Review: America’s Got Powers 1 (Graphic Novel)

Und hier kommt dann die immerhin zweite Comic-Review für heute und ich bin guter Dinge, dass da zumindest noch ein Artikel nachfolgt. Warten wir es ab und euch erst einmal viel Spaß bei der Lektüre!

America’s Got Powers 1

America’s Got Powers #1-3, USA 2012, 104 Seiten

America's Got Powers 1 | © Panini
© Panini

Autor:
Jonathan Ross
Zeichner:
Bryan Hitch

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98300-8

Genre:
Action | Science-Fiction

 

Inhalt:

Vor siebzehn Jahren stürzte über San Francisco ein Kristall vom Himmel und landete mitten im Golden Gate Park. Er glühte heller als man sich hätte vorstellen können und kurz darauf gebar jede schwangere Frau im Umkreis von acht Kilometern ihr Kind, die allesamt –wie sich später herausstellen sollte – über eine Kraft, eine Gabe, ein Talent verfügten. So kamen die Superhelden. Mittlerweile, siebzehn Jahre später, wurden diese mächtigen Talente längst von den Medien institutionalisiert und bekämpfen sich gegenseitig in der ungemein erfolgreichen Show America’s Got Powers, für die eigens eine riesige Arena in San Francisco errichtet worden ist.

Ausschnitt aus America's Got Powers | © Panini
© Panini

Einer dieser Kämpfer, dieser Gladiatoren, war Bobby Watts und er war ein gefeierter Star der Show, bis er im Staffelfinale zu Tode kam, was reichlich Kritik an den Kämpfen nach sich zog. Sein Bruder Tommy allerdings ist eine Ausnahme ganz anderer Art, denn anders als alle anderen Kinder, die nach dem Erscheinen des Kristalls geboren worden sind, verfügt er über keinerlei Fähigkeiten und wird von gleichaltrigen Helden folglich belächelt, während er als Verkäufer von Merchandise-Produkten zur Show ein vergleichsweise wenig glamouröses Dasein fristet. Doch als die Auftaktshow der neuen Staffel außer Kontrolle gerät, ist es an Tommy, sich zu beweisen und sein beherztes Eingreifen bei der Rettung unschuldiger Zuschauer fördert Mächte zutage, die weit über das hinausgehen, was man je in America’s Got Powers zu sehen bekommen hat.

Rezension:

Auf den ersten Blick möchte man meinen, Autor Jonathan Ross, der mir speziell durch Turf noch in bester Erinnerung ist, schicke sich an, in die Fußstapfen von Mark Millar und dessen wohl berühmtester Schöpfung Kick-Ass zu treten, denn auch in America’s Got Powers bekommt man Superhelden von einer gänzlich anderen, ungewohnten Seite zu sehen und ein unscheinbarer junger Mann, der von allen verlacht und gehänselt wird, steht im Mittelpunkt der Ereignisse, doch hören die Gemeinsamkeiten – abgesehen von der oft unverhohlenen Gesellschafts- und Medienkritik damit schon beinahe wieder auf, denn anders als in Millars Werk haben hier die Helden echte Superkräfte, die diesmal durch einen mysteriösen Kristall aus dem All begründet werden, doch schicken diese sich mitnichten an, die Welt zu retten, sondern treten stattdessen in eigens errichteten Arenen gegeneinander an, um einen Platz an der Spitze und die Gunst des Publikums zu erringen, winkt schließlich ein Platz im einzig offiziellen Superheldenteam der Welt, der Power Generation, wobei es sich selbstredend auch hier mehr um einen Marketing-Gag als um ernstzunehmende Helden handelt.

Ausschnitt aus America's Got Powers | © Panini
© Panini

Mittendrin in diesem Geschehen und dennoch außen vor ist Protagonist Tommy Watts, der als einziger aus der Schar der am Tag des Erscheinens des Kristalls Geborenen keine Superkräfte entwickelt hat und folglich von all den Helden nur belächelt wird, wohingegen sein Bruder ein Star der Show war, zumindest bis er im Kampf gegen Quarterback sein Leben ließ. Zunächst aber widmet sich der Band America’s Got Powers der Exposition des Settings und seiner Prämisse, vor allem aber natürlich der Vorstellung der namensgebenden Reality Show America’s Got Powers, hinter der natürlich eine weitreichende Medienmaschinerie und ebenso die Regierung steckt, die ihre ganz eigenen Pläne für die Superhelden hat, diese vor allem aber mittels der Show zu gängeln und kontrollieren versucht, damit man die übernatürlich Begabten an einem Ort in sicherer Verwahrung weiß.

Die Seitenhiebe auf das Medien- und Konsumverhalten heutiger Tage nehmen dabei im Laufe der Story noch zu und die Dialoge, die Ross speziell den Ausrichtern der Show, aber auch den Schaulustigen in den Mund legt, sind teils bitterböse und treiben die Bloßstellung des Individuums im Kontext der Geschichte auf neue Spitzen, bis selbst der Tod eines Jugendlichen kaum mehr zu bedeuten scheint als ein werbewirksames Einschalt-Argument für die sensationsgeilen Massen. Neben der Show steht aber eben auch Tommy Watts im Zentrum der Ereignisse und es kommt der Moment, an dem auch er ungeahnte Kräfte entdeckt, womit ich sicherlich nicht spoiler, denn das wird sich ja wohl jeder gedacht haben. So vorhersehbar diese eine Entwicklung aber auch ist, ist der Rest des die ersten drei US-Hefte umfassenden Bandes dramaturgisch außerordentlich gelungen und punktet mit einer dicht inszenierten Geschichte, die gemessen an dem vergleichsweise geringen Umfang des Bandes bereits gehörig in die Tiefe geht.

Ausschnitt aus America's Got Powers | © Panini
© Panini

Da ist es umso erfreulicher, dass America’s Got Powers als Miniserie angelegt ist und nach sieben Ausgaben – also hierzulande vermutlich mit einem zweiten Sammelband – ihr Ende finden wird, denn so spannend und stimmungsvoll die Prämisse auch sein mag, kann ich mir diese nicht als Aufhänger für eine womöglich jahrelang laufende Serie vorstellen, zumal sich die unbestritten kreative Idee irgendwann totgelaufen hätte und die dichte Inszenierung daran zu kränkeln begänne. Da ist es mir doch deutlich lieber, zwar am Ende des ersten Bandes mit einem fiesen Cliffhanger zurückgelassen zu werden, dafür aber zu wissen, dass die Geschichte von Tommy sicherlich bald zu Ende erzählt werden wird, sind die Hefte schließlich im amerikanischen Original bereits 2013 erschienen. Zeichnerisch stimmungsvoll in Szene gesetzt werden übrigens sämtliche Hefte von Bryan Hitch, dessen Stil mir hier übrigens noch mehr zusagt als im jüngst ausgelesenen Age of Ultron, möglicherweise, weil die Deadlines hier nicht so eng waren und er sich mehr Zeit für die Panel-Gestaltung lassen konnte. Sei es wie es will, ist America’s Got Powers – das wollte ich eigentlich nur sagen – auch optisch ein echter Hingucker, dynamisch und bunt, aber auch drastisch und blutig, wenn es die Situation erfordert.

Fazit & Wertung:

Der erste Band der von Jonathan Ross erdachten Miniserie America’s Got Powers zieht auf Anhieb in seinen Bann und offeriert eine clevere wie unterhaltsame Medienschelte im Gewand eines etwas anderen Superheldencomics, in dessen Fokus zwar der typische Außenseiter steht, der erst spät seine außergewöhnlichen Kräfte entdeckt, ansonsten aber Klischees vermeidet und mit einer frischen, temporeichen und stimmigen Inszenierung zu begeistern weiß.

9 von 10 erstaunlichen Superkräften

America's Got Powers 1

  • Erstaunliche Superkräfte - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Der erste Band der von Jonathan Ross erdachten Miniserie America's Got Powers zieht auf Anhieb in seinen Bann und offeriert eine clevere wie unterhaltsame Medienschelte im Gewand eines etwas anderen Superheldencomics, in dessen Fokus zwar der typische Außenseiter steht, der erst spät seine außergewöhnlichen Kräfte entdeckt, ansonsten aber Klischees vermeidet und mit einer frischen, temporeichen und stimmigen Inszenierung zu begeistern weiß.

9.0/10
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America’s Got Powers 1 ist am 10.03.15 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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