Review: The Look of Love (Film)

Heute mal wieder ein eher unbekannterer Film, von denen es in nächster Zeit häufiger welche geben wird, habe ich schließlich für die triste Winterzeit ein paar Hamsterkäufe getätigt, durch die ich mich in den nächsten Wochen werde wühlen können. Jetzt wäre ja dann auch normalerweise schon der Moment, an dem ich euch noch einen schönen Sonntagabend wünsche, aber selbstverständlich melde ich mich später noch einmal mit einem neuen Schauspieler-Portrait zurück und deshalb spare ich mir das an dieser Stelle.

The Look of Love

The Look of Love, UK/USA 2013, 101 Min.

The Look of Love | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Michael Winterbottom
Autoren:
Matt Greenhalgh (Drehbuch)
Paul Willetts (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Steve Coogan (Paul Raymond)
Anna Friel (Jean Raymond)
Tamsin Egerton (Fiona / Amber)
Imogen Poots (Debbie Raymond)
in weiteren Rollen:
Chris Addison (Tony Power)
James Lance (Carl Snitcher)
Shirley Henderson (Rusty Humphries)
David Walliams (Reverend Edwyn Young)
Matt Lucas (Matron Behind Bars)
Simon Bird (Jonathan Hodge)
Stephen Fry (Barrister)
Dara O’Briain (Comic)
Kieran O’Brien (Jimmy Humphries)
Miles Jupp (Interviewer)
Peter Wight (Police Inspector)
Matthew Beard (Howard Raymond)

Genre:
Biografie | Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Look of Love | © Koch Media
© Koch Media

Nachdem ihm mit seinen Auftritten als Gedankenleser nur mäßiger Erfolg beschieden war, merkte Paul Raymond bald, dass sich mit nackter Haut viel größere Aufmerksamkeit erzielen ließ und 1958 eröffnete er schließlich den ersten Stripclub in Großbritannien. Davon ausgehend erwarb Raymond im Laufe der nächsten Jahre diverse Gebäude und Theater, wo er frivole Tanz-Revuen aufführen ließ, so dass er schließlich zum König von Soho wurde. Seine Frau Jean, seine Affären und den ausschweifenden Lebenswandel großmütig verzeihend, steht ihm stets zur Seite, doch als die junge Julia sich bei Paul für eine Rolle als Nacktschwimmerin bewirbt, merkt Jean, dass er ihr – anders als seinen reinen Bettgespielinnen – Avancen zu machen beginnt und rasend vor Eifersucht stellt sie ihm ein Ultimatum, dem Paul sich allerdings nicht zu beugen bereit ist.

Jean verlässt ihn und zieht nach Amerika, während er und Julia gemeinsam sein Imperium vergrößern und er sie unter dem Künstlernamen Fiona Richmond als Kolumnistin und Model für sein auflagenstarkes Erotikmagazin Men Only engagiert. Die Jahre vergehen und Raymonds mittlerweile erwachsene Tochter Debbie legt künstlerische Ambitionen an den Tag, weshalb er sie zu fördern beginnt, doch die erste Show mit ihr wird ein Flop. Derweil sieht Fiona sich in einer ähnlichen Situation wie Jean Jahre zuvor, kommt mit den wechselnden Affären ihres Mannes nicht mehr zurecht und denkt immer öfter über eine Trennung nach. Doch auch Pauls Tochter hat mit Problemen zu kämpfen und in der endlosen Aneinanderreihung von Partys, die Raymonds Leben bilden, übersieht er ihre Probleme und die Drogen, mit denen sie den Schmerz zu betäuben versucht.

Rezension:

Obschon – oder vielleicht gerade weil – der 2008 verstorbene Paul Raymond hierzulande ein recht unbeschriebenes Blatt und weitestgehend unbekannt ist, während er in England im Laufe von drei Jahrzehnten mittels Nacht-Clubs, Tanz-Revuen und Männermagazinen zum nicht nur reichsten, sondern auch umstrittensten Mann des Landes avancierte, hätte seine Biografie, die Regisseur Michael Winterbottom in The Look of Love in gerade einmal hundert Minuten zu pressen versucht, durchaus den Stoff für einen packenden und spannenden, frivolen und freizügigen, dramatischen und tragischen Film geboten, doch leider vermittelt der Film kaum mehr als eine Ahnung der Möglichkeiten, denn zu spärlich wird das Leben des charmanten Lebemannes beleuchtet, zu punktuell werden die Lebensstationen abgehandelt und zu plakativ ist oft das Verhalten der Protagonisten, zumal der Werdegang im Grunde bereits bekannt ist, vom kometenhaften Aufstieg über die ersten Fehltritte bis hin zum unweigerlichen Absturz, hier wie auch sonst selbstredend von exzessivem Drogenkonsum begleitet.

Szenenbild aus The Look of Love | © Koch Media
© Koch Media

The Look of Love ist durchaus unterhaltsam und punktet, so er sich ja schließlich schon über drei Jahrzehnte (genauer: 1958 – 1992) erstreckt, mit einigen gekonnten Zeitsprüngen, Vor- und Rückblenden und mehreren stilsicher inszenierten Filmmontagen, die der nötigen Kurzweil überaus förderlich sind, doch verliert der Film, vielmehr eher sein Regisseur, scheinbar mehr als einmal den roten Faden und wirkt wenig zielgerichtet und –führend, walzt manche Szenen unnötig aus und versucht sich dann mit blanken Brüsten anzubiedern und gleichzeitig dadurch zu kaschieren, dass das Business, die Welt, SoHo, in der beziehungsweise dem sich Raymond bewegt, herzlich wenig beleuchtet wird und auch viele Zusammenhänge und Entwicklungen nicht wirklich stimmig erfahrbar werden.

Größter Gewinn für The Look of Love ist wohl unbestreitbar das Darsteller-Ensemble und allen voran Steve Coogan als Paul Raymond, der den charmanten Emporkömmling auch im Wandel der Zeit treffend und sympathisch darzustellen weiß, was in Anbetracht der Branche, in der er sich umtut, schon eine Kunst für sich ist, dem Film aber auch dahingehend zum Verhängnis wird, dass er, obwohl er doch von einer derart kontroversen Persönlichkeit handelt, überraschend bieder und brav daherkommt, was auch nicht die nackte Haut und der stetige Alkohol- und Drogenkonsum zu verhehlen wissen. An Coogans Seite ist zunächst Anna Friel zu sehen, die wirklich alles aus der knapp bemessenen Screentime herausholt, bevor sie über weite Strecken durch Abwesenheit glänzt und von Tamsin Egerton abgelöst wird, die ihr in vielen Belangen ähnelt, gleichsam aber ebenfalls eine starke und selbstbewusste Frauenfigur mimt, die Raymonds Leben lange Jahre dominiert, bevor schlussendlich dessen Tochter, dargestellt von Imogen Poots (Drecksau) in den Fokus rückt. Ihre darstellerische Leistung ist noch die mitunter beeindruckendste, zumal die Geschichte zu diesem Zeitpunkt gehörig an Dramatik zunimmt, die nur leider nicht gänzlich aufzugehen weiß, da der zuvor so luftig-lockere Erzählton schlichtweg nicht die Basis geliefert hat, die nötig gewesen wäre, um in der zweiten Hälfte des Films emotional zu packen.

Szenenbild aus The Look of Love | © Koch Media
© Koch Media

So offenbaren sich dann gerade zum Ende hin die dramaturgischen Schwächen von The Look of Love, der weit mehr hätte werden können als ein halbgares Sittengemälde mit Biopic-Anstrich und schmissigem Soundtrack nebst nackter Haut, denn spätestens mit den durchaus sorgsam inszenierten Schlussakkorden geht einem auf, dass man durchaus betroffener sein müsste und den Figuren bei all dem Glamour, den Partys, dem schönen Schein und der hübschen Fassade nie wirklich nähergekommen ist. So bleibt ein nur leidlich überzeugender Film, der für ein Drama hätte tiefgründiger sein müssen, für eine Komödie witziger und für eine Biografie konsistenter und informativer; gelingen wollte ihm davon leider nichts so richtig.

Fazit & Wertung:

Unfähig, sich entscheiden zu können, welches Genre The Look of Love zuvorderst bedienen möchte, versandet die Ausrichtung des Films mehr und mehr und schafft es kaum, emotional zu involvieren, so dass die Lebensgeschichte Paul Raymonds trotz der sorgsam gewählten Schauspieler kaum mehr als eine Idee der Möglichkeiten vermittelt, die sich geboten hätten.

5,5 von 10 frivolen Tanzdarbietungen

The Look of Love

  • Frivole Tanzdarbietungen - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Unfähig, sich entscheiden zu können, welches Genre The Look of Love zuvorderst bedienen möchte, versandet die Ausrichtung des Films mehr und mehr und schafft es kaum, emotional zu involvieren, so dass die Lebensgeschichte Paul Raymonds trotz der sorgsam gewählten Schauspieler kaum mehr als eine Idee der Möglichkeiten vermittelt, die sich geboten hätten.

5.5/10
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