Review: Ender’s Game – Das große Spiel (Film)

Heute, auch wenn ich auf dem Sprung bin, haue ich doch endlich wieder einmal eine Kritik raus, wird ja wirklich auch allerhöchste Zeit! Viel Spaß und Freude und natürlich einen schönen, geruhsamen Abend euch.

Ender's Game
Das große Spiel

Ender’s Game, USA 2013, 114 Min.

Ender's Game - Das große Spiel | © Constantin
© Constantin

Regisseur:
Gavin Hood
Autoren:
Gavin Hood (Drehbuch)
Orson Scott Card (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Asa Butterfield (Ender Wiggin)
Harrison Ford (Colonel Hyrum Graff)
in weiteren Rollen:
Hailee Steinfeld (Petra Arkanian)
Viola Davis (Major Gwen Anderson)
Abigail Breslin (Valentine Wiggin)
Ben Kingsley (Mazer Rackham)

Genre:
Action | Science-Fiction | Abenteuer

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Ender's Game - Das große Spiel | © Constantin
© Constantin

Die Zukunft: Außerirdische Insektoiden, die Formics genannt, haben die Erde angegriffen und forderten Millionen Menschenleben. Nur dem beherzten Kamikaze-Manöver des Kampfpiloten Mazer Rackham war es zu verdanken, dass die Erde von den außerirdischen Invasoren nicht vollends verheert wurde. 50 Jahre später bereitet sich die Menschheit noch immer auf eine Rückkehr der riesenhaften Insektoiden vor und seitens der Internationalen Flotte wurden mehrere Institutionen ins Leben gerufen, die Kinder zu perfekten Taktikern auszubilden versuchen, da deren Gehirne noch deutlich aufnahmefähiger und ihre Taktiken bei weitem kreativer sind, als man es von einem Erwachsenen erwarten könnte. Doch die Anforderungen sind hoch und während Valentine als zu empfindsam für den Drill auf der Kampfschule galt, wohingegen ihr Bruder Peter als zu brutal eingestuft worden ist, liegen die Hoffnungen der Familie Wiggin auf Ender, dem Drittgeborenen.

Als Ender sich auf brutalste Weise einer Gruppe aggressiver Jungen erwehrt, ist Colonel Hyrum Graff davon überzeugt, in ihm den perfekten Anführer und Taktiker gefunden zu haben und reist mit ihm zu der Kampfschule in der erdnahen Umlaufbahn, damit Ender dort seine eigentliche Ausbildung beginnen kann. Der hochintelligente Junge ahnt jedoch noch nicht, dass Graff seine Stellung im sozialen Gefüge der Militärschule bewusst manipuliert, um ihn zu einem Außenseiter zu machen, der sich, ganz auf sich allein gestellt, gegenüber den anderen Kadetten behaupten muss, die ihm seinen schnellen Aufstieg und seine scheinbare Bevorzugung mehr als übel nehmen. Und um zu gewährleisten, dass Ender dereinst die Bedrohung durch die Formics bannt, ist Colonel Graff bereit, alles zu tun, was nötig ist.

Rezension:

Die Verfilmung von Science-Fiction-Geschichten halte ich ja grundsätzlich immer für begrüßenswert und wenn diese dann noch, wie im Falle von Orson Scott Cards vielgerühmten Klassiker von 1985 mit einem gewissen Anspruch verbunden ist, dann freue ich mich natürlich umso mehr. Im Falle von Gavin Hoods Adaption zu Ender's Game kenne ich zwar leider die Buchvorlage nicht, doch zumindest die ebenfalls noch recht aktuelle Comic-Adaption, die hierzulande in zwei Teilen bei Panini veröffentlicht worden ist und eins fällt in dem Zusammenhang leider sofort auf: Der Film ist schlicht und ergreifend viel zu kurz geraten. Schließlich durchläuft der namensgebende Ender Wiggin eine Jahre dauernde Ausbildung hin zum Meistertaktiker, um sich schlussendlich dem Kampf gegen die fiesen Aliens stellen zu können, doch wird diese Ausbildung hier nicht nur auf wenige Monate reduziert, sondern filmisch auch noch dermaßen komprimiert, dass Ender alle paar Minuten befördert und versetzt wird, was einer Sympathieentwicklung für die ihn umgebenden Charaktere nicht gerade zuträglich ist. Dass hier ein ganzer Handlungsstrang herausgekürzt worden ist (ebenso wie im Comic) erscheint mir noch nachvollziehbar und sinnvoll, doch fokussiert der Film dermaßen stark auf Ender, dass alle Figuren inklusive Harrison Fords und Ben Kingsleys Charaktere reine Randnotizen bleiben und nicht gerade viel Screentime spendiert bekommen, geschweige denn Profil.

Szenenbild aus Ender's Game - Das große Spiel | © Constantin
© Constantin

Das ist zudem insofern bedauerlich, als dass die Kapitel in ihren literarischen Fassungen von Dialogen eingeleitet werden, die zwischen den Ender überwachenden und begutachtenden Personen stattfinden und dem Leser einen Wissensvorsprung zugestehen, der hier größtenteils abhandenkommt, da zwar Gespräche über Ender stattfinden, diese sich aber beinahe ausschließlich um die moralische Fragwürdigkeit des Vorhabens und seinen Geisteszustand auslassen, für mein Empfinden aber auch schlicht zu selten sind. Das Gezeigte selbst ist hingegen von allerhöchster Güte und Hood konzentriert sich auf prägnante Stationen in der Ausbildung von Ender, schafft ethische und moralische Fallstricke und inszeniert die wenigen gezeigten Übungskämpfe und Enders wachsende Fähigkeiten sorgsam und stimmig. Dabei kommt ihm Asa Butterfields herausragendes schauspielerisches Talent natürlich sehr zupass, muss dieser Ender's Game schließlich die meiste Zeit im Alleingang schultern. Wer übrigens meint, Butterfield spiele zu steif und emotionslos, hat leider das Konzept des Films nicht verstanden, was aber leider wiederum daran liegt, dass Gavin Hood es versäumt, herauszuarbeiten, warum die Kinder sich so verhalten, wie sie sich verhalten und nicht etwa an dem Unverständnis des Zuschauers.

Im Grunde funktioniert der Film am ehesten, wenn man das Buch oder zumindest den Comic gelesen hat, da ansonsten zu vieles nicht stichhaltig und umfassend genug erklärt wird, so dass ich mir für diesen Film eine nicht unerheblich längere Fassung gewünscht hätte, die vieles zu verdeutlichen und präzisieren imstande gewesen wäre, statt durch die Geschichte zu hetzen und mit einem zwar überraschenden, aber letztlich ebenfalls zu unvermittelt und abrupt hereinbrechenden Finale zu begeistern versucht, dass zwar immer wieder zum Nachdenken zu verleiten meint und den Grundgedanken des Buches sicherlich verinnerlicht hat, sich aber außerstande sieht, die ganze Tragweite der Geschichte auf die Leinwand zu bannen. Mir als Kenner der Story hat Ender's Game somit subjektiv durchaus gut gefallen, doch wenn ich versuche, meinen Wissensvorsprung auszublenden, bleibt leider ein Film voller offener Fragen und verschenkter Möglichkeiten, der zwar unbestreitbar gut aussieht und trotz der omnipräsenten Militärthematik überraschend emotional und intelligent geraten ist, dem großen Vorbild aber leider in kaum einer Weise gerecht wird.

Szenenbild aus Ender's Game - Das große Spiel | © Constantin
© Constantin

Somit hinterließ der Film bei mir einen äußerst ambivalenten Eindruck, denn für einen Hollywood-Blockbuster ist er schon durchaus kritisch und tiefgründig geraten und wartet mit ein paar ziemlich perfiden Szenen und Twists auf, hätte allerdings aus der Thematik auch noch deutlich mehr herauskitzeln können. Butterfields Leistung ist ebenso einen Blick wert und wirklich packend geraten, wohingegen Hailee Steinfeld und Abigail Breslin völlig verschenkt werden und selbst Ford und Kingsley in ihren Rollen nur bedingt Akzente zu setzen verstehen. Die Geschichte selbst, ich kann es nicht oft genug betonen, peitscht gnadenlos voran und duldet keine Verschnaufpause, was zwar einerseits die eigentliche Dramaturgie nicht gerade stärkt, andererseits aber auch für eine Menge Kurzweil garantiert und keine Längen aufweist, also überraschend präzise und zielgerichtet daherkommt. Und nicht zuletzt sieht Ender's Game unbestritten gut aus und nicht nur die Kämpfe im luftleeren Raum suchen ihresgleichen und sind innovativ und spannend geraten, so dass aus der Literatur-Adaption ein Aushängeschild moderner und spannender Science-Fiction hätte werden können, wenn er sich nicht mit der deutlich zu knapp bemessenen Laufzeit und damit einhergehenden inszenatorischen Fallstricken selbst ein Bein gestellt hätte.

Fazit & Wertung:

Gavin Hoods Adaption des Science-Fiction-Klassikers Ender's Game – Das große Spiel von Orson Scott Card ist leider nicht annähernd so rund und stimmig geworden, wie man es spielend hätte erreichen können, hätte man sich nicht krampfhaft bemüht, die eigentlich epische und Jahre währende Geschichte in unter zwei Stunden abzuhandeln, was den Zuschauer emotional weit weniger involviert, als es der Geschichte gutgetan hätte, die sich schließlich einigen spannenden Fragen und Moral und Ethik widmet. Stattdessen werden diese nur angedeutet und man konzentriert sich mehr auf opulente Optik und den im Minutentakt gewiefter werdenden Ender, doch das immerhin ist den Machern mehr als gelungen.

6,5 von 10 taktischen Gefechten

Ender's Game - Das große Spiel

  • Taktische Gefechte - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Gavin Hoods Adaption des Science-Fiction-Klassikers Ender's Game - Das große Spiel von Orson Scott Card ist leider nicht annähernd so rund und stimmig geworden, wie man es spielend hätte erreichen können, hätte man sich nicht krampfhaft bemüht, die eigentlich epische und Jahre währende Geschichte in unter zwei Stunden abzuhandeln, was den Zuschauer emotional weit weniger involviert, als es der Geschichte gutgetan hätte, die sich schließlich einigen spannenden Fragen und Moral und Ethik widmet. Stattdessen werden diese nur angedeutet und man konzentriert sich mehr auf opulente Optik und den im Minutentakt gewiefter werdenden Ender, doch das immerhin ist den Machern mehr als gelungen.

6.5/10
Leser-Wertung 5/10 (1 Stimme)
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Ender's Game – Das große Spiel ist am 06.03.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Constantin erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Ja, etwas in der Art habe ich schon befürchtet. Wohl eine der Jugendbuchfilme, die ich auslassen werde…

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