Review: Das Lied von Eis und Feuer 7: Zeit der Krähen | George R. R. Martin (Buch)

Heute musste ich ja tatsächlich überlegen, welche der vielen fertigen Buch-Kritiken ich euch kredenze, aber nachdem es hier ja lange Zeit nichts in die Richtung zu lesen gab, fiel die Wahl letztendlich dann doch gar nicht einmal so schwer 😉

Das Lied von Eis und Feuer
Zeit der Krähen

A Feast for Crows (Pages 1-327), USA 2005, 576 Seiten

Das Lied von Eis und Feuer 7: Zeit der Krähen von George R. R. Martin | © Blanvalet
© Blanvalet

Autor:
George R. R. Martin

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-442-26859-7

Genre:
Fantasy | Drama | Abenteuer

 

Inhalt:

Der Krieg der fünf Könige ist vorbei und weite Teile von Westeros sind der Verwüstung anheimgefallen, während der Winter unerbittlich näher rückt und seine Vorboten immer weitere Kreise ziehen. Das hindert die verbliebenen Parteien im Kampf um den Thron allerdings nicht daran, weiterhin finstere Pläne zu schmieden und unerbittlich ihre Ziele zu verfolgen, so dass, während es auf den Eiseninseln nach dem Tod von Balon Graufreud zu erbitterten Nachfolgestreitigkeiten kommt, Cersei in Königsmund derweil nicht nur damit beschäftigt ist, nach dem Ableben ihres Vaters Tywin ihre Macht und die ihres Sohnes und Kindskönigs Tommens zu erhalten, sondern auch das immer tiefer werdende Zerwürfnis zwischen ihr und Jaime verwinden muss, der wiederum Brienne entsandt hat, um die verschwundene Sansa Stark ausfindig zu machen, die sich wiederum bei Petyr Baelish befindet, der sich nach Lady Lysas tragischem Ableben anschickt, Lord Protektor des Grünen Tals zu werden, wenngleich ihm von Seiten der dem Hause Aryn treu Verschworenen noch eine Menge Widerstand entgegenschlägt.

An diesem trüben, kalten Morgen war das Meer so bleigrau wie der Himmel. Die ersten drei Männer hatten ihr Leben dem Ertrunkenen Gott ohne Furcht dargeboten, doch der vierte erwies sich als schwach im Glauben und begann sich zu wehren, als seine Lungen nach Luft verlangten. Aeron stand bis zur Hüfte in der Brandung, packte den nackten Jungen an den Schultern und drückte seinen Kopf zurück nach unten, als er versuchte nach Luft zu schnappen.

Derweil schallt es in Dorne nur so nach Forderungen auf Rache für den Tod von Prinz Oberyn von Martell, der im Zweikampf Ser Sandor Clegane unterlag. Unterdessen im hohen Norden ist jüngst Samwell Tarly mit einigen Begleitern und dem blinden Maester Aemon aufgebrochen, nach Altsass zu reisen, um von den Geschehnissen an der Mauer zu berichten und im Namen von Jon Schnee und Stannis BAratheon um Unterstützung zu bitten, doch verschlägt es sie zunächst in das auf Essos gelegene Braavos, wo sich der Gesundheitszustand des alten Maesters ob der langen und beschwerlichen Reise rapide verschlechtert. Ebenfalls in Braavos befindet sich Arya, die eine eiserne Münze dorthin verschlagen hat und die im Hause von Schwarz und Weiß Antworten auf nicht gestellte Fragen zu finden sucht, um dereinst zurückkehren zu können, um ihre Familie zu rächen.

Rezension:

Nach dem fulminanten wie furiosen sechsten Band der Reihe war ich ja doch sehr gespannt, wie sich mir Zeit der Krähen präsentieren würde, hatte ich schließlich schon aufgeschnappt, dass George R. R. Martin mit diesem Band damit begonnen hatte, die Charaktere aufzuteilen und nur noch teilweise je Buch zu behandeln, wobei der deutsche siebte Band natürlich dem ersten halben vierten Band entspricht, so dass auch im Folgeband nicht mit neuen oder anderen Figuren zu rechnen sein wird, was konkret zur Folge hat, dass die Zukunft von beispielsweise Tyrion für mich noch lange im Verborgenen bleiben wird, ebenso wie man recht wenig aus dem Norden erfährt und folglich in weiten Teilen auf Jon Schnee, aber auch Stannis verzichten muss. Stattdessen wirkt das Buch auf den ersten Blick recht Lennister-lastig, so dass sowohl Cersei als auch Jaime ihre Szenen bekommen.

Als sie Maegors Feste verließen, hatte der Himmel ein tiefes Kobaltblau angenommen, doch die Sterne schienen noch. Alle außer einem, dachte Cersei. Der helle Stern des Westens ist gesunken, und die Nacht wird nun dunkler sein. Sie blieb an der Zugbrücke stehen, die den trockenen Burggraben überspannte, und schaute auf die Spieße hinunter. Sie würden es nicht wagen, mich bei so etwas anzulügen.

Des Weiteren konzentriert sich ein Großteil der Kapitel auf die Geschehnisse auf den Eiseninseln, was anfänglich gewöhnungsbedürftig war, jedoch zunehmend spannender wurde, zumal man ein völlig neues Verständnis für das bis dato noch wenig behandelte Volk bekommt. Natürlich merkt man deutlich, wie hier das Tempo gedrosselt worden ist und die Ereignisse sind nicht annähernd so packend und dicht inszeniert wie noch beim Vorgänger. In meinen Augen war diese Entschleunigung aber auch notwendig, denn allein das zusammengestauchte Figurenkonsortium führt dazu, dass ich Das Lied von Eis und Feuer mit einer neu gewonnenen Leichtigkeit erleben durfte, denn nicht nur kann man der Geschichte deutlich einfacher folgen und behält quasi beinahe spielend den Überblick, sondern muss auch nicht hunderte von Seiten warten, bis eine Figur erneut ein Kapitel spendiert bekommt.

Damit reicht Zeit der Krähen zwar qualitativ ganz sicher nicht an die vorangegangenen Bände heran, macht aber auch nicht annähernd die schlechte Figur, die ich ob der vielen schlechten Nachrede befürchtet hatte, zumal ich nicht der Meinung bin, dass hier nur nebensächliche oder uninteressante Figuren behandelt werden, nicht zuletzt, da ich ja mehr und mehr meine Sympathie zu Jaime entdecke, der sich zu einer unglaublich spannenden wie wandlungsreichen Figur gemausert hat, die mir hoffentlich auch noch eine Weile erhalten bleiben wird. Allerdings muss ich auch einräumen, dass der Kniff, nun neue Figuren für einmalige Auftritte zu nutzen und ein einzelnes Kapitel, losgelöst aus dem Kontext, aus deren Perspektive zu schildern, schon ein wenig wirkt, als hätte Martin versucht, die Geschichte mit Füllmaterial anzureichern, ebenso wie Briennes Reise sicherlich etwas spannender und zielführender hätte geschildert werden können.

Der Turm des Lord Kommandanten war völlig ausgebrannt, und Stannis Baratheon hatte den Königsturm als Quartier für sich beansprucht, daher hatte sich Jon Schnee in Donal Noyes bescheidenen Räumen hinter der Waffenkammer eingerichtet. Goldy ging gerade, als Sam eintraf, sie hatte sich in den alten Mantel gehüllt, den er ihr gegeben hatte, als sie aus Crasters Bergfried geflohen waren. Fast rannte sie an ihm vorbei, doch Sam erwischte sie am Arm und ließ dabei zwei Bücher fallen.

Nichtsdestotrotz bin ich froh, nicht die befürchtete Enttäuschung habe erleben zu müssen und mich auch weiterhin stolz als Fan der Reihe bezeichnen zu können, die ganz sicher auch wieder an Tempo und Spannung zunehmen wird, mir im Moment aber eine wirklich dringend benötigte Verschnaufpause bietet und sich so gut wegliest, dass ich mich, während ich diese Zeilen verfasse, auch schon mitten in der Lektüre des achten Bandes befinde, der sich wie erwähnt denselben Figuren widmet und bald den originären vierten Band auch für mich zum Abschluss bringen wird, tatsächlich – da greife ich jetzt einfach mal vor – auch wieder ein wenig tempo- und ereignisreicher wirkt als Zeit der Krähen, den man genauso gut auch mit Die Ruhe nach dem Sturm hätte betiteln können. Sei es wie es will, bleiben Martins Liebe zum Detail und sein Schreibstil erhalten und machen auch aus diesem Band ein Erlebnis, wenn es auch merklich gemächlicher daherkommt als alles, was man bisher aus Das Lied von Eis und Feuer gewohnt war.

Fazit & Wertung:

Sich auf nur einen Teil des Figurenkonsortiums beschränkend, wirkt Zeit der Krähen auch in anderen Punkten entschleunigt, bietet erstmalig auch einmalig auftauchende Figuren, um die einzelnen Kapitel zu verbinden, ist dadurch zwar weit weniger reißerisch und temporeich, nimmt sich aber auch die dringend benötigte Zeit, die Fronten zu klären und die Geschehnisse zu sortieren, so dass sich der Band auch als bisher schwächster Vertreter der Reihe dennoch durchaus seinen Platz verdient.

8,5 von 10 Schattenwölfen von Winterfell

Das Lied von Eis und Feuer 7: Zeit der Krähen

  • Schattenwölfe von Winterfell - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Sich auf nur einen Teil des Figurenkonsortiums beschränkend, wirkt Zeit der Krähen auch in anderen Punkten entschleunigt, bietet erstmalig auch einmalig auftauchende Figuren, um die einzelnen Kapitel zu verbinden, ist dadurch zwar weit weniger reißerisch und temporeich, nimmt sich aber auch die dringend benötigte Zeit, die Fronten zu klären und die Geschehnisse zu sortieren, so dass sich der Band auch als bisher schwächster Vertreter der Reihe dennoch durchaus seinen Platz verdient.

8.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tonight is gonna be a large one.: 8/10 Punkte

Das Lied von Eis und Feuer:

1. Die Herren von Winterfell
2. Das Erbe von Winterfell
3. Der Thron der sieben Königreiche
4. Die Saat des goldenen Löwen
5. Sturm der Schwerter
6. Die Königin der Drachen
7. Zeit der Krähen
8. Die dunkle Königin
9. Der Sohn des Greifen
10. Ein Tanz mit Drachen

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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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  • Danke für den Link! :)

    Ich sehe schon, da sind wir wieder ziemlich auf einer Linie. Ging dann wieder aufwärts, finde ich, wobei ja auch dieser Band alles andere als schlecht war.

  • mwj

    Mich gruselt’s immer total wenn ich Lannister in dieser falschen Schreibweise mit „e“ lesen muss. *schüttel*

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