Review: 96 Hours – Taken 3 – Extended Cut (Film)

Gute Vorsätze sind da um gebrochen zu werden, ich weiß, doch bin ich ja schon stolz, dass ich das selbstgesteckte Ziel, diese Woche vier Reviews rauszuhauen, bereits heute als erledigt betrachten kann und mich nun ganz dem nahenden Pfingstwochenende zuwenden kann. Auch mal schön. Und jetzt ganz viel Spaß mit meiner Meinung zu Taken 3 beziehungsweise dessen Extended Cut, der den Film – wie ich meine – gehörig aufwertet, sprich überhaupt erst ansehenswert macht.

96 Hours
Taken 3
Extended Cut

Taken 3, FR 2014, 109 Min.

96 Hours - Taken 3 | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Olivier Megaton
Autoren:
Luc Besson
Robert Mark Kamen

Main-Cast:
Liam Neeson (Bryan Mills)
Forest Whitaker (Franck Dotzler)
Famke Janssen (Lenore St. John)
in weiteren Rollen:
Maggie Grace (Kim Mills)
Dougray Scott (Stuart St. John)
Sam Spruell (Oleg Malankov)
Leland Orser (Sam)

Genre:
Action | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus 96 Hours - Taken 3 | © Universum Film
© Universum Film

Nachdem Ex-CIA-Agent Bryan Mills in Istanbul seiner Familie ein weiteres Mal das Leben gerettet hat, kehrt, nachdem mittlerweile einige Zeit vergangen ist, beinahe so etwas wie Normalität in seinem Leben ein und er beginnt, die Ruhe und den Frieden zu genießen, bemüht sich um Annäherung zu seiner heißgeliebten Tochter Kim, die jüngst erfahren hat, schwanger zu sein – wobei sie den Teufel tun würde, ihrem Vater davon zu erzählen – und nähert sich selbst seiner Ex-Frau Lenore langsam wieder an, wenngleich die noch immer mit Stuart St. John liiert ist. Dennoch könnte das Leben nicht ruhiger verlaufen für Bryan und selbst seine früheren Kollegen und Freunde können ihn nicht dazu überreden, einen neuen Auftrag anzunehmen.

Dann allerdings geschieht das Unfassbare und Unbekannte deponieren in seiner Wohnung eine Leiche und kontaktieren die Polizei, um zu fingieren, dass Bryan Mills auf frischer Tat ertappt wird. Der allerdings ist nicht bereit, sich den Hütern des Gesetzes zu ergeben und tritt die Flucht an, während sich der gewiefte wie akribische Ermittler Frank Dotzler und sein Team schon an Mills‘ Fersen heften. Bryan derweil versucht nicht nur, das Komplott zu durchschauen, sondern ist auch verzweifelt darum bemüht, Kontakt zu seiner Tochter aufzunehmen, die er ebenfalls in Gefahr wähnt.

Rezension:

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, doch hätte man im Falle dieses Franchise den eingängigen Rat beherzigt, hätte man bereits nach dem 2008er-Erstling Taken – hierzulande, wie sich später rächen sollte, als 96 Hours vermarktet – Schluss machen sollen und die Idee, dem Film rund vier Jahre später eine nur marginal variierte, dafür extrem weichgespülte Fortsetzung folgen zu lassen, die schon den kruden Titel 96 Hours – Taken 2 trug oder tragen musste, in der Schublade verschwinden lassen, doch so funktioniert das Business natürlich nicht und da der so herrlich amoralisch, sich über Recht und Gesetz hinweghebend agierende Bryan Mills zum Publikumsliebling avancierte, musste eben eine Fortsetzung her, die – und das wird wohl auch der größte Fehler gewesen sein – dann aber nicht mehr von Pierre Morel, sondern von Olivier Mégaton inszeniert wurde, der spürbar Probleme hatte, sich dem Stoff adäquat anzunähern, wenn die Schuld sicherlich auch ebenso bei den Drehbuchautoren Luc Besson und Robert Mark Kamen zu suchen ist, die sich nun – ebenso wie Mégaton – ein letztes Mal dem Stoff gewidmet haben. Doch auch wenn Taken 3 nicht annähernd an den ersten Teil der Reihe heranreicht, zeigt sich der Film doch zumindest ein Stück weit versöhnlich und versucht immerhin, zu seinen Wurzeln zurückzukehren, wenn ihm dies auch lediglich im Extended Cut – der einzig lohnenswerten Fassung des Films, wie ich später noch erörtern werde – zumindest teilweise gelingt.

Szenenbild aus 96 Hours - Taken 3 | © Universum Film
© Universum Film

Es ist zunächst einmal begrüßenswert, dass nicht ein drittes Mal eine Entführung inszeniert worden ist, die der Rahmenhandlung dienen soll, denn das wäre schon grenzwertig absurd gewesen, wenngleich es somit den Sinn des kruden Titels 96 Hours – Taken 3 vollends ad absurdum führt, doch immerhin wirkt der dritte Teil nicht mehr wie ein mit Action-Szenen aufgepimpter Urlaubstrip durch Istanbul, sondern bemüht sich zumindest um ein wenig Rahmenhandlung und ein gewisses Figurenensemble. Einerseits gibt Forest Whitaker mit seiner Figur des Franck Dotzler einen doch unterhaltsamen wie gewieften Ermittler, der Mills zumindest annähernd das Wasser reichen kann und angenehm aus der zuvor recht gesichtslosen Masse der früheren Kontrahenten des ehemaligen Geheimdienstlers herausragt, andererseits ist er natürlich gar nicht der eigentliche Widersacher, sondern nur Kopf einer der Fronten, die auf der Jagd nach Mills sind, während der eigentliche Bösewicht aber auch nicht schwer zu erraten sein dürfte. Das ist alles auch nicht neu oder überraschend, aber doch zumindest angenehm variiert.

Doch auch diesem Film merkt man – selbst im Extended Cut – seine auf ein PG13-Rating getrimmte Inszenierung an und die brachial-brutalen Einstellungen des Erstlings müssen auch hier wieder einer hektischen Schnittfolge weichen, die zu kaschieren versucht, dass viele vermeintlich tödliche Schüsse noch nicht einmal Eintrittswunden, geschweige denn Blutspritzer verursachen. Klar versucht man dem hier Abhilfe zu schaffen, doch dennoch wirkt Taken 3 ausgesprochen handzahm, ist – ich wollte ja noch einmal darauf eingehen – gar in der Kinofassung regelrecht ungenießbar, denn einen Kontrahenten seinen Schussverletzungen erliegen zu lassen, während diese allesamt wegretuschiert worden sind, ist an Hohn und Spott gegenüber dem Publikum kaum zu überbieten. Wer sich spoilern möchte, dem empfehle ich hierzu die Lektüre des wie immer ausgesprochen gelungenen Schnittberichtes. Immerhin dieses Ärgernis wusste man in der erweiterten Fassung zu beseitigen und zusammen mit einigen mal mehr, mal weniger sinnvollen Handlungserweiterungen ergibt sich zumindest dramaturgisch ein recht stimmiges Bild, überraschungsarm ja, aber nicht durchweg enttäuschend, zumal wohl niemand damit gerechnet haben dürfte, die Reihe würde jetzt plötzlich zu alter Härte zurückfinden.

Szenenbild aus 96 Hours - Taken 3 | © Universum Film
© Universum Film

Nach dem durch und durch mittelmäßigen und somit enttäuschenden zweiten Teil endet die Trilogie so doch in meinen Augen wie gesagt zumindest versöhnlich und ab und an meint man sich immerhin an den alten Bryan Mills erinnert zu fühlen, wenn der sich beispielsweise der Folter via Waterboarding widmet und immer noch imstande ist, auch eine Vielzahl Gegner mit nur wenigen geschickten Handgriffen unschädlich zu machen, wenn man von denen zwar aufgrund des hektischen Schnittmassakers nicht wirklich viel zu sehen bekommt. Solide und unterhaltsam, so könnte man 96 Hours – Taken 3 durchaus bezeichnen, auch wenn das den meisten Fans der ersten Stunde nicht reichen wird, haben beide Teile schließlich allein in punkto Härtegrad und Kompromisslosigkeit wirklich nichts mehr miteinander gemein. Ich für meinen Teil habe mich über ein (dennoch hoffentlich letztes) Wiedersehen mit den Figuren gefreut und kann die Geschichte von Bryan Mills und dessen Tochter Kim jetzt weit beruhigter und zufriedener zu den Akten legen, als es mir nach dem unsäglichen zweiten Teil möglich gewesen wäre und allein dafür bin ich schon dankbar.

Fazit & Wertung:

96 Hours – Taken 3 reicht natürlich nicht annähernd an den unübertroffenen Erstling der Reihe heran, doch damit wird wohl auch niemand gerechnet haben. Immerhin ist er weitaus stimmiger und überzeugender geraten als der Mittelteil des Franchise und verhilft so zu einem doch immerhin soliden Abschluss, wobei hier der Extended Cut nicht nur in punkto revidierter Gewaltzensuren sondern auch mit Handlungserweiterungen den Film nicht nur aufwertet, sondern überhaupt erst sehenswert macht, scheint die Kinofassung dank allzu vieler Veränderungen und Kürzungen geradezu verstümmelt gewesen zu sein.

7 von 10 wilden Autoverfolgungsjagden

96 Hours – Taken 3

  • Wilde Autoverfolgungsjagden - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

96 Hours – Taken 3 reicht natürlich nicht annähernd an den unübertroffenen Erstling der Reihe heran, doch damit wird wohl auch niemand gerechnet haben. Immerhin ist er weitaus stimmiger und überzeugender geraten als der Mittelteil des Franchise und verhilft so zu einem doch immerhin soliden Abschluss, wobei hier der Extended Cut nicht nur in punkto revidierter Gewaltzensuren sondern auch mit Handlungserweiterungen den Film nicht nur aufwertet, sondern überhaupt erst sehenswert macht, scheint die Kinofassung dank allzu vieler Veränderungen und Kürzungen geradezu verstümmelt gewesen zu sein.

7.0/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 3,5/10 Punkte
Filmherum: 3/5 Punkte

96 Hours – Taken 3 erscheint am 29.05.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:


Blu-ray:


  • Wunderbar, da habe ich ja noch Hoffnung! Ich fand ja selbst den zweiten Teil durchaus unterhaltsam (auch nur in der Extended Version gesehen).

%d Bloggern gefällt das: