Review: Hercules – Extended Cut (Film)

Nachdem mich eine wirklich fiese Erkältung in den letzten Tagen völlig unerwartet aus den Socken gehauen hat, wobei Erkältung natürlich viel zu harmlos klingt, weil ich kaum Luft bekam, geschweige denn gescheit denken oder gar sprechen konnte und mich geschlagene zwei Tage unter der Bettdecke verkrochen habe, ohne wenigstens in der Zeit ein gutes Buch lesen zu können (dafür reichte die Konzentration nicht), schaffe ich es doch heute immerhin, euch meine Film-Kritik zum jüngst erschienenen Hercules zu kredenzen, wobei mir das auch nur möglich ist, weil der Artikel Gott sei Dank schon seit Anfang vergangener Woche völlig fertig seiner Veröffentlichung geharrt hat. Das Schauspieler-Portrait lasse ich dann allerdings heute ausfallen, um die verbliebenen Ressourcen voll und ganz dafür aufzuwenden, noch eben einen neuen Media Monday zusammenzuschustern, auf dass die nächste Woche wieder besser werde. Also, macht euch noch einen schönen Sonntag, während ich mich noch weiter von fieser Krankheit erhole.

Hercules
Extended Cut

Hercules, USA 2014, 101 Min.

Hercules - Extended Cut | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Regisseur:
Brett Ratner
Autoren:
Ryan Condal
Evan Spiliotopoulos

Main-Cast:
Dwayne Johnson (Hercules)
in weiteren Rollen:
Ian McShane (Amphiaraus)
Rufus Sewell (Autolycus)
Joseph Fiennes (King Eurystheus)
Peter Mullan (Sitacles)
John Hurt (Lord Cotys)
Rebecca Ferguson (Ergenia)

Genre:
Action | Abenteuer

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Hercules | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Nachdem seine Frau und Kinder ermordet worden sind, zieht der muskelbepackte wie legendenumrankte Söldner durch die Lande und schürt den Mythos um seine Person mithilfe seines Neffen, dem talentierten Geschichtenerzähler Iolaus immer weiter, bis seine Feinde überzeugt sind, er sei wirklich der Sohn des Zeus. Begleitet wird Hercules von einer illustren Schar Weggefährten, bestehend aus den Kämpfern Autolycus und Tydeus, der Bogenschützin Atalanta und dem Seher Amphiaraus, der seinen eigenen Tod vorherzusehen glaubt. Kurz nachdem Hercules eine Schar Banditen ausgeschaltet hat, lässt König Cotys nach ihm schicken und bittet ihn, ihm gegen eine Rebellenarmee beizustehen, die den Frieden seines Reiches bedroht.

Hercules zögert nur kurz, denn nach dem Angebot, das eigene Gewicht in Gold aufgewogen zu bekommen, fällt die Entscheidung nicht schwer und so machen sich die Gefährten um den vermeintlichen Göttersohn auf nach Thrakien, um es von dem Tyrannen Rhesus zu befreien, der angeblich Zentauren in seinen Heerscharen hat, währenddessen Cotys‘ Armee lediglich aus unerfahrenen Bauern besteht, die Hercules zunächst zu trainieren gedenkt, um zumindest ihr zeitweiliges Überleben auf dem Schlachtfeld zu sichern. Wenn auch unter Verlusten schlägt das Bauernheer seine erste Schlacht und neuen Mutes will man sich Rhesus entgegenstellen, doch deutet sich bald ebenso an, dass Cotys womöglich ein falsches Spiel mit Hercules und Konsorten gespielt haben könnte.

Rezension:

Ohne große Erwartungshaltung habe ich mich nun dem Extended Cut von Brett Ratners Hercules gewidmet, doch auch nicht vorhandene Erwartungen können manchmal enttäuscht werden, wie sich zeigen sollte, denn trotz der Prämisse, Hercules seines mythologisch überhöhten Hintergrundes zu berauben und ihn als durchtriebenen wie gewieften Söldner darzustellen, der zu seinem eigenen Wohl die Legende um die eigene Person zu schüren versteht und sich dafür der Geschichten von Iolaus bedient, die durchaus ihren Reiz gehabt hätte, versandet der Film nach seinem Einstieg doch zusehends in Bedeutungslosigkeit und weitgehend trivialen Scharmützeln, die zwar handwerklich gut gemacht, doch merklich unter der vorgegebenen –Gewaltlosigkeit leiden, so dass das gesamte Geschehen überraschend handzahm geraten ist und auch das zusätzliche CGI-Blut kann da nichts reißen, während wuchtige Keulen gerne auch mal wie aus Plastik wirken und dabei folglich nicht gerade bedrohlich. Viel tödlicher erweist sich allerdings der Anspruch, die Action-Chose in eine stimmige Geschichte zu betten, denn wenn schon die One-Liner kaum zu zünden verstehen, kann man sich denken, wie wohldurchdacht und tiefschürfend die sonstigen Dialoge geraten sind. Nicht.

Szenenbild aus Hercules | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Hercules hat aber auch durchaus seine Momente und macht manchmal regelrecht Spaß, doch kommt die Erzählung meines Erachtens nie so richtig aus dem Schuh und wird mehr holprig vorwärtsgeschoben, als dass man von einer schnittigen oder gar stimmigen Inszenierung sprechen könnte, was schon damit beginnt, dass der Film mit den einschlägig bekannten zwölf Aufgaben des Hercules beginnt und damit den Einsatz von CGI-Wesen beziehungsweise Fantasy-Geschöpfen in den ersten drei Minuten quasi abschließend behandelt, so dass man sich darauf einstellen, darf, dergestalte Wesenheiten im kommenden Film nicht mehr präsentiert zu bekommen (abgesehen von einer Traumsequenz und zwei optischen Täuschungen), was zwar dem bodenständigen Ansatz geschuldet ist, der Legende von Hercules aber auch viel von ihrem Charme nimmt, so schön die dann folgende Eingangsszene auch konzipiert worden ist, in der Hercules seine Angreifer geschickt um eine Ecke lotst, um sie gemeinsam mit seiner Heldentruppe, nein, gemeint sind natürlich seine Gefährten, niederzumachen, während es für die Außenstehenden so anmutet, als würde er im Alleingang einer ganzen Schar Gegnern den Garaus machen.

Tatsächlich sind es auch einzig Hercules und dessen Gefährten, die den Film vor einem Totalausfall bewahren, denn so schablonenhaft die einzelnen Figuren auch überwiegend bleiben, stimmt doch die Chemie und man verfolgt gern ihre Geschicke, wenn es dann auch schon wieder befremdlich war, wo Ratner doch so viel Zeit drauf verwendet, anzudeuten, dass Hercules eben nicht der Göttersohn, sondern ein stinknormaler Mensch ist, mit welcher Präzision und Effizienz seine getreuen Recken zu töten verstehen, denn dass Dreifach-Messerwürfe jederzeit auch exakt drei Ziele ausschalten, die Bogenschützin noch im dichtesten Gedränge und auf kürzeste Distanz mit ihren Pfeilen zu töten versteht und noch dazu Augen im Hinterkopf zu haben schien, hätte mich in einer märchenhafteren Ausrichtung weit weniger gestört als hier in Hercules, der doch gerade damit zu kokettieren versucht, dass all die Legenden nur ausgemachter Schwindel sind. Und so sehr die Gruppe trotz dieser Abstriche zu gefallen versteht – wobei es gerade Ian McShane als Seher Amphiaraus ist, der die meisten Lacher und aber auch Sympathiepunkte für sich verbuchen kann – , verblassen die weiteren Figuren noch mehr hinter Hercules und Gefolge, so dass sowohl John Hurt als auch Peter Mullan grenzwertig verschenkt wirken, während Joseph Fiennes zwar in seinen Momenten als König Eurystheus brilliert, summa summarum aber gefühlt keine fünf Minuten Screentime spendiert bekommt, die auch noch zu Teilen auf eine Rückblende entfällt, wie sie weniger sinnstiftend kaum hätte sein können.

Szenenbild aus Hercules | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Auch diese Rückblende dient nämlich dazu, Hercules als Mensch zu charakterisieren und soll den Boden bereiten für einen weiteren Blick in die Vergangenheit, der Hercules‘ innere Dämonen aufs Trapez bringt, krankt allerdings daran, dass sie scheinbar wahllos in den Film gepackt worden ist und kaum Bewandtnis zu haben scheint, nur um am Ende für einen billigen Twist herzuhalten, wobei selbst das sich daran anschließende Finale dem Namen kaum gerecht wird, unlogisch, überzogen und inkonsequent inszeniert scheint, vor allem aber, ohne zu viel verraten zu wollen, mit der eigens aufgestellten Prämisse zu brechen versteht, so dass der Schlussakt dem Gesehenen quasi im Nachhinein noch den Boden unter den Füßen wegzieht und – als wäre es damit nicht genug – noch nicht einmal annähernd überzeugend animiert worden ist.

Fazit & Wertung:

Brett Ratners Hercules versucht intelligent zu tun und kokettiert mehr als einmal mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und konterkariert diese, schafft es dadurch aber nicht, eine in sich stimmige und konsistente Inszenierung zu stemmen und stolpert auf den letzten Metern über den eigenen Anspruch, während der Weg dahin kaum mehr ist als solide B-Ware, die wiederum an den kaum zündenden Gags und One-Linern krankt. Lichtblicke sind da tatsächlich nur das sympathische Heldengespann und einige Charakterköpfe, deren Talent und Charisma allerdings weitestgehend verschenkt werden. Da hilft dann auch ein 3,5 Minuten längerer Extended Cut nicht mit ein wenig mehr Blut und geringfügig erweiterten Szenen nicht über die Mängel hinweg.

5 von 10 ausgeschmückten Geschichten

Hercules - Extended Cut

  • Ausgeschmückte Geschichten - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Brett Ratners Hercules versucht intelligent zu tun und kokettiert mehr als einmal mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und konterkariert diese, schafft es dadurch aber nicht, eine in sich stimmige und konsistente Inszenierung zu stemmen und stolpert auf den letzten Metern über den eigenen Anspruch, während der Weg dahin kaum mehr ist als solide B-Ware, die wiederum an den kaum zündenden Gags und One-Linern krankt. Lichtblicke sind da tatsächlich nur das sympathische Heldengespann und einige Charakterköpfe, deren Talent und Charisma allerdings weitestgehend verschenkt werden. Da hilft dann auch ein 3,5 Minuten längerer Extended Cut nicht mit ein wenig mehr Blut und geringfügig erweiterten Szenen nicht über die Mängel hinweg.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 6,5/10 Punkte

Hercules ist am 02.01.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Paramount Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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