Review: Das Spiel der Götter 7: Das Haus der Ketten | Steven Erikson (Buch)

Und da wären wir auch schon wieder, denn nachdem mich Elias gestern gefragt hat, ob ich denn nun bei Das Spiel der Götter mittlerweile weitergelesen hätte, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, nun postwendend meine Rezension zum nächsten Band rauszuhauen. Und hier ist sie:

Das Spiel der Götter 7
Das Haus der Ketten

House of Chains. A Tale of the Malazan Book of the Fallen 4, Part 2, USA 2002, 608 Seiten

Das Spiel der Götter 7: Das Haus der Ketten von Steven Erikson | © Blanvalet
© Blanvalet

Autor:
Steven Erikson
Übersetzer:
Tim Straetmann

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-442-26413-1

Genre:
Fantasy | Drama | Abenteuer

 

Inhalt:

Schlitzer erinnerte sich an Anomander Rakes Kampf mit dem Dämon in den Straßen von Darujhistan. Die Art, wie der Sohn der Dunkelheit sein zweihändiges Schwert geschwungen hatte, hatte eine Menge Platz erfordert, und es schien, als wollte Darist auf eine ähnliche Weise kämpfen – aber die Klinge dieses Schwerts war nach Schlitzers Meinung viel zu dünn für solch wilde, weit ausholende Hiebe. »Ist Eure Klinge mittels Zauberei verstärkt?«, fragte er.

Unaufhaltsam rücken die Truppen der Imperatrix Laseen unter Führung ihrer Mandata Tavore in Richtung der Armee der Apokalypse in der Oase der Raraku und Sha’ik ihrerseits, früher Felisin aus dem Hause Paran, wappnet sich gegen den bevorstehenden Angriff, während die ihr angeblich treu Ergebenen allerlei eigene Ziele und Pläne verfolgen und Heboric die Hoffnung auf die Rettung von Felisins Seele noch längst nicht aufgegeben hat, sich derweil aber in seine neue Rolle als Destriant von Treach, dem Tiger des Sommers und seines Zeichens neuer Gott des Krieges, zu finden sucht.

Karsa Orlong derweil macht sich auf in die Weiten der Wüste, um seinen Göttern gegenüberzutreten, sein Schicksal zu ergründen und ebenso das Erbe seiner Herkunft. Andernorts allerdings toben derweil ganz andere Kriege und längst ausgestorben geglaubte Völker führen Kämpfe gegeneinander, in die sich in ihrer Verzweiflung die Götter selbst einzumischen beginnen, denn es ist ungewiss, was der Aufstieg des Hohen Hauses der Ketten für das Pantheon der Götter letztlich bedeuten wird. Und in der Raraku regen sich längst die Geister der Verstorbenen, doch um gegen das bevorstehende Töten aufzubegehren oder um ihren einstmaligen Verbündeten im Kampf beizustehen, vermögen selbst die Götter nicht zu sagen.

Rezension:

Ich weiß nicht recht, ob es daran gelegen haben mag, dass mich Das Spiel der Götter 7: Das Haus der Ketten auf dem falschen Fuß erwischt hat oder daran, dass der Band, wie auch schon sein direkter Vorgänger Der Krieg der Schwestern, nicht ganz so gelungen, vor allem aber in sich stimmig geraten ist, wie die vorangegangenen Bücher, doch wusste mich der zweite Teil des gewohntermaßen aufgeteilten Originalbandes nicht ganz so sehr zu fesseln, wie ich es mir erhofft hätte. Einen der Gründe sehe ich zumindest daran, dass mir hier zum ersten Mal der Überblick abhandengekommen ist, denn während der Vorgänger zu großen Teilen aus der Vorgeschichte des Teblor Karsa Orlong bestand und ich mir folglich hier deutlich mehr Geschichte um die zwei Schwestern des Hauses Paran, Felisin – mittlerweile die wiedergeborene Sha’ik – und Tavore, Mandate der Imperatrix Laseen gewünscht hätte, doch stattdessen, auch wenn beide Figuren durchaus vorkommen und sich letztlich auch gegenübertreten werden, ergeht sich der siebte Band darin, allerlei neue Spielfiguren auf den Plan zu bringen beziehungsweise weiter auszuführen, bei denen es sich aber überwiegend um die eigentlich längst vergessenen Völker der Tiste Andii, Tiste Edur oder Tiste Liosan sowie natürlich die altbekannten T‘lan Imass handelt, die nicht minder verwirrende Namen tragen und teils uralte Fehden miteinander ausfechten, sich vor allem aber gerne auch in anderen Sphären befinden, was die geistige Verortung der einzelnen Erzählstränge nicht gerade vereinfacht.

»Der Thron darf den Edur nicht in die Hände fallen«, sagte der Mann namens Reisender. »Ich möchte Eure Befehlsgewalt nicht in Frage stellen, Hauptmann, doch der Bursche übertreibt nicht, wenn er von den Risiken spricht … für das Imperium und für die ganze Menschheit. Ob es Euch gefällt oder nicht, das Gewirr des Schattens ist nun in menschlicher Hand«, er lächelte falsch, »und es passt zu unserer Natur.«

So wirkt auch der ganze Feldzug der malazanischen Armee unter Schirmherrschaft von Tavore regelrecht gestückelt, weil nur ab und an einzelne Kapitel beziehungsweise Szenen kleine Schlaglichter auf das Fortkommen werfen, wobei ich mich hier insbesondere über die Szenen mit Saiten gefreut habe, der in früheren Zeiten noch als Fiedler bekannt war. Im Verlauf der Handlung von Das Haus der Ketten erfährt dieser auch vom Schicksal der Brückenverbrenner, was mich wiederum hat aufhorchen lassen, denn hier wurde gekonnt auf die Geschichte aus Der Tag des Sehers verwiesen, so dass man durchaus spüren kann, dass beide Geschichten sich recht parallel auf unterschiedlichen Kontinenten abspielen, was auch ein Widersehen mit dem wohl berühmtesten Magier untermauert. Allerdings wurde hier auch wieder für mich deutlich, dass die Geschichte auf dem Kontinent Genabackis und speziell der Brückenverbrenner subjektiv deutlich spannender ist, während ich mit den Geschehnissen im Reich der sieben Städte – wobei diese hier eigentlich auch keine Bewandtnis haben, da sich die Geschichte samt und sonders in der Raraku (und fremden Sphären) abspielt – vergleichsweise schwierig warm wurde.

Immerhin die weiteren Taten Karsa Orlongs gestalten sich hier deutlich spannender als noch im Vorgängerband und auch die Ränkeschmiede der unterschiedlichen Parteien innerhalb der Oase von Sha’ik haben mir ausnehmend gut gefallen, während auch das weitere Schicksal von Heboric, der jüngst zum Destriant des neuen Kriegsgottes Treach erklärt wurde, einiges an Spannung verspricht. Ebenfalls recht losgelöst von der eigentlichen Handlung darf man sich aber auch über ein Wiedersehen mit Crokus und Apsalar freuen, wobei ersterer ja nun mit deutlich martialischerem Namen unterwegs ist. In dem Zusammenhang darf man sich auch auf vermehrte Einmischung von Cotillion freuen, der zusammen mit Schattenthron – über den auch einige Geheimnisse offenbart werden – wohl unzweifelhaft zu den spannendsten Figuren des göttlichen Pantheons in Das Spiel der Götter gehört. Erschreckend bedeckt hielt sich hier dafür der Verkrüppelte Gott und sein Haus der Ketten, was umso verwunderlicher ist, als das sowohl dieses Buch als Das Haus der Ketten, als auch der Originalband mit House of Chains betitelt wurden, was sich in der eigentlichen Handlung meines Erachtens kaum niederschlägt.

Das Seil bewegte sich zu schnell, um ihm noch mit den Augen folgen zu können, als der Mann, der es in Händen hielt, zwischen die drei noch übrigen Magier glitt, aber dort, wo es gerade gewesen war, kullerte ein Kopf von den Schultern, Eingeweide quollen aus einer klaffenden Öffnung, und was auch immer den letzten Zauberer fällte, es geschah in einer einzigen verschwommenen Bewegung, die keine offensichtlichen Wirkungen hinterließ – abgesehen davon, dass der Edur bereits tot war, noch ehe er zu Boden sank.

Abschließend sei gesagt, dass ich mich diesmal deutlich mehr an den verschlungenen, verwirrenden Erzählsträngen gestört habe als dies normalerweise bei Das Spiel der Götter in der Vergangenheit der Fall war, zumal ich oft nicht wusste, was es mit den handelnden Figuren nun schlussendlich auf sich hat oder haben wird, wohin ihre Geschichte, ihre Reise zielt, doch kommt dies ja nun nicht zum ersten Mal in Erikons Büchern vor und mich deucht, dass schon im dieser Tage neu erschienenen achten Band Kinder des Schattens einige dieser Rätsel gelöst werden, doch seine Stärken spielt Das Haus der Ketten anderweitig aus, wobei speziell das Finale nicht nur unerwartet, sondern auch unerwartet antiklimatisch daherkommt und nicht viel mit dem reißerischen Finale von Der Tag des Sehers beispielsweise zu tun hat, was natürlich nicht per se schlecht sein muss, hier aber in meinen Augen durchaus glücklicher hätte gelöst werden können, zumal sich die an- wie abschließenden Seiten und Szenen merklich in die Länge ziehen. Dennoch handelt es sich immer noch um hochklassige wie lohnenswerte Fantasy mit extrem düsterem wie ernsten Einschlag, die nur hier meines Erachtens ab und an kleinere Durchhänger hatte oder aber – ich erwähnte es eingangs bereits – mich diesmal vielleicht einfach auf dem falschen Fuß erwischt hat.

Fazit & Wertung:

Leider gelingt es Das Haus der Ketten nicht, die im vorangegangenen Band begonnene Geschichte aufzuwerten, zumal erneut der Fokus nicht etwa auf den zwei ungleichen – und im Zentrum des Konflikts stehenden – Schwestern liegt, sondern Erikson sich stattdessen darin ergeht, ein im Vorgänger vernachlässigtes Panoptikum an Figuren aufmarschieren zu lassen, deren Beweggründe sich nur teilweise offenbaren und die anscheinend eher dazu dienen, künftige Geschichten einzuläuten. Obschon die Kapitel und Erzählstränge jeweils für sich durchaus wieder zu überzeugen wissen, wirkt das Gesamtwerk diesmal merklich weniger konsistent, als man es von Eriksons epischer Reihe gewohnt ist.

8 von 10 magischen Gewirren

Das Spiel der Götter 7: Das Haus der Ketten

  • Magische Gewirre - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Leider gelingt es Das Haus der Ketten nicht, die im vorangegangenen Band begonnene Geschichte aufzuwerten, zumal erneut der Fokus nicht etwa auf den zwei ungleichen - und im Zentrum des Konflikts stehenden – Schwestern liegt, sondern Erikson sich stattdessen darin ergeht, ein im Vorgänger vernachlässigtes Panoptikum an Figuren aufmarschieren zu lassen, deren Beweggründe sich nur teilweise offenbaren und die anscheinend eher dazu dienen, künftige Geschichten einzuläuten. Obschon die Kapitel und Erzählstränge jeweils für sich durchaus wieder zu überzeugen wissen, wirkt das Gesamtwerk diesmal merklich weniger konsistent, als man es von Eriksons epischer Reihe gewohnt ist.

8.0/10
Leser-Wertung 7.5/10 (2 Stimmen)
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Das Spiel der Götter 7: Das Haus der Ketten ist am 19.01.15 bei Blanvalet erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!


  • Elias

    Jawoll! Ein schönes Review!
    Beim Lesen musste ich natürlich besonders aufpassen, da ich mich sonst noch spoilere :-) Band 7 und 8 hab ich schon gekauft, die stehen schon im Regal.
    Ich finde es beeindruckend, wie groß Eriksons Welt bisher schon ist. Wenn es denn nur so weitergeht wie bisher, dann sehen wir bestimmt noch doppelt so viele Charaktere wie bisher! 😀
    Die sechs Jahre Vorbereitung dürfen sich da ja ruhig auszahlen.

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