Review: Sherlock | Staffel 3 (Serie)

Um mich nun endlich noch einmal mehr einigen Altlasten zu widmen, gibt es heute endlich und mit gehöriger Verspätung nun noch ein paar Worte zur dritten Staffel Sherlock, die mir übrigens – so viel vorweg – entgegen der allgemein vorherrschenden Meinung mindestens genauso gut gefallen hat wie die vorangegangenen, aber lest selbst, wieso und warum:

Sherlock
Staffel 3

Sherlock, UK 2010- , ca. 90 Min. je Folge

Sherlock | © polyband
© polyband

Serienschöpfer:
Steven Moffat
Mark Gatiss
Showrunner:
Steven Moffat
Mark Gatiss

Main-Cast:
Benedict Cumberbatch (Sherlock Holmes)
Martin Freeman (Dr. John Watson)
in weiteren Rollen:
Una Stubbs (Mrs. Hudson)
Rupert Graves (DI Lestrade)
Mark Gatiss (Mycroft Holmes)
Loo Brealey (Molly Hooper)
Amanda Abbington (Mary Morstan)
Andrew Scott (Jim Moriarty)
Lars Mikkelsen (Charles Magnussen)

Genre:
Krimi | Mystery

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Sherlock | © polyband
© polyband

Zwei Jahre nach seinem vermeintlichen Tod kehrt der totgeglaubte Sherlock Holmes ins pulsierende London und ins Leben zurück. Während er sich nach und nach seinen früheren Gefährten zu erkennen gibt, sträubt er sich zunächst, sich Watson zu offenbaren und behält schließlich Recht mit seinen Vorbehalten, ist dieser schließlich zunächst alles andere als erbaut darüber, dass sein Freund wider Erwarten noch lebt, hat der ihn schließlich bewusst um seine Person trauern lassen. Während dieser schweren Zeit hat sich Watson auch mit Mary liiert, die sich redlich bemüht, den Riss in der Freundschaft der beiden Männer zu kitten, doch wie so oft ist es erst die drohende Gefahr für Leib und Leben, die beide wieder zusammenschweißt. Zudem scheint es, als habe bereits jemand Moriartys Nachfolge als skrupelloser und perfider Schurke angetreten, doch wartet noch eine weit größere Herausforderung auf die beiden, schließlich schickt Watson sich nur wenige Monate später an, Mary zu ehelichen – und hat Sherlock zu seinem Trauzeugen auserkoren.

Rezension:

Erstaunlich, wie sich Sherlock in gerade einmal drei Staffeln zu je drei Folgen entwickelt hat und welcher Hype derweil um diese Ausnahmeserie erwachsen ist, wie es Moffat und Gatiss wohl selbst nicht in dem Ausmaß erwartet hätten. Beschränkte man sich anfänglich noch darauf, im Grunde altbekannte Fälle in ein neues, modernes Gewand zu kleiden und neu zu adaptieren, kristallisierte sich schnell heraus, dass es den Machern wohl am Herzen lag, eine fortlaufende und durchgängige Handlung zu etablieren, einen roten Faden, der sich durch die einzelnen Folgen und Fälle zieht und bei dem es sich natürlich, wie sollte es auch anders sein, um die Freundschaft zwischen Watson und Holmes handelt. Diese Entwicklung gipfelte in dem vermeintlichen Tod von Sherlock Holmes zum Ende der zweiten Staffel und nicht zuletzt die einjährige Ruhepause der Serie nebst der für zahllose Spekulationen offenen Inszenierung heizten nicht nur die Gerüchteküche sondern auch die Neugier der Fans ordentlich an und damit wären wir dann am Ausgangspunkt der Geschichte zu Beginn von Staffel 3.

Szenenbild aus Sherlock | © polyband
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Die erste Folge, Der leere Sarg, widmet sich also erwartungsgemäß der Rückkehr unseres Helden und hätte in meinen Augen kaum besser inszeniert werden können, auch wenn die Folge zuweilen etwas vollgepackt wird, gilt es schließlich nicht nur, Sherlocks Rückkehr einzuläuten und den Riss in der Freundschaft zu Watson zu kitten, der verständlicherweise mehr als nur ein wenig sauer ist, wird auch direkt noch ein neuer Fall geliefert und mit der Gestalt des Charles Augustus Magnussen ein neuer Antagonist eingeführt, der die Nachfolge von Moriarty anzutreten scheint. Als wäre dem nicht genug, wird die Folge zudem noch angereichert mit zahlreichen Ansätzen zur Lösung des Rätsels um das Überleben von Holmes aus einer vermeintlich hoffnungslosen Lage und huldigt inklusive einem eigens für die Spekulationen eingeführten Fanclub natürlich damit den Mutmaßungen und Diskussionen in der echten Welt, die das letzte Staffelfinale provoziert hat.

Durch den Umstand, dass Holmes Rückkehr in das Reich der Lebenden und seine angeknackste Freundschaft zu Watson im Mittelpunkt des Staffelauftaktes stehen, wird recht schnell deutlich, dass Sherlock in seinem dritten Jahr geringfügig andere Wege geht und den Fokus anders setzt, als man es von der zuvor hauptsächlich um die Ermittlungsarbeit und Holmes‘ geniale Deduktionen kreisenden Serie erwartet hätte, doch kann ich nicht behaupten, dass damit ein Qualitätseinbruch einherginge, wie manche finden, denn mir persönlich hat, speziell dank frischem Wind, neuen Figuren und unerwarteten Ansätzen die dritte Staffel ziemlich exakt genauso gut gefallen wie die vorhergehenden und ich wäre vermutlich eher enttäuscht gewesen, wenn sich hier schlicht wieder Fall an Fall gereiht hätte, quasi so, als wäre nichts geschehen.

Szenenbild aus Sherlock | © polyband
© polyband

Dass allerdings in der Welt von Sherlock eine ganze Menge passiert, unterstreicht gerade die zweite Folge Im Zeichen der Drei, denn Watson heiratet Mary, die wir erst in der Folge davor kennengelernt haben und Sherlock darf den Trauzeugen geben, was ihn natürlich in die Bredouille bringt, versteht er es schließlich nicht wirklich, gefühlsduselige Reden zu schwingen und dazu kommt es folglich auch nicht. Inszenatorisch ist diese Folge die bei weitem einfallsreichste, denn im Gespräch und in Rückblenden werden mehrere Kriminalfälle erörtert und miteinander verzahnt, während Holmes die Hochzeitsgesellschaft in seine Fälle miteinbezieht, während der Empfang voranschreitet und sich schlussendlich der Sinn und die Verbindung des Ganzen erschließt, inklusive mehrerer überraschender Wendungen und gar einiger Hinweise, die erst in der darauffolgenden und leider schon wieder letzten Folge relevant werden. Nicht zuletzt – und das hat mir besonders gut gefallen – erinnern einige der Fälle an bekannte Holmes-Geschichten und so ist man teilweise versucht zu glauben, des Rätsels Lösung schon zu kennen, nur um dann natürlich erneut überrascht zu werden.

Folglich steht die zweite Folge dank ihrer Andersartigkeit und des großartigen, wenn auch freilich arg konstruiert wirkenden Aufbaus (den ich ihr aber gerne nachsehe), der ersten Folge in nichts nach, während die dritte Folge Sein letzter Schwur ein neunzig Minuten zum Nägel kauen verführendes Finale darstellt, das, gespickt mit zahlreichen Wendungen und Überraschungen, einem neuerlichen und ausgedehnten Ausflug in Sherlocks Gedankenpalast bis hin zu einem unerwartet und akribisch vorbereitetem Finale, welches wiederum ebenfalls mehrere Lesarten zulässt, keine Wünsche offen lässt und in den letzten Einstellungen den Weg ebnet für eine vierte Staffel, die alles bisher Gewesene zu toppen imstande sein könnte und auf die man wieder einmal viel zu lange wird warten müssen, bis 2016 nämlich.

Szenenbild aus Sherlock | © polyband
© polyband

Sherlock hat mich also auch im dritten Jahr unumwunden zu begeistern gewusst und die geringfügig neue Ausrichtung in Richtung eines waschechten Serials, einhergehend mit einer Abkehr vom üblichen Schema eines Procedurals hat mir ausnehmend gut gefallen, zumal Holmes trotz emotionaler Fallstricke noch immer der empathieunkundige Soziopath bleiben darf, der er auch in den letzten Staffeln war, wie man ihn schlussendlich auch eindrucksvoll unter Beweis stellen lässt, ohne dabei zu verschleiern zu versuchen, dass es durchaus Dinge beziehungsweise vielmehr Menschen gibt, die ihm mittlerweile etwas bedeuten. Die Deduktionen sind vielleicht nicht ganz so häufig und die Kriminalfälle nicht ganz so sehr im Fokus, wie man es vielleicht gewohnt ist, doch dadurch offenbart die Serie mittlerweile ganz andere Qualitäten, die sie aus der breiten Masse herausragen lassen, kurzum: Anders, aber genauso gut.

Fazit & Wertung:

Fernab klassischer Detektivarbeit stellt die dritte Staffel Sherlock mehr denn je die Freundschaft zwischen dem sich selbst als hochfunktionalen Soziopathen bezeichnenden Ermittler und dem ehemaligen Militärarzt in den Vordergrund, vernachlässigt dabei aber keineswegs die Stärken und Manierismen, die der Serie ihren einzigartigen Charme verleihen, so dass es Moffat und Gatiss erneut gelingt, auf voller Linie zu überzeugen und den Hype um den modernisierten Holmes weiter zu befeuern.

10 von 10 exzentrischen Spleens

Sherlock | Staffel 3

  • Exzentrische Spleens - 10/10
    10/10

Fazit & Wertung:

Fernab klassischer Detektivarbeit stellt die dritte Staffel Sherlock mehr denn je die Freundschaft zwischen dem sich selbst als hochfunktionalen Soziopathen bezeichnenden Ermittler und dem ehemaligen Militärarzt in den Vordergrund, vernachlässigt dabei aber keineswegs die Stärken und Manierismen, die der Serie ihren einzigartigen Charme verleihen, so dass es Moffat und Gatiss erneut gelingt, auf voller Linie zu überzeugen und den Hype um den modernisierten Holmes weiter zu befeuern.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
MWJ 2nd Blog: 8/10 Punkte
Zeilenkino

Episodenübersicht: Staffel 3

01. Der leere Sarg
02. Im Zeichen der Drei
03. Sein letzter Schwur

– – –

Sherlock | Staffel 3 ist am 10.06.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Polyband erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:


Blu-ray:


  • mwj

    Schöne Rezension. Kannst du bitte auch meine verlinken?

    http://mwj2.wordpress.com/2014/06/30/sherlock-staffel-3/

  • An

    Eine sehr gute Rezension zu einer wunderbaren Serie, habe ich ganz genauso empfunden. :)

  • Franziska T.

    An der dritten Staffel scheiden sich ja anscheinend die Geister. Es gab auch schon einige Stimmen, welche die Verschachtelung der dritten Staffel (Themen wie Mary Morstan ziehen sich durch alle Folgen) und die starke Anpassung an den Massengeschmack monierten. Mir ging es gar nicht so. Selten war eine Staffel so stimmig wie diese. Ich hatte erst schlimmste Befürchtungen, weil sowohl Irene Adler als auch Moriarty nicht mitspielen (ich liebe die beiden einfach), aber die konnten wirklich allesamt entkräftet werden. Während sich sonst eigentlich immer – sei es bewusst oder unbewusst – Benedict Cumberbatch in den Vordergrund spielt, ist diese Staffel ganz eindeutig von Martin Freeman geprägt, der einfach nur großartig aufspielt und den ich auch noch nie so derart wütend gesehen habe.

    Meine Kritik ist übrigens hier:
    https://filmkompass.wordpress.com/2014/01/14/sherlock-3-staffel-bbc-one-omu-2014/

  • Pingback: Review: The Salvation - Spur der Vergeltung (Film) | Medienjournal()

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