Review: The Walking Dead 3 | Robert Kirkman | Jay Bonansinga (Buch)

The Walking Dead – Graphic Novels, Serien, Bücher und mehr

The Walking Dead

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Bevor ich mich baldigst auch wieder der gleichnamigen Comic-Reihe und natürlich der Serie widmen werde, habe ich kürzlich nun den dritten Roman The Walking Dead beendet und freue mich, euch heute davon berichten zu können. Viel Spaß und einen guten Start ins anbrechende Wochenende!

The Walking Dead 3

The Walking Dead – The Fall of the Governor: Part One, USA 2013, 352 Seiten

The Walking Dead 3 von Robert Kirkman und Jay Bonansinga | © Heyne Verlag
© Heyne Verlag

Autoren:
Robert Kirkman
Jay Bonansinga

Verlag (D):
Heyne Verlag
ISBN:
978-3-453-52954-0

Genre:
Endzeit | Drama | Horror

 

Inhalt:

Nachdem der Governor Phillip Blake den jüngsten Anschlag auf sein Leben unbeschadet überstanden hat, ist seine Macht größer denn je und dank gefestigter Position sieht er sich in der Lage, die Stadt gänzlich unter seine Fittiche zu nehmen. Auch Lilly Caul befindet sich noch immer in Woodbury und versucht sich mit der Situation zu arrangieren, in dem persönlichen Utopia des nachweislich soziopathischen Governors festzusitzen und dabei ihre unverhohlene Abscheu ihm und seiner Gräueltaten gegenüber zu verbergen.

Plötzlich verschwinden die Wolken über ihm hinter drei anormalen Gesichtern – wie dunkle Planeten, die das Himmelszelt verdecken. Jedes einzelne knurrt und geifert dumpf vor sich hin. Wie betrunken starren ihn drei Paar milchig weiße, sich nie schließende Augen gierig an. Einer der Beißer sabbert – ein fetter Kerl in einem völlig verdreckten Krankenhauskittel –, und schwarzer, dickflüssiger Speichel tropft auf Bruces Wange.

Während Lilly noch immer Gedanken an Flucht plagen und sie verzweifelt einen Gegenentwurf zu Philips diktatorischem Regime zu finden versucht, kündigt sich eine Verschiebung der Machtverhältnisse an, als eine Gruppe Fremder in Woodbury erscheint, die der Governor als Gefangene zu quälen und auszufragen plant, sich aber bald schon zu einer ernsten Bedrohung seiner bis dato unumstößlichen Machtposition erweisen werden. Lilly bändelt derweil mit einem Mann an, der sie zu überzeugen scheint, dass das Leben hinter den Mauern von Woodbury nicht unbedingt die schlechteste Alternative in einer von Zombies versuchten Welt darstellt.

Rezension:

Nun geht also die Roman-Reihe The Walking Dead zur gleichnamigen Fernsehserie in die dritte und somit vorletzte Runde, denn anders als in der deutschen Fassung lässt ein Blick auf die Originaltitel der Bände deutlich mehr Interpretationsspielraum zu, was einen erwarten möge, denn nach Rise of the Governor und Road to Woodbury schließt sich nun Fall of the Governor: Part One an, wie ich aber auch erst später entdeckt habe. Doch Halt, habe ich schließlich gerade die Bücher, die sich bekanntermaßen vollumfänglich dem Governor und Woodbury widmen in den Kontext der Serie gesetzt, was nun nachweislich als falsch entlarvt werden kann, denn die vollmundig als Bücher zur Serie angepriesenen Bände entpuppen sich nun schlussendlich als Bücher zur Comic-Reihe, wie der weitere Verlauf der Handlung offenbaren wird.

Lilly lässt den Blick in die Ferne schweifen, während der Rest der Menge wild auf und ab springt, grölt und jault. Obwohl sie erst Anfang dreißig ist, erscheint Lilly Caul mindestens zehn Jahre älter. Tiefe Falten der Fassungslosigkeit und des Entsetzens haben sich in ihre Stirn gebrannt. »Wenn ich ganz ehrlich sein soll … ich weiß nicht mehr, wie lange ich diese ganze Scheiße noch aushalten kann.«

Leider ist das aber auch schon die gravierendste Schwäche des Bandes, denn während dieser gewohnt blutig und packend beginnt und die im letzten Band vorgestellten Figuren der Lilly Caul und Bob in den Fokus stellt, handelt es sich in der zweiten Hälfte zu einem großen Teil um die Nacherzählung der Geschehnisse aus Die beste Verteidigung und Dieses sorgenvolle Leben, bringt damit zwar auch Rick, Glenn und Michonne in die Geschichte mit ein (die sich gänzlich anders zuträgt, als es Nur-Serien-Gucker kennen) und verleiht den Geschehnissen ein wenig mehr Tiefe, da sie wortreicher und aus einem anderen Blickwinkel dargebracht werden, doch eben dennoch hinlänglich bekannt sind.

Schwierig dürfte es auch manchmal für Zartbesaitete sein, den doch recht ausführlichen Folterungsschilderungen zu folgen, die nicht immer gnädig abblenden, wenn es ans Eingemachte zu gehen droht, wenn man sich auf derlei Szenen bei einer Serie wie The Walking Dead sicherlich hätte einstellen können. Nichtsdestotrotz ziehen sich diese bekannten Handlungsstränge unnötig in die Länge und vergessen über weite Teile auch, Lilly weitergehend zu berücksichtigen, so dass sie in der zweiten Hälfte des Bandes kaum in Aktion tritt, nur um am Ende noch einmal ein paar gewichtige Szenen spendiert zu bekommen, die den noch folgenden Abschlussband vorbereiten, dessen Ausgang nicht nur aufgrund des amerikanischen Buchtitels hinlänglich bekannt sein dürfte.

Merkwürdigerweise diente dieser gescheiterte Versuch eines Attentats nur dazu, die Machtposition des Governors zu stärken. Für diejenigen, die bereits in seinem Bann standen, wurde er zu Alexander dem Großen, der nach Mazedonien zurückkehrte … verwundet, angeschlagen, aber nicht kleinzukriegen – ein knallharter Typ, zum Anführer geboren. Niemandem schien es etwas auszumachen, dass ihr Chef offensichtlich – zumindest in Lillys Augen – nichts anderes als ein gewöhnlicher Soziopath war.

So erreicht The Walking Dead 3 auf weiten Strecken nicht die Spannungskurve aus den vorangegangenen Teilen, einfach, weil so vieles schon bekannt und längst nicht unerwartet daherkommt, wohingegen sich die Leser wundern, ja sogar ärgern könnten, die die Buchreihe als Ergänzung zur Serie betrachtet haben und nun über Abläufe stolpern, die es nun einmal so in der Serie nie gegeben hat und die sich folglich nicht in den übergeordneten Kontext setzen lassen. Trotz unübersehbarer Schwächen in der Dramaturgie war aber auch dieser Band (speziell für mich als Kenner der Comics) dennoch packend und es ist dem Schreibstil Jay Bonansingas zu verdanken, dass ich mir auf alle Fälle auch den abschließenden vierten Band zu Gemüte führen werde, in der Hoffnung, dass man sich ein wenig mehr auf die Stärken der ersten beiden Bücher zu besinnen weiß und nicht bloß wiederkäut, was die Comics bereits gezeigt haben.

Fazit & Wertung:

Auch wenn The Walking Dead 3 unbestritten unterhaltsam und packend geschrieben ist, kommt die vermeintlich wichtige Figur der Lilly hier leider viel zu kurz, wohingegen sich die engen Grenzen der Comic-Vorlage als Hindernis zu erweisen beginnen, zwingen sie die Geschichte schließlich in eine bestimmte Richtung und lassen weite Teile des Romans zu einer zwar interessanten, aber nicht zwingend notwendigen Nacherzählung hinlänglich bekannter Ereignisse verkommen.

7 von 10 wandelnden Toten

The Walking Dead 3

  • Wandelnde Tote - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Auch wenn The Walking Dead 3 unbestritten unterhaltsam und packend geschrieben ist, kommt die vermeintlich wichtige Figur der Lilly hier leider viel zu kurz, wohingegen sich die engen Grenzen der Comic-Vorlage als Hindernis zu erweisen beginnen, zwingen sie die Geschichte schließlich in eine bestimmte Richtung und lassen weite Teile des Romans zu einer zwar interessanten, aber nicht zwingend notwendigen Nacherzählung hinlänglich bekannter Ereignisse verkommen.

7.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite des Heyne Verlag. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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The Walking Dead 3 ist am 10.02.14 im Heyne Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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