Review: Stieg Larsson – Millennium: Verblendung 1 (Graphic Novel)

Und wie das ja bekanntermaßen so ist, kommen Comics ja im Doppelpack und wo ich sowieso schon dabei war, in meinen Altlasten zu wildern, habe ich mir nun auch diesen Band endlich einmal zu Gemüte geführt, damit ich die längst vorliegende Fortsetzung dann auch mal bald lesen kann.

Stieg Larsson
Millennium:
Verblendung 1

The Girl with the Dragon Tattoo #1-6, USA 2012, 144 Seiten

Stieg Larsson - Millennium: Verblendung 1 | © Panini
© Panini

Autoren:
Denise Mina
Stieg Larsson (Buch-Vorlage)
Zeichner:
Leonardo Manco
Andrea Mutti

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-862-01476-7

Genre:
Krimi | Thriller | Mystery

 

Inhalt:

Ausschnitt aus Stieg Larsson - Millennium: Verblendung 1 | © Panini
© Panini

Nachdem der Journalist Mikael Blomkvist einen Prozess gegen Wennerström verloren hat, der ihn der Verleumdung bezichtigt hat, was das Magazin Millennium nun ins Verderben zu stürzen droht ob der negativen Publicity, lässt er sich bereitwillig von Henrik Vanger engagieren, um den Verbleib seiner Nichte Harriet zu ermitteln, die im Jahre 1966 vom Anwesen der Familie spurlos verschwunden ist. Im Gegenzug bittet Vanger Blomkvist Beweise gegen Wennerström, um nicht nur ihn, sondern auch das Magazin zu rehabilitieren und so reist er auf die Insel Hedeby, um seine Nachforschungen aufzunehmen, doch der Rest der Familie Vanger erweist sich als erschreckend undurchsichtig und verschlossen, was seine Ermittlungen mehr als nur behindert.

Unterdessen kämpft Lisbeth Salander, eine überaus begabte Hackerin, um ihre Unabhängigkeit und muss sich nicht nur Anfeindungen, sondern auch handfester Drangsalierungen von außerhalb erwehren, doch langsam aber sicher beginnen sich ihre und Blomkvists Wege zu kreuzen und es steht außerfrage, dass ein Zusammentreffen der beiden ungleichen Figuren kurz bevorsteht.

Rezension:

Nachdem mir Finchers amerikanisierte Adaption von Stieg Larssons Verblendung bereits ausnehmend gut gefallen hatte, stand es für mich außerfrage, mich einmal auch der Comic-Adaption des Stoffes zu widmen, wobei ich mich – überwiegend nach optischen Gesichtspunkten gehend – dafür erschienen habe, der Panini-Version der amerikanischen Adaption und nicht der Splitter-Version der französischen (?) Adaption den Vorzug zu geben, da diese mich einfach mehr angesprochen hat und eine doppelte Bewältigung des Stoffes doch wirklich zu viel des Guten gewesen wäre. Nun sind zwar mittlerweile schon beide Bände der Adaption erhältlich und der Auftakt des Nachfolgers, hierzulande Verdammnis betitelt, steht bereits in den Startlöchern (erhältlich ab Oktober), doch ist es ja bekanntermaßen nie zu spät, sich einem guten Comic zu widmen.

Ausschnitt aus Stieg Larsson - Millennium: Verblendung 1 | © Panini
© Panini

Optisch gefällt mir Verblendung 1 – ich hatte es bereits vorweggenommen – ziemlich gut und auch wenn die Gesichtszüge der einzelnen Figuren nicht immer rundherum gelungen sind, verströmt der Band doch diese gewisse Düsternis, die auch schon den Film für mich so einmalig gemacht hat. Inhaltlich muss man allerdings leider gewisse Abstriche machen, denn es gelingt nicht immer, die doch recht komplexen Sachverhalte und Zusammenhänge in diese knappe Form zu pressen, so dass man sich bei völliger Unkenntnis der Buch-Vorlage oder der Filme womöglich nicht auf den ersten Blick zurechtfinden würde, doch auch wenn nicht immer alles hundertprozentig klar und nachvollziehbar ist, entfaltet die Geschichte eine unbestreitbare Sogwirkung, der zumindest ich mich kaum entziehen konnte, nachdem ich mir endlich die Zeit genommen hatte, mich dem Band zu widmen.

Denise Mina, Leonardo Manco und Andrea Mutti haben bei der Adaption und zeichnerischen Umsetzung des Stoffes einen durchaus guten Job gemacht, der nur eben dummerweise dadurch eingeschränkt wird, dass gewisse Vorgaben in punkto Seiten- und Heftzahl vorherrschen und sie sich dieser Doktrin beugen mussten, was auch zu einigen nicht immer nachvollziehbaren Überblendungen und Zeitsprüngen führt, die zumindest Film- und Roman-Kennern aufstoßen sollten. Davon abgesehen widmen sie sich in eingehender Weise ihren Figuren und lassen auch des Öfteren die Bilder allein für sich sprechen, ohne alles mit erklärenden und kommentierenden Texttafeln zu versehen, was in Anbetracht dessen, dass es sich ja im Grunde schon um die dritte Form der Adaption handelt, auch nicht nötig gewesen wäre und den einzigartigen Charakter des Mediums Comic unterstreicht, ebenso wie Fincher in seiner Verfilmung auch viele Szenen für sich hat sprechen lassen.

Ausschnitt aus Stieg Larsson - Millennium: Verblendung 1 | © Panini
© Panini

Mir persönlich hat es ausnehmend Spaß gemacht, auf die Insel Hedeby zurückzukehren und Mikael Blomkvist erneut bei seinen Ermittlungen zu begleiten, doch ist es fraglich, inwieweit sich der Band noch für all jene lohnt, die auf die eine oder andere Art bereits mit dem Stoff vertraut sind, doch trotz der geringfügigen Abstriche in Verständnisfragen können gerade Neulinge durchaus einen Blick riskieren, wenn ihnen Bücher oder Filme nicht so liegen oder sie schlicht und ergreifend einfach mal Lust haben, eine Geschichte eben in Comicform und nicht auf Leinwand oder im geschriebenen Wort zu erleben. Denn lohnenswert ist Verblendung allemal, krankt nur eben ein wenig daran, dass die Geschichte schon längst weithin bekannt ist und manchmal wirkt wie mehrfach aufgewärmt.

Fazit & Wertung:

Ob man nun mit dem Auftakt der Millennium-Trilogie auf die eine oder andere Art vertraut ist, wiegt nicht so schwer, wie man meinen könnte und so kann ich Verblendung 1 durchaus guten Gewissens empfehlen, wenn man sich auch bewusst sein sollte, dass die Geschichte an der einen oder anderen Stelle teils eher unglücklich gestrafft worden ist und dem Leser durchaus einiges abverlangt. Von den Zeichnungen und der Aufwartung wertig, macht dieser Auftaktband allerdings auf alle Fälle eine gute Figur.

7,5 von 10 alten Familiengeheimnissen

Stieg Larsson - Millennium: Verblendung 1

  • Alte Familiengeheimnisse - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Ob man nun mit dem Auftakt der Millennium-Trilogie auf die eine oder andere Art vertraut ist, wiegt nicht so schwer, wie man meinen könnte und so kann ich Verblendung 1 durchaus guten Gewissens empfehlen, wenn man sich auch bewusst sein sollte, dass die Geschichte an der einen oder anderen Stelle teils eher unglücklich gestrafft worden ist und dem Leser durchaus einiges abverlangt. Von den Zeichnungen und der Aufwartung wertig, macht dieser Auftaktband allerdings auf alle Fälle eine gute Figur.

7.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 4/5 Punkte

Stieg Larsson – Millennium: Verblendung 1 ist am 12.03.13 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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