Nachdem in den Kommentaren zu Snowpiercer unter anderem Oblivion kurz Erwähnung fand und meine Kritik schon seit geraumer Zeit darauf wartet, an dieser Stelle veröffentlicht zu werden, schiebe ich sie doch spontan hinterher, weil es thematisch ja ganz gut passt, auch wenn die Filme ansonsten wirklich so gar nichts miteinander gemein haben.

Oblivion

Oblivion, USA 2013, 126 Min.

Oblivion | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Joseph Kosinski
Autoren:
Joseph Kosinski (Drehbuch & Comic-Vorlage)
Karl Gajdusek (Drehbuch)
Michael Arndt (Drehbuch)

Main-Cast:
Tom Cruise (Jack)
in weiteren Rollen:
Morgan Freeman (Beech)
Olga Kurylenko (Julia)
Andrea Riseborough (Victoria)
Nikolaj Coster-Waldau (Sykes)
Melissa Leo (Sally)
Zoë Bell (Kara)

Genre:
Science-Fiction | Action | Mystery

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Oblivion | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Die Erde. Wir schreiben das Jahr 2077 und der blaue Planet ist der Zerstörung anheimgefallen. Sechzig Jahre zuvor haben außerirdische Invasoren den Mond zerstört und damit eine Welle von Naturkatastrophen heraufbeschworen. Der diesem Anschlag nachfolgenden Invasionsarmee weiß die Erdbevölkerung zwar mittels Atombomben die Stirn zu bieten, zerstört dabei jedoch auch die eigene Heimat. Nun, Jahrzehnte später, lebt die Erdbevölkerung auf Titan, einem der Saturn-Monde und einer erdennahen Raumstation in Form eines Tetraeders, Tet genannt. Von dort instruiert Kommandantin Sally die beiden auf der Erde verbliebenen Techniker Jack Harper und dessen Partnerin Victoria Olsen, die mit der Aufgabe betraut sind, die Deuterium-Extraktoren, zum Abbau von wertvollen Wasserstoff eingesetzt, zu warten sowie die Drohnen, die zum Schutz der monumentalen Maschinen eingesetzt werden, da sich noch immer versprengte Gruppen von Plünderern, wie die Außerirdischen getauft wurden, auf der Erde befinden.

Obwohl Jacks und Victorias Gedächtnis vorschriftsmäßig gelöscht worden ist, um den Feinden im Falle einer Gefangennehme keine Informationen zuzuspielen, blitzen in Jacks Gehirn immer wieder Fragmente seines früheren Lebens vor der Invasion auf und zeigen eine ihm unbekannte Frau. Während sich ihre Dienstzeit dem Ende neigt und mit einem Platz auf Titan belohnt werden soll, explodiert einer der Deuterium-Extraktoren infolge eines Anschlages der Plünderer und Victoria empfängt ein Signal, das scheinbar ebenfalls von den Plünderern ausgesandt wird. Jack begibt sich zu den darin enthaltenen Koordinaten und beobachtet den Absturz einer Raumkapsel. Vor Ort findet er mehrere, seit Jahren im Delta-Schlaf befindliche Personen und erkennt in einer von ihnen die Frau aus seinen Träumen. Während die Drohnen zu Jacks Bestürzung mit den schlafenden Menschen kurzen Prozess machen, schützt er die Frau mit seinem Leben und bringt sie schließlich zu seiner Basis über den Wolken. Als sie erwacht, flüstert sie seinen Namen…

Rezension:

Joseph Kosinskis Oblivion ist auf den ersten Blick ein bestechend ambitioniertes wie opulentes Science-Fiction-Epos und er bemüht sich redlich, für seine Story die richtigen Bilder zu finden, was in mir durchaus den Wunsch weckt, die leider dank frühzeitigem Verkauf der Filmrechte niemals fertiggestellte Graphic Novel zu lesen, denn die Konzeptzeichnungen machen – ebenso wie die Optik des Films – einiges her. Woran der Film viel eher krankt, ist seine Geschichte, die – während anfangs noch sichtlich darum bemüht, Kohärenz aufzubauen und Atmosphäre zu vermitteln – im weiteren Verlauf mehr und mehr aus dem Ruder läuft, was noch nicht einmal halb so tragisch wäre, wenn sich nicht mit jeder neuen Offenbarung neue Logiklöcher auftun würden, die nicht nur das zuvor Gezeigte in Frage zu stellen wissen, sondern schlussendlich – gerade nach dem nur mäßig einfallsreichen und schlecht abgekupferten Finale – den gesamten Film inkohärent wirken lassen, so dass sich die Daseinsberechtigung nur erschließt, wenn man bereit ist, beide Augen oder vielmehr ein leuchtendes Dreieck zuzudrücken.

Szenenbild aus Oblivion | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Leider ist aber eben nicht nur das Finale geklaut, sondern so ziemlich jeder Einfall und jede Offenbarung, so dass man kaum müde würde, Beispiele für Filme zu finden, die in Oblivion ich drücke es bewusst freundlich aus – zitiert werden, allen voran Moon, der allerdings im direkten Vergleich der deutlich tiefgründiger, intimer und stimmiger geraten ist, wenn man dort auch auf die Drohnen-Action und die phänomenalen Landschaftsaufnahmen verzichten muss. Die sind es übrigens, die Kosinskis Vision zu einem zumindest visuellen Erlebnisparcours werden lassen, denn die isländischen Drehorte vermögen es, eine endzeitliche Stimmung zu vermitteln, die an Schönheit und Poesie kaum zu überbieten ist. Dem in nichts nach stehen die opulenten wie futuristischen Set-Bauten des Himmelshauses und natürlich das großartig designte – und ebenfalls in Originalgröße für den Film gebaute Bubbleship. Überhaupt ist hier in jeder Sekunde das enorme Budget spürbar, ebenso wie der bewusste Versuch, so viel wie möglich abzufilmen und nicht auf schnöde CGI-Effekte zurückzugreifen, wenn es denn nicht unbedingt sein muss.

So ist die zerstörte Erde von einer seltsamen, unwirklichen Schönheit und man begleitet Tom Cruise als Wall-E 2.0 gerne dabei, wie er über die verheerten Landschaften hinweggleitet. Zu diesem Zeitpunkt, genauer gesagt im ersten Drittel, haftet dem Film auch noch das Versprechen an, ein wirklich großartiger Science-Fiction-Film zu werden und ich schalt mich selbst dafür, dass die Twists doch sicherlich nicht die sein würden, die ich mir zu diesem erwartet hatte, sowohl die außerirdischen Plünderer, als auch Herkunft, Sinn und Zweck der Techniker betreffend, von denen auch Jack einer ist. Nun, nach vierzig Minuten wusste ich, dass ich mich zumindest in einem Punkt nicht getäuscht hatte und nach noch einmal vierzig Minuten folgte die nächste Offenbarung, die mir leider auch in dem anderen Punkt Recht gab. Im Grunde besteht Oblivion somit aus drei etwa gleichlangen Teilen, die jeweils die Prämisse des Films gehörig auf den Kopf stellen und mit vermeintlich bahnbrechenden Twists den Zuschauer überraschen wollen, dabei aber lediglich erreichen, die bereitwillig gewährten Vorschusslorbeeren zunichte zu machen und das Grundgerüst des Films zu dekonstruieren.

Dem Film aber lediglich seine Verfehlungen vorzuhalten würde ihm nicht gerecht werden und so punktet Oblivion auch mit vielen schönen Einfällen und einer Detailverliebtheit, die ihresgleichen suchen, so dass ich endlich einmal in dem Wolkenhaus – trotz vermeintlich sterilem wie futuristischen Design – das Gefühl hatte, hier würden Menschen leben. Die Drohnen sind hervorragend konzipiert und verbreiten allein schon ihrer bombastischen Soundeffekte wegen Angst und Schrecken, Optik und Funktionsweise des Bubbleship sprechen für sich und die bereits in den ersten Minuten mit der Geschichte verwobene Liebesgeschichte macht deutlich, dass hier trotz Endzeit und Science-Fiction die Menschen im Vordergrund stehen. Besagte Liebesgeschichte entwickelt zwar nicht die Tiefgründigkeit, die man sich wünschen würde, doch reicht sie – zusammen mit dem Faible des Technikers Jack für Devotionalien aus der Zeit vor der Alien-Invasion aus, um die notwendige Portion Menschlichkeit und Nostalgie aufkommen zu lassen. Auf ein wenig Pathos und die obligatorischen zerstörten amerikanischen Wahrzeichen (inklusive Superbowl-Stadion!) muss man sich natürlich auch einstellen, ebenso wie darauf, dass Kosinskis Film erwartungsgemäß in weiten Teilen eine Tom Cruise-One-Man-Show ist.

Szenenbild aus Oblivion | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Trotz seiner unbestreitbaren Mängel muss ich aber auch festhalten, dass mir Oblivion rein subjektiv betrachtet gefallen hat und ich beinahe bereit bin, die vielen zusammengewürfelten Ideen und Einflüsse als Reminiszenz an das Science-Fiction-Kino der vergangenen dreißig Jahre zu betrachten. Für eine Zweitsichtung taugt die Cruise-Kosinski-Kollaboration zwar wohl kaum, aber wenn der Film nur, gemeinsam mit Werken wie Elysium oder – ganz aktuell Edge of Tomorrow – , dabei hilft, Science-Fiction wieder salonfähig zu machen, hat er seinen Daseinszweck durchaus erfüllt und zumindest optisch eindrucksvoll gezeigt, wie ambitionierte Projekte dieser Sparte heutzutage aussehen könn(t)en. Die uninspirierte Geschichte lässt das zwar nicht verzeihen, macht den Film aber zu einem durchaus lohnenswerten Erlebnis.

Fazit & Wertung:

Kosinskis Oblivion kommt in weiten Teilen wie ein Konglomerat anderer, überwiegend anspruchsvollerer Science-Fiction-Filme daher und so funktionieren auch die Story-Twists nur bedingt, doch eine rasante Inszenierung, stimmungsvolle Action-Einlagen und ein hochwertiger, wenn auch durchweg unterforderter Cast trösten gemeinsam mit der fulminanten Optik, die ihresgleichen sucht, beinahe darüber hinweg, dass der Film in punkto Story ein bisschen schwach auf der Brust bleibt, so dass am Ende ein doch immerhin noch unterhaltsamer Film für Freunde stimmungsvoller Science-Fiction bleibt.

7 von 10 waffenstarrenden Verteidigungs-Drohnen

 

Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 5,5/10 Punkte
ERGOThek: 4,5/5 DeLoreans
Filmherum: 4,5/5 Punkte
Tonight is gonna be a large one.: 7/10 Punkte
Xanders Blog: 6/10 Punkte

Oblivion ist am 15.08.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

Kosinskis Oblivion kommt in weiten Teilen wie ein Konglomerat anderer, überwiegend anspruchsvollerer Science-Fiction-Filme daher und so funktionieren auch die Story-Twists nur bedingt, doch eine rasante Inszenierung, stimmungsvolle Action-Einlagen und ein hochwertiger, wenn auch durchweg unterforderter Cast trösten gemeinsam mit der fulminanten Optik, die ihresgleichen sucht, beinahe darüber hinweg, dass der Film in punkto Story ein bisschen schwach auf der Brust bleibt, so dass am Ende ein doch immerhin noch unterhaltsamer Film für Freunde stimmungsvoller Science-Fiction bleibt.
Oblivion
Date Published: 09/25/2014
7 / 10 stars