Review: Zwei an einem Tag (Film)

Und da wären wir auch schon wieder, heute mit einem Film einer Gattung, die man hier zugegebenermaßen eher selten vorfindet, doch Abwechslung muss sein und meine Holde hat sich eben auch sehr gefreut, als ich ihr den Film geschenkt habe. Versteht sich von selbst, dass ich den dann auch mitgucken musste, oder!? Habe ich aber übrigens freiwillig gemacht, nur um das klarzustellen!

Zwei an einem Tag

One Day, USA/UK 2011, 107 Min.

Zwei an einem Tag | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Lone Scherfig
Autor:
David Nicholls (Drehbuch & Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Anne Hathaway (Emma Morley)
Jim Sturgess (Dexter Mayhew)
in weiteren Rollen:
Patricia Clarkson (Alison Mayhew)
Ken Stott (Steven Mayhew)
Romola Garai (Sylvie)

Genre:
Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Zwei an einem Tag | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Es ist der 15. Juli des Jahres 1988. In Edinburgh kommen sich Emma und Dexter nach ihrer Examensfeier und einer durchfeierten Nacht unerwartet näher, nachdem sie während des Studiums kaum ein Wort miteinander gewechselt haben. Kurz davor, miteinander ins Bett zu steigen, verläuft der Abend jedoch anders als geplant und statt einer hemmungslosen Nacht erleben die beiden den Beginn einer Freundschaft, die sie noch Jahrzehnte begleiten wird, denn obwohl sie fortan unterschiedliche Wege gehen, Dexter auf die Überholspur des Erfolges wechselt und Emma Kinderbücher schreiben will, jedoch zunächst als Kellnerin in einem mexikanischen Restaurant strandet, verlieren sie sich nicht aus den Augen, müssen natürlich gerade am 15. Juli, dem Tag ihres Kennenlernens aneinander denken.

Die Jahre vergehen, Emma versumpft weiter in ihrem aussichtslosen Job und mit dem ähnlich begeisterungswürdigen Mann an ihrer Seite, einem untalentierten Stand-up-Komiker, den sie bei der Arbeit kennengelernt hat, während Dex die Neunziger feiert, mit Drogen, Alkohol, Orgien und Exzessen, bis zu dem Moment zumindest, als seine Mutter an Krebs erkrankt, denn mit solch einer Situation ist der stetig zugedröhnte Partyhengst mittlerweile längst überfordert. Er sucht Hilfe bei Emma, doch haben sich die beiden schon längst entfremdet, kann sie ihn eigentlich kaum noch leiden. Es folgt Dexters unvermeidlicher Absturz, aber ebenso unvermeidlich ist das Wiedersehen zwischen ihm und Emma, die mittlerweile begonnen hat, aus ihrem Leben wirklich etwas zu machen.

Rezension:

Es fiele, gerade auf den ersten Blick, leicht, Zwei an einem Tag in der Sparte der einschlägigen RomComs zu verorten, doch auch wenn man damit bereits grundsätzlich falsch liegen würde, handelt es sich schließlich mehr um eine romantische Tragikomödie, gibt es hier wie dort ja bekanntermaßen bessere und schlechtere Vertreter des Genres und die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von David Nicholls ist eindeutig der ersteren Gattung zuzuordnen, was einerseits an den überzeugenden Darstellern, andererseits an den formalen Besonderheiten des Films liegt, nicht zuletzt aber auch an dem Übermaß an Zeitgeist, der einem im Laufe der mehr als zwanzig Jahre überspannenden Geschichte entgegenschlägt. Dies, zusammen mit dem unerwartet dramatischen, ja tragischen Einschlag, macht den Film durchaus sehenswert, so man denn eine grundlegende Sympathie für diese Art von Filmen empfindet und es gerne auch mal weniger überzogen lustig, dafür leiser und subtiler, gerne auch mal etwas trauriger sein darf.

Szenenbild aus Zwei an einem Tag | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Beginnend bei den angesprochenen formalen Aspekten dachte ich zunächst, dass eine Geschichte, in der sich die beiden Hauptdarsteller über rund zwei Dekaden hinweg jeweils am 15. Juli begegnen, doch arg konstruiert wirken müsste, doch sind es weniger gezielte Treffen und mitnichten immer besondere Ereignisse, die dieses willkürlich gewählt wirkende Datum, das schlicht vom Tag ihres Kennenlernens herrührt, dominieren, sondern oft auch triviale Begebenheiten und lediglich kurze Momenteindrücke ihre Lebenssituation betreffend, während sie sich nicht einmal in jedem Jahr am selben Ort befinden, also oft auch völlig aneinander vorbeileben. Gerade zu Beginn, während man als Zuschauer noch wie gehetzt durch die Jahre getrieben wird, wirkt das Geschehen dadurch natürlich arg fragmentarisch und es fällt schwer, eine echte Bindung zu den Figuren aufzubauen, doch langsam und merklich drosselt das Tempo mehr und mehr und die jährlichen Schnappschüsse werden länger und ausführlicher, beleuchten Vergangenes, definieren den jeweiligen Stand zueinander und zeigen auf, wo sich Emma und Dexter in ihren jeweiligen Leben befinden, so dass man den Figuren schrittweise näherkommt, die man mit jedem weiteren Jahr ein klein wenig besser zu kennen meint.

Emma und Dexter selbst, das muss man schon zugeben, sind doch arg schablonenhaft gestaltet und während er den großen Höhenflug hinlegt, um umso tiefer zu fallen, muss sie sich voller Demut und Hingabe langwierig nach oben arbeiten, um ihre Ziele zu erreichen. Dass die Figuren nicht zu bloßen Klischees verkommen, ist dabei allen voran Anne Hathaway und Jim Sturgess zu verdanken, die jeder für sich und im Zusammenspiel eine tolle Figur machen, weil sie, obschon auf den ersten Blick sehr unterschiedlich wirkend und sich gegensätzlich entwickelnd, eine spürbare, unterschwellige Zuneigung zueinander hegen, die ich ihnen ohne übertriebene Gesten und Holzhammer-Romantik abzunehmen bereit war. Vor allem aber hat mir in Zwei an einem Tag auch die grundsätzliche äußere Veränderung der beiden Figuren über die Jahre hinweg gefallen, bei Sturgess durch Variation seines Kleidungsstils und seines allgemeinen Auftretens sogar noch etwas mehr als bei Hathaway, der man recht plakativ mal mehr, mal weniger Schminke verpasst hat und ansonsten nur mit der Größe ihres Dekolletés zu spielen wusste, um neu gewonnenes Selbstbewusstsein zu suggerieren. Wirklich nennenswerte und relevante Nebenfiguren gibt es in einem Film, der derart stark auf seine Hauptfiguren fokussiert wie Zwei an einem Tag natürlich kaum und so sind es noch am ehesten Patricia Clarkson und Ken Stotts Darbietungen als Dexters Eltern, die im Gedächtnis haften bleiben, wenn und zumal sich ihre Screentime doch auf ein Minimum beschränkt.

Szenenbild aus Zwei an einem Tag | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Die Geschichte von zwei Menschen, die sich über eine derart lange Zeit niemals wirklich und wahrhaftig näherkommen – ein Schicksal, das der Zuschauer durchaus auf weite Strecken mit ihnen teilt – funktioniert meines Erachtens aber auch nur deshalb so gut, weil Regisseurin Lone Scherfig, die sich das Drehbuch zum Film gleich von David Nicholls selbst hat verfassen lassen, es versteht, die beiden ungleichen Figuren auch als Sinnbild zur Selbstfindung einzusetzen und nicht einfach bloß eine verkappte, künstlich in die Länge gezogene Liebesgeschichte zu erzählen, so dass Zwei an einem Tag auch voller Genuss durch die Jahre lustwandelt und eben nicht nur den Klamottenstil, die Musik und die Einrichtung dem jeweiligen Abschnitt anpasst, sondern in den kurz skizzierten Szenen auch nicht müde wird, zahlreiche Popkulturreferenzen zu verbauen, ob es sich dabei nun um Watchmen, Der Zorn des Khan, Armee der Finsternis oder Jurassic Park handelt, zumal diese Reminiszenzen nie aufdringlich oder selbstzweckhaft wirken, sondern auf subtile Art die Szenerie mit Leben und Zeitgeist auszustaffieren wissen. Dadurch wird der Film fernab der ungewöhnlichen Freundschaft noch auf einer ganz anderen Ebene zu einem lohnenswerten Unterfangen und zeigt auf, mit wie viel Liebe zum Detail hier zu Werke gegangen worden ist. Über das Ende des Films beziehungsweise dessen letzte zwanzig Minuten mag man geteilter Meinung sein und ich möchte hier wie gewohnt nichts verraten, doch für mich persönlich haben die letzten Szenen und der vorangegangene Twist den Film erst so richtig rund gemacht und lassen mich auch über die vorangegangene, teils oberflächliche Betrachtungsweise wohlwollend hinwegsehen.

Fazit & Wertung:

Lone Scherfigs Adaption von David Nicholls‘ Zwei an einem Tag ist mitnichten frei von Mängeln und es dauert geraume Zeit, bis man den Figuren näherzukommen beginnt, doch die formalen und inszenatorischen Besonderheiten, die Liebe fürs Detail und der tragikomische Grundton der Erzählung machen die Buch-Verfilmung für Genre-Freunde durchaus lohnenswert.

7 von 10 ereignislos dahinziehenden Jahren

Zwei an einem Tag

  • Ereignislos dahinziehende Jahre - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Lone Scherfigs Adaption von David Nicholls‘ Zwei an einem Tag ist mitnichten frei von Mängeln und es dauert geraume Zeit, bis man den Figuren näherzukommen beginnt, doch die formalen und inszenatorischen Besonderheiten, die Liebe fürs Detail und der tragikomische Grundton der Erzählung machen die Buch-Verfilmung für Genre-Freunde durchaus lohnenswert.

7.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 5/10 Punkte

Zwei an einem Tag ist am 05.04.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Danilo

    Super Rezension!

    Leider habe ich das Buch vor dem Film gelesen und bin daher vom Film überaus enttäuscht. Vor allem Anna Hathaway ist eine meiner liebsten Schauspielerinnen und gerade wegen ihr habe ich mir sowohl das Buch als auch den Film „reingezogen“.

    Die Art und Weise wie das Buch geschrieben wurde – das es um den einen gleichen Tag im Jahr zweier Menschen handelt – fand ich genial und spannend. Dennoch konnte man im Buch gut den Roten Faden folgen. Dies fehlte mir im Film. Die Szenen waren zu kurz und zu sehr aus dem Kontext gerissen. Wie du schon gesagt hast: Es war eine Hetzjagd durch die Jahre.

    Das Ende ist tragisch, jedoch passte es haargenau zur Geschichte. Während der gesamten Handlung drehte sich das Leben beider Hauptfiguren unaufhaltbar bis zum Schluss sie endlich zueinander gefunden hatten. Eine Ideale Situation zum Finalen break.

    • Danke schön!

      Ja, ist natürlich schwierig gerade ein solches Buch adäquat filmisch umzusetzen, aber meine Freundin beispielsweise, die das Buch vorher gelesen hatte (weshalb ich überhaupt in den Genuss des Films kam) war doch recht angetan vom Film, wohingegen sie – wenn ich mich richtig erinnere, so dass letzte Drittel des Buches dafür nicht mehr so dolle fand.

      Das Ende allerdings, da sind wir uns wohl alle einig, habe ich auch als überaus passend und stimmig empfunden (wenn ich auch im Vorfeld schon gespoilert worden bin^^).

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