Review: Penny Dreadful | Staffel 1 (Serie)

Seit exakt heute gibt es übrigens die grandios großartige Serie Penny Dreadful auch im Handel und weil ich auch mal wieder brandaktuell sein wollte mit meiner Berichterstattung, kommt hier brühwarm ein schön langer und ausführlicher Artikel zu dem neuesten Showtime-Familienmitglied:

Penny Dreadful
Staffel 1

Penny Dreadful, USA 2014- , ca. 52 Min. je Folge

Penny Dreadful | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Serienschöpfer:
John Logan
Showrunner:
John Logan

Main-Cast:
Reeve Carney (Dorian Gray)
Timothy Dalton (Sir Malcolm Murray)
Eva Green (Vanessa Ives)
Rory Kinnear (The Creature)
Billie Piper (Brona Croft)
Danny Sapani (Sembene)
Harry Treadaway (Dr. Victor Frankenstein)
Josh Hartnett (Ethan Chandler)
in weiteren Rollen:
Olivia Llewellyn (Mina Harker)
Hannah Tointon (Maud Gunneson)
Alun Armstrong (Vincent Brand)
Olly Alexander (Fenton)
Simon Russell Beale (Ferdinand Lyle)
Helen McCrory (Madame Kali)

Genre:
Drama | Horror | Mystery

Trailer:

 

Inhalt:

Im viktorianischen England des Jahres 1891 kommt es zu einem brutalen Mord in den nächtlichen Gassen der umtriebigen Stadt, kurz bevor die mysteriöse Vanessa Ives bei einer seiner Darbietungen auf den Revolverhelden – nein, Meisterschützen – Ethan Chandler aufmerksam wird, den sie abends in einer der hiesigen Spelunken aufsucht, um ihn für etwas Nachtarbeit anzuheuern. Nachdem sich die gleichermaßen undurchsichtigen Personen vorsichtig beäugt haben, willigt Chandler schließlich ein und Miss Ives stellt ihm ihren Auftraggeber Sir Malcolm Murray vor, dessen Tochter Mina jüngst entführt worden ist und zu deren Rettung er in die Unterwelt hinabzusteigen plant. Gemeinsam infiltriert das ungleiche Trio ein Vampirnest im nächtlichen London. Findet von Mina jedoch keine Spur. Die Leiche eines der Vampire im Schlepptau, wendet sich Murray an Dr. Victor Frankenstein, um die Leiche zu untersuchen und der zeigt sich mehr als nur ein wenig fasziniert von dem fremdartigen Körper, unter dessen oberster Hautschicht sich ägyptische Hieroglyphen verbergen.

Szenenbild aus Penny Dreadful | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Während Murray und Ives dieser neuen Spur nachgehen und den Ägyptologen Ferdinand Lyle aufsuchen, geht Frankenstein seinen höchst eigenen Forschungen und Experimenten nach, so dass es ihm schlussendlich gelingt, mittels Elektrizität einen toten Körper wieder zum Leben zu erwecken. Ethan Chandler indes ist noch immer schockiert und überfordert von der neuen Welt, die sich ihm vergangene Nacht eröffnet hat und sucht zunächst Zuflucht in einer Hafenherberge, wo er die kränkliche wie kokette Brona Croft kennenlernt, die bald darauf auf den charmanten und verführerischen Dorian Gray treffen wird. Derweil lassen sich Miss Ives und Sir Murray überreden, einer Festivität von Lyle beizuwohnen, doch eine zur allgemeinen Erheiterung gedachte Séance läuft bald aus dem Ruder, als Vanessa von einer bösen Macht beseelt wird.

Rezension:

Mit Penny Dreadful, dessen Titel angelehnt ist an die gleichnamigen Heftromane des viktorianischen Englands, die überwiegend schaurige Horrorgeschichten zum Besten gaben und unseren Groschenromanen wohl nicht unähnlich sind, ist Showtime wieder einmal ein großer Wurf gelungen, zumal sich die Serie in ihrer Art und Ausstattung, vor allem aber der stimmigen Genreverquickung merklich von dem bisherigen Portfolio des Kabelsenders unterscheidet. Der große Wurf allerdings, das muss man auch sagen, ist eigentlich dem als Drehbuchautoren bekannten John Logan zuzuschreiben, der für Idee und Konzept der Serie verantwortlich zeichnet, ansonsten sicherlich aber am ehesten für seine Drehbücher zu James Bond: Skyfall und Hugo Cabret bekannt ist, bezeichnenderweise aber auch bei Sweeney Todd seine Finger im Spiel hatte, ein Film, der in punkto Atmosphäre, Optik und Handlungsort noch am ehesten mit der Serie zu vergleichen ist.

Szenenbild aus Penny Dreadful | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Ansonsten geht Penny Dreadful aber natürlich spürbar eigene Wege und schon der Serienauftakt macht deutlich, dass man es womöglich mit einem Ausbrecher aus dem Serienallerlei zu tun haben könnte, ein Eindruck, der sich in den darauffolgenden Episoden bestätigt und mehr und mehr festigt, denn es handelt sich mitnichten um eine Anthologie, wie man es aufgrund des Sujets und der Ambition, weithin bekannte Horrorgestalten in die Handlung zu flechten, hätte vermuten können, vor allem aber nicht um eine auf den schnöden Schockeffekt zielende Produktion, geschweige denn eine reinrassige Horrorserie, was beispielsweise Vergleiche mit American Horror Story umgehend ad absurdum führt, sondern vielmehr um ein waschechtes Drama im viktorianischen Gewand mit übernatürlichem Einschlag, das aber weitaus ernster und packender, insbesondere aber dramatischer und vielschichtiger daherkommt, als ich mir hätte träumen lassen.

Natürlich begegnet man hier Gestalten wie Dr. Viktor Frankenstein und seiner Kreatur, dem Narzisst Dorian Gray und auch vampirischen Wesenheiten, begegnet einem gewissen Professor Van Helsing und begibt sich auf die Suche nach Mina Harker, doch werden diese Figuren so respektvoll behandelt, so sorgfältig in die Handlung gebettet, dass man nicht davon sprechen könnte, sie allein ihres bekannten Namens wegen irgendwie mit hineingebracht zu haben, zumal sie nicht einmal die Hauptattraktion von Penny Dreadful sind, denn da handelt es sich ganz eindeutig um Eva Green, die auch schon in der kurzlebigen Serie Camelot eine ähnlich düstere, aber gänzlich anders gelagerte Rolle spielen durfte und hier in Gestalt von Vanessa Ives die mysteriöse wie undurchsichtige Femme Fatale mit Hang zum Okkultismus geben darf, wenngleich diese Charakterisierung lediglich an der Oberfläche der Figur kratzt, ich hier aber auch nicht einige der spannendsten Entwicklungen und Offenbarungen der Serie vorwegnehmen möchte. Ihr beinahe ebenbürtig zur Seite stehend brilliert zudem Josh Hartnett als frisch im viktorianischen London angekommener Revolverheld und Schausteller Ethan Chandler, dessen Figur zwar zunächst ungleich geradliniger und durchschaubarer wirkt als Greens Ives, allein schon in der gerade einmal acht Folgen umfassenden ersten Staffel mit jedem Widersehen an Tiefe gewinnt, zumal er es ist, der den gesamten Plot der Serie im Grunde erst in Gang bringt.

Szenenbild aus Penny Dreadful | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Gleiches könnte man von Timothy Dalton behaupten, der als zunächst wie eine Verkörperung des eloquenten englischen Gentleman wirkender Sir Malcolm Murray Triebfeder der Handlung sein darf, da ihn die Suche nach seiner Tochter Mina dazu veranlasst, einerseits die Nähe der medial begabten Miss Ives zu suchen, andererseits Ethan Chandler anzuheuern und mit der Unterwelt vertraut zu machen, nicht zuletzt aber auch den mit morbidem Charme versehenen Dr. Frankenstein ins Boot zu holen, folglich Schirmherr der ganzen Menagerie aus zwielichtigen wie teils übernatürlichen Gestalten sein darf, die sich willentlich und wissentlich den Kreaturen der Nacht entgegenstellen. Und ja, es gibt Vampire klassischer Interpretation in Penny Dreadful, indes nein, Dracula begegnet man nicht, was aber auch nicht schlimm, eher begrüßenswert ist, denn allein das Figurenkonsortium, was in der ersten Staffel etabliert wird, bietet noch Raum für Geschichten und Offenbarungen in Hülle und Fülle, zumal beispielsweise Dorian Gray zwar recht früh in die Handlung eingeführt wird und auch merklich Einfluss auf nicht nur eine Figur ausübt, aber gerne noch weiter beleuchtet werden dürfte.

Überhaupt ist den Machern der Serie allein mit der Besetzung schon ein unglaublicher Coup geglückt, denn während man noch über die Monologe, die Ausstrahlung, den Charme eines Victor Frankenstein staunt, tritt dessen Kreatur und damit Rory Kinnear auf den Plan und bewerkstelligt eine Verkörperung von Frankensteins Monster, wie sie kaum feinfühliger und nachvollziehbarer hätte sein können, stets schwankend zwischen alles zerstörender Wut, stillem, resigniertem Brüten und dem Wunsch nach Akzeptanz und Zugehörigkeit, während selbst Reeve Carney, als nur auf den ersten Blick wie ein Milchbubi wirkender Dorian Gray ungeahnte Tiefen seiner Figur auslotet und beispielsweise Eva Green bereits in der zweiten Folge eine Darbietung abliefert, die zu spontanem Szenenapplaus verleitet in ihrer Eindringlichkeit, sich selbst aber später noch zu toppen versteht, während einzig die aus Dr. Who und Secret Diary of a Call Girl bekannte Billie Piper eine zwar gute, aber eben lange nicht so packende Leistung abliefert, was aber auch ihrer Rolle der unter Schwindsucht leidenden Brona geschuldet sein mag, die sicherlich in der zum Glück schon bestätigten zweiten Staffel einiges mehr an Gewicht bekommen wird.

Szenenbild aus Penny Dreadful | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Nein, Penny Dreadful ist keine Horrorserie, sondern ein düster-faszinierendes Charakterdrama mit Horrorelementen, nutzt das Setting und die vielen übernatürlichen Elemente aber vor allem geschickt, um ein filmisches Erlebnis zu schaffen, ein Kniff, den man bislang hauptsächlich HBO-Serien angedichtet hat, nämlich, dass deren Serien oftmals mehr wie in die Länge gezogene Filme wirken und im Kino ebenso gut funktionieren würden. Dabei ist es bezeichnend, dass es sicherlich ab und an gruselig wird in der Serie und man in mancher Szene mit einem robusten Magen gesegnet sein sollte, ebenso, wie natürlich – ich schiele jetzt hier bewusst in Richtung Dorian Gray – Sexualität eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt, der Kern der Geschichte aber wahrhaftig im Wesen, Denken und Fühlen der Figuren zu suchen ist, die allesamt auf ihre eigene Art Außenseiter sind, tragische Gestalten, von der Gesellschaft Geächtete oder Vergessene, sich nicht zugehörig fühlende, einsame Seelen, deren Habitus auch immer metaphorisch zu betrachten ist und einen intimen Blick auf oftmals recht eintönig und oberflächlich skizzierte Figuren eröffnet, die man hier endlich einmal als Individuen erlebt, deren Leiden nicht nur nachzuvollziehen ist, sondern emotional berührt und mich oft gebannt vor dem Bildschirm mitfiebern ließ; ein Effekt und eine Wirkung, die ich mir von einer Serie, deren Name auf eine Art des Groschenromans, der Trivialliteratur zurückgeht, so nicht erwartet hätte. Womit wieder einmal untermauert und begründet wäre, weshalb Showtime ganz dicht hinter, beinahe schon neben HBO, auf dem Serien-Olymp thront.

Fazit & Wertung:

John Logan hat mit Penny Dreadful eine Serie ersonnen, die auf den ersten Blick – allein ihres Titels und der Aufmachung wegen – weit trashiger wirkt, als sie es tatsächlich ist, denn der sich langsam entfaltende Konflikt, die liebevoll charakterisierten Figuren, der extrem stimmungsvolle Cast und die vielschichtige, tiefgründige Umsetzung in opulenter wie imposanter viktorianischer Szenerie suchen zweifelsohne ihresgleichen und mit weit mehr als nur einer Handvoll denkwürdiger Szenen spielt sich allein schon die erste Staffel ganz weit nach oben in der Riege der Premiumsegment-Serienproduktionen der letzten Jahre. Prädikat: Unbedingt anschauen!

9,5 von 10 Geheimnissen in der Dunkelheit

Penny Dreadful | Staffel 1

  • Geheimnisse in der Dunkelheit - 9.5/10
    9.5/10

Fazit & Wertung:

John Logan hat mit Penny Dreadful eine Serie ersonnen, die auf den ersten Blick - allein ihres Titels und der Aufmachung wegen – weit trashiger wirkt, als sie es tatsächlich ist, denn der sich langsam entfaltende Konflikt, die liebevoll charakterisierten Figuren, der extrem stimmungsvolle Cast und die vielschichtige, tiefgründige Umsetzung in opulenter wie imposanter viktorianischer Szenerie suchen zweifelsohne ihresgleichen und mit weit mehr als nur einer Handvoll denkwürdiger Szenen spielt sich allein schon die erste Staffel ganz weit nach oben in der Riege der Premiumsegment-Serienproduktionen der letzten Jahre. Prädikat: Unbedingt anschauen!

9.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Vieraugen Kino: 9/10 Punkte

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Nachtarbeit (9/10)
02. Die Séance (9,5/10)
03. Die Wiederauferstehung (9/10)
04. Die Halbwelt (9/10)
05. Zwei Frauen (9,5/10)
06. Was der Tod zusammengeführt hat… (9/10)
07. Besessen (9,5/10)
08. Grand Guignol (9,5/10)

 

– – –

Penny Dreadful | Staffel 1 ist am 09.04.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Paramount Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Klingt fantastisch. Ist sowas von vorgemerkt! :)

    • Der Kinogänger

      Steht bei mir auch schon länger auf der Liste. Die Thematik und die übrigen Beteiligten vor und hinter der Kamera würden ja schon locker ausreichen, um das für mich zu einem Must-See zu machen – aber dann auch noch Eva Green? Nö, da kann ich keinesfalls widerstehen! 😉

      • Ja, genauso ging es mir auch und ich hatte die Serie quasi seit dem ersten Moment an auf dem Schirm, tatsächlich aber nicht ganz so hohe Erwartungen, weshalb ich nun natürlich noch begeisterter und euphorischer war, denn ich hatte mir doch ein eher klassisches Horror-Procedural erwartet, obwohl die Serie von Showtime kommt und da war ich doch von der Tiefgründigkeit und den desolaten Psychen der Figuren angetan, zumal man in jeder Folge eine neue Offenbarung erlebt. Einfach mal wieder ganz was anderes, ganz was neues; toll!

  • mwj

    eine grandiose Serie. Siehe auch meine Kritik: http://www.kino.vieraugen.com/tv/penny-dreadful/

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