Review: The Loft (Film)

Schwupps, da wären wir wieder, heute mit einem Film, den es noch gar nicht gibt, also zu kaufen, aber natürlich bald und der – Remake hin oder her – mir doch ziemlich gut gefallen hat. Viel Spaß und einen schönen Abend.

The Loft

The Loft, BE/USA 2014, 108 Min.

The Loft | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Erik Van Looy
Autoren:
Bart De Pauw
Wesley Strick

Main-Cast:
Karl Urban (Vincent Stevens)
James Marsden (Chris Vanowen)
Wentworth Miller (Luke Seacord)
Eric Stonestreet (Marty Landry)
Matthias Schoenaerts (Philip Trauner)
in weiteren Rollen:
Isabel Lucas (Sarah Deakins)
Rachael Taylor (Anne Morris)
Rhona Mitra (Allison Vanowen)

Genre:
Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Nach der Fertigstellung eines noblen Gebäudekomplexes für gehobene Ansprüche, trommelt Architekt Vincent Stevens seine Freunde zusammen, um ihnen eine höchst ungewöhnliche Idee zu präsentieren: Ein Loft, einzig zum Zwecke geschaffen, den niederen Gelüsten der fünf Freunde zu dienen, ein Rückzugsort, um dort heimliche Affären, Prostituierte oder arglose junge Frauen zu treffen und zu verführen, ohne dass ärgerliche Spuren von Hotelrechnungen oder Kreditkartenabbuchungen auf dem gemeinsamen Konto erscheinen. Nicht alle sind zunächst begeistert von der Idee, doch schlussendlich nimmt jeder von ihnen einen der nur fünf Schlüssel unter dem Siegel der Verschwiegenheit in Empfang und den heimlichen Stelldicheins im Loft steht nichts mehr im Wege.

Szenenbild aus The Loft | © Universum Film
© Universum Film

Doch eines Tages, als Vincent das Appartement betritt, findet er dort die Leiche einer nackten jungen Frau vor, gekettet ans Bett und in Laken gehüllt. In Windeseile trommelt er den Rest der Gruppe zusammen, doch natürlich will es keiner gewesen sein, obwohl nur sie allein einen Schlüssel zum Loft besitzen. Während die einen eine Verschwörung ihrer Ehefrauen widmen, beginnen die anderen, sich untereinander zu verdächtigen, doch die Polizei zu rufen ist ebenfalls niemand bereit, würde dadurch schließlich der geheime Rückzugsort auffliegen. Also versuchen sie mehr oder minder gemeinsam, dem Rätsel auf die Spur zu kommen, doch fördern sie damit noch ganz andere Geheimnisse zutage, während die Emotionen hochzukochen beginnen.

Rezension:

Szenenbild aus The Loft | © Universum Film
© Universum Film

Wieder einmal handelt es sich bei The Loft um das US-Remake eines erfolgreichen und gar nicht mal so alten europäischen Films – hier aus Belgien von 2008 – und wieder einmal – auch wenn das nicht annähernd so häufig vorkommt – handelt es sich bei Erik Van Looy gar um denselben Regisseur, der sein eigenes Werk auf eine vermeintlich höhere Stufe hieven will. Wie so oft kann ich zum mir unbekannten Original aus Unkenntnis herzlich wenig sagen, weshalb sich ein direkter Vergleich erübrigt, doch macht es gerade bei Remakes meines Erachtens auch durchaus einmal Sinn, den Film für sich stehend zu betrachten und nicht in Hinblick auf die Vorlage, die, würde man Fans des Originals fragen, ja sowieso immer besser und gehaltvoller ist als der schnöde Aufguss. Festzuhalten bleibt derweil, dass Van Looy ein schnittiger kleiner Thriller gelungen ist, der das Genre zwar mitnichten neu erfindet, in seiner mondän-polierten Hochglanzoptik auch mehr als einmal Gefahr läuft, steril zu wirken, mit seinem Ensemble aus charismatischen Darstellern – allen voran Karl Urban und James Marsden – aber auch genau die richtige Wahl getroffen hat, denn charakterlich taugt wohl keiner der chauvinistischen Machos als Identifikationsfigur.

Fünf Männer, Freunde, die sich ein Loft teilen, um dort wechselseitig ihre Affären und Bettgespielinnen zu vernaschen, lässt eigentlich schon tief genug in die Psyche der Protagonisten blicken und so verwundert es kaum, dass man die allesamt mehr oder minder erfolgreichen Schürzenjäger auch eigentlich kaum als Freunde bezeichnen kann, wenn sie sich auch gerne so sehen, denn zu tieferen emotionalen Bindungen scheinen diese allesamt nicht fähig, wie besagtes Loft ja eigentlich schon sehr schön symbolisiert. Da wirken das pseudofamiliäre Beisammensein, das stets düster dräuende Misstrauen untereinander und die Verdachtsmomente der jeweiligen Ehefrauen entsprechend gefühlskalt, was aber in meinen Augen meistenteils lediglich das Thema und die Intention des halb als Kammerspiel gearteten The Loft unterstreicht, dem die sterile Anonymität ausnahmsweise einmal gut zu Gesicht steht.

Szenenbild aus The Loft | © Universum Film
© Universum Film

Der Film selbst beginnt – nach einem die Erzählung einrahmenden Fenstersturz – mit dem Auffinden der Leiche einer jungen blonden Frau, wechselt rasch in den Verhörraum der Polizei und von dort in die Vergangenheit, beginnt sich ab diesem Moment auf drei Zeitebenen fortzubewegen und langsam die Geheimnisse zu entschlüsseln und das Rätsel, wer für den Mord verantwortlich sein mag, was sich die fünf Freunde in der mittleren Zeitschiene sozusagen stellen, aufzudröseln. The Loft nimmt dabei tatsächlich nur langsam Fahrt auf, doch ist die ausladende Exposition der Figuren und ihres Wohlstandes gut gelungen und eigentlich unerlässlich, um zu erklären, weshalb sie sich außerstande sehen, beim späteren Leichenfund selbst die Polizei zu kontaktieren, stehen sie doch nach ihrem eigenen Selbstverständnis über dem Gesetz und können es sich mehr noch nicht leisten, dass ihr geheimes Loft offenbar wird.

Darstellerisch gibt es in der Beziehung weder Überflieger noch Totalausfälle zu verzeichnen und das männliche Konsortium um Urban und Marsden – auf denen sicherlich auch der Fokus der Erzählung ruht – macht von Wentworth Miller über Eric Stonestreet bis hin zu Matthias Schoenaerts (der auch schon im Original dieselbe Rolle verkörpern durfte) eine solide Figur, wohingegen es Isabel Lucas und Rachael Taylor einzig obliegt, verführerisch und attraktiv zu sein, was ihnen aber ebenso mit Bravour gelingt. Einzig Rhona Mitra entspricht mit ihrem Part als ständig nörgelnde, unzufriedene Ehefrau so sehr dem gängigen Klischee, dass sich der Gedanke kaum vermeiden lässt, ihre Figur sei lediglich so angelegt worden, um ein Stück weit den Ehebruch ihres Mannes zu rechtfertigen, der doch auffällig sympathischer dargestellt wird, als es ihm eigentlich zustünde.

Szenenbild aus The Loft | © Universum Film
© Universum Film

Wer sich nun von dem Film ein ausgefeiltes Psychogramm der fünf misanthropischen Hedonisten wünscht, der wird sicherlich enttäuscht werden, denn hier kratzt The Loft wirklich nur an der Oberfläche und stattet die Figuren kaum mit Alleinstellungsmerkmalen oder tiefergehenden Charakteristika aus, doch als stimmungsvoll inszenierter Thriller mit zahlreichen Wendungen und Offenbarungen funktioniert er insbesondere im Mittelteil wunderbar, wenngleich zum Ende hin doch ein wenig zu sehr an der Überraschungsmomente-Schraube gedreht worden ist und sich im Zuge dessen kleine Ungereimtheiten einschleichen. Nichtsdestotrotz funktioniert der Film und ist vor allem in vielen Punkten – da wären wir wieder: wenn man das Original nicht kennt – doch ziemlich überraschend und unvorhersehbar, was in dem Genre natürlich von gesteigerter Bedeutung ist, aber sicherlich auch dazu führt, dass eine Zweitsichtung in dem Fall kaum von Interesse sein dürfte; ist aber ebenfalls symptomatisch für das Genre. Für einen unterhaltsamen und spannenden Filmeabend bietet das Remake aber grundsolide Thriller-Kost mit einer Vielzahl Twists und fiesen Überraschungen, garniert natürlich – wenn man das hineinlesen möchte – mit der Moral von der Geschicht, fremdzugehen lohnt sich nicht (oder zieht zumindest zuweilen bittere Folgen nach sich).

Fazit & Wertung:

Erik Van Looys The Loft, Neuinterpretation seines eigenen Werkes von vor sieben Jahren, macht als auf Hochglanz polierter Mystery-Thriller, dem ein simples Whodunnit zugrunde liegt, dank seiner vielen Twists und Überraschungen eine durchaus gute Figur, doch kann man sich angesichts der nur oberflächlichen Charakterprofile und der steril-unnahbaren Atmosphäre des Eindruckes nicht erwehren, dass hier auch noch deutlich mehr drin gewesen wäre.

7 von 10 heimlichen Affären

The Loft

  • Heimliche Affären - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Erik Van Looys The Loft, Neuinterpretation seines eigenen Werkes von vor sieben Jahren, macht als auf Hochglanz polierter Mystery-Thriller, dem ein simples Whodunnit zugrunde liegt, dank seiner vielen Twists und Überraschungen eine durchaus gute Figur, doch kann man sich angesichts der nur oberflächlichen Charakterprofile und der steril-unnahbaren Atmosphäre des Eindruckes nicht erwehren, dass hier auch noch deutlich mehr drin gewesen wäre.

7.0/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
Sende

The Loft erscheint am 19.06.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Der Kinogänger

    Ich habe das Remake nicht gesehen, aber das belgische Original ist auf jeden Fall ein Top-Film – war seinerzeit mein absoluter Favorit auf dem Fantasy Filmfest (und kam dort generell sehr gut an). Da ich nicht weiß, wie eng sich das Remake an das Original hält – ich gehe aber zumindest davon aus, daß die wichtige erotische Komponente in der US-Version stark abgeschwächt wurde -, weiß ich nicht, ob es jetzt noch Sinn für dich macht, die belgische Version anzuschauen; schaden kann es aber sicher nicht (zumal die Kritiken für das Remake meines Wissens doch deutlich schwächer ausgefallen sind). :)

  • Pingback: Review: Dredd (Film) | Medienjournal()

%d Bloggern gefällt das: