Review: Holmes (1854/†1891?) 2: Der Schatten des Zweifels (Graphic Novel)

Und schon kommt die Nummer 2, mit der ihr ja sicherlich nicht gerechnet habt. Freilich früh für meine Verhältnisse, aber ich plane den Abend nun auch voller Entspannung und fernab des Laptops zu fristen, von daher musste ich es ja jetzt erledigen. Schöne Restwoche und bis bald mit neuen Empfehlungen, Reviews, Kritiken etc. pp.

Holmes (1854/†1891?)
Zweiter Band: Der Schatten des Zweifels

Holmes (1854/†1891?), Livre III : L’ombre du doute, FR 2012, 64 Seiten

Holmes (1854/†1891?) 2: Der Schatten des Zweifels | © Jacoby & Stuart
© Jacoby & Stuart

Autor:
Luc Brunschwig
Zeichner:
Cécil

Verlag (D):
Jacoby & Stuart
ISBN:
978-3-942-78702-4

Genre:
Krimi | Mystery | Drama

 

Inhalt:

Ausschnitt aus Holmes (1854/†1891?) 2: Der Schatten des Zweifels | © Jacoby & Stuart
© Jacoby & Stuart

Nachdem Watson auf der Suche nach der Wahrheit bereits der Familie Holmes begegnet ist, die ihm vermeintlich Antworten geliefert haben, ist es sein Instinkt, der ihm immer und immer wieder sagt, dass wesentliche Dinge vor ihm verborgen werden, weshalb er sich auch mit seiner Frau nach Pau begibt, um weiteren Spuren nachzugehen und dem Geheimnis um Holmes auf die Schliche zu kommen, obwohl sein verstorbener Freund es doch eigentlich war, der mit brillanten und deduktiven Schlussfolgerungen zu beeindrucken wusste und nicht Watson.

Wiggins derweil gerät im Londoner East End unerwartet in einen Aufruhr und findet sich in der Praxis von Dr. Dudley Parks wieder, den er zu Gloria Dumbley zu befragen plant, der Krankenwärterin von Holmes‘ Vater, doch machen ihm die Aufständischen zunächst einen Strich durch die Rechnung, während Watson seine Nachforschungen fortführt und erneut Überraschendes über seinen Freund zutage fördert, was dank der neuen Erkenntnisse manche Äußerung seines früheren Weggefährten in einem neuen Licht erscheinen lässt. Doch beobachten noch andere Parteien die Schritte und Geschicke von Watson und Wiggins mit Argwohn und es zeichnet sich ab, dass sie es nicht mehr lange bei der reinen Beschattung bewenden lassen werden.

Rezension:

Nach dem in meinen Augen fulminanten Auftaktband Abschied von der Baker Street geht es nun im zweiten Holmes (1854/†1891?)-Band auf qualitativ ähnlich hohem Niveau weiter, wobei es sich mitnichten um den Abschlussband handelt, der eine Auflösung der vielen aufgeworfenen Fragen und angedeuteten Geheimnisse versprechen würde. Stattdessen handelt es sich hierbei sozusagen um den mittleren Band, zwischen Auftakt und dem mutmaßlichen Abschluss mit dem in 2015 erscheinenden Die Frau von Scutari. So darf man sich eben keine abschließenden und auflösenden Erkenntnisse erwarten, sondern stattdessen zahllose neue Rätsel und Andeutungen. Das schmälert leider ein wenig die Faszination, weil man als Leser natürlich danach giert, zu erfahren, was sich hinter all dem verbergen mag, doch tröstet die kongenial fortgeführte Geschichte darüber durchaus hinweg.

Ausschnitt aus Holmes (1854/†1891?) 2: Der Schatten des Zweifels | © Jacoby & Stuart
© Jacoby & Stuart

Speziell erzählerische Tricks und Kniffe wie die den Band eröffnende Traumsequenz Watsons inklusive einer geisterhaften Erscheinung seines alten und vermeintlich toten Freundes Holmes ist in jeder Nuance und Schattierung so gelungen, dass es schwerfällt, den Band danach noch einmal aus der Hand zu legen. Do gewohnt großartigen Zeichnungen von Cécil tun hierbei ihr Übriges und atmen erneut den Geist der Vorlage, zumal auch ein ausführliches Making-Of am Ende des Bandes davon zeugt, welcher Rechercheaufwand betrieben worden ist, um aber auch wirklich jede Szene im allerbesten Licht präsentieren zu können, so dass teils ganze Szenen ausgetauscht wurden um dem Erzählfluss Genüge zu tun, wobei man dazu sagen muss, dass ich einen Arm opfern würde, um nur je eine solche Seite konzipieren und zeichnen zu können, die hier rigoros der Schere zum Opfer fiel.

Und diese Anstrengungen, dieses Streben nach Perfektion merkt man dem Band, merkt man jeder einzelnen Seite an, so dass auch Der Schatten des Zweifels ein regelrechter Page-Turner geworden ist, der sich hinter seinem Vorgänger kaum zu verstecken braucht, wenn er eben auch wie gesagt erzählerisch ein ganz klein wenig hinter ihm zurückbleibt. Das sollte allerdings niemanden davon abhalten, ein Auge auf den Band zu werfen, der bei Kenntnis des ersten Albums sowieso Pflichtlektüre sein dürfte und unter Garantie gemeinsam mit dem oder den noch zu erscheinenden Alben einen festen Platz im Gefüge der Holmes-Veröffentlichungen bekommen wird, so detailverliebt, respekt- und liebevoll, wie sich Brunschwig und Cécil dem wohl größten Ermittler aller Zeiten und seinem Vermächtnis widmen.

Ausschnitt aus Holmes (1854/†1891?) 2: Der Schatten des Zweifels | © Jacoby & Stuart
© Jacoby & Stuart

Heimlicher Star des Bandes ist aber natürlich wie zuvor schon Watson, der sich zwar noch immer ab und an ein wenig schwer tut in seiner Rolle als Ermittler, sich aber mit einer Vehemenz und einem Antriebswillen durch die Vielzahl von Hinweisen hin zur Wahrheit kämpft, die mehr als nur einmal an seinen verstorbenen Freund erinnert, hinter dem er oft hat zurückstehen müssen, während er nun in Holmes (1854/†1891?) schlussendlich die wohlverdiente Chance bekommt zu zeigen, was in ihm steckt. Und so ist auch Der Schatten des Zweifels nach meinem Dafürhalten eine der lohnendsten und hochwertigsten Graphic Novels der letzten Jahre, wenn ich mir für Band 3, ob Abschluss der Reihe oder nicht, jedoch auch einige Antworten wünsche und nicht nur das Aufwerfen neuer Fragen und Andeuten weiterer Geheimnisse.

Fazit & Wertung:

Mit viel Gespür für Timing und Dramaturgie, mit Sachverstand und Herzblut haben Brunschwig und Cécil mit Der Schatten des Zweifels einen ähnlich begeisterungswürdigen Band Holmes (1854/†1891?) geschaffen, der für die zahllosen Fans des genialen Ermittlers zum Pflichtprogramm gehören dürfte und das, obwohl er lediglich in Rückblenden und Träumen in Erscheinung tritt und den Platz im Rampenlicht seinem getreuen Freund Watson überlässt.

9 von 10 falschen Fährten und tragischen Offenbarungen

Holmes (1854/†1891?) 2: Der Schatten des Zweifels

  • Falsche Fährten und tragische Offenbarungen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Mit viel Gespür für Timing und Dramaturgie, mit Sachverstand und Herzblut haben Brunschwig und Cécil mit Der Schatten des Zweifels einen ähnlich begeisterungswürdigen Band Holmes (1854/†1891?) geschaffen, der für die zahllosen Fans des genialen Ermittlers zum Pflichtprogramm gehören dürfte und das, obwohl er lediglich in Rückblenden und Träumen in Erscheinung tritt und den Platz im Rampenlicht seinem getreuen Freund Watson überlässt.

9.0/10
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Holmes (1854/†1891?) 2: Der Schatten des Zweifels ist am 20.02.14 im Verlagshaus Jacoby & Stuart erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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