Review: Californication | Staffel 7 (Serie)

Heute – man mag es kaum glauben – berichte ich kurz vor dem anstehenden Jahreswechsel über eine weitere Serienstaffel, ist Californication schließlich jüngst und mit eben dieser Staffel zu Ende gegangen und was wäre da naheliegender, als mit dem Abschied der großartigen Showtime-Serie auch gleichsam den Abschied des Jahres einzuläuten, zumindest dahingehend, dass dies hier aller Voraussicht nach meine letzte Kritik, Review oder wie auch immer wir das, was ich hier beinahe tagtäglich fabriziere, auch nennen wollen, sein wird, steht schließlich Silvester schon fast beinahe vor der Tür. Damit verabschiede ich mich also für heute und falls wir uns nicht mehr lesen sollten, wünsche ich gleich noch einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Californication
Staffel 7

Californication, USA 2007-2014, ca. 25 Min. je Folge

Californication | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Serienschöpfer:
Tom Kapinos
Showrunner:
Tom Kapinos

Main-Cast:
David Duchovny (Hank Moody)
Natascha McElhone (Karen)
Evan Handler (Charlie Runkle)
Pamela Adlon (Marcy Runkle)
in weiteren Rollen:
Michael Imperioli (Rick Rath)
Oliver Cooper (Levon)
Heather Graham (Julia)
Stephen Tobolowsky (Stu Beggs)
Mary Lynn Rajskub (Goldie)
Chris Titone (Hugh)
John Madison Tye (Terry)
Tara Holt (Melanie)
Jon Kasdan (Director)
Brandon T. Jackson (Hashtag)
Madeleine Martin (Becca Moody)

Genre:
Drama | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Nachdem Hank die Tour mit Atticus Fetch hat sausen lassen, ums ich mit Karen auszusöhnen, muss er bald der bitteren Realität ins Auge sehen, dass seine Wunschvorstellungen kaum mit der Wirklichkeit übereinstimmen. In der Hoffnung, Karen davon überzeugen zu können, dass er erwachsen wird und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, lässt er sich von Charlie überreden, einen Job als Autor bei der Fernsehserie Santa Monica Cop des Produzenten Rick Rath anzunehmen. Zusätzlich erschwert wird sein Leben durch Jungen namens Levon, der ihm unter dem Vorwand eines Schulinterviews nachstellt, recht bald aber die Bombe platzen lässt, Hanks Sohn zu sein.

Szenenbild aus Californication | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Mit dem Wissen, dass die Liaison mit Levons Mutter Julia, die alsbald ebenfalls in Hanks Leben tritt, noch vor ihrer Beziehung zu Hank stattgefunden hat, weiß Karen kaum umzugehen und stellt zunehmend die gemeinsame Vergangenheit in Frage. Derweil überschlagen sich die Ereignisse am Set der TV-Serie, denn nicht nur, dass Hank seinem neu entdeckten Sohn dort einen Job als Assistenten verschafft, wirft Rath wiederum ein Auge auf Julia und Hank wird, wie es sein Schicksal zu sein scheint, natürlich ebenfalls prompt angegraben. Verzweifelt bemüht er sich, Ordnung in sein zunehmend chaotischer werdendes Leben zu bringen und sieht sich zudem noch mit dem Problem konfrontiert, wie er seiner Tochter denn nun die Existenz ihres neuen Bruders beichten soll.

Rezension:

Nun hat sie also ihr Ende gefunden, die von mir über die Jahre heiß und innig geliebte Ausnahmeserie Californication, oft versaut, überraschend frivol, gerne derb, hemmungs- und zügellos und in ihrer Offenheit sicherlich einmalig und kaum zu widerholen. Und ja, es ist ein versöhnliches Ende, ein gutes, keines, das zu Tränen rühren würde, kein optimales, ultimatives, alle Handlungsstränge zum Abschluss bringendes Ende, doch immerhin ein geplantes und zufriedenstellendes, dass die wohl wichtigste Frage der Serie zu beantworten scheint, nämlich, wie es mit Hank und Karen weitergehen wird und ob ihre Geschichte noch eine Chance hat. Vor allem aber ist es gut, die Serie nun beendet zu haben, denn speziell die finale Staffel schwankt in ihrer Qualität teils erheblich und es offenbaren sich im Gesamtkonzept doch einige Mängel, wohingegen jede Folge für sich betrachtet durchaus mehr oder minder gut funktioniert.

Szenenbild aus Californication | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Allein die Idee, nun plötzlich einen Sohn aus dem Hut zu zaubern, der Hanks Leben zusätzlich verkompliziert, ist nicht gerade eben neu und erinnert mehr an billige Soaps als eine in früheren Jahren so stimmig und einfallsreich inszenierte Serie wie Californication. Zuweilen schleicht sich gar der Gedanke ein, die unfähigen und verkorksten Schreiberlinge für die fiktive Serie Santa Monica Cop seien von den eigentlichen und realen Machern der Serie inspiriert worden, denn von Folge zu Folge hat man immer mehr das Gefühl, als müsste auf Teufel komm raus die Staffel mit Lückenfüllern beladen werden, um kurz vor knapp dann auf ihr unvermeidliches Ende zuzusteuern, so dass manche folge doch arg auf der Stelle tritt und nichts Substanzielles beizusteuern weiß, wohingegen in andere Folgen viel zu viel Inhalt gesteckt worden ist, um noch so etwas wie Kohärenz zu erzeugen. Vor allem aber machen sich mehrere Sprünge zwischen den Folgen bemerkbar, vor allem, ohne spoilern zu wollen, was die Beziehung zwischen Hank und Karen betrifft, die nie wankelmütiger gewirkt haben als hier.

Unter anderem macht sich aber auch das Fehlen von Hanks Tochter Becca negativ bemerkbar, die doch immer ein angenehm erdender Faktor und ein nicht unerheblicher Baustein im Karen-Hank-Konstrukt gewesen ist, so dass auch ihre Rückkehr zum Ende der Staffel nichts mehr rauszureißen vermag. Tatsächlich ist es einzig die neunte Folge, dramatisch, packend und mit Rückblenden gewürzt, die, gemeinsam mit den letzten zehn Minuten der finalen Folge, die ähnlich überzeugend geraten sind, daran zu erinnern vermag, was an dieser Serie so einzigartig und mitreißend gewesen ist und umso trauriger ist es, dass diese für sich betrachtet so stimmige und ungewöhnliche Folge in der darauffolgenden Episode beinahe gänzlich ignoriert wird und ebenso das Gefühl vermittelt, der Plot trete auf der Stelle, wohingegen der Rest der Staffel mal mehr, mal weniger vor sich hindümpelt und traurigerweise mehr als nur ein Klischee bemüht. Californication ist noch immer unterhaltsam, keine Frage, aber alles in allem meint man fast, es würde eine Art Abnabelungsprozess initiiert werden, damit der Abschied nicht so schwerfällt.

Szenenbild aus Californication | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

So strotzt die Staffel zwar einerseits vor interessanten Figuren und Heather Graham macht ihre Sache gewohnt hervorragend, während man aus Michael Imperiolis Rolle des Rick Rath deutlich mehr hätte machen können, andererseits konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass die Zeit, die diesen Figuren und natürlich speziell Levon, Hanks Sohn, gewidmet worden ist, deutlich gewinnbringender hätte eingesetzt werden können, um sich den Hauptfiguren und ihrer Beziehung untereinander zu widmen, statt noch auf den letzten Metern ein ums andere Mal in zunehmend triviale und wie erwähnt klischeebehaftete Nebenhandlungen zu flüchten, die dem Gesamtwerk Californication allein dadurch, dass sie die finalen Etappen einer sieben Jahre währenden Reise markieren, beinahe mehr schaden als die seinerzeit unsägliche dritte Staffel, die mit ganz ähnlichen Problemen und Versäumnissen zu kämpfen hatte. Hat bei vielen die vorangegangene sechste Staffel nicht allzu viel Anklang gefunden, muss ich doch zu meinem eigenen Verdruss gestehen, dass diese mir doch merklich besser gefallen hat und weitaus mehr Konfliktpotential und Drama zu bieten wusste. Immerhin hat die Serie zumindest teilweise in der zweiten Hälfte noch die Kurve gekriegt und es lohnt sich als Fan durchaus, auch der letzten Staffel eine Chance zu geben und sei es nur des runden Abschlusses wegen, der, so viel Potential Tom Kapinos‘ Schöpfung gerade in den ersten Folgen verschenkt, doch zumindest versöhnlich stimmt und die Serie in guter Erinnerung behalten lässt, wenn sie auch ihren Zenit – und da hilft kein Leugnen – doch leider schon überschritten hatte.

Fazit & Wertung:

Auch wenn die siebte und finale Staffel Californication nicht an die vorangegangenen Staffeln oder gar die Glanzmomente der Serie anzuknüpfen versteht, zuweilen dramaturgisch leider oft inkohärent und sprunghaft wirkt, fängt sie sich zumindest auf den letzten Metern soweit, um den Fans der Serie ein versöhnliches und zufriedenstellendes Ende zu liefern, was allein schon kaum eine Serie von sich behaupten kann und folglich dieser als großes Plus angerechnet werden muss, auch wenn man deutlich zielgerichteter und stimmiger auf besagtes Ende hätte hinarbeiten können. Nichtsdestotrotz war es schön, ein letztes Mal Hank Moody ein Stück seines gewohnt chaotischen Weges zu begleiten und ungeachtet manches vermeidbaren Fauxpas werde ich mich mit einem Lächeln an die Serie erinnern können.

8 von 10 letzten Exzessen, großen Gesten und schlüpfrigen Szenen

Californication | Staffel 7

  • Letzte Exzesse, große Gesten und schlüpfrige Szenen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Auch wenn die siebte und finale Staffel Californication nicht an die vorangegangenen Staffeln oder gar die Glanzmomente der Serie anzuknüpfen versteht, zuweilen dramaturgisch leider oft inkohärent und sprunghaft wirkt, fängt sie sich zumindest auf den letzten Metern soweit, um den Fans der Serie ein versöhnliches und zufriedenstellendes Ende zu liefern, was allein schon kaum eine Serie von sich behaupten kann und folglich dieser als großes Plus angerechnet werden muss, auch wenn man deutlich zielgerichteter und stimmiger auf besagtes Ende hätte hinarbeiten können. Nichtsdestotrotz war es schön, ein letztes Mal Hank Moody ein Stück seines gewohnt chaotischen Weges zu begleiten und ungeachtet manches vermeidbaren Fauxpas werde ich mich mit einem Lächeln an die Serie erinnern können.

8.0/10
Leser-Wertung 5.33/10 (3 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 7

01. Unverhofft kommt oft (7,5/10)
02. Mein Sohn, seine Mutter und ich (7,5/10)
03. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm (7,5/10)
04. Der Trumpf in der Hose (7/10)
05. Das geschenkte erste Mal (8/10)
06. Die Kickoff-Party (8/10)
07. Zahnarzt sucht Frau (7,5/10)
08. Levons große Chance (8/10)
09. Liebe, Glaube, Hoffnung (8,5/10)
10. Ein Abend mit Freunden (8/10)
11. Geschwister (8/10)
12. Als für uns die Sonne schien (8,5/10)

 
 
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Californication | Staffel 7 ist am 18.12.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Paramount Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:




Blu-ray:




  • Das klingt nun ja doch so, als müsste ich die letzte Staffel doch noch schauen. Wollte nach der 6. Staffel eigentlich aufgeben. Mal sehen, vielleicht wenn der Kurs günstig ist… 😉

    • Achja, kann man sehen, muss man aber eben auch nicht. Ich bin froh, ein rundes Ende spendiert zu bekommen haben und habe mich gefreut, dass die Staffel in der zweiten Hälfte noch mal ein wenig die Kurve kriegt. Wie gesagt, ein wenig vermissen werde ich Hank schon, aber dass die Qualität gesunken ist, daran besteht halt eben auch kein Zweifel.

  • Der Kinogänger

    Witzig, ich schaue mir gerade die 5. Staffel an, da bringst du bereits eine Rezension der 7. Staffel (ich freu‘ mich schon auf Heather Graham!) … 😉

    • So geht es mir auch immer, wenn Blogger über ‚The Walking Dead‘ oder ‚Game of Thrones‘ berichten; beides von mir hochgeschätzte Serien, aber bei beiden habe ich noch nicht einmal die vierte Staffel begonnen und da ist es dann auch oft befremdlich, über was die so schreiben bzw. wie viel weiter sie schon sind. Aber ich sehe das bei Serien auch nicht mehr so eng. Und auf Heather Graham kannst du dich durchaus freuen, hat jetzt nicht die tiefschürfendste Rolle, macht ihre Sache aber gewohnt sympathisch und überzeugend, bekommt vor allem auch einiges an Screentime.

      • Der Kinogänger

        Bei Serien wie „Walking Dead“, „Breaking Bad“ oder „Game of Thrones“ kommt natürlich noch als zusätzliches Problem die altbekannte Spoiler-Problematik hinzu, weil (im Internet) wirklich jeder darüber zu reden scheint. Ich erinnere mich noch lebhaft an einen Moment vor längerer Zeit, als ich nichtsahnend am Montag die Deadline Hollywood-Startseite aufgerufen habe, um die neuesten Box Office-News vom Wochenende zu erfahren – und welche Schlagzeile (ich sage mal vorsichtshalber nicht zu welcher Serie, weil jemand, der noch nicht so weit ist, es sich möglicherweise auch ohne Namensnennung ausrechnen könnte) leuchtet mir übergroß entgegen: „Ist …s Abgang der befriedigendste Serientod aller Zeiten?“ Na toll …

        „Californication“ war für solch mediale Aufmerksamkeit (zum Glück?) nie „groß“ genug, da kann man sich auch mal gefahrlos Zeit lassen mit dem Nachholen … :-)

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