Review: Kill Your Darlings – Junge Wilde (Film)

Da wären wir auch schon wieder, das Wochenende kündigt sich an und ich in meinem unermüdlichen Eifer kündige eine weitere Film-Kritik an dieser Stelle an, die ihr nachfolgend begutachten dürft, die nicht nur wieder etwas umfangreicher ausgefallen ist, sondern zu allem Überfluss auch noch gespickt ist mit weiterführenden Links und Film- und Serien-Tipps. Wenn das mal nix ist, so zum Einstand ins Wochenende, tja, dann weiß ich leider auch nicht 😉

Kill Your Darlings
Junge Wilde

Kill Your Darlings, USA 2013, 104 Min.

Kill Your Darlings - Junge Wilde | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
John Krokidas
Autoren:
Austin Bunn
John Krokidas

Main-Cast:

Daniel Radcliffe (Allen Ginsberg)
Dane DeHaan (Lucien Carr)
Ben Foster (William Burroughs)
Michael C. Hall (David Kammerer)
Jack Huston (Jack Kerouac)
Jennifer Jason Leigh (Naomi Ginsberg)
Elizabeth Olsen (Edie Parker)

Genre:
Biografie | Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Kill Your Darlings - Junge Wilde | © Koch Media
© Koch Media

Im Jahre 1944 gelangt der ambitionierte wie unerfahrene junge Allen Ginsberg an die New Yorker Columbia University, um dort Literatur zu studieren, lässt seinen Vater und seine psychisch labile Mutter zunächst hinter sich, um sich nun voller Eifer dem Studium zu widmen. Doch bald schon macht Allen die Bekanntschaft mit Lucien Carr, einem exaltierten Dandy, der gegen Konventionen wettert und etablierte Schriftsteller anprangert. Allen erliegt schnell der Faszination für den unangepassten Mann und die beiden werden Freunde, während Ginsberg durch Carr zunächst den früheren Professor David Kammerer kennenlernt, vor allem aber alsbald den über die Maßen exzentrischen William S. Burroughs sowie den Seemann Jack Kerouac, die sich wie Ginsberg selbst als Schreiberlinge einer unangepassten Minderheit versuchen wollen und sich bereitwillig über die Gesetzmäßigkeiten der anerkannten Literatur hinwegzusetzen planen.

Gemeinsam planen Carr und Ginsberg, Kerouac und Burroughs die Revolte, wollen das Establishment aufmischen und eine neue Form des Schreibens etablieren, doch dazu gehören eben auch drogeninduzierte Rauschzustände und durchgemachte Nächte, flammende Reden und viel Krawall, doch während insbesondere Ginsberg sich wie manisch am Schreiben versucht, wird schnell klar, dass Lucien zwar große Reden schwingen kann, seine Hausarbeiten allein aber allesamt von Kammerer verfasst worden sind, dem Lucien dafür in der Vergangenheit sexuelle Gefälligkeiten zuteilwerden ließ, doch während sich der junge Mann nun von dem Einfluss des alternden Professors loszusagen sucht, nimmt dessen Verhalten immer fanatischere Züge an, bis die Situation schließlich eskaliert.

Rezension:

Einem Film über die Anfänge der Beat-Generation im New York der 1940er Jahre, wie es Kill Your Darlings – Junge Wilde zu werden versprach, konnte ich mich nicht lange entziehen, haben mich schließlich all die Werke von Kerouac, Ginsberg und Burroughs in meiner Jugend begleitet und nicht unmaßgeblich beeinflusst, hat mich diese Zeit des Umbruchs und Aufbruchs schon seit je her fasziniert, weshalb ich mehr als nur ein wenig gespannt war, was John Krokidas‘ Werk würde bieten können. Der Film beginnt auch zunächst recht vielversprechend und eröffnet mit einem Mord, der Ausgangspunkt und Triebfeder für die hiernach geschilderten, in Form einer großen Rückblende erzählten Geschehnisse bildet, in deren Zentrum Allen Ginsberg, hier dargestellt von Daniel Radcliffe – der mir unlängst positiv in A Young Doctor’s Notebook aufgefallen ist – , steht, der schweren Herzens seine kranke Mutter zurücklässt, um an der Columbia University in New York sein Glück zu suchen.

Szenenbild aus Kill Your Darlings - Junge Wilde | © Koch Media
© Koch Media

Die sich hieran anschließenden Ereignisse und Begegnungen, Szenen und Wendungen offenbaren doch recht schnell, dass Kill Your Darlings in Anbetracht der Freigeister und überbordenden Kreativen, der Querdenker und Querulanten, um die es hier gehen soll, auf formaler und inszenatorischer Ebene überraschend konventionell daherkommt, wenn man vielleicht von einer Zeitraffer-Schnittabfolge absieht, die aufzeigt, wie Ginsberg sich im Strudel aus Drogen, Bebop und durchfeierten Nächten von den konservativen Wurzeln seiner Eltern zu lösen beginnt. Derlei Einfälle und Ideen sucht man ansonsten aber recht vergeblich und der Rest ist wirklich grundsolides Drama, das auch vor anderer Kulisse ähnlich gut funktioniert hätte, durch die bekannten Namen und den historischen Anstrich aber durchaus ein wenig an Faszination gewinnt. So ist Krokidas‘ Biopic-Drama unter den Beatnik-Filmen augenfällig der zugänglichste, funktioniert aber auch am besten mit einer ordentlichen Prise Vorwissen, denn unbedarfte Gemüter auf dem Gebiet werden hier nur marginal Neues und Erhellendes erfahren, da sich die spätere Popularität und Bedeutsamkeit des Kern-Trios der Beat Generation hier nur andeutet, unterstellt, aber nicht ausformuliert wird.

Aber natürlich hat es Gründe, dass Krokidas seine Geschichte in diesem Milieu zu dieser Zeit angesiedelt hat, denn seine Story fußt auf realen Ereignissen und der damalige Mord im Riverside Park, von Kerouac und Burroughs in dem gemeinsam verfassten Roman Und die Nilpferde kochten in ihren Becken verarbeitet, geschah wirklich, ebenso wie Lucien Carr eine nicht unmaßgebliche Rolle dabei gespielt hat, die späteren Literaturikonen zusammenzubringen, wenngleich sein Name heutzutage weitestgehend in Vergessenheit geraten ist. Leider krankt Kill Your Darlings aber zuweilen eben daran, dass man das Gefühl hat, man habe sich nicht entscheiden können, ob nun der Vorgeschichte zum Mord oder der Vorgeschichte zu den Beats die größte Aufmerksamkeit zuteilwerden solle, so dass das Werk bei all seiner düsteren Ausstrahlung und der sicherlich packenden, aber eben auch sehr gewöhnlichen Inszenierung leider einige Möglichkeiten verschenkt, Ginsberg und Konsorten ein echtes Denkmal zu setzen.

Dass Kill Your Darlings aber dennoch in weiten Teilen funktioniert, liegt zu großen Teilen wiederum an der exzellenten Rollenwahl, denn nicht nur gelingt es Radcliffe, den schüchternen, jungen und naiven Ginsberg – noch weit entfernt von seinem späteren Alter Ego als gefeierter Verfasser von The Howl und auch anfänglich noch nichts von seiner eigenen Homosexualität zu ahnen scheinend – glaubhaft zu verkörpern, schafft er es auch, sich insbesondere gegenüber Dane DeHaan, der schon in Chronicle ein eindrückliche Leistung abgeliefert hat und hier nun Lucien Carr verkörpert, der den Kommilitonen bereitwillig unter seine Fittiche nimmt, um ihn mit den wummernden Beats und den exzentrischen Gestalten der New Yorker Nachtwelt bekannt zu machen. Komplettiert wird das infernalische Quartett aber erst durch Jack Huston, den ich vornehmlich nur mit halbem Gesicht als Richard Harrow in Boardwalk Empire wahrgenommen habe, der hier einen unglaublich charismatischen, dandyhaften Jack Kerouac zum Besten gibt, derweil Ben Foster (Contraband), der hier William Burroughs verkörpert, kaum wiederzuerkennen ist, mimisch aber zu jeder Zeit den richtigen Ton trifft, um die Figur bei aller Exaltiertheit noch immer glaubhaft wirken und die Darstellung nicht zu einer Parodie verkommen zu lassen.

Szenenbild aus Kill Your Darlings - Junge Wilde | © Koch Media
© Koch Media

Und selbst die kleineren Rollen sind mit Michael C. Hall, der sich nicht nur dank Rauschebart gekonnt von seiner Paraderolle als und in Dexter freispielt, und Jennifer Jason Leigh großartig besetzt. Einzig recht enttäuschend ist die Rolle der Edie Parker, dargestellt von der gefragten Nachwuchsaktrice Elizabeth Olsen (The Avengers 2: Age of Ultron), die zwar eine überzeugende Performance liefert, aber in den wenigen Minuten Screentime schlicht kaum gefordert wird, geschweige denn Substanzielles zur Geschichte beiträgt, was die Besetzung, abgesehen davon, ihren Namen prestigeträchtig mit aufs Plakat packen zu können, recht beliebig erscheinen lässt. Das mag aber auch wieder Jammern auf hohem Niveau sein, denn auch wenn es Kill Your Darlings nicht über die gesamte Laufzeit gelingt, den Zauber und die Faszination, die Aufbruchsstimmung, das Umbruchsdenken der damals noch längst nicht als Beatniks bekannten Poeten deutlich zu machen, ist es selbst trotz der konventionellen Herangehensweise eine der ungewöhnlichsten Coming-of-Age-Geschichten überhaupt, hat sie schließlich nicht nur einen Mord, sondern auch die Entstehung eines ganzen Literatur-Gattung zur Folge gehabt und lässt gleich eine ganze Handvoll Literaten wieder lebendig werden.

Fazit & Wertung:

John Krokidas gelingt es in seinem ambitionierten Werk Kill Your Darlings – Junge Wilde zwar nur selten, die Faszination der aufkeimenden Beatnik-Bewegung wirklich zu visualisieren, doch schafft er dennoch ein ungewöhnliches wie packendes Biopic, das nicht nur vom Setting und Thema, sondern zuvorderst von der formidablen Besetzung profitiert. Kein cineastisches Beatnik-Denkmal, doch gerade für literaturbegeisterte Zuschauer ausgezeichnete Unterhaltung mit teils starken Dialogen.

8 von 10 fanatischen Lobliedern auf eine neue Form der Literatur

Kill Your Darlings - Junge Wilde

  • Fanatische Loblieder auf eine neue Form der Literatur - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

John Krokidas gelingt es in seinem ambitionierten Werk Kill Your Darlings – Junge Wilde zwar nur selten, die Faszination der aufkeimenden Beatnik-Bewegung wirklich zu visualisieren, doch schafft er dennoch ein ungewöhnliches wie packendes Biopic, das nicht nur vom Setting und Thema, sondern zuvorderst von der formidablen Besetzung profitiert. Kein cineastisches Beatnik-Denkmal, doch gerade für literaturbegeisterte Zuschauer ausgezeichnete Unterhaltung mit teils starken Dialogen.

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Kill Your Darlings – Junge Wilde ist am 22.05.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Koch Media erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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