Review: Magic in the Moonlight (Film)

Und schon ist es wieder Zeit für eine Film-Kritik, bevor ich mich gleich noch mal in die Kälte begebe, um einen gemütlichen Abend in der Kneipe zu verbringen und ob ihr es glaubt oder nicht, hat es mich tatsächlich nach mehr als einjähriger Abstinenz (viiieeel länger, aber ich bin gerade zu faul nachzurechnen) mal wieder ins Kino verschlagen und so habe ich mal den neuesten Woody Allen begutachtet, weil wirklich falsch machen kann man da ja eigentlich nie – wie ich finde – und wie sich zeigen sollte, behielt ich mit dieser Annahme Recht. Euch einen schönen Abend und voraussichtlich bis morgen!

Magic in the Moonlight

Magic in the Moonlight, USA/UK 2014, 97 Min.

Magic in the Moonlight | © Warner Home Video
© Warner Bros.

Regisseur:
Woody Allen
Autor:
Woody Allen

Main-Cast:

Eileen Atkins (Aunt Vanessa)
Colin Firth (Stanley)
Marcia Gay Harden (Mrs. Baker)
Hamish Linklater (Brice Catledge)
Simon McBurney (Howard Burkan)
Emma Stone (Sophie)
Jacki Weaver (Grace Catledge)

Genre:
Komödie | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Magic in the Moonlight | © Warner Home Video
© Warner Bros.

Hinter dem Illusionisten und Magier Wei Ling Soo, der es gar fertigbringt, einen ausgewachsenen Elefanten verschwinden zu lassen, verbirgt sich eigentlich der britische Zyniker und Rationalist Stanley, dessen Spezialität es ist, Schwindler und Hochstapler zu entlarven und ihre Tricks aufzudecken und so kommt es, dass ihn 1928 sein alter Freund und Kollege Howard Burkan aufsucht und um dessen Hilfe bittet: Eine junge Frau namens Sophie Baker, die sich als Medium ausgibt, hat sich gemeinsam mit ihrer Mutter bei der äußerst wohlhabenden Familie Catledge eingenistet und während der Sohn der Familie, Brice, der hübschen jungen Frau völlig verfallen ist, ebenso wie dessen Mutter Grace, die fest daran glaubt, über Sophie Kontakt zu ihrem verstorbenen Ehemann aufnehmen zu können, sind Tochter Caroline und ihr Ehemann George mehr als skeptisch, haben daher Burkan engagiert, der allerdings nicht hinter das Geheimnis der fabulierenden Frau zu kommen scheint.

Als der sich als Geschäftsmann ausgebende Stanley an der französischen Côte d’Azur eintrifft, wo sich die Familie Catledge aufhält, wartet das Medium bereits mit einigen pikanten Details auf, die insbesondere seine Identität als Wei Ling Soo betreffen, doch Stanley bleibt skeptisch und versucht vehement, Sophie Baker ihren Schwindel nachzuweisen, doch mit jedem Tag der verstreicht und mit jeder medialen Eingebung, die die vermeintliche Schwindlerin hat, beginnt Stanley mehr und mehr an seinem durch und durch rationalen Weltbild zu zweifeln und ist sich schon längst nicht mehr sicher, ob er einem Schwindel aufsitzt oder sein ganzes Leben lang darüber geirrt hat, dass es außer der stofflichen und greifbaren Welt nichts gibt, nichts geben kann und beginnt sich der Magie des Lebens zu öffnen.

Rezension:

Im Grunde ist bei Woody Allens Magic in the Moonlight der Name Programm. Weder sein stimmigster, noch tiefgründigster, nicht sein nihilistischster und auch nicht sein witzigster Film, doch dennoch ein typischer Allen, gewürzt mit je einer Prise der genannten Zutaten, die so sein Werk zu einem leichtfüßigen Vergnügen machen, dem die Côte d’Azur der 1920er als Handlungsort den letzten Schliff verleiht , dem unwirklichen, nostalgischen, zuweilen romantisch verklärt scheinenden Treiben die Krone aufsetzt und die beiden Hauptdarsteller Colin Firth und Emma Stone ins beste Licht rückt, die jeder für sich und beide gemeinsam ihre Stärken in diesem liebevoll arrangierten Lustspiel voll ausspielen können und ganz allein den Film zu einem Erlebnis werden lassen, zumal sich zwischen ihnen im Laufe der knapp über neunzig Minuten Spielzeit eine beeindruckende Chemie entfaltet, die man so nicht erwartet hätte.

Szenenbild aus Magic in the Moonlight | © Warner Home Video
© Warner Bros.

Nicht nur der Altersunterschied schlägt hier zu Buche, auch rein äußerlich scheinen Firth und Stone nicht unbedingt das Paar zu sein, das einem als erstes einfällt, wenn man an eine Traumbesetzung denkt und ebenso sind die Rollen gänzlich differierend angelegt und einen Großteil seines Reizes bezieht Magic in the Moonlight durchaus auf dem reinen Zusammenprall zwischen dem zynischen Realisten und dem verträumt-verklärten Medium, während weiteren großen Anteil daran selbstredend – wie für Woody Allen typisch – die pointierten und geistreichen Dialoge bilden, die, gespickt mit allerlei wenn auch vergleichsweise zahmen Spitzen, das Herz eines jeden Freundes von sarkastischem Humor höherschlagen lassen dürfte und das, ohne dabei auch nur eine Sekunde seine Leichtfüßigkeit und den romantischen Unterton zu verlieren, die dieses Werk weitaus optimistischer und lebensbejahender erscheinen lassen als ein Großteil von Allens Œuvre.

Dadurch wirkt Magic in the Moonlight zuweilen auch recht handzahm und fast scheint, als wäre Allen selbst – so wie sein von Colin Firth verkörpertes Alter Ego – von Emma Stones Charme so vereinnahmt worden, dass er darüber kurzzeitig seinen Zynismus vergessen habe, doch auch wenn das den Film ein gutes Stück in Richtung typischer RomCom driften lässt, kann man ihm eben auch nicht böse sein und verliert sich nur allzu bereitwillig im nostalgischen Flair, das die goldig-satten Farbtöne, die beschwingte Musik und die altertümlichen Kostüme zu verbreiten wissen. Abgerundet wird der Reigen um den arrogant-herablassenden Rationalisten und das nur vermeintlich naive Medium durch eine gute Handvoll sorgsam ausgewählter Schauspieler, die allerdings allesamt im Schatten der Präsenz der Hauptdarsteller verblassen und von denen einzig Eileen Atkins einige Szenen für sich zu gewinnen weiß. Liebevoll schrullig dargestellt, oft an der Grenze zur Karikatur agierend, wird aber auch schnell klar, dass hier eben nicht der Fokus des Films liegt und er tut recht daran, sich ganz auf sein ungleiches Paar zu fokussieren, da das zuweilen doch dennoch sprunghaft wirkende Drehbuch sonst womöglich gänzlich an Halt und Erdung verloren hätte.

Szenenbild aus Magic in the Moonlight | © Warner Home Video
© Warner Bros.

So gibt sich Woody Allen diesmal weder seinem Zynismus noch seiner Misanthropie hin und schwelgt lieber in seinen pittoresken Landschaftsaufnahmen und ergötzt sich am scharfzüngigen Zusammenspiel von Firth und Stone, liefert dadurch mit Magic in the Moonlight zwar kaum mehr als einen Taschenspielertrick ab, der auch mit seinen Twists nicht wirklich überrascht, sondern mehr nur unterhält, hat gleichwohl aber einen Film geschaffen, der – und das ist wiederum bezeichnend für Woody Allen – es mit Leichtigkeit schafft, einen Großteil ähnlich gelagerter Produktionen an die Wand zu spielen. Ein Gute-Laune-Film wie aus dem Lehrbuch, der nicht annähernd mit Allens Meisterwerken konkurrieren kann, dafür aber weit lebensbejahender und leichtfüßiger erscheint, als man es von dem Altmeister gewohnt ist. Da verwundert es kaum, dass Emma Stone bereits eine Hauptrolle im nächsten Woody Allen-Film hat ergattern können und es scheint, als habe der werte Herr Misanthrop nach Scarlett Johansson seine neue Muse gefunden.

Fazit & Wertung:

Leichtfüßig, charmant und beschwingt, ist Magic in the Moonlight auf den ersten Blick beinahe kein typischer Woody Allen, doch bleibt dessen Handschrift selbstverständlich trotz des ungewöhnlich lebensbejahenden und romantischen Grundtons unverkennbar und macht mit zwei formidablen Hauptdarstellern und gewohnt geistreichen wie scharfzüngigen Dialogen auch diesen Film zu einem echten Erlebnis mit – und das ist neu – Wohlfühlgarantie.

8 von 10 empfangenen mentalen Übertragungen

Magic in the Moonlight

  • Empfangene mentale Übertragungen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Leichtfüßig, charmant und beschwingt, ist Magic in the Moonlight auf den ersten Blick beinahe kein typischer Woody Allen, doch bleibt dessen Handschrift selbstverständlich trotz des ungewöhnlich lebensbejahenden und romantischen Grundtons unverkennbar und macht mit zwei formidablen Hauptdarstellern und gewohnt geistreichen wie scharfzüngigen Dialogen auch diesen Film zu einem echten Erlebnis mit – und das ist neu - Wohlfühlgarantie.

8.0/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Magic in the Moonlight erscheint am 16.04.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Warner Home Video. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

%d Bloggern gefällt das: