Review: Die Jagd des Adlers: Die Rom-Serie 7 | Simon Scarrow (Buch)

Und da wären wir auch schon wieder an diesem (zumindest hier) deprimierend verregneten Nachmittag und versuchen, uns mit ein wenig Literatur die Zeit daheim zu versüßen beziehungsweise natürlich ich euch, denn ich habe das Buch ja schließlich längst gelesen und widme mich bereits wieder einem neuen Werk, von dem ich dann in Bälde berichten darf. Euch jetzt aber erst einmal viel Spaß mit meiner Kritik zu:

Die Jagd des Adlers
Die Rom-Serie 7

The Eagle in the Sand, UK 2006, 592 Seiten

Die Jagd des Adlers von Simon Scarrow | © Heyne
© Heyne

Autor:
Simon Scarrow
Übersetzer:
Martin Ruf

Verlag (D):
Heyne Verlag
ISBN:
978-3-453-47120-7

Genre:
Historie | Action | Abenteuer

 

Inhalt:

In den vier Jahren, seit Cato in die Zweite Legion eingetreten war und mit Macro in Germanien, Britannien und Illyricum gedient hatte, war er von einem Rekruten mit glattem Gesicht zu einem zähen, sehnigen Veteranen herangereift. Doch Cato neigte noch immer dazu, gelegentlich mit dem Kopf in den Wolken zu schweben.

Syrien, Anno Domini 46: Von Rom aus wurden die Centurionen Macro und Cato jüngst vom kaiserlichen Sekretär nach Judäa versetzt, um von dort aus in das von Revolten und Aufständen geplagte Syrien aufzubrechen und nicht nur die Schlagkraft der Kohorten wieder herzustellen, sondern auch, um zu ermitteln, inwieweit die ansässigen Statthalter bereits der Korruption und dem Verrat anheimgefallen sind. Schnell machen sie die Bekanntschaft mit fanatischen Aufrührern, die nichts mehr verabscheuen als die römischen Besatzer, doch der wahre Feind hält sich noch versteckt, denn unter dem Deckmantel religiöser Rechtschaffenheit schart Bannus die einheimische Bevölkerung um sich und schürt die Aversion gegen das römische Reich.

Doch bald schon müssen Macro und Cato schmerzhaft erfahren, dass auch das Verhalten der römischen Besatzer nicht gerade dazu beiträgt, die Bevölkerung zu befrieden, während ebenso aus dem Partherreich beunruhigende Meldungen kommen, dass sich bereits Truppen in der Nähe der Grenze Syriens sammeln, um in die römische Provinz einzufallen. Verzweifelt darum bemüht, den wahren Grund ihrer Entsendung vor den römischen Kameraden geheim zu halten, bemühen sich die beiden Römer einerseits darum, einen möglichen Verräter zu enttarnen und andererseits die Provinz selbst – und damit ihr eigenes Leben – zu retten.

Rezension:

Es ist beeindruckend und erstaunlich, dass nun mit Die Jagd des Adlers schon der siebte Band der Rom-Serie von Simon Scarrow hinter mir liegt und umso erfreulicher ist es, dass mich die Reihe noch immer genauso zu begeistern versteht wie am ersten Tag. Einhergehend mit der Abkehr von Britannien am Ende des fünften Bandes ist es Scarrow nämlich zum Glück gelungen, seine Geschichte einer Frischzellenkur zu unterziehen, die mit dem Piratenabenteuer in Band 6 ihren Anfang nahm. Nun konnten mich die zur See fahrenden Römer zwar nicht vollends überzeugen oder begeistern, doch war es ein Schritt in die richtige Richtung, sprach ich zuvor schließlich schon von sich andeutenden Ermüdungserscheinungen, was für eine auf Unterhaltung abzielende Serie natürlich einem Todesstoß gleichkommt. Nun aber, nachdem unsere Helden Cato und Macro ihr Abenteuer auf See haben hinter sich lassen können und gleichsam ihre Reputation wiederherzustellen wussten, entsendet sie der kaiserliche Sekretär Narcissus ins entlegene Judäa, eine der äußersten römischen Provinzen und ein äußerst gefährliches Pflaster für römische Centurionen, haben die einheimische Bevölkerung, die vielen Sektierer und Aufständischen schließlich nichts als Verachtung übrig für die in ihren Augen ungläubigen Besatzer.

Die Sikarier waren so gefangen in ihrem Blutrausch, dass sie Cato und Macro erst im letzten Augenblick bemerkten, als einer der Mörder aufsah und beobachtete, wie Cato einen Steuereintreiber unsanft beiseiteschubste und mit gebleckten Zähnen und ausgestrecktem Schwert nach vorne sprang. Die Schwertspitze drang direkt neben dem Hals in den Körper des Mannes ein, durchtrennte sein Schlüsselbein und senkte sich immer tiefer ins Fleisch, bis sie das Herz durchbohrt hatte.

Die Reise hin zur Bergfeste von Bushir gestaltet sich dabei dank eines Zwischenstopps in dem Dörfchen Heshaba, einem Scharmützel in Jerusalem und dem ersten Zusammentreffen mit Bannus, dem Anführer der Aufständischen in der Region auch erwartungsgemäß abenteuerlich und Scarrow lässt kaum eine Chance ungenutzt, die Spannung noch zu steigern und wie nebenbei dem Leser Land und Leute vorzustellen. Doch auch in Bushir angekommen, wird Die Jagd des Adlers mitnichten träge oder langweilig, denn vor Ort stoßen die beiden vom Kaiser entsandten Centurionen auf allerlei Probleme und Unwägbarkeiten, zumal der befehlshabende Offizier nicht gerade erbaut ist, seinen Posten räumen zu sollen, zumal es den Anschein erweckt, als würde er mit Absicht und vorsätzlich die hiesige Bevölkerung gegen sich und folglich das römische Reich aufbringen wollen. Lange nicht mehr war die Rom-Serie dermaßen abwechslungsreich und wartete mit so vielen liebevoll skizzierten Figuren auf und man merkt sichtlich, wie viel Freude es Simon Scarrow bereitet haben muss, sich in dieser exotischen Umgebung auszutoben, wobei ihm nicht der Fehler unterläuft, in Landschaftsschilderungen zu schwelgen, sondern sie tatsächlich gekonnt vor dem inneren Auge entstehen lässt und mit der Geschichte und den damaligen politischen Verhältnissen verzahnt, so dass der Handlungsort nicht zum puren Selbstzweck zu verkommen droht.

Einzig was ein wenig schade ist, ist natürlich, dass hinlänglich bekannte Figuren in diesem Band keinen Auftritt haben, so dass man selbst auf Narcissus verzichten muss, da sich Cato und Macro schon zu Beginn des Buches in Jerusalem befinden und der Leser über deren Dialog darüber aufgeklärt wird, warum und weshalb es sie dorthin verschlagen hat. Davon abgesehen macht der Autor allerdings alles richtig in diesem Band und obwohl Querverweise auf die gemeinsame Zeit in Britannien vorhanden sind, eignet sich der Band ansonsten tatsächlich auch formidabel für Quereinsteiger, da es sich im Grunde um ein gänzlich in sich geschlossenes Abenteuer handelt, dass sich eben selbst räumlich beziehungsweise örtlich von den anderen Geschichten abgrenzt. Und allen Lesern der ersten Stunde sei gesagt, dass es Scarrow diesmal sogar gelingt, die Kämpfe wieder etwas abwechslungsreicher zu gestalten, bei denen er ja doch häufiger zu Redundanz und Wiederholung geneigt hat, denn offene Feldschlachten gibt es in Die Jagd des Adlers ausnahmsweise einmal eher nicht und stattdessen viele einfallsreiche und von mehr Taktik geprägte Scharmützel und Grabenkämpfe sowie natürlich eine unabwendbare Belagerung der Festung von Bushir.

Kurz zuvor hatten die entsetzten Schreie der Menge Florianus aufgeschreckt, und er war Zeuge des verzweifelten Scharmützels geworden, das sich Macro und Cato mit den Sikariern geliefert hatten.
»Herzen und Köpfe«, wiederholte er jetzt. »Hat der Prokurator das wirklich gesagt?«
»Allerdings.« Macro nickte. »Und sogar noch mehr. Er hat eine richtige Rede darüber gehalten, wie wichtig es ist, für ein gutes Verhältnis zu den Judäern zu sorgen.«

In der Gesamtheit ist auch der siebte Band ein mehr als würdiger Vertreter für die Rom-Serie und darf gerne Lust auf mehr machen, liegen schließlich noch mehrere Folgebände zur Lektüre bereit, so dass man sich so bald nicht sorgen muss, auf Cato und Macro verzichten zu müssen. Vor allem aber geht es auch qualitativ wieder steil bergauf und obwohl die Geschichte keine vierzig Seiten kürzer ist als der vorangegangene Roman kommt sie diesmal deutlich straffer daher, was daran liegt, dass im fernen Judäa eine ganze Menge geschieht und die Story nicht annähernd so simpel gestrickt ist, wie es zunächst scheinen mag oder man es von den Vorgängern gewohnt zu sein meint. Trotz des exotischen Handlungsortes kann ich Die Jagd des Adlers also allen Fans von zu Zeiten der römischen Antike angesiedelten Geschichten wieder einmal wärmstens ans Herz legen und sogar Neueinsteigern, da Vorkenntnisse nicht erforderlich sind, was in gewissem Maße zwar auf alle Bände der Reihe zutrifft (wurden sie schließlich ursprünglich auch in einer völlig wirren Reihenfolge veröffentlicht und waren trotzdem auch hierzulande erfolgreich), hier aber besonders, da abgesehen von unseren beiden Hauptfiguren niemand in Erscheinung tritt, der nicht auch erst in diesem Buch eingeführt wird.

Fazit & Wertung:

Sich auf die Stärken und Vorzüge seiner Rom-Serie besinnend, schafft Simon Scarrow es mit dem siebten Band Die Jagd des Adlers, die Reihe quasi neu zu erfinden und geht mit ungeahnter Begeisterung und Frische ans Werk, was sich in einem abwechslungs- und wendungsreichen Abenteuer niederschlägt, bei dem man trotz beinahe 600 Seiten Umfang jegliche Längen vergeblich sucht. Cato und Macro harmonieren derweil gewohnt großartig miteinander und so freue ich mich schon auf das nächste Abenteuer.

8,5 von 10 Lektionen für den jungen Centurio

Die Jagd des Adlers: Die Rom-Serie 7

  • Lektionen für den jungen Centurio - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Sich auf die Stärken und Vorzüge seiner Rom-Serie besinnend, schafft Simon Scarrow es mit dem siebten Band Die Jagd des Adlers, die Reihe quasi neu zu erfinden und geht mit ungeahnter Begeisterung und Frische ans Werk, was sich in einem abwechslungs- und wendungsreichen Abenteuer niederschlägt, bei dem man trotz beinahe 600 Seiten Umfang jegliche Längen vergeblich sucht. Cato und Macro harmonieren derweil gewohnt großartig miteinander und so freue ich mich schon auf das nächste Abenteuer.

8.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Heyne. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Die Jagd des Adlers ist am 10.02.14 bei Heyne erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!


  • Schlopsi

    Na das klingt doch fabelhaft. Nach dem 5. teil stellten sich bei mir – trotz aller Liebe zur Reihe – ein paar Ermüdungserscheinungen ein, aber wenn mich das als (über)nächstes erwartet, dann freue ich mich jetzt schon drauf.

    • Ja, der 6. Band ist nochmal ein wenig befremdlich, neuartig zwar, aber diese ganze Schifffahrt mochte für mich in Kombi mit dem antiken Rom nicht so recht funktionieren (siehe meine Kritik, höhö), aber bei Nr. 7 gelingt es Scarrow wirklich, mal wieder richtiges Interesse an der Reihe zu wecken.

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