Review: Wonderland – Der neue Wahnsinn 2: Die Wahnsinns-Party! (Graphic Novel)

So, bevor es in wenigen Stunden dann endlich auch für mich zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse geht, kommen hier mal wieder einige, genauer gesagt exakt zwei, Comic-Reviews für euch, schließlich muss ich ja kompensieren, dass Panini dieses Jahr erst gar keinen Messestand in Frankfurt hat und auch die Comic-Halle als solches dem Vergessen anheimgefallen ist. Macht aber nix, wird sicher trotzdem schön!

Wonderland
Der neue Wahnsinn 2
Die Wahnsinns-Party!

Grimm Fairy Tales presents: Wonderland #6-10, USA 2014, 144 Seiten

Wonderland - Der neue Wahnsinn 2: Die Wahnsinns-Party! | © Panini
© Panini

Autor:
Raven Gregory
Zeichner:
Sheldon Goh (#1-4)
Francesco di Pastena (#5)
Gerard Conte (#1)
EJ Morges (#4)

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-862-01809-3

Genre:
Fantasy | Horror

 

Inhalt:

Der Geist des Hutmachers ist besiegt und Calie und Violet befinden sich erneut auf der Flucht, hoffen nun, in den Weiten von Los Angeles dem Zugriff des Wunderlandes entfliehen zu können, doch ohne es zu ahnen, haben sie sich erneut in die Höhle des Löwen gewagt, denn ein Club in der Stadt ist längst unterwandert von den Kreaturen des Alptraumlandes und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis es Violet, die unter ihrer Isolation mehr als zuvor zu leiden hat, in besagten Club verschlagen wird, zumal sie bald ein Mädchen namens Harmony kennenlernt, das längst nicht so brav ist, wie es in Gegenwart von Calie zu sein vorgibt.

Derweil verfolgen im Wunderland die Pik-Königin und ihr getreuer Ritter noch immer die Herz-Königin und ihren Sohn, den König, die sich in den Weiten der Winter-Wildnis auf die Suche nach dem Tempel der Reinheit begeben haben, einer Irrenanstalt, die vor langer Zeit ins Wunderland gesogen wurde und nun eine Bastion geistiger Gesundheit bildet, einen Ort, an den der Wahnsinn des Wunderlandes nicht gelangen kann. So zumindest lautet die Legende…

Rezension:

Ich hatte ja schon dem ersten Band von Wonderland – Der neue Wahnsinn! bescheinigt, dass es Raven Gregory gelungen ist, sich auf alte Stärken zu besinnen und nach länger währender Flaute endlich einmal wieder eine überzeugende Geschichte abgeliefert zu haben, die auch wieder mehr psychologischen Terror zu verkaufen wusste und sich nicht vollends im Wirrwarr aus sterbenden und wiedergeborenen Wunderland-Gestalten zu verlieren drohte. Ähnlich verhält es sich nun mit Die Wahnsinns-Party, denn so dämlich auch der Titel klingen mag, konzentriert sich der Band zunächst wieder völlig auf Calie und ihre Tochter Violet und die Probleme, die es mit sich bringt, ständig auf der Flucht zu sein und in ihren Träumen von den Albtraumgestalten einer anderen Welt verfolgt zu werden.

Große Teile der Geschichte thematisieren zwar auch Geschehnisse innerhalb des Wunderlandes, zeigen aber auch hier im Zwist zwischen Herz- und Pik-Königin neue Ambivalenzen auf und begnügen sich nicht damit, eine überbordende Schlacht zum Besten zu geben, sondern skizzieren die Herz-Königin auch einmal als sorgende Mutter, die sich nichts weiter wünscht, als ihrem Sohn den Wahnsinn des Wunderlandes zu ersparen. Damit nicht genug, wird auch das Verhältnis von Mutter zu Tochter in unserer Welt weiter thematisiert und so erscheint der Band deutlich homogener und ja beinahe tiefgründiger als viele der anderen Vertreter der Wonderland-Reihe.

Die Story um Violet und ihre neu gewonnene Freundin, die sie dazu verführt, sich den Anweisungen ihrer Mutter zu widersetzen und stattdessen gemeinsam mit ihr über die Stränge zu schlagen ist natürlich mitnichten neu, im Kontext des Wonderland-Kosmos allerdings überzeugend und stimmig inszeniert, zumal auch Calie nun in weiterer Folge endlich einmal wieder zeigen darf, was in ihr steckt und wozu eine liebende Mutter fähig ist. Noch erschließt sich zwar nicht der vollständige Zusammenhang der parallel verlaufenden Geschichten in unserer Welt und dem Wunderland, doch vertraue ich da ganz auf die Macher, die scheinbar begriffen haben, dass eine konsistente, fortlaufende und in sich logische Geschichte weitaus spannender und überzeugender gerät, als die immer neuen Kapriolen, die das Figuren-Ensemble im ersten Aufguss der Reihe noch zu schlagen wusste.

So zeichnen sich zwar umfassende Machtumwälzungen im Wunderland ab, wie sich diese jedoch speziell auf Calie und Violet auswirken werden, bleibt abzuwarten. Positiv hervorzuheben ist zudem noch bei Die Wahnsinns-Party, dass zumindest die ersten vier und in sich abgeschlossenen Kapitel endlich einmal wieder von einem überzeugenden Zeichner – in diesem Falle Sheldon Goh, der auch schon für drei Fünftel des Vorgängerbandes verantwortlich zeichnete – visualisiert worden sind, was der Kohärenz durchaus noch zuträglich ist. Umso trauriger ist da der Qualitätsabfall im fünften und letzten Kapitel von Francesco di Pastena, doch ähnelt dies auch inhaltlich einem One-Shot, weshalb dieser Umstand noch zu verzeihen ist. Davon abgesehen präsentiert sich Wonderland – Der neue Wahnsinn! bis dato also deutlich hochwertiger und lohnenswerter, zumal bisher auch die gesamte Geschichte von Raven Gregory erdacht und geschrieben worden ist, dem es anscheinend ein Anliegen war, die von ihm miterfundene Reihe wieder zu alter Größe zu führen. Und bis jetzt macht er damit einen durchaus überzeugenden Job!

Fazit & Wertung:

Wonderland – Der neue Wahnsinn! präsentiert sich zu meiner großen Freude auch im zweiten Band genauso hochwertig und lohnenswert wie schon der Auftaktband und hat nicht nur in Sheldon Goh einen Zeichner gefunden, dessen Art mir weitaus mehr zusagt als die Vielzahl an bislang für die Reihe verpflichteter Künstler, sondern auch inhaltlich wieder deutlich mehr Tiefgang beweist als die immer abstruser werdenden Geschichten der ursprünglichen Reihe.

8 von 10 in unsere Welt dringenden Alptraumkreaturen

Wonderland – Der neue Wahnsinn 2: Die Wahnsinns-Party!

  • In unsere Welt dringende Alptraumkreaturen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Wonderland – Der neue Wahnsinn! präsentiert sich zu meiner großen Freude auch im zweiten Band genauso hochwertig und lohnenswert wie schon der Auftaktband und hat nicht nur in Sheldon Goh einen Zeichner gefunden, dessen Art mir weitaus mehr zusagt als die Vielzahl an bislang für die Reihe verpflichteter Künstler, sondern auch inhaltlich wieder deutlich mehr Tiefgang beweist als die immer abstruser werdenden Geschichten der ursprünglichen Reihe.

8.0/10
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Wonderland – Der neue Wahnsinn 2: Die Wahnsinns-Party! ist am 19.08.14 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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