Review: Happy! (Graphic Novel)

Und hier nun noch das angekündigte Kleinod, das es auch bereits beim Dominik auf den Blog geschafft hat (der natürlich mindestens genauso begeistert war!). Und damit verabschiede ich mich für heute.

Happy!

Happy! #1-4, USA 2012, 132 Seiten

Happy! | © Panini
© Panini

Autor:
Grant Morrison
Zeichner:
Darick Robertson

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-862-01959-5

Genre:
Krimi | Fantasy | Drama

 

Inhalt:

Nick Sax war mal Polizist, doch diese Zeit ist lang vergessen und mittlerweile treibt es den desillusionierten, hoffnungslosen und alkoholabhängigen Mann als Auftragskiller durch die Straßen der Stadt. Dann allerdings läuft einer seiner Jobs gehörig aus dem Ruder, denn statt der erwarteten drei Brüder, die es zu töten gilt, sieht Sax sich vier Personen gegenüber und noch bevor er ohne viel Federlesens auch den vierten Bruder erschießt, wird er selbst schwer verletzt. Während er noch im Krankenhaus vor sich hinsiecht, schickt Auftraggeber Blue seine Schergen zu ihm und auch die korrupte Polizei beginnt sich an seine Fersen zu heften.

Ausschnitt aus Happy! | © Panini
© Panini

Doch Nick hat bald noch ganz andere Sorgen, denn als er im Krankenbett erwacht, sieht er sich mit einem blauen, fliegenden Pferd konfrontiert, das zu ihm spricht und ihn inständig bittet, dabei zu helfen, ein Mädchen namens Hailey zu retten, deren imaginärer Freund das Pferd namens Happy ist. Während Sax noch zu halluzinieren glaubt, gelingt es ihm mit Hilfe der Warnungen des für alle anderen unsichtbaren Pferdchens, aus dem Krankenhaus zu entkommen, doch weigert sich der ehemalige Gesetzeshüter zunächst vehement, die Existenz von Happy anzuerkennen, geschweige denn, ihm bei der Rettung von Hailey zu helfen.

Rezension:

Zunächst beginnt Happy! regelrecht klassisch im Crime Noir-Schema mit düsteren, hoffnungslosen Gestalten und Bildern, skizziert einen abgehalfterten Ex-Cop, dessen Leben an mehr als nur einer Stelle die falsche Abzweigung genommen hat und der sich jetzt als Auftragskiller verdingt. So weit, so bekannt und die Geschichte würde wahrlich keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken, denn der Konflikt zwischen Nick und dem ominösen Blue ist an stereotypen Einfällen kaum zu überbieten, doch dann – wie das zur Vorweihnachtszeit so ist, in der der Comic spielt – ereignet sich das Wunder und plötzlich beginnt Nick, ein blaues, fliegendes Pferdchen mit Horn auf der Stirn zu sehen, das zu ihm spricht. Dieses tapsige Pferdchen trägt dann auch den Namen Happy und ist mitnichten ein Geist, sondern vielmehr ein imaginärer Freund und zwar von einem Mädchen namens Hailey und da niemand sonst Happy sehen kann, muss Nick also herhalten, um das Mädchen zu retten.

Ausschnitt aus Happy! | © Panini
© Panini

Von da an wird die Geschichte des Comics natürlich spürbar abstruser und abgedrehter, aber auch einfallsreicher, denn Happy versteht es geschickt, Nick auch aus der brenzligsten Situation zu retten oder ihm gar beim Pokern Geld zu verschaffen – schon praktisch, wenn ein unsichtbares, fliegendes Pferd dem Gegenüber in die Karten linsen kann. So entpuppt sich Happy! dann alsbald als zwar weiterhin geradlinig und stringent erzählte Geschichte, die aber durch das Zusammentreffen aus besagtem Crime Noir und dem quietschbunten Pferdchen, was sich so gar nicht in die triste Szenerie fügen möchte, merklich gewinnt und es in letzter Konsequenz sogar schafft, Nick einen Hoffnungsschimmer zu entlocken, dem Mann, der längst mit seinem Leben und Träumen im Allgemeinen abgeschlossen zu haben scheint.

So erinnert Happy! dann auch weniger an den Film Falsches Spiel mit Roger Rabbit, sondern vielmehr an Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte; ein Eindruck, der sich sowohl durch das vorweihnachtliche Setting als auch durch Happy als ja zumindest geisterähnliches Wesen immer wieder aufdrängt. Abgesehen von diesen Reminiszenzen geht die Geschichte aber deutlich eigene Wege, man braucht also nicht zu befürchten, eine weitere Nacherzählung der wohl berühmtesten Weihnachtsgeschichte in Händen zu halten. Weiterhin festzuhalten wäre auch, dass die sich über vier Hefte erstreckende Story in sich abgeschlossen ist und einmal nicht den Auftakt einer ganzen Reihe von Alben bildet.

Ausschnitt aus Happy! | © Panini
© Panini

In der Beziehung ist es erstaunlich, welche Tiefe Grant Morrison im Laufe der Erzählung entfaltet, denn wohldosierte Rückblenden und eine unnachahmlich zielgerichtete Konzeption lassen zum Ende hin richtig mitfühlen und bringen die Figuren einem näher, als es manch langlebiger Reihe in vielen, vielen Ausgaben nicht gelingt. Das liegt natürlich auch an den formidablen Zeichnungen von Darick Robertson (Transmetropolitan), der es versteht, Happy einerseits als Fremdkörper in der düsteren Großstadttristesse wirken zu lassen und ihn trotzdem in die Zeichnungen so integriert, dass er als Teil der Erzählung wahrgenommen wird, auch wenn das Pferdchen sich nur im Kopf des Protagonisten manifestiert. Die Mischung aus rauer Brutalität und niedlichem Comicpferd geht meines Erachtens nach glänzend auf und da verwundert es kaum, dass auch hier die Verfilmung bereits in der Mache ist, wenn auch noch nichts Näheres bekannt ist.

Fazit & Wertung:

Grant Morrisons Happy! ist ein geniales Konglomerat aus Crime Noir und Fantasy und so merkwürdig sich das Konzept des sprechenden blauen Pferdes auch anhören mag, hätte dieser Geschichte nichts Besseres passieren können als dieses putzige Wesen, das im starken Kontrast zum vorherrschenden Fatalismus erst sein volles Potential zu entfalten versteht. Eine Graphic Novel voller Härte und Brutalität, aber auch Wärme und Humor – unbedingte Empfehlung!

9 von 10 imaginären Freunden

Happy!

  • Imaginäre Freunde - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Grant Morrisons Happy! ist ein geniales Konglomerat aus Crime Noir und Fantasy und so merkwürdig sich das Konzept des sprechenden blauen Pferdes auch anhören mag, hätte dieser Geschichte nichts Besseres passieren können als dieses putzige Wesen, das im starken Kontrast zum vorherrschenden Fatalismus erst sein volles Potential zu entfalten versteht. Eine Graphic Novel voller Härte und Brutalität, aber auch Wärme und Humor – unbedingte Empfehlung!

9.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 5/5 Punkte

Happy! ist am 17.06.14 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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