Review: Screwed: Projekt Frankenstein (Graphic Novel)

Nummer drei sollte eigentlich nicht so lange auf sich warten lassen, schließlich soll ja heut noch was geschafft werden, aber jetzt kann ich daran ja nun einmal auch nichts mehr ändern. Kommen wir also mal wieder zu etwas ganz anderem: Untote!

Screwed
Projekt Frankenstein

Screwed #1-6, USA 2014, 144 Seiten

Screwed: Projekt Frankenstein | © Panini
© Panini

Autor:
Tyler Kirkham
Keith Thomas
Zeichner:
David Miller

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98048-9

Genre:
Mystery | Horror | Action

 

Inhalt:

Zuerst konnte sie nur ab und an Geräusche und Stimmen hören, sich aber nicht bewegen, geschweige denn etwas sehen oder bewusst hören, doch plötzlich war da ein Stromstoß und der Frau war, als erwache sie zum Leben. Unvermittelt wird die Frau, die sich nicht einmal mehr ihres eigenen Namens – geschweige denn ihrer Vergangenheit erinnert – von einem grobschlächtigen Mann angegriffen, der sich ihr als Flicker vorstellt, ein Name, der weitaus mehr Sinn ergibt, nachdem die Frau ihm seine Maske vom Kopf gerissen hat, die ein entsetzliches, entsetzliches Antlitz offenbart. Von weiteren Monstern bedrängt, gelingt der jungen Frau nur mit Mühe die Flucht aus dem Krankenhaus und ohne sich an irgendetwas erinnern zu können oder die Geschehnisse nur ansatzweise zu verstehen, eilt sie ziellos durch die Stadt, beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen.

Ausschnitt aus Screwed: Projekt Frankenstein | © Panini
© Panini

Doch das Blutbad, was die Frau im Krankenhaus angerichtet hat, ruft auch das FBI auf den Plan, denn entgegen der Wahrnehmung der jüngst Erwachten handelte es sich mitnichten um Monster, sondern Menschen, Schwestern und Pfleger. Flicker derweil hat sich vom Ort des Geschehens längst entfernt und nimmt Kontakt zu seinem Auftraggeber auf, der unter allen Umständen der Frau habhaft werden will, die bald erfahren wird, dass ihr Name Anne Gallo ist. Doch auch diese Information wird ihr kaum helfen zu begreifen, weshalb ihr andere Menschen als Monster erscheinen oder wer sie ins Leben zurückgeholt hat und warum…

Rezension:

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich Zenescope, die auch schon für die Wonderland-Bände und – allgemeiner gesprochen – die Grimm Fairy Tales verantwortlich zeichnen, auch des Themas Frankenstein annehmen würden und so kam, was kommen musste, nämlich Screwed: Projekt Frankenstein, wobei man sich hier nur des Konzeptes einer wiederbelebten Leiche bedient hat und ansonsten eine gänzlich originäre Story erzählt, in deren Zentrum Anne Gallo steht, die unvermittelt im Krankenhaus erwacht und erkennen muss, dass jemand sie auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt, schließlich von den Toten wiederbelebt hat. Recht unvermittelt bricht sich auch prompt die Action Bahn und man merkt schnell, dass es hier mitnichten zurückhaltend zur Sache geht, was aber auch nicht anders zu erwarten war.

Ausschnitt aus Screwed: Projekt Frankenstein | © Panini
© Panini

Weitaus irritierender sind da die freizügigen Outfits von Anne, denn zu glauben, eine wiederbelebte Leiche als Pin-Up-Girl inszenieren zu können, wie man es auch auf den in gewohntem Umfang ebenfalls enthaltenen Cover-Zeichnungen versucht, würde funktionieren, entpuppt sich schnell als Trugschluss, denn erotisch ist das fürwahr in keiner Weise. Weitaus stimmiger inszeniert sind da schon die teils wirklich furchterregenden Monster, bei denen es sich allerdings, wie Anne erst später erkennen wird, eigentlich um normale Menschen handelt, die ihr aus Gründen als Monster erscheinen, weshalb sie auch nicht davor zurückschreckt, ein Leben mir nichts dir nichts zu beenden und so eine Schneise der Gewalt hinterlässt.

Grundsätzlich verfolgt Screwed zunächst ein spannendes Konzept und der Part, in dem sich Anne noch auf der Flucht befindet und versucht, sich zusammenzureimen, was ihr widerfahren sein mag und wer oder was dahinter steckt, ist ziemlich überzeugend geraten, doch mit jeder Offenbarung flaut die Geschichte leider weiter ab, denn die Erkenntnisse sind doch erschreckend profan und in keiner Weise überraschend, zumal bald auch schon eine Polizistin auf der Bildfläche erscheint, die sich als mögliche Verbündete für die zutiefst verwirrte Anne Gallo anschickt, schlussendlich im Dienste der Geschichte aber ebenso verschleudert wird wie ein Großteil der Figuren. Am Ende lässt der Band leider recht unbefriedigt zurück, denn das Finale funktioniert kaum in der schockierenden Form, wie es vielleicht angedacht gewesen wäre und auch die Zeichnungen sind oft durchwachsen, denn während manche Panels mit merklich Liebe fürs Detail gestaltet worden sind, wirken andere beinahe wie dahingehunzt und auch auf manche Gesichtsentgleisung und merkwürdig verrenkte Gliedmaßen muss man sich gefasst machen, während sich die untote Heldin natürlich gewohnt lasziv und in aufreizenden Posen durchs Weltgeschehen prügelt, was, ich brauche es nicht noch einmal betonen, mehr als nur ein wenig befremdlich wirkt und völlig unpassend ist.

Ausschnitt aus Screwed: Projekt Frankenstein | © Panini
© Panini

Am Ende deutet sich natürlich – wie sollte es auch anders sein – eine Fortsetzung an, doch muss ich ehrlich sagen, dass ich mir da keine großen Chancen ausmalen würde, denn dafür ist die Geschichte in sich zu geschlossen, zumal der Hauptplot ja eine mehr oder minder überzeugende Auflösung erhält und von den weiteren Figuren neben Anne Gallo am Ende wenig bleibt. Nein, auch wenn die Zeichnungen überwiegend recht gelungen sind und der Ton schön düster und gruselig, funktioniert das Konzept von Screwed immer weniger, je weiter die Geschichte voranschreitet, denn dass das, was Anne Gallo widerfahren ist, im Endeffekt solch profane Gründe hat, ist neben einigen verschenkten Chancen und dahingeschmierten Bildern nur eine der Enttäuschungen in dem Band, der weitaus mehr hätte werden können, als er geworden ist, wenn man die Storyline noch einmal einer Generalüberholung unterzogen und dabei manches Klischee vermieden hätte.

Fazit & Wertung:

Screwed: Projekt Frankenstein beginnt zunächst vielversprechend, flacht aber im Verlauf der Handlung zunehmend ab und wenn man Probleme damit hat, ein untotes Mädchen mit Amnesie als Sexobjekt inszeniert zu sehen, sollte man vielleicht besser gleich ganz die Hände von dem Band lassen, der davon abgesehen immerhin mit ein paar stimmungsvoll gezeichneten Monstern aufwartet, die die immer verworrener und profaner werdende Geschichte aber auch nicht merklich aufwerten.

4,5 von 10 vermeintlichen Monstern

Screwed: Projekt Frankenstein

  • Vermeintliche Monster - 4.5/10
    4.5/10

Fazit & Wertung:

Screwed: Projekt Frankenstein beginnt zunächst vielversprechend, flacht aber im Verlauf der Handlung zunehmend ab und wenn man Probleme damit hat, ein untotes Mädchen mit Amnesie als Sexobjekt inszeniert zu sehen, sollte man vielleicht besser gleich ganz die Hände von dem Band lassen, der davon abgesehen immerhin mit ein paar stimmungsvoll gezeichneten Monstern aufwartet, die die immer verworrener und profaner werdende Geschichte aber auch nicht merklich aufwerten.

4.5/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Screwed: Projekt Frankenstein ist am 25.11.14 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

%d Bloggern gefällt das: