Review: Pax Britannia 2: Leviathan Rising | Jonathan Green (Buch)

Das Wetter strahlt, die Sonne scheint, drum eile ich auch gleich wieder hinaus, nicht ohne vorher natürlich noch eine neue Buch-Kritik zu veröffentlichen, die ihr nun hier lesen könnt:

Pax Britannia 2:
Leviathan Rising

Pax Britannia: Leviathan Rising, UK 2008, 428 Seiten

Pax Britannia 2: Leviathan Rising von Jonathan Green | © Luzifer Verlag
© Luzifer Verlag

Autor:
Jonathan Green
Übersetzer:
Michael Knarr
Katrin Fahnert

Verlag (D):
Luzifer Verlag
ISBN:
978-3-958-35030-4

Genre:
Steampunk | Abenteuer | Fantasy

 

Inhalt:

Ein Kratzen am Hinterkopf riss ihn aus seinen Gedanken. Sein stets alarmbereiter sechster Sinn hatte sich gemeldet, ähnlich einer Vorahnung. Er blickte nach rechts und stand auf einmal direkt vor Miss Glenda Finch von der Times. Sie stand im Türrahmen und versuchte, ungezwungen zu wirken.

Vollmundig als luxuriösestes und modernstes Unterwasserkreuzfahrtschiff der Welt, wird die Neptune, frisch fertiggestelltes Flaggschiff der Carcharodon Shipping Company, angepriesen und lockt folglich zu ihrer prestigeträchtigen Jungfernfahrt nicht nur den Adel an, sondern auch Ulysses Quicksilver, der Dandy-Abenteurer und gefeierter Held des Magna Britannia, spätestens seit er Queen Victoria zu ihrem 160. Thronjubiläum das Leben gerettet hat. Mit ihm an Bord ist selbstverständlich auch seine getreue rechte Hand Nimrod, sowie eine illustre Schar an mehr oder minder gut betuchten Personen, die Ulysses beim Captains Dinner kennenlernt. Anfänglich scheint es eine ruhige Kreuzfahrt zu werden und auch der erste Tauchgang gestaltet sich problemlos, so dass man langsam die Tiefen des Meeres erforscht und gar einen kleinen Zwischenstopp in der Unterwasserstadt Pacifica einlegt.

Dann allerdings beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen, denn nicht nur ungebetene Gäste stehlen sich an Bord der Neptune, nein, vor allem ein grausamer Mord im Zentrum des Schiffes schockiert die Besatzung, woraufhin man natürlich Qucksilver konsultiert, der sich prompt der Sache annimmt, zumal ihm die ermordete Person nicht gerade unbekannt ist, doch weit kommt er nicht mit seinen Ermittlungen, denn da fallen plötzlich die Systeme der Neptune aus und das Schiff beginnt langsam zu sinken – und das beinahe direkt über dem Mariannengraben.

Rezension:

Es ist jetzt schon wieder mehr als ein Jahr her, dass ich an dieser Stelle über den ersten Band Pax Britannia: Unnatural History gesprochen habe und nun endlich konnte ich mich auch dem frisch erschienenen zweiten Band der Reihe – Leviathan Rising – widmen, der, ganz anders als sein Vorgänger, gar nicht im Reich des viktorianischen Großbritannien spielt, sondern gänzlich auf dem offenen Meer, meistenteils auf dem größten und neuesten Kreuzfahrtschiff, der Neptune, die auch zu ausgedehnten Unterwasserfahrten fähig ist und wer schon einmal ein Abenteuer mit Ulysses Quicksilver erlebt hat, ahnt, dass die Reise nicht ganz so reibungslos verlaufen wird, wie sich das anfänglich abzeichnen mag. Doch gewohnt gewieft und mutig meistert er selbstredend jede Situation, in die er und seine Begleiter geraten, doch daraus bezieht die fantastisch angehauchte Geschichte auch mitnichten ihren Reiz, denn vielmehr handelt es sich diesmal um eine beinahe klassische Whodunit-Kriminalgeschichte unter Wasser.

Anstelle einer festen Wand zog sich über die komplette Steuerbordseite des Raumes eine Stahlblase mit eingesetzter Glasscheibe, ähnlich jener auf dem Promenadendeck. Diese erlaubte dem Captain und seinen Gästen einen ungehinderten Blick auf das Meer, egal ob sich das Schiff über oder unter den Wellen befand.

Erneut gelingt es Jonathan Green dabei, altbekannte Versatzstücke zu einem einfallsreichen und vor allem unterhaltsamen wie actiongeladenem Konglomerat zu verquicken, so dass man zwar allein schon aufgrund des Titels Leviathan Rising und des Covers ahnt, dass die Passagiere der Neptune es mit einem gigantischen wie furchteinflößenden Unterwasserwesen zu tun bekommen, ist dies noch nicht einmal der Kern der Geschichte und das Rätsel darum, um was für ein Wesen es sich handeln mag, umspannt große Teile der Handlung, die allerdings, das muss man auch einräumen, doch merklich weniger abwechslungsreich erscheint als im Vorgänger, weil zwar einerseits die Enge auf der Neptune die klaustrophobische Atmosphäre unterstützt, aber eben auch die Handlungsorte stark einschränkt, ganz und gar auf das Geschehen fokussiert und mit nur wenigen Schwenkern eine sehr zielgerichtete Geschichte erzählt, die aber zuweilen eben auch etwas langatmig beziehungsweise abwechslungsarm zu werden droht. Immerhin gelingt es Green, ein in sich stimmiges und überwiegend gut unterscheidbares Figuren-Ensemble zu etablieren, dass sich durch die verheerten Gänge der Neptune kämpfen muss und immer wieder neue Theorien schürt, wer den Initialmord begangen haben mag, geschweige denn, für die weiteren Geschehnisse an Bord des Schiffes (und später auch weitere Morde) verantwortlich sein könnte.

Nichtsdestotrotz ist der Dandy-Abenteurer (wie ich diesen Begriff inbrünstig zu hassen gelernt habe, so oft, wie er in dem Buch gebraucht wird) Ulysses Kernstück der Erzählung und punktet nicht nur mit genialen Schlussfolgerungen und einfallsreichen Ideen, sondern eben auch wieder mit Tatkraft und Mut, wirkt sowohl intelligent als auch schlagkräftig und macht seinem Ruf alle Ehre. Gemessen daran, dass ich nicht unbedingt ein großer Fan derartiger Unterwasser-Settings bin, wie es eben auch in Leviathan Rising offeriert wird, macht Green aber tatsächlich einen formidablen Job, denn langweilig wurde es doch höchst selten und gerade zum Ende hin punktet der Band durchaus noch mit einigen überraschenden wie erhellenden Wendungen, insbesondere was den einzigen Nebenstrang zur Haupthandlung anbelangt, der in gänzlich unerwarteter Form mit der eigentlichen Story verwoben ist. Auch sind einige Rückbezüge auf den Vorgänger enthalten, was ich in miteinander verknüpften Reihen immer sehr begrüße, wobei der Band auch als Standalone wunderbar funktionieren mag.

Die Wellen schlugen nun gegen den Schutzschild der Promenade. Andere Abendspaziergänger hatten ebenfalls innegehalten, um das Spektakel zu beobachten. Die versilberte dunkle Linie des Horizonts verschwand hinter den höherschlagenden Wellen. Unterseeische Dunkelheit umschloss das Schiff von beiden Seiten. Nur noch das Leuchten der Sterne am wolkenlosen Himmel war durch das klare Glas des Promenadendaches zu sehen. Dann ergoss sich das Meer von allen Seiten und der ständig schrumpfende Kreis des Himmels war mit einem Mal vollständig verschwunden.

Damit nicht genug, ist nach Abschluss des zweiten Teils noch die Kurzgeschichte Vanishing Point – Fluchtpunkt enthalten, die als Ausblick und Bindeglied zwischen diesem und dem nächsten Buch fungiert und mit einer zwar ebenfalls klassischen Geistergeschichte keine Innovationspreise gewinnt, aber dennoch unterhält und für zusätzliche Abwechslung sorgt, zumal man gespannt sein darf, was sich auf dieser Basis im nächsten Teil entfalten wird. Ganz allgemein lässt sich schon sagen, dass Green einen nicht minder überzeugenden Nachfolger abgeliefert hat, der allerdings bei mir persönlich aufgrund von Thema und Setting geringfügig schlechter abgeschnitten hat, allein auch, weil ich mir gewünscht hätte, mehr über die Welt von Pax Britannia zu erfahren, doch abgesehen von einigen Anekdoten und grob umrissenen Zusammenhängen bleibt diese Hoffnung hier doch weitestgehend auf der Strecke, aber immerhin harren ja auch noch weitere sechs Bände ihrer Veröffentlichung im Luzifer-Verlag.

Fazit & Wertung:

Wie schon im ersten Band ist auch bei Pax Britannia: Leviathan Rising die Verquickung mehrerer Genres äußerst gelungen, denn obwohl grundsätzlich ein reinrassiges Steampunk-Abenteuer, ist es eben auch Fantasy-Geschichte und Kriminalroman, Whodunit und ein Stück weit Survival-Thriller. Diese Mischung, garniert mit dem gewohnt scharfzüngigen wie draufgängerischen Ulysses Quicksilver, verspricht erneut allerfeinstes Lesevergnügen, wenn auch das Unterwasser-Setting und die damit einhergehende Verdichtung und Stringenz der Geschichte ihr nicht immer zum Vorteil gereichen.

8 von 10 Schrecken der Tiefe

Pax Britannia 2: Leviathan Rising

  • Schrecken der Tiefe - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Wie schon im ersten Band ist auch bei Pax Britannia: Leviathan Rising die Verquickung mehrerer Genres äußerst gelungen, denn obwohl grundsätzlich ein reinrassiges Steampunk-Abenteuer, ist es eben auch Fantasy-Geschichte und Kriminalroman, Whodunit und ein Stück weit Survival-Thriller. Diese Mischung, garniert mit dem gewohnt scharfzüngigen wie draufgängerischen Ulysses Quicksilver, verspricht erneut allerfeinstes Lesevergnügen, wenn auch das Unterwasser-Setting und die damit einhergehende Verdichtung und Stringenz der Geschichte ihr nicht immer zum Vorteil gereichen.

8.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite des Luzifer Verlag. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Pax Britannia 2: Leviathan Rising ist am 18.12.14 als Taschenbuch im Luzifer Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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