Review: Zeit des Sturms | Andrzej Sapkowski (Buch)

Ihr ahnt es fast, das Wochenende naht (mal wieder) und deshalb gibt es von mir auch eine Buch-Empfehlung (mal wieder), denn wann hätte man schließlich mehr Zeit und Muße, sich dem geschriebenen Wort zu widmen?! Also, genießt die freie Zeit, lasst es euch gut gehen, ich plane selbiges zu tun.

Zeit des Sturms

Sezon Burz. Wiedżmin, PO 2013, 448 Seiten

Zeit des Sturms von Andrzej Sapkowski | © dtv
© dtv

Autor:
Andrzej Sapkowski
Übersetzer:
Erik Simon

Verlag (D):
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN:
978-3-423-26057-2

Genre:
Fantasy | Action

 

Inhalt:

DerMann, der denWagen mit Reisig zog, schrie auf und flog vor den Augen des Hexers gut einen Klafter in die Höhe, und es sprühte reichlich Blut aus ihm. Er stürzte herab, nur um sogleich wieder emporgeschleudert zu werden, diesmal in zwei Stücken, aus denen Blut schoss. Er schrie nicht mehr. Jetzt war es die Frau, die durchdringend schrie, wie ihre Tochter erstarrt und vor Angst gelähmt.

Als der Hexer Geralt von Riva nach Kerrack gelangt, um dort Arbeit zu finden, ahnt er nicht, dass das Königreich von Kämpfen um den Thron erschüttert wird und auch seine Ankunft nicht unbemerkt geblieben ist, denn bald schon wird Geralt als Opfer einer Intrige inhaftiert und um seine Waffen erleichtert und auch die Bemühungen seines ebenfalls vor Ort befindlichen Freundes Rittersporn führen lediglich zu seiner Freilassung, nicht jedoch zu einem Freispruch. Dann allerdings, während Geralt noch zu verarbeiten sucht, dass seine konfiszierten Schwerter aus Stahl und Silber während seiner Gefangenschaft abhandengekommen zu sein scheinen, offenbart sich ihm die Zauberin Koralle, die nicht ganz unschuldig an seiner Verhaftung sowie Freilassung war und bittet ihn nach Demonstration ihres Einflusses nachdrücklich um Hilfe.

Nachdem Geralt eine Affäre mit der attraktiven Zauberin begonnen hat, erklärt er sich schließlich bereit, den Auftrag anzunehmen, einen Dämonenbeschwörer auf Schloss Rissberg, dem Sitz des Zaubererordens zu entlarven, dessen beschworene Wesenheiten das umliegende Land terrorisieren und den guten Ruf des Ordens der Zauberer gefährden. Nicht zuletzt erhofft sich Geralt gleichsam, durch die Annahme des Auftrages seine kostbaren Hexer-Schwerter zurückzuerlangen, deren Spur in eine ähnliche Richtung weist. Doch die Mär eines Dämonenbeschwörers ist wieder einmal nur die halbe Wahrheit, doch Geralt wäre nicht als Hexer von Riva weithin bekannt, wenn er nicht jeder Gefahr zu trotzen bereit und jede Intrige aufzudecken imstande wäre.

Rezension:

Noch in den Anfangstagen meines Blogs hatte ich mich – angefixt durch die beiden Kurzgeschichtensammlungen Der letzte Wunsch und Das Schwert der Vorsehung – der fünfteiligen Hexer-Saga des polnischen Schriftstellers Andrzej Sapkowski gewidmet, der hierzulande wohl noch am ehesten durch die Computerspiele The Witcher bekannt ist und lange Zeit schien es so, als wäre es das gewesen mit dem Hexer, doch relativ unerwartet kam 2013 – 14 Jahre nach Beendigung der Saga – in Polen Sezon Burz. Wiedżmin auf den Markt und seit April diesen Jahres ist nun auch die deutsche Umsetzung als Zeit des Sturms erhältlich und was habe ich mich auf ein Wiedersehen mit dem Hexer Geralt gefreut, zumal die Geschichte noch vor der eigentlichen Saga angesiedelt ist, die ja – wie man unter anderem bei mir nachlesen kann – durchaus ihre Höhen und Tiefen, Längen und Unwägbarkeiten hatte und längst nicht so leichtfüßig und unterhaltsam daherkam wie die vorgelagerten Kurzgeschichten.

Der Hexer ließ ihn nicht entkommen. Er holte ihn ein, trat das hintere Körpersegment nieder, hieb weit ausholend von oben her zu. Diesmal gab der Panzer des Kopf-Brust-Teils nach, aus dem Riss spritzte und quoll eine dicke grünliche Brühe. Das Ungeheuer warf sich herum, seine Beine zerwühlten das Erdreich.

Zeit des Sturms nun vereint quasi das Beste beider Welten, offeriert eine zusammenhängende Geschichte in Romanlänge, lässt aber auch nicht den Witz vermissen, der die Abenteuer des Hexers so unterhaltsam gemacht hat. Allerdings muss man auch einräumen, dass die Geschichte durchaus mehrere Stationen durchläuft und wenn man so will mehr fadenscheinig zusammengehalten wird, als einem regelrecht roten Faden zu folgen, wie man es vielleicht gewohnt sein mag, doch funktioniert dieser Kniff im Falle des Hexers ausnehmend gut, speziell wenn man seit langen Jahren diesem noch unbescholtenen und nicht von schicksalsträchtigen Verwirrungen beeinträchtigten Monsterjäger hinterhertrauert, der – so leid es mir tut – weitaus sympathischer war als sein späteres, von Gram gebeuteltes Ebenbild. Natürlich ließ es sich Sapkowski auch nicht nehmen, den wohl neben Geralt beliebtesten Protagonisten seines Kosmos, den vorlauten wie lebenslustigen Sänger und Dichter Rittersporn wieder auftreten zu lassen, der den Unterhaltungswert der ansonsten recht profanen Geschichte natürlich noch einmal deutlich erhöht.

Auch ansonsten bekommt man aber im Grunde genau das von Zeit des Sturms geboten, was man sich von einem Hexer-Roman erwarten würde, von schwarzem Humor über zotige Witze, Zauberinnen, Monster, Geheimnisse, Kämpfe und Frauengeschichten, so dass das Werk in seiner Gesamtheit schon ein wenig wie Buch gewordener Fan-Service scheint, doch mag das in diesem Zusammenhang gar nicht verkehrt sein, zumal sich Geralt wie gesagt zum Ende der Saga hin so weit von seinem früheren Selbst entfernt hatte, dass eine Fortführung der Geschichte auch gar nicht möglich schien. Dennoch ist es natürlich nicht nur von Vorteil, dass der Roman der Saga vorgelagert ist, denn das hat natürlich auch zur Folge, dass man nicht wirklich um eine der einschlägig bekannten Figuren bangen muss, von denen man ja nun einmal weiß, dass sie in späteren Geschichten noch in Erscheinung treten werden, weshalb ihnen folglich auch nichts zustoßen könnte, was sie wirklich in Gefahr brächte.

Jetzt aber, auf dem erhöhten Thron, angetan mit einem Zobelkalpak, das Szepter in der Hand, hielt er Audienz.Majestätisch wie ein Mistkäfer auf einem Kuhfladen.
»Die ehrenwerte und von uns wohlgelittene Frau LyttaNeyd«, begrüßte er die Koralle. »Unsere geliebte Zauberin Lytta Neyd hat geruht, Kerack abermals einen Besuch abzustatten. Und gewiss abermals für länger?«
»Die Seeluft bekommt mir.« Die Koralle schlug provozierend die Beine übereinander und ließ ein Schühchen mit modischem Absatz sehen. »Mit Euer Majestät gnädiger Erlaubnis.«

Das, gemeinsam mit der eher fragmentarisch zusammengestückelten Geschichte sind aber wirklich nur kleinere Makel die man in Kauf nehmen muss, so dass jeder Freund und Fan des Hexers Geralt von Riva hier definitiv auf seine Kosten kommt, zumal sich Zeit des Sturms auch völlig losgelöst von den anderen Büchern der Reihe genießen lässt und daher auch für diejenigen interessant sein könnte, die beispielsweise bisher nur eines der Computerspiele oder auch den Comic-Band The Witcher 1: Im Glashaus kannten und sich nun einmal mit dem literarischen Ursprung der Figur vertraut machen möchten. Dessen völlig ungeachtet präsentiert Sapkowski wieder einmal stimmungsvollste Fantasy in einer einfallsreich ausgestalteten Welt, die nicht nur den anderen Bänden in nichts nachsteht, sondern gar überzeugender ausfällt als mancher Vertreter der Hexer-Saga. In dem Sinne: Lesen!

Fazit & Wertung:

Andrzej Sapkowski lässt anderthalb Jahrzehnte nach Beendigung seiner Saga in Zeit des Sturms den Hexer Geralt von Riva wieder auftreten und nach wenigen Seiten ist es so, als wäre er nie weggewesen. Stimmungsvolle, packende , actionreiche, aber auch oft melancholische und augenzwinkernde Fantasy bester Güte, deren Rahmenhandlung zwar ein wenig wie zusammengeschustert wirkt, das stimmige Gesamtbild aber kaum zu trügen vermag.

8 von 10 lang erschlagenen Ungeheuern

Zeit des Sturms

  • Lang erschlagene Ungeheuer - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Andrzej Sapkowski lässt anderthalb Jahrzehnte nach Beendigung seiner Saga in Zeit des Sturms den Hexer Geralt von Riva wieder auftreten und nach wenigen Seiten ist es so, als wäre er nie weggewesen. Stimmungsvolle, packende , actionreiche, aber auch oft melancholische und augenzwinkernde Fantasy bester Güte, deren Rahmenhandlung zwar ein wenig wie zusammengeschustert wirkt, das stimmige Gesamtbild aber kaum zu trügen vermag.

8.0/10
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Weitere Details zum Autor und dem Buch findet ihr auf der Seite des Deutschen Taschenbuch Verlages. Dort gibt es übrigens auch eine Leseprobe.

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Zeit des Sturms ist am 01.04.15 bei dtv erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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