Schon naht wieder einmal das Wochenende und bevor ich mich in ebenselbiges begebe, beglücke ich euch doch noch eben mit einer längst überfälligen Film-Kritik zu einem ganz wundervollen Film. Macht euch eine schöne Zeit, erholt euch gut und entspannt ordentlich, denn die nächste Woche kommt bestimmt!

Spuren

Tracks, AU 2013, 110 Min.

Spuren | ©Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
John Curran
Autoren:
Marion Nelson (Drehbuch)
Robyn Davidson (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Mia Wasikowska (Robyn)
Adam Driver (Rick)

Genre:
Abenteuer | Biografie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Spuren | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Mit 24 Jahren zieht Robyn Davidson 1975 von Brisbane nach Alice Springs in der Wüste Australiens. Von dort aus plant sie, das Outback zu durchqueren und an die Westküste zu wandern, ein Marsch von rund 1.700 Meilen. Zunächst fehlen ihr Geld, Kamele und Ausrüstung, doch allen Widrigkeiten zum Trotz beschafft sie die nötigen Utensilien und lässt sich schließlich ebenso überreden, sich von National Geographic sponsern zu lassen, die im Gegenzug die Exklusivrechte an ihrer Geschichte erhalten sowie die Möglichkeit, an ausgesuchten Etappen ihrer Reise Fotos von ihr zu schießen.

Zwei Jahre nach ihrer Ankunft in Alice Springs begibt sich Robyn 1977 auf die Reise, begleitet von vier Kamelen und ihrem treuen Hund Diggity, doch schon hinter der ersten Hügelkuppe erwartet sie Rick Smolan, der Fotograf, und geht ihr prompt gehörig auf die Nerven. Eine Monate währende Reise voller Strapazen und Widrigkeiten, Wasserknappheit, Orientierungslosigkeit, neuen Bekanntschaften und verlassenen Orten, Eingeborenen und Touristen nimmt ihren Anfang und bald schon kennt jeder in der australischen Wüste Robyn Davidson nur noch als die Kamel-Lady.

Rezension:

Bei Tracks, zu Deutsch Spuren, handelt es sich um die Verfilmung des gleichnamigen, auf ihren eigenen Erfahrungen basierenden Romans von Robyn Davidson, die mit kaum Mitte 20 den wagemutigen Entschluss fasst, die Wüste Australiens durchqueren zu wollen, auf der 1.700 Meilen langen Reise lediglich begleitet von vier Kamelen und ihrem Hund. Inspiriert von den Fotografien von Rick Smolan, der die echte Robyn Davidson für National Geographic und ausgehend von den im Buch geschilderten Erlebnissen hat sich nun Regisseur John Curran daran begeben, diese Reise filmisch zu adaptieren und trifft dabei genau den richtigen Ton. Nicht nur, dass sich die nicht mehr unbekannte, aber doch sicherlich noch nicht zu Weltruhm gelangte Mia Wasikowska hier als introvertierte, teils misanthropisch scheinende Robyn für weitere Charakterrollen empfiehlt, trägt sie den knapp zweistündigen Film mit Charme und Stärke spielend im Alleingang, dass selbst die Faszination des australischen Outbacks dahinter zurückstehen muss, nein, es gelingt Curran ebenso, die Landschaft und die sie begleitenden Tiere ebenfalls als Darsteller zu etablieren, die nicht von ungefähr zur Faszination des Films beitragen und den spleenigen Fotografen, dargestellt von Adam Driver, zunächst wie einen überflüssigen Fremdkörper wirken lassen.

Szenenbild aus Spuren | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Anfänglich noch vermehrt auf Off-Kommentare zurückgreifend, wird der Zuschauer in den ersten Minuten behutsam in die Geschichte geführt und darf mitverfolgen, wie Davidson versucht, an Kamele, Geld und Ausrüstung zu gelangen, bevor sie nach einer guten halben Stunde ihre eigentliche Reise antritt. Dieses Vorgeplänkel allerdings wirkt erfreulicherweise nicht wie ein der bloßen Exposition der Figuren dienendes Intro, sondern ist so unmittelbar mit der geplanten Reise verwoben, dass man direkt in die Geschichte zu tauchen imstande ist. Hier etabliert sich auch bereits der langsame, elegische, voll und ganz auf Robyn fixierte Erzählton des Films, dem man besser keine Chance geben sollte, wenn man sich auf Tempo und klassischen Spannungsaufbau verlässt, denn abgesehen von kleineren dramatischen Einschüben plätschert der Film mehr vor sich hin, als dass er dem klassischen Aufbau eines üblichen Hollywood-Streifens folgen würde. So werden zwar Szenen nicht dramatisch überhöht, doch ist es auch genau diese Entscheidung, die den Film so greifbar macht, die Geschehnisse so unmittelbar erscheinen lässt und wieder einmal unter Beweis stellt, dass die besten Geschichten das Leben schreibt.

Spuren ist durch und durch ein Film der leisen Töne und dem ordnen sich auch die formidable Kameraarbeit von Mandy Walker und der zurückhaltende Score unter, so dass gerade in der zweiten Hälfte die raue Schönheit der australischen Wüste voll zur Entfaltung kommt, während man sich voll und ganz auf das Schauspiel Wasikowskas einlassen sollte, um die Entwicklung ihrer Figur nachvollziehen zu können, die sie oft nur mit kleinen Gesten und scheuen Blicken erfahrbar macht, denn der Wüstenmarsch, als Reise um der Reise selbst willen gestartet, entpuppt sich natürlich im weiteren Verlauf auch als innere Reise zum eigenen Selbst und wird untermalt von einigen Rückblenden in Robyn Davidsons Kindheit, derer es zwar nicht zwingend bedurft hätte, die sich aber in ihrer Bildsprache und Ausgestaltung trefflich in die Szenerie fügen. Ist Robyn dabei anfänglich noch auf die Erfahrung der puren Einsamkeit erpicht und fühlt sich in Gegenwart anderer Menschen sichtlich unwohl, ist dies wohl der größte Wandel, dem sie im Film unterworfen ist, wenn sie langsam die Gegenwart des anfänglich so nervigen Fotografen zu akzeptieren beginnt und Freundschaft schließt mit einem Ältesten, dessen Sprache sie nicht versteht, der sie aber ein Stück des Weges begleiten wird.

Szenenbild aus Spuren | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Weitere Begegnungen und das sporadische Erscheinen des Fotografen verleihen Spuren durchaus eine gewisse Struktur, ebenso wie die Einblendungen, seit wie vielen Tagen Robyn bereits unterwegs ist, doch ist es in weiten Teilen so, dass man sich gemeinsam mit ihr in den Weiten der vermeintlich lebensfeindlichen Wüste verliert und es auch kaum zur Sache tut, welches Etappenziel womöglich bereits passiert worden ist und wie viel des Weges noch vor ihr liegt. Einziger Wehrmutstropfen in diesem Zusammenhang ist, dass die Wochen und Monate, die Robyn Davidson allein mit sich selbst und ihren Tieren verbringt, nur allzu kurz abgehandelt werden und man so immer mal wieder das Gefühl zu bekommen geneigt ist, sie träfe alle Nase lang auf irgendwelche Gestalten in der unbewohnten Wüste. Andererseits hätte dies den Film doch deutlich in die Länge gezogen und auch wenn ich das wirklich gemächliche Erzähltempo in diesem speziellen Falle wirklich gutheißen kann und muss, hätte er nun einmal keine halbe Stunde länger sein dürfen, denn sonst hätten sich andeutende Längen schnell zu die Atmosphäre zerstörenden Ärgernissen gewandelt. So allerdings bleibt Spuren ein Film zum Schwelgen und Träumen, findet genau den richtigen Rhythmus, die exakte Balance aus Humor und Tragik und zeigt nicht nur eine Mia Wasikowska in Bestform, sondern auch ein faszinierendes Stück Land von seiner besten Seite.

Fazit & Wertung:

Ungewöhnlich ruhig und unaufgeregt erzählt, ist der auf den Erlebnissen der echten Robyn Davidson basierende Spuren ein durch und durch packendes, ja beinahe kontemplatives Erlebnis, das nicht nur die Schönheit der kargen Wüstenlandschaften eindrucksvoll in Szene setzt, sondern auch mit dem über die Maßen berührenden Schauspiel von Mia Wasikowska beeindruckt.

8,5 von 10 gemächlich dahintrottenden Kamelen

 

Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 7/10 Punkte

Spuren ist am 28.10.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

Ungewöhnlich ruhig und unaufgeregt erzählt, ist der auf den Erlebnissen der echten Robyn Davidson basierende Spuren ein durch und durch packendes, ja beinahe kontemplatives Erlebnis, das nicht nur die Schönheit der kargen Wüstenlandschaften eindrucksvoll in Szene setzt, sondern auch mit dem über die Maßen berührenden Schauspiel von Mia Wasikowska beeindruckt.
Spuren
Date Published: 11/07/2014
8.5 / 10 stars