Review: Kampf der Titanen (Film)

So, heut ist es zwar etwas später als ich sonst üblicherweise blogge, aber Lust hatte ich noch und der Artikel war fertig, also warum nicht raus damit!? Und nachdem es beim letzten Film ja mehr so artsy fartsy zur Sache ging, rede ich heute mal wieder über handfestes Monstergekloppe mit nur wenig Sinn und Verstand, dafür aber hohem Unterhaltungswert!

Kampf der Titanen

Clash of the Titans, USA 2010, 106 Min.

Kampf der Titanen | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
Louis Leterrier
Autoren:
Travis Beacham
Phil Hay
Matt Manfredi

Main-Cast:
Sam Worthington (Perseus)
Gemma Arterton (Io)
Mads Mikkelsen (Draco)
Alexa Davalos (Andromeda)
Ralph Fiennes (Hades)
Liam Neeson (Zeus)
in weiteren Rollen:
Jason Flemyng (Calibos / Acrisius)
Liam Cunningham (Solon)
Hans Matheson (Ixas)
Nicholas Hoult (Eusebios)
Pete Postlethwaite (Spyros)

Genre:
Action | Abenteuer | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Kampf der Titanen | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Als der Fischer Spyros den kleinen Säugling aus dem Ozean fischt, ahnt er nicht, woher das Kind stammen könnte, nimmt es aber gemeinsam mit seiner Frau in Obhut und behandelt den Jungen, den er Perseus nennt, fortan wie sein eigenes Kind. Jahre später, Perseus ist derweil zum Mann gereift, wird seine Familie Opfer des Zorns der Götter, als eine Schar Soldaten die Statue einer Gottheit zum Einsturz bringt und den wütenden Hades herbeiruft, der kurzen Prozess mit den Ungläubigen und Frevlern macht. Während Hades nun im Olymp seinen Bruder Zeus davon zu überzeugen versucht, mit strenger Hand gegen die aufmüpfigen Menschen vorzugehen, schwört Perseus ungeachtet der Macht der Götter unerbittliche Rache.

Als die Stadt Argos von Hades selbst bedroht und vor ein Ultimatum gestellt wird, bevor dieser den furchterregenden Kraken aus den Fluten des Meeres heraufbeschwört, sieht Perseus seine Chance zu einem Vergeltungsschlag gekommen, zumal ihm eröffnet wird, er sei nichts weniger als der leibliche Sohn des Zeus. Sich ungeachtet seiner angeblich göttlichen Herkunft ganz auf seine Menschlichkeit verlassend, macht er sich gemeinsam mit einer mutigen Schar aus Argos‘ besten und fähigsten Kriegern auf, Hades Einhalt zu gebieten, indem sie den Kopf der Meduas an sich zu bringen versuchen, denn ihr versteinernder Blick allein vermag den Kraken aufzuhalten, bevor dieser ganz Argos hinwegfegt. Doch die Zeit ist knapp und eine Vielzahl Gefahren lauern auf dem Weg in die Unterwelt.

Rezension:

Ganz ehrlich, Louis Leterriers Kampf der Titanen hat mir wieder einmal schmerzlich bewusst gemacht, wie sehr ich doch auf Hochglanz-Trash abfahre, denn die Schwächen des Films – zu denen ich selbstverständlich noch im Detail kommen werde – sind unübersehbar und dramaturgisch hat der Streifen eigentlich nichts zu bieten, was man nicht schon so oder besser gesehen hat, während die muntere Riege charismatischer wie talentierter Schauspieler gnadenlos unterfordert bleibt oder sich zu grenzenlosem Overacting genötigt fühlt (zu Recht!), doch abgesehen von den ersten paar einführenden Minuten scheint der Film Krawall und Monsterkämpfe für sich abonniert zu haben und prescht mit einer Beherztheit durch die nur halbgare und wenig überraschende Geschichte, dass es eine wahre Freude ist!

Szenenbild aus Kampf der Titanen | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Besonders die Set-Designs haben es mir angetan und auch wenn mancher Effekt nicht mehr taufrisch wirkt und die allein die monstermäßigen Riesenskorpione, gegen die es im Mittelteil zu bestehen gilt, einerseits ziemlich trashig, andererseits ziemlich mäßig animiert sind, fand ich den übelst kitschigen, auf Hochglanz polierten und an allen Ecken und Enden glitzernden Olymp beispielsweise formidabel, wobei mich speziell Liam Neesons leuchtende Rüstung als Verkörperung des Göttervaters Zeus prompt an Diablo hat denken lassen, wo es die Engel sind, die dem recht ähnlich dargestellt werden. Auch der Kraken macht eine wahnsinnig gute Figur und ebenso der Charon, der Fährmann über den Styx, der die tapferen Recken im Laufe des Films geradewegs in die Unterwelt führen wird, um sich dort der verfluchten Medusa entgegenzustellen. Und hatte ich schon die stygischen Hexen erwähnt, die blind ein Auge vor sich hertragend geradewegs einem Guillermo del Toro-Film entstiegen sein könnten? All das lässt die fantastisch überhöhte Welt der Antike in einem zwar kaum ernstzunehmenden, doch trash-huldigend wie stilsicher inszeniertem Kampf der Titanen erstrahlen, dessen größter Fehler es womöglich ist, seinen Titel direkt vom 1981er-Original übernommen zu haben, denn ein Kampf der Titanen findet hier de facto nicht statt, wie mancher Fan der griechischen Mythologie recht enttäuscht feststellen dürfte.

Das allerdings hat mich überhaupt nicht gestört, denn allein Liam Neeson als Zeus und Ralph Fiennes als dessen Bruder Hades zu besetzen verdient im Grunde Huldigung und die beiden sind es auch, die sich im Overacting ein ums andere Mal zu übertrumpfen versuchen. Überhaupt ist der Film gespickt mit bekannten Darstellern, die in teils kleinsten Rollen die Menagerie um Sam Worthington als Perseus ergänzen, ob es sich dabei um Liam Cunningham oder Nicholas Hoult handelt, während es doch zumindest Mads Mikkelsen als bärbeißiger Draco und Gemma Arterton als geheimnisumwitterter Io vergönnt ist, ihren Figuren zumindest ein wenig Profil zu verleihen, nicht zu verwechseln natürlich mit Charaktertiefe, denn die sucht man in dem Bombast-Action-Epos zweifelsohne vergeblich, wenn sich Letterier zugegebenermaßen zumindest bemüht, Perseus‘ Auflehnung gegen die Götter gleichermaßen als Coming-of-Age-Geschichte zu inszenieren, in der er sich gleichwohl darum bemüht, sich dem Einfluss und dem Erbe seines Vaters zu entziehen. Das allerdings ist sicherlich alles mehr als fadenscheinig in die auf Krawall gebürstete Geschichte gewoben, darf also eher als nette Dreingabe denn ernstzunehmender Plot verstanden werden.

Szenenbild aus Kampf der Titanen | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Nein, man darf sich nicht wirklich etwas erwarten von Kampf der Titanen, aber ich zum Beispiel habe mir überhaupt nichts erwartet, war auch schon vorgewarnt hinsichtlich der fehlenden Titanen und der fadenscheinigen Geschichte, muss aber doch sagen, dass ich in Anbetracht der seichten Geschichte doch überraschend gut unterhalten worden bin, wobei mir das einfallsreiche Set-Design den Genuss des Films noch zusätzlich versüßt hat, einfach weil es viel Abwechslung bot und die einschlägig bekannten Figuren kreativ in Szene gesetzt hat. Klar, manchen Plot-Twist empfand ich als grenzwertig vertretbar, das Finale war überraschend schnell abgehandelt – dabei aber doch zumindest ebenfalls konsequent – und die den Film beschließende finale Szene hätte Letterier sich gleich ganz schenken können, aber davon abgesehen bietet der Film wirklich formidable Abendunterhaltung, wenn man bereit ist, sich auf den gewollt überhöhten Trash-Faktor einzulassen. Wer allerdings nicht damit leben kann, wenn griechische Mythologie mit Füßen getreten und nur als Aufhänger für ein Fantasy-Abenteuer-Epos ausgeschlachtet wird, der sollte ebenfalls tunlichst die Finger von dem Film lassen.

Fazit & Wertung:

Letteriers Kampf der Titanen verfügt kaum über Anspruch oder Tiefe, geht in seiner stringenten Abenteuer-Inszenierung aber ordentlich nach vorn und hat eigentlich kaum mit Längen zu kämpfen. Eine gewisse Freude an bewusst trashig angelegten Kämpfen und Set-Designs sowie lustvoll überzogen agierenden Schauspielern sollte ebenfalls vorhanden sein, um den Film angemessen würdigen zu können, aber dann macht er schon beinahe eine gute Figur!

6,5 von 10 göttlichen Interventionen

Kampf der Titanen

  • Göttliche Interventionen - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Letteriers Kampf der Titanen verfügt kaum über Anspruch oder Tiefe, geht in seiner stringenten Abenteuer-Inszenierung aber ordentlich nach vorn und hat eigentlich kaum mit Längen zu kämpfen. Eine gewisse Freude an bewusst trashig angelegten Kämpfen und Set-Designs sowie lustvoll überzogen agierenden Schauspielern sollte ebenfalls vorhanden sein, um den Film angemessen würdigen zu können, aber dann macht er schon beinahe eine gute Figur!

6.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 6/10 Punkte
Der Kinogänger: 3/10 Punkte
Tonight is gonna be a large one.: 6/10 Punkte
Vieraugen Kino: 3/10 Punkte

Kampf der Titanen ist am 10.08.10 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Hab gerade den Pingback gesehen und musste gleich nachschauen, wie denn der Film bei dir weggekommen ist. Wenig überraschend sehen wir das ganz ähnlich! 😀

    • Ja, hat mich auch nicht überrascht, wobei ich in dem Fall wirklich erst kurz vor Veröffentlichung des Beitrages gesehen habe, dass du bereits zwei Mal zu dem Film geschrieben hast. Die Wertung war aber so zu erwarten 😉

  • mwj

    Vor fünf Jahren war ich im Kino und ziemlich enttäuscht, auch wenn ich das Original auch eher mittelmäßg finde (tolle Effekte).

    http://www.kino.vieraugen.com/kino/kampf-der-titanen-2/

    • Wow, 3 Punkte ist natürlich hart, auch wenn ich deine Beweggründe verstehe. Viele der Kritikpunkte, gerade was die Abweichungen von der griechischen Mythologie anbelangt, habe ich ja überhaupt nicht in Betracht gezogen, weil ich diesen Anspruch schon im Vorfeld zu keinem Zeitpunkt an diesen Film hatte. Ähnlich verhält es sich natürlich mit dem unsäglichen Nachkonvertieren in überflüssiges 3D, nicht gesehen, folglich nicht berücksichtigt. Aber wie gesagt, ist man von einem Film so richtig enttäuscht, dann dürfen es auch gerne mal nur drei Punkte sein, wobei ich die Chose – trotz vieler verheizter Nebendarsteller – eben merklich unterhaltsamer empfunden habe.

  • Der Kinogänger

    Uh, also den fand ich (obwohl ich die miesen Kritiken kannte) wirklich grauenhaft! Die etwas stringentere Fortsetzung „Zorn der Titanen“ habe ich in etwa so bewertet wie du „Kampf der Titanen“, aber beim Gedanken an diesen ersten Teil schüttelt’s mich bis heute. Natürlich sieht er ganz gut aus, aber davon abgesehen hat der Film für mein Empfinden null Rhythmus, wirkt komplett ideenlos zusammengeschustert und verschwendet die theoretisch erstklassige Besetzung geradezu sträflich. Ich bin ja eigentlich ein ähnlich großzügiger Bewerter wie du und mag das Genre theoretisch sehr (die in den meisten Kritiken auch nicht viel besser angekommenen „Krieg der Götter“ oder „300: Rise of an Empre“ erhielten von mir sogar Spitzennoten), aber hier vergab ich tatsächlich mal (deutlich) weniger als 5 Punkte … :-)

    • Ist ja witzig, alle Negativpunkte die du ansprichst, treffen meinem Empfinden nach auf den in meinen Augen deutlich unsäglicheren Nachfolger ‚Zorn der Titanen‘ zu, (dessen Kritik hier auch bereits fertig rumliegt und in den nächsten Tagen/Wochen erscheint), der bei mir gerade einmal 4,5 Punkte einfahren konnte, wohingegen Teil 1 mich einfach prima unterhalten hat.

      ‚Krieg der Götter‘ habe ich mir leider immer noch nicht angesehen, bin aber guter Dinge, dass der mir auch wieder gefallen wird und zu ‚300: Rise of an Empire‘ hatten wir uns ja schon ausgetauscht, da werden wir uns auch nicht mehr einig 😉

      • Der Kinogänger

        Ja, offenbar haben wir doch irgendwie etwas unterschiedliche Erwartungshaltungen bei solchen Filmen. Ist aber vielleicht auch ein bißchen stimmungsabhängig; außerdem glaube ich, daß mir diese Art von Filmen auf der großen Leinwand viel besser gefällt als wenn ich sie erst im TV sehe (wie „Kampf der Titanen“) …

      • Ja gut, das Kinoflair macht da sicher schon einiges aus, aber ich habe es ja schon lange aufgegeben, es öfter als vielleicht ein-, zweimal im Jahr ins Kino schaffen zu wollen, von daher bleibt mir ja nur das Heimkino und da hat es natürlich den großen Vorteil, dass ich mir den exakt zu meiner Stimmung passenden Film aussuchen kann 😉

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