Review: Ray Donovan | Staffel 1 (Serie)

Und pünktlich zum Wochenende kommt hier dann auch eine neue Serien-Kritik, falls ihr noch Material für die freie Zeit oder ein spontanes Weihnachtsgeschenk benötigt. Ansonsten genießt erst einmal die freien Tage und freut euch auf den Endspurt zu Weihnachten.

Ray Donovan
Staffel 1

Ray Donovan, USA 2013- , ca. 55 Min. je Folge

Ray Donovan | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Serienschöpfer:
Ann Biderman
Showrunner:
Ann Biderman

Main-Cast:
Liev Schreiber (Ray Donovan)
Paula Malcomson (Abby Donovan)
Jon Voight (Mickey Donovan)
Eddie Marsan (Terry Donovan)
Dash Mihok (Bunchy Donovan)
Steven Bauer (Avi)
Katherine Moennig (Lena)
Pooch Hall (Daryll)
Kerris Dorsey (Bridget Donovan)
Devon Bagby (Conor Donovan)
in weiteren Rollen:
Elliott Gould (Ezra Goodman)
Frank Whaley (Van Miller)
Michael McGrady (Frank Barnes)
Octavius J. Johnson (Marvin Gaye Washington)
Brooke Smith (Frances)
James Woods (Sully Sullivan)
William Stanford Davis (Potato Pie)
Peter Jacobson (Lee Drexler)
Ambyr Childers (Ashley Rucker)
Denise Crosby (Deb)

Genre:
Drama | Krimi | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Als Troubleshooter ist Ray Donovan für die Schönen und Reichen in L.A. erster Ansprechpartner, wenn es um die Lösung pikanter und prekärer Probleme geht, denn er gilt als der Beste seiner Branche, arbeitet eng mit den Entertainment-Anwälten Ezra Goldman und dessen Partner Lee Drexler zusammen und überschreitet mehr als nur einmal die Grenzen des Gesetzes, gehören schließlich Einschüchterungen, illegale Abhöraktionen, offene Drohungen und Bestechungen zu seinem Stammrepertoire. Von seinem Job ahnen derweil seine Frau Abby und die gemeinsamen Kinder Bridget und Conor wenig, wissen zumindest nicht explizit, was Ray tagtäglich so treibt, der daheim ohnehin mehr durch Abwesenheit glänzt.

Szenenbild aus Ray Donovan | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Dennoch könnte man Rays Leben als überaus geordnet bezeichnen, doch das fragile Gleichgewicht aus Job und Privatleben droht bald zu kippen, als Rays Vater Mickey unerwartet früh aus dem Knast entlassen wird, denn die Vater-Sohn-Beziehung ist mehr als nur gespannt und der gemeinsamen Vergangenheit liegen Geheimnisse vergraben, die Ray niemals wieder zu Tage gefördert wissen will. Dummerweise kann er aber seiner Frau kaum anvertrauen, weshalb er am liebsten ein striktes Kontaktverbot zu Mickey verhängen würde, weshalb der sich in Windeseile bei Rays Familie einzuschmeicheln beginnt und auch Rays Brüder Terry und Bunchy von seiner Redlichkeit zu überzeugen versucht. Tatsächlich führt Mickey aber noch weit mehr im Schilde, als Ray ahnt und früher als ihnen lieb sein kann, holt ihre Vergangenheit in Boston sowohl die drei Brüder als auch den Vater unerbittlich ein.

Rezension:

Einer der jüngeren Sprösse aus der Serienschmiede von Showtime, Ray Donovan, wirkt vielleicht nicht ganz von ungefähr wie ein Konglomerat aus Dexter und Californication, wenn man sich recht oberflächlich die titelgebende Hauptfigur als vergleichsweise skrupellose Person besieht, die ein Doppelleben führt, dass sie vor ihrer Familie geheimhält, wenn man ebenso oberflächlich auf den Handlungsort Los Angeles schielt und manch verkorksten Schauspieler, der für humoristische Einschübe zu sorgen hat, doch täte man der Serie Unrecht, sie für den Nachfolger zweier erfolgreicher Shows zu halten, die das Beste aus beiden Welten zu kombinieren versucht und dabei sicherlich zwangsläufig zum Scheitern verurteilt wäre, denn die von Ann Biderman ersonnene Serie bewahrt sich einen ihr eigenen Charme und geht nicht nur geringfügig eigene Wege, sondern emanzipiert sich mit jeder Folge mehr von den vermeintlichen Vorbildern, offenbart in der sich immer weiter und oft überraschend entfaltenden Geschichte Qualitäten, die man zwar durchaus von Showtime gewohnt ist, dennoch aber schlicht und ergreifend viel zu selten auf dem breit gestreuten Feld der TV-Produktionen findet.

Szenenbild aus Ray Donovan | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Ray Donovan lebt, das wird schnell deutlich, in mehr als nur zwei Welten und entpuppt sich als regelrechter Tausendsassa, obwohl er rein äußerlich stets adrett und gleichzeitig leger in Jeans und Sakko erscheint, denn nicht nur hält er seine Familie von dem eigentlichen Kern seines Jobs, reiche, verwöhnte und zugekokste Stars aus ihrer Scheiße zu ziehen, insbesondere örtlich fern, indem er mit ihnen ein Dasein in dem Vorort Calabasas fristet, während er selbst sich einen mondänen Zweitwohnsitz im Herzen der Stadt gönnt, den selbst seine eigene Frau noch nie gesehen hat, pflegt er auch regen Kontakt zu seinen Brüdern Terry und Bunchy, von denen ersterer einen bodenständigen wie altehrwürdigen Box-Club, den Fite-Club leitet, während alle drei die düstere Vergangenheit, die Erinnerungen an ihre Jugend in Boston eint, der sie allesamt erfolgreich entgangen zu sein scheinen, die sie aber noch immer heimsucht und längst nicht loslässt. Verständlicherweise bietet da die Haftentlassung des gemeinsamen Vaters Mickey gehöriges Konfliktpotential, zumal dieser sich als nicht gerade feinfühlig herausstellt. Doch Ray bewegt sich auch auf dem schmalen Grat zwischen Legalität und Illegalität, ist längst dem FBI aufgefallen, scheut auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurück und weiß durchaus, wie man eine Leiche effektiv verschwinden lässt.

Gerade diese Mischung, dieses Gros an Themen ist es, die Ray Donovan tatsächlich so besonders machen, denn auch wenn die Ereignisse oft überspitzt und beinahe trashig erscheinen, werden sie doch durch das der Serie zugrundeliegende Familiendrama und die Annäherungsversuche Mickeys angenehm geerdet, so dass man hier auch – völlig entgegen meiner Erwartungshaltung – darauf verzichtet, einen Case-of-the-Week zu präsentieren, in dem Ray sich eines besonderen Falles annehmen muss, da die Hauptgeschichte dermaßen viel Potential bietet, dass auf derartiges Füllwerk nicht zurückgegriffen werden muss. Zwar ist Ray mehr der wortkarge, stoische Beschützer-Typ, doch offenbart er in der zwölf Folgen umfassenden ersten Staffel bereits einiges von seinem Innenleben und wächst dem Zuschauer – oder zumindest mir – durchaus ans Herz, zumal mehr als einmal deutlich wird, dass er alles bereit zu tun ist, um seine Familie zu schützen. Man kann dadurch zwar sicherlich nicht alles billigen oder dulden, was Ray und Konsorten zu tun bereit sind und es geht speziell in der zweiten Hälfte der Staffel durchaus zur Sache, doch prallen unbestritten Charakterköpfe aufeinander, jeder mit seinem eigenen Antrieb, seinen eigenen Stärken und Schwächen, Vorurteilen und Unzulänglichkeiten. Dementsprechend ist der neue Showtime-Wurf zwar eigentlich zuvorderst eine Drama-Serie, mäandert aber aufgrund des nur halblegalen Hintergrundes von Ray und seiner Firma, ebenso wie der kriminellen Vergangenheit Mickeys geschuldet, mehr als deutlich im Krimi- und Thriller-Genre.

Auch das allein garantiert aber natürlich noch keine formidable Serienunterhaltung, doch der Coup, sich für Hauptfigur Ray den großartigen wie charismatischen Liev Schreiber zu sichern, der hier nun endlich zu verdienten Lorbeeren kommt und ihm den Ausnahmedarsteller und Charaktermimen Jon Voight als dessen Vater Mickey vor die Brust zu setzen, ist an Genialität kaum zu überbieten und es hätte der großartig gewählten Besetzung, die unter anderem aus Paula Malcomson (Deadwood) und Eddie Marsan (Spurlos – Die Entführung der Alice Creed) kaum bedurft, um die Serie aus der Masse herausragen lassen, wobei ihr Stern dadurch nur umso heller strahlt, während insbesondere Rays Kompagnons Avi (Steven Bauer) und Lena (Katherine Moennig) leider noch etwas zu kurz kommen – aber was nicht ist, kann in folgenden Staffeln ja Gott sei Dank noch werden.

Szenenbild aus Ray Donovan | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Fairerweise muss man aber auch sagen, dass das eigentliche Konfliktpotential, die Entlassung Mickeys und die daraus resultierende Unruhe, die in Rays vormals so sorgsam geordnetem (und getrenntem) Leben einkehrt, zwar nicht abschließend aufgelöst wird, ich mir aber dennoch unklar darüber bin, wie sich dieses Konzept über Staffeln forttragen soll, so dass zwar die erste Staffel Ray Donovan in sich rund und durchdacht wirkt, man aber zum Ende hin unweigerlich das Fragezeichen im Kopf aufploppen hört, worum sich denn die zweite Staffel konkret drehen mag. Allein von der sich stetig steigernden Wertung in der IMDb ausgehend mutmaße ich aber mal, dass sich die Schreiberlinge hinter der Serie einiges einfallen lassen werden und blicke frohen Mutes in die Zukunft dieser Serie, die trotz ihrer Differenzen und entgegen der vermeintlichen Überschneidungen womöglich dennoch ein würdiges Erbe für die eingangs genannten Hit-Serien des Senders antreten könnte. Das Potential sowie sie die dramaturgische Diversifikation sind dafür nämlich zweifelsohne vorhanden.

Fazit & Wertung:

Von Beginn an eine gelungene Mixtur aus Krimi, Thriller und (Familien-)Drama offerierend, schickt sich Ray Donovan, die als Serie binnen weniger Folgen ihren eigenen Stil, Tempo und Marschrichtung gefunden zu haben scheint, an, in den nächsten Jahren und Staffeln womöglich zur nächsten Hitserie der Erfolgsschmiede Showtime aufzusteigen. Den Grundstein dafür haben die vielschichtig und ambivalent gezeichneten Figuren und der Plot der ersten Staffel dafür auf alle Fälle gelegt.

9 von 10 unkonventionell und halblegal entschärften Situationen

Ray Donovan | Staffel 1

  • Unkonventionell und halblegal entschärfte Situationen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Von Beginn an eine gelungene Mixtur aus Krimi, Thriller und (Familien-)Drama offerierend, schickt sich Ray Donovan, die als Serie binnen weniger Folgen ihren eigenen Stil, Tempo und Marschrichtung gefunden zu haben scheint, an, in den nächsten Jahren und Staffeln womöglich zur nächsten Hitserie der Erfolgsschmiede Showtime aufzusteigen. Den Grundstein dafür haben die vielschichtig und ambivalent gezeichneten Figuren und der Plot der ersten Staffel dafür auf alle Fälle gelegt.

9.0/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Vater unser (9/10)
02. Ein Mund ist ein Mund (9/10)
03. Laut und schwarz (8,5/10)
04. Der schwarze Cadillac (8,5/10)
05. Wer den Stock hat (9/10)
06. Samenraub (8,5/10)
07. Zurück in Boston (9/10)
08. Bridget (9,5/10)
09. Ein Grab in der Wüste (9/10)
10. Das Gespenst am Ring (9,5/10)
11. Pures Gold (9/10)
12. Du bist der Wolf (9/10)

 

– – –

Ray Donovan | Staffel 1 ist am 04.12.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Paramount Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Klingt stark. Und vorgemerkt… 😀

  • Der Kinogänger

    Anders als du habe ich in den ersten Episoden noch etwas gefremdelt mit „Ray Donovan“, aber spätestens in der zweiten Staffelhälfte wird die Serie tatsächlich richtig stark. Ich hoffe ebenfalls, daß Avi und Lena in der 2. Staffel mehr zu tun bekommen, vor allem Avi hat viel Potential, finde ich.

    • Ja, die anfänglich hohen Wertungen für die ersten Folgen waren quasi Vorschuss-Lorbeeren, da dachte ich mir auch noch – wie oben erwähnt – dass die Serie sich jetzt aber bitte in den nächsten paar Folgen ein wenig Eigenständigkeit erarbeiten soll. Und: taja, hat sie, und dann wars nur noch toller.

      Ich bin mächtig gespannt auf die zweite Staffel, nicht nur, ob und inwieweit Avis und Lenas Rollen ausgebaut werden, sondern vor allem, was der übergeordnete Plot sein wird oder wie man die Bedrohung durch Mickey nochmal zum Kochen bringen kann.

      • Der Kinogänger

        Ja, auf Mickeys Rolle bin ich auch gespannt. Ehrlich gesagt habe ich ja fast die ganze Staffel über gehofft, daß er sie nicht überleben würde – obwohl ich dank der diversen Filmpreise genau wußte, daß Voight weiter zur Besetzung zählt.

        Ich schätze, sie werden nicht drum herum kommen, ihn in der 2. Staffel doch eher etwas sympathischer (bzw. weniger unsympathisch) zu zeichnen, wie das ja bei Serials häufiger mit anfänglichen Antagonisten geschieht …

%d Bloggern gefällt das: