augenzwinkernde Interpretation des Lebens und Wirkens von Lincoln, die sich lediglich das offensive Augenzwinkern spart, um mit der dadurch gewonnenen Ernsthaftigkeit zu suggerieren, man würde wahrhaftig einen Historienfilm schauen – und das ist der eigentliche Coup dieses ungewöhnlichen Films, der zwar inszenatorisch hinter seinen Möglichkeiten bleibt, aufgrund seiner Prämisse aber durchaus zu unterhalten weiß.

6,5 von 10 geköpften Vampiren

Abraham Lincoln Vampirjäger

  • Geköpfte Vampire - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Timur Bekmambetovs Abraham Lincoln Vampirjäger ist eine augenzwinkernde Interpretation des Lebens und Wirkens von Lincoln, die sich lediglich das offensive Augenzwinkern spart, um mit der dadurch gewonnenen Ernsthaftigkeit zu suggerieren, man würde wahrhaftig einen Historienfilm schauen – und das ist der eigentliche Coup dieses ungewöhnlichen Films, der zwar inszenatorisch hinter seinen Möglichkeiten bleibt, aufgrund seiner Prämisse aber durchaus zu unterhalten weiß.

6.5/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 6/10 Punkte
Tofu Nerdpunk: 3,7/10 Punkte

Abraham Lincoln Vampirjäger ist am 14.02.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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  • Ich hatte ihn damals ziemlich unvorbelastet im Kino gesehen und fand dem Film auch okay. So im Nachhinein haette der aber auch super als Film fuer Bier mit Freunden getaugt denke ich.

  • Sabine K.

    Einer der Lieblingsfilme meines Mannes 😉
    Ich persönlich finde die Idee mit der Axt und wie sich das im Film entwickelt klasse 😉 War ja bisher im Zusammenhang mit Vampiren nicht so gängig!
    Insgesamt finde ich, dass er ein guter Film zur Unterhaltung ist.

    Liebe Grüße
    Bine

    • Sehe ich ganz ähnlich, ist besser als sein Ruf und auch wenn er nie zu meinen Lieblingsfilmen zählen könnte, war das doch ziemlich gute Unterhaltung, nicht mehr, nicht weniger. Und stimmt, die Sache mit der Axt war wirklich vergleichsweise unverbraucht, ist mir so konkret gar nicht aufgefallen. Dabei ist das doch eigentlich ziemlich naheliegend…

  • Pingback: Review: The Choice - Bis zum letzten Tag (Film) | Medienjournal()

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