Gestern bekommen, gestern geschaut, heute rezensiert und heute veröffentlicht; schneller kann es eigentlich gar nicht gehen mit dem Erstellen einer film-Kritik, doch keine Sorge, sie ist dadurch mitnichten weniger umfangreich oder lesenswert geraten, sondern einfach nur aktueller als alles, was ich sonst an dieser Stelle so fabriziere. Und Obacht an alle Text-Überspringer-und-direkt-auf-die-Wertung-Gucker: Der Film hat von mir eine subjektiv viel höhere Wertung bekommen, als er objektiv verdient hätte! Details: siehe Text 😉

Knights of Badassdom

Knights of Badassdom, USA 2013, 86 Min.

Knights of Badassdom | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Joe Lynch
Autoren:
Kevin Dreyfuss
Matt Wall

Main-Cast:
Ryan Kwanten (Joe)
Steve Zahn (Eric)
Summer Glau (Gwen)
Peter Dinklage (Hung)
in weiteren Rollen:
Margarita Levieva (Beth)
Jimmi Simpson (Ronnie Kwok)
Danny Pudi (Lando)

Genre:
Fantasy | Komödie | Abenteuer | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Knights of Badassdom | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Während Automechaniker und Hobby-Musiker Joe gerade eine Metal-Ballade für seine langjährige Freundin Beth fertiggestellt hat, gibt diese ihm den Laufpass, weil er sein Potential nicht ausnütze und sie sich mit erfolgreichen Menschen umgeben müsse. Am Boden zerstört, kehrt er zu seinen Nerd-Freunden Eric und Hung in die in einer Burg befindliche WG zurück und will seinen Kummer im Alkohol ertränken. Nachdem Joe sich abgeschossen hat, beschließen Eric und Hung, dass ihr Freund dringend Abstand und Ablenkung benötigt und was wäre da besser geeignet als das an diesem Wochenende stattfindende LARP um den Kampf um Evermore.

Als Joe in voller Rüstung im Van seines Freundes erwacht und sich in Eliphaz wiederfindet, genauer einem Waldparkplatz voller LARPer, ist er mehr als nur ein wenig ungehalten, doch schließlich gelingt es Eric und Hung, ihn zu überreden. Allerdings stellt Spielleiter Ronny die Bedingung, dass Eric eine Stufe-12-Beschwörung gelingen müsse, damit Joe dem Spiel beitreten kann. Dabei nutzt er unwissentlich ein echtes Zauberbuch, dass er bei ebay ersteigert hat und beschwört einen waschechten Dämon, der noch dazu frappierende Ähnlichkeit mit Joes Verflossener Beth hat. Derweil die Freunde noch nichts von der erfolgreichen Beschwörung ahnen, beginnt der Beth-Dämon auf dem LARP-Gelände das Morden und aus dem Spiel wird blutiger Ernst.

Rezension:

Nein, objektiv betrachtet ist Knights of Badassdom kein wirklich guter Film und es wird wohl für immer fraglich bleiben, ob das an der von Regisseur Joe Lynch selbst kritisierten Schnittfassung seitens Wade Bradley liegt, in der uns – nicht nur hierzulande – der bereits 2010 entstandene Film präsentiert wird, oder ob die eigentlich so einfache wie geniale Prämisse schlussendlich schlichtweg für mehr nicht hat taugen können. Fakt ist aber auch, dass kaum ein anderer Film so sehr das Prädikat Nerdgasm verdient hat wie dieser hier, was sich noch nicht einmal auf LARPer bezieht, zu denen ich mich selbst nicht zähle, sondern vielmehr auf Freunde und Fans fantastischer Unterhaltung im Allgemeinen, setzt sich der Cast schließlich aus so ziemlich allem zusammen, was im Serienkosmos auf diesem Sektor Rang und Namen hat.

Szenenbild aus Knights of Badassdom | © Ascot Elite
© Ascot Elite

So geben sich neben dem aus der Reihe fallenden Steve Zahn in den Hauptrollen Ryan Kwanten (True Blood), Summer Glau (Firefly) und Peter Dinklage (Game of Thrones) die Klinke in die Hand und werden kongenial unterstützt von Jimmi Simpson, der als von sich selbst eingenommener Spielleiter brillieren darf, während sich der geneigte Community-Fan über einen kleinen, aber feinen Auftritt von Danny Pudi freuen kann. Dabei erinnert Knights of Badassdom in punkto Fantasy-Anleihen oftmals an den ebenso absurden Your Highness, auch wenn Lynchs Film eine deutlich andere und weniger vulgäre Marschrichtung vorgibt. Trotzdem ist das herrlich abgedrehter Scheiß, dessen niedriges Budget nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die Spezialeffekte wohl absichtlich so miserabel geraten sind und eine weitere Hommage an alte Horrorfilme darstellen, so wie der ganze Film voller Referenzen und Anspielungen ist und sich anfühlt wie aus der guten alten Zeit, wenn ich das mal so sagen darf. Das beinhaltet natürlich mit fortschreitender Handlung ein gesteigertes Maß an abgetrennten Köpfen und anderen Körperteilen sowie hemmungslos spritzendes Blut, wobei das hier doch alles eher witzig und amüsant und nicht gerade gruselig oder verstörend wirkt.

Als Horrorkomödie angepriesen, verströmt der Film zwar weder echtes Horror-Flair noch lädt zum lauten Lachen ein, doch hat er mich knapp neunzig Minuten dauergrinsend vor den Fernseher bannen können. Hinzu kommt nämlich, dass der Film sich vermeintlich ziemlich ernst nimmt und der Trash-Faktor mit einer Konsequenz in die Höhe getrieben wird, ohne dabei eine Miene zu verziehen, dass es eine wahre Freude ist. Sicherlich sollte man einer gewissen Klientel angehören, um wirklich Spaß an dem Film haben zu können, doch in Zeiten, in denen es längst en vogue geworden ist, sich als Nerd zu bezeichnen, kann ich durchaus attestieren, dass es nicht schaden kann, sich selbst zumindest in Maßen dieser Gattung zugehörig zu fühlen und immerhin die ebenfalls referenzierten Pen-&-Papers wie Dungeons & Dragons waren mir nicht unvertraut. Doch auch die Momente, in denen Lynchs herrlich skurriler Film, Schnittfassung hin oder her, an den ähnlich anarchischen Kings of Rock gemahnen, wussten bei mir sofort zu zünden, denn tatsächlich ist der Film unter anderem auch eine Liebeserklärung an Metal sowie natürlich eine Huldigung an den Eskapismus der handelnden Figuren, die sich nicht umsonst dem Dämon in Gestalt von Joes Ex-Freundin Beth stellen müssen, die mit ihrem Erfolgsstreben natürlich so rein gar nichts mit der Slacker-Attitüde ihres Freundes anzufangen weiß.

Szenenbild aus Knights of Badassdom | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Darüber hinaus hatte ich zu meiner Freude nicht das Gefühl, dass die LARPer hier durch den Kakao gezogen, also der Lächerlichkeit preisgegeben werden, denn bei aller Spleenigkeit werden die Figuren doch allesamt so liebevoll gezeichnet, dass es einem um jede Person Leid tut, die von Dämon Beth dahingerafft wird und auch die Paintball-Typen (deren Hobby ja objektiv betrachtet im Grunde auch eine Art LARP darstellt), die die „Mittelalter-Schwuchteln“ aufzumischen gedenken, bekommen schlussendlich ihr Fett weg, während auch Summer Glau als taffe und schlagkräftige Kriegerin gehörig austeilen darf und damit zum Glück weit mehr ist als das obligatorische Eye-Candy und Quotenfrau. So ist Knights of Badassdom zwar bei weitem nicht frei von Mängeln und die Dramaturgie holpert manchmal gehörig vor sich hin, aber die Prämisse, die Darsteller, die liebevolle Herangehensweise und die unsagbar schlechten Effekte, für die sich selbst ein dieser Tage B-Movie schämen würde, nehmen mich doch durchaus für diesen Film ein, der sich ganz, ganz weit ab vom Mainstream bewegt und als selbstreferenzielle Trash-Huldigung verstanden werden darf.

Fazit & Wertung:

Auch wenn Regisseur Joe Lynch mit der veröffentlichten Schnittfassung seines anarchischen Fantasy-Horror-Komödien-Hybriden Knights of Badassdom selbst nicht glücklich ist, lohnt sich ein Blick auf dieses mit allerhand Anspielungen versehene Trash-Spektakel durchaus, wenn man ein Faible für Slacker, Splatter, Fantasy, skurrile Figuren und gänzlich abgedrehte Geschichten hat.

7 von 10 gnadenlos niedergemachten LARPern

Knights of Badassdom

  • Gnadenlos niedergemachte LARPer - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Auch wenn Regisseur Joe Lynch mit der veröffentlichten Schnittfassung seines anarchischen Fantasy-Horror-Komödien-Hybriden Knights of Badassdom selbst nicht glücklich ist, lohnt sich ein Blick auf dieses mit allerhand Anspielungen versehene Trash-Spektakel durchaus, wenn man ein Faible für Slacker, Splatter, Fantasy, skurrile Figuren und gänzlich abgedrehte Geschichten hat.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tonight is gonna be a large one.: 6/10 Punkte

Knights of Badassdom erscheint am 28.10.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray: