Review: American Hustle (Film)

Und weiter geht es mit den nachzuholenden Filmen, die ich mir dieses Jahr unbedingt noch angesehen haben wollte. Und was soll ich sagen, auch dieser Russell Film hat mir ausnehmend gut gefallen. Aber was greife ich vor, lehnt euch zurück, macht es euch bequem und habt Spaß mit meiner neuesten Film-Kritik in all ihrer Ausführlichkeit.

American Hustle

American Hustle, USA 2013, 138 Min.

American Hustle | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
David O. Russell
Autoren:
Eric Warren Singer
David O. Russell

Main-Cast:
Christian Bale (Irving Rosenfeld)
Bradley Cooper (Richie DiMaso)
Amy Adams (Sydney Prosser)
Jeremy Renner (Mayor Carmine Polito)
Jennifer Lawrence (Rosalyn Rosenfeld)
in weiteren Rollen:
Louis C.K. (Stoddard Thorsen)
Michael Peña (Paco Hernandez/Sheik Abdullah)
Alessandro Nivola (Anthony Amado)
Shea Whigham (Carl Elway)

Genre:
Komödie | Krimi | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus American Hustle | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Nach außen hin bescheidener Besitzer mehrerer New Yorker Waschsalons, verdient der gewitzte Irving Rosenfeld sein eigentliches Geld mit dem Verkauf gefälschter Kunstwerke und als Kreditvermittler, wobei selbige Kredite natürlich niemals zustande kommen, seine nicht erstattungsfähige Gebühr von läppischen 5.000 Dollar aber stets verlässlich den Weg in seine Taschen findet. Als Rosenfeld die attraktive Sydney Prosser kennenlernt, vervielfacht sich der Umsatz seiner durchtriebenen Geschäfte noch, denn seine Geliebte versteht es vortrefflich, sich als adlige Engländerin Lady Edith Greensly auszugeben und noch mehr Verzweifelte um ihr letztes Geld zu bringen. Eines Tages allerdings gerät das Duo an den FBI-Agenten Richie DiMaso, der ihnen allerdings immerhin einen Deal anbietet.

Mit ihrer Erfahrung und ihren Fähigkeiten sollen die beiden DiMaso helfen, korrupte Politiker zu überführen und würden im Gegenzug straffrei ausgehen. Zerknirscht willigen sie ein und stelle die fiktive Figur eines Scheichs auf den Plan, der mit vermeintlich unbegrenzten Geldmitteln die Aufmerksamkeit so mancher Person erregt. DieMaso nimmt den Bürgermeister Carmine Polito ins Visier, doch gestaltet sich das erste Treffen bereits schwieriger als gedacht und DiMaso verliert in seinem Streben nach dem großen Coup bald das rechte Maß aus den Augen. Doch auch Irving vermag ihn nicht in seinem Wahn zu stoppen, hat der schließlich zu allem Überfluss alle Hände voll damit zu tun, seine aufbrausende Noch-Ehefrau Rosalyn in Schach zu halten, die zudem die Aktion mehr als nur einmal zu gefährden droht.

Rezension:

Nach The Fighter und Silver Linings – die mir ja beide auf ihre Art ausnehmend gut gefallen haben – konnte ich es mir freilich nicht nehmen lassen, auch bei American Hustle einen Blick zu riskieren, nicht zuletzt, weil der ebenso wie seine Vorgänger mit Nominierungen und Preisen en masse bedacht worden ist, aber auch, weil von vielen Seiten Kritik laut wurde, die Lobeshymnen seien weitestgehend ungerechtfertigt. Erwartet hatte ich mir ja eine durchaus subversiv-charmante Polit-Satire mit 70er-Jahre-Feeling und absurden Frisuren und Outfits, war im Nachhinein dann aber doch überrascht von den herrlich persiflierten Rollentypen und den sich genussvoll dem Overacting hingebenden Darstellern, die in einem objektiv sehr geradlinig inszenierten, subjektiv aber äußerst spleenigen und exzentrischen Film, der viel mehr an den von mir heißgeliebten I Heart Huckabees erinnert, in dessen Tradition Russell zwar eine gänzlich andere Marschrichtung einschlägt, aber mindestens genauso viel Gespür für charmant-skurrile Figuren beweist, die hier eindeutig im Vordergrund stehen.

Szenenbild aus American Hustle | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Charmant auch, wie er mit dem eröffnenden Schriftzug Manches hiervon ist wirklich passiert zu kokettieren beginnt, dass es sich eben um eine von realen Ereignissen inspirierte Geschichte handelt, die nicht nur fiktionalisiert worden sind, sondern auch dank der unkonventionellen Herangehensweise des eigenwilligen Filmemachers dermaßen überspitzt inszeniert worden sind, dass man zwar einerseits das illustre Treiben nicht wirklich ernst nehmen kann, dem Ganzen aber seinen satirischen wie emotionalen Unterbau ebenso wenig absprechen kann. Als bestes Beispiel wäre hier Jennifer Lawrence zu nennen, deren Verkörperung einer White-Trash-Schlampe über weite Strecken wie die Karikatur einer Karikatur wirkt, nur um plötzlich ungeahnte Tiefen zu offenbaren, die Russell allerdings wirklich nur kurz anklingen lässt und die einem der Figur näherbringen, die man bis dahin kaum ernst nehmen konnte.

Herzstück von American Hustle und in dem fünfköpfigen Darsteller-Ensemble dominierend sind aber natürlich ganz klar Christian Bale als an den realen Melvin Weinberg angelehnten Irving Rosenfeld, der mit seinem angefutterten Schmerbauch und dem schlecht sitzenden Haarteil eine Wandlung hinlegt, wie man sie seit The Mechanist nicht mehr erlebt hat und Amy Adams, die mit ihren zum Zeitpunkt des Drehs knapp vierzig Jahren der rund sechzehn Jahre jüngeren Lawrence in punkto Ausstrahlung, Charisma und Sexappeal einfach mal spielend das Wasser abgräbt, was zwar auch den jeweiligen Rollen geschuldet sein mag, dadurch aber nicht minder bewundernswert ist. Bradley Cooper gibt derweil einen herrlich selbstverliebten und machohaften FBI-Ermittler mit Pudelfrisur und Jeremy Renner beeindruckt ebenso in seiner zwar vergleichsweise kleinen, aber dennoch vielschichtig angelegten Rolle des zwar korrupten, aber moralisch durchaus integren Bürgermeisters Carmine Polito.

Szenenbild aus American Hustle | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Diese Konstellation der Figuren nutzend, treibt Russell seine Figuren durch ein beinahe zweieinhalbstündiges Possenspiel voller Wendungen und Intrigen, wo man nie genau weiß, wer hier gerade mit wem und ob oder warum, so dass tatsächlich trotz der beachtlichen Laufzeit keine Langeweile aufzukommen droht, was umso verwunderlicher ist, als dass American Hustle nach der Eingangssequenz zunächst einmal mit einer rund vierzigminütigen Rückblende startet, was bedeutet, dass rund ein Drittel des Films bereits verstrichen sind, bevor die Geschichte, an ihren Ausgangspunkt zurückgekehrt, an Fahrt aufnimmt. Es mag zwar auch diesmal nicht zum Kultfilm gelangt haben, denn dafür fehlt am Ende vielleicht noch der letzte Paukenschlag, ist der großartige Cameo-Auftritt einer weithin bekannten Hollywood-Größe nicht prägend und beeindruckend genug (ich verrate natürlich nichts) und die Aufarbeitung des gesellschaftspolitischen Hintergrundes zu oberflächlich und lapidar, aber Freunde skurriler und pointierter Geschichten mit satirischem Einschlag und überspitzten Charakteren kommen hier definitiv auf ihre Kosten und nachdem ich nun also bereits fünf Filme des Regisseurs gesehen habe, kann ich für meinen Teil auf alle Fälle festhalten, dass David O. Russell nicht nur sein Handwerk versteht, sondern auch mit traumwandlerischer Sicherheit ein ums andere Mal exakt meinen Geschmack trifft.

Fazit & Wertung:

David O. Russells American Hustle interessiert sich zwar mehr für seine spleenigen und exzentrischen Figuren als für die Pate stehende Geschichte, doch bleibt er damit auch ganz seinen bisherigen Werken treu und beeindruckt mit einer spritzigen und pointierten Inszenierung, manchmal zum Brüllen komisch, durchweg mit einem wunderbaren Soundtrack versehen, gespickt mit vielen großartigen Szenen, die ihresgleichen suchen und jeden der durchweg großartig gewählten Schauspieler ins rechte Licht rücken.

8,5 von 10 immer weiter um sich greifenden Lügengeschichten

American Hustle

  • Immer weiter um sich greifende Lügengeschichten - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

David O. Russells American Hustle interessiert sich zwar mehr für seine spleenigen und exzentrischen Figuren als für die Pate stehende Geschichte, doch bleibt er damit auch ganz seinen bisherigen Werken treu und beeindruckt mit einer spritzigen und pointierten Inszenierung, manchmal zum Brüllen komisch, durchweg mit einem wunderbaren Soundtrack versehen, gespickt mit vielen großartigen Szenen, die ihresgleichen suchen und jeden der durchweg großartig gewählten Schauspieler ins rechte Licht rücken.

8.5/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
ERGOThek: 4/5 DeLoreans
Filmherum: 4,5/5 Punkte
Tonight is gonna be a large one.: 7/10 Punkte

American Hustle ist am 17.07.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Oh schön, da steigt die Vorfreude. Habe mir die Blu-ray neulich auch geholt – trotz gemischter Kritiken. Wenn dir der Film doch so gut gefallen hat, mache ich mir aber keine Sorgen… :)

    • Stimmt, bei dem Film würde ich auch tatsächlich die Hand dafür ins Feuer legen, dass er dir auch zusagt. Ich prognostiziere dir also viel Spaß und beste Unterhaltung! 😉

  • Ich bin auch mehr als zufrieden mit dem Film und bin froh, den Anfang des Jahres im Kino gesehen zu haben. Definitiv eines meiner Highlights dieses Jahr!

    • Das glaube ich. Würde ich es je ins Kino schaffen, hätte ich mir den wohl sicher auch dort angesehen, funktioniert aber auch im Heimkino ganz wunderbar wie man sieht.

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