Review: Alles in Butter (Film)

Ich bin ja im Moment dabei, ein wenig meine ungesehenen Blu-rays zu durchforsten und Altlasten abzuarbeiten und ab und an stoße ich dann eben auch auf Filme wie den nun folgenden, die sicher nicht jedermanns Sache sind, mir aber, gerade weil sie oftmals kaum jemand kennt, eine Menge Freude machen und auch wenn die wenigen Kritiker-Stimmen, die ich zu diesem Film kenne, ihn verschmähen, muss ich sagen, dass er echt weit besser ist als sein Ruf, gerade wenn man auf skurrile Geschichten steht. Aber lest (und schaut) selbst!

Alles in Butter

Butter, USA 2011, 90 Min.

Alles in Butter | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Jim Field Smith
Autor:
Jason A. Micallef

Main-Cast:

Jennifer Garner (Laura)
Ty Burrell (Bob)
Olivia Wilde (Brooke)
Rob Corddry (Ethan)
Ashley Greene (Kaitlen)
Alicia Silverstone (Jill)
Yara Shahidi (Destiny)
Hugh Jackman (Boyd Bolton)

Genre:
Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Alles in Butter | © Koch Media
© Koch Media

Seit nunmehr fünfzehn Jahren ist Bob Pickler der ungeschlagene und viel bejubelte Held des alljährlichen Iowa-Butter-Cups und dessen weitaus ambitioniertere Vorzeige-Ehefrau Laura sieht ihn schon in der Position als zukünftiger Senator. Dann allerdings tritt die Jury an Bob heran und legt ihm nahe, das Zepter aus der Hand zu geben und den nachrückenden Talenten das Feld zu überlassen. Bob fügt sich bereitwillig, doch Laura wittert eine Verschwörung und ist nicht bereit, ihren Platz als First Lady kampflos zu räumen. Es kommt zu einem erbitterten Streit zwischen Laura und Bob, welcher Reißaus nimmt und in die Arme der Stripperin Brooke flüchtet, die ihm prompt nachzustellen beginnt.

Laura derweil versucht die Ehre des Familiennamens Pickler zu retten und meldet sich selbst zum Butter-Cup an. Während Brooke sich ebenfalls anmeldet, um Bobs Frau zu erzürnen, droht Laura vielmehr Gefahr von der zehnjährigen Destiny, die jüngst als Pflegekind in die Stadt gezogen, ihr Talent für die Butterschnitzerei entdeckt hat und von ihren neuen Eltern Jill und Ethan hingebungsvoll unterstützt wird. Laura sieht nach ihrer ersten Niederlage keine andere Chance, als sich an ihren Ex-Freund und Autohaus-Besitzer Boyd zu wenden, der aber dummerweise die Weisheit nicht gerade mit Löffeln gefressen hat.

Rezension:

Dank gehörig durchwachsener Kritiken und einem Grundthema, welches auf den ersten Blick völlig abstrus scheinend, wohl gar nicht mal so weit hergeholt ist, hierzulande aber nichtsdestotrotz nach meinem Dafürhalten mehr als befremdlich ist, habe ich mich, allein schon der illustren Darsteller wegen, an Butter gewagt, der bei uns unsinnigerweise Alles in Butter heißen muss, warum auch immer. Ich sollte es nicht bereuen, denn die spritzig-respektlose und völlig überzogene Darstellungsweise der religiös verklärten Amerikaner mit ihrem unerschütterlichen Erfolgsdenken und den teils archaischen Moralvorstellungen hat mir schon ausnehmend gut gefallen und sorgte mit bösen Spitzen für viele Lacher, denn wenn beispielsweise Laura die Jury des Butter-Wettbewerbes mit Judas Ischariot vergleicht und somit ihren Mann, den gefeierten Butterschnitz-Champion, mit Jesus auf eine Stufe stellt, dann ist das zwar nicht brüllend komisch, lädt aber doch sehr zum Schmunzeln ein und gerade die erste Hälfte des Films ist gespickt mit solchen Seitenhieben und herrlich absurden satirischen Einschlägen. Jim Field Smiths Film begnügt sich aber mitnichten damit, eine Satire zu sein, die den Butter-Wettbewerb als Analogie für den Wahlkampf herhalten lässt, sondern ist gleichzeitig eine Mischung aus Komödie und Familiendrama, die durch ihre Überspitztheit angenehm aus der Masse herausragt.

Szenenbild aus Alles in Butter | © Koch Media
© Koch Media

Doch auch wenn die Geschichte der zehnjährigen Destiny, wirklich großartig aufspielend von Yara Shahidi, trotz emotionaler Momente nicht allzu sehr auf die Tränendrüse drückt, ist es schön, sie als Gegenentwurf zu den ausgeflippten Erwachsenen vorgesetzt zu bekommen, die hier allesamt dermaßen überzogen skizziert sind, dass einem recht schnell klar sein dürfte, dass es kaum etwas gibt, was man an Butter wirklich ernst nehmen kann. Dies mag seine Wucht als Satire zwar schmälern, macht letztendlich aber den besseren Film aus der Chose, weil man, hätte man sich vollends auf den satirischen Aspekt konzentriert, auf manch überspitzt gezeichnete Figur hätte verzichten müssen, ob es sich dabei nun um Olivia Wilde als skrupellose Stripperin Brooke und somit Gegenentwurf zum vorherrschenden Spießbürgertum handelt oder auch Hugh Jackman als wirklich himmelschreiend dummen Obermacho und Autoverkäufer Boyd Bolton handelt, den es schon überfordert, das Wort Gewissen richtig auszusprechen. Kaum ernstzunehmende Figuren zweifelsohne, im Kontext der Geschichte aber gerade das richtige Maß an exzentrischer Spleenigkeit.

Umso bedauerlicher ist es da, dass beispielsweise Alicia Silverstone als überfürsorglich-besorgte Pflegemutter für Destiny gnadenlos verheizt wird und nicht viel mehr tun darf, als verkniffen in der Gegen rumzugucken, wohin Rob Corddry immerhin als deren Mann ein paar wunderbare Szenen mit Destiny spendiert bekommt und ungleich präsenter – und sympathischer – wirkt. Last but not least wäre aber noch Jennifer Garner zu nennen, die als aufstrebende und verbissene Gattin des gefeierten Butterschnitzers Bob durchaus wie die Vorzeigeehefrau eines Senators oder Gouverneurs wirkt. Zu beobachten, wie sie mit allen erdenklichen Mitteln versucht, den für Außenstehende so profan wirkenden Wettkampf zu gewinnen und zu sehen wie sie, auf ihre quasi gottgegebene Vormachtstellung vertrauend, sich an dem Kampf gegen ein zehnjähriges Mädchen aufzureiben beginnt, ist sowohl Kern als auch Herz von Butter und scheint nicht nur von Szene zu Szene grotesker zu werden.

Szenenbild aus Alles in Butter | © Koch Media
© Koch Media

Natürlich muss man aber auch sagen – und das dürfte im Grunde auch schon mehr als deutlich geworden sein- , dass die Figurenkonstellation doch arg konstruiert und oft schablonenhaft wirkt und Drehbuchautor Jason A. Micallef beim Persiflieren des amerikanischen Mittelwesten nicht gerade subtil zu Werke geht, doch hat es mir gerade diese freimütige Spielfreude, der Hang zum Überzogenen und Exzentrischen hier besonders angetan und auch auf die Gefahr hin, dass mehr als nur eine Figur doch leicht naiv und begriffsstutzig daherkommt, also abgesehen von dem wirklich vor Dummheit triefenden Autoverkäufer Boyd, macht dies eben neben den satirischen Elementen ein Gros des Humors von Butter aus, der in seiner oft nur unterschwelligen Bösartigkeit voll und ganz meinen Geschmack getroffen hat. Ein Film, so ungewöhnlich, wie man es selten erlebt, mit einem Konzept, so erfrischend, dass ich ihm manch dramaturgisches Klischee gerne nachsehe.

Fazit & Wertung:

Jim Field Smiths Alles in Butter ist ein herrlich überzogenes und exzentrisches Filmvergnügen, dass angenehm aus dem üblichen Hollywood-Komödien-Einheitsbrei herausragt und mit einem stimmigen und hochkarätigen Cast beeindruckt, der mit unübersehbarer Spielfreude zu Werke geht. Schablonenhafte und konstruiert wirkende Figuren schmälern dabei das Filmerlebnis nur unmerklich, während die komödiantischen und satirischen Qualitäten bei weitem überwiegen.

7,5 von 10 Butter-Skulpturen

Alles in Butter

  • Butter-Skulpturen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Jim Field Smiths Alles in Butter ist ein herrlich überzogenes und exzentrisches Filmvergnügen, dass angenehm aus dem üblichen Hollywood-Komödien-Einheitsbrei herausragt und mit einem stimmigen und hochkarätigen Cast beeindruckt, der mit unübersehbarer Spielfreude zu Werke geht. Schablonenhafte und konstruiert wirkende Figuren schmälern dabei das Filmerlebnis nur unmerklich, während die komödiantischen und satirischen Qualitäten bei weitem überwiegen.

7.5/10
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Alles in Butter ist am 22.11.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Koch Media erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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