Review: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (Film)

Irgendwie ists heut irritierend spät geworden mit dem Bloggen, war so überhaupt nicht geplant. Aber gut, die Film-Kritik wollte ich eigentlich auch schon viel früher – also auf Tage, nicht Stunden bezogen – geschrieben und veröffentlicht haben, zieht sich also immerhin wie ein roter Faden durch und optimistisch denkend hoffe ich einfach mal, dass nicht alle meine Leserinnen und Leser schon im Bett sind, oder!?

The Imitation Game
Ein streng geheimes Leben

The Imitation Game, UK/USA 2014, 114 Min.

The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Morten Tyldum
Autoren:
Graham Moore (Drehbuch)
Andrew Hodges (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Benedict Cumberbatch (Alan Turing)
Keira Knightley (Joan Clarke)
in weiteren Rollen:
Matthew Goode (Hugh Alexander)
Rory Kinnear (Detective Robert Nock)
Charles Dance (Commander Denniston)
Mark Strong (Stewart Menzies)

Genre:
Biografie | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben | © Universum Film
© Universum Film

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, genauer gesagt im Großbritannien des Jahres 1939, bewirbt sich das Mathematik-Genie Alan Turing bei Commander Denniston um eine streng geheime Anstellung zur Entschlüsselung des Enigma-Codes. Während Denniston noch aufgrund Turings sozialer Unfähigkeit und dessen Arroganz von einem schlechten Scherz ausgeht, schafft es der Mathematiker und Kryptograph, ihn von seinen Fähigkeiten zu überzeugen, doch nehmen die Probleme damit erst ihren Anfang, denn kaum der kleinen, elitären Gruppe von Experten zugeteilt, entpuppt sich Turing als gnadenloser Eigenbrötler und gerät mit dem zweifachen Schachweltmeister Hugh Alexander aneinander, der das Unternehmen zu leiten abgestellt worden ist.

Bald ist Turing auch Denniston ein Dorn im Auge, plant derweil den Bau einer Maschine zur Entschlüsselung des Codes, doch nachdem die Gelder und Mittel hierfür nicht bewilligt werden, wendet sich Turing prompt an Winston Churchhill selbst und steigt zum Leiter der Gruppe auf. Dies hat nicht nur die Entlassung zweier in den Augen Turings unfähiger Mitarbeiter zur Folge, sondern auch, dass er sich mittels eines ausgeklügelten Tests die begabte Mathematikerin Joan Clarke ins Team holt, wenn sie auch zunächst für eine Sekretärin gehalten und nicht offen Teil der Mannschaft um Turing und Alexander sein kann. Jedoch der Krieg nimmt unbarmherzig seinen Lauf und Turing scheint mit dem Bau seiner Maschine nicht voranzukommen, während sich die anderen Genies von ihm im Stich gelassen fühlen. Joan allerdings gelingt e sin gewissem Maße, zwischen den Parteien zu vermitteln und eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen. Das ist auch bitter nötig, denn Commander Denniston steht kurz davor, den verkappten Kryptographen den Saft abzudrehen.

Rezension:

Szenenbild aus The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben | © Universum Film
© Universum Film

Ich hätte mir ja nicht träumen lassen, dass ein Zweiter-Weltkriegs-Wissenschaftler-Biopic-Drama-Thriller wie The Imitation Game dermaßen spannend und packend sein könnte, wie er sich letztlich präsentiert hat, doch hat mich da Morten Tyldum wahrlich eines Besseren belehrt, denn die virtuos über drei Zeitebenen erzählte Geschichte weiß zu jedem Zeitpunkt für sich einzunehmen, wenn auch nicht alle Handlungsstränge für sich genommen gleichermaßen zu überzeugen wissen und der Fokus – nicht ganz unerwartet – auf der mittleren Zeitachse liegt, die konkret die Entschlüsselung des Enigma-Codes behandelt. Sicherlich könnte man dem Film auch eine gewisse Formelhaftigkeit unterstellen, was die Vermengung einschlägiger Genre-Versatzstücke anbelangt, die recht offensiv auf eine Oscar-Nominierung abgezielt haben mögen (was dem Film ja auch durchaus gelungen ist), doch ist das Gesamtergebnis in sich so stimmig und eindringlich geraten, dass ich mich selbst daran nicht stören möchte, zumal Ausnahmetalent Benedict Cumberbatch (Sherlock) als eigenbrötlerisches Genie weit mehr als nur zu gefallen weiß.

The Imitation Game wäre allerdings auch Gefahr gelaufen, zu einer reinen One-Man-Show zu verkommen, wenn sich nicht einerseits Keira Knightley als perfekter Gegenpart zu dem verschlossenen Mathematik-Ass entpuppen würde und es Tyldum andererseits versäumt hätte, den Cast mit weiteren Darstellern anzureichern, die Cumberbatch in punkto Präsenz und Charisma das Wasser zu reichen imstande gewesen wären, doch hinsichtlich der Beteiligung von Matthew Goode (Stoker) und Charles Dance (Game of Thrones) sowie nicht zuletzt Mark Strong (Enemies – Welcome to the Punch) braucht man sich dahingehend keine Sorgen zu machen. Einzig Rory Kinnear als Detective Robert Nock gelingt es nicht ganz, seine Figur mit Facetten, Ecken und Kanten anzureichern, was aber auch daran liegen mag, dass dieser Part der Story, der Entschlüsselung des Codes und dem Zweiten Weltkrieg nachgelagert, allgemein der schwächste Teil des Films ist, im Mittelteil nicht genügend berücksichtigt wird und gegen Ende nur allzu schnell und schlussendlich via Einblendung mehrerer Texttafeln abgehandelt wird und das, obwohl dieser Teil doch den Rahmen bieten sollte für die in ihn gebetteten Ereignisse.

Szenenbild aus The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben | © Universum Film
© Universum Film

Weitaus besser gefallen da die Einblicke in Turings Jugendzeit und speziell dessen aufkeimende Homosexualität, schlussendlich aber vor allem die Geschichte, was es mit Christopher auf sich hat, die gegen Ende dem Gezeigten noch einen dramatischen Twist verleihen. Aber wie gesagt, Alan Turings Arbeit während des Zweiten Weltkrieges an der Entschlüsselung des Enigma-Codes bildet den Hauptteil des Films und ist, obwohl man hier von Action oder Thrill kaum sprechen könnte, ungemein spannend geraten, punktet vor allem mit der Verquickung aus den persönlichen Unzulänglichkeiten Turings und dessen verzweifeltem Bemühen, nicht nur seine Kollegen sondern auch die Militärs davon zu überzeugen, dass der Bau seiner Maschine der einzig sinnstiftende Weg sein dürfte, den geheimen Codes der Nazis auf die Spur zu kommen. Richtig interessant wird die Sache dann, als schließlich Turing einerseits die Leitung an dem Projekt übertragen wird, andererseits im Fahrwasser dieser Ereignisse die junge Mathematikerin Joan Clarke – Knightley – zum Projekt stößt und Turing in mehr als einer Hinsicht das Wasser zu reichen imstande ist, zumal die Chemie zwischen Cumberbatch und Knightley hervorragend funktioniert und man trotz der Homosexualität des Wissenschaftlers ein Knistern zwischen den beiden Figuren in so ziemlich jeder Szene zu vernehmen meint.

Hinsichtlich der Homosexualität von Alan Turing, die zu damaligen Zeiten noch ungesetzlich war und scharf verurteilt wurde, nimmt The Imitation Game – und das sollte man dem Film durchaus hoch anrechnen – eine ziemlich eindeutige Haltung ein und verurteilt, wie es ihm ergangen ist, was er hat schlussendlich erdulden müssen und nimmt auch in Form von Joan Clarke, aber auch Detective Nock und nicht zuletzt Stewart Menzies eine begrüßenswert offene Einstellung ein, was den Film allein schon auf moralischer Ebene sehenswert machen würde, wäre nicht auch der Rest der Story uneingeschränkt zu empfehlen. Sicherlich hätte man Turings Leben noch weiter beleuchten können, sicherlich stehen die Parts seiner Jugend und der Zeit nach des Krieges hinter dem Mittelteil zurück, doch obwohl sich der Film auf die Entschlüsselung der Nazi-Codes konzentriert, im Nachgang dessen noch mit ethnischen Fallstricken zu gefallen versteht, funktioniert er eben auch als Biopic vortrefflich, wenn man auch daran zweifeln darf, inwieweit das Geschehen historisch akkurat dargestellt worden ist, denn selbst als absoluter Laie auf dem Gebiet ist wohl mehr als klar, dass hier hinsichtlich des allgemeinen Verständnisses vieles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergebrochen und arg simplifiziert worden ist.

Szenenbild aus The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben | © Universum Film
© Universum Film

Dennoch, Vereinfachungen, Formelhaftigkeit, eine nicht auf jeder Zeitachse gleichsam überzeugende Geschichte hin oder her, ist The Imitation Game unumwunden überzeugendes, hochkarätig besetztes und formidabel produziertes Kino, behandelt ein auf mehreren Ebenen ungemein spannendes Thema und weist während der knapp zwei Stunden Spielzeit keinerlei Längen auf, punktet stattdessen trotz des ernsten Themas noch mit einer Prise nie deplatziert wirkendem Humor und ist ebenso auf menschlicher Seite ein Volltreffer, was Turings und Clarkes Beziehung zueinander anbelangt, aber auch Turings Interaktionen mit seinem Team aus Wissenschaftlern, denen es anfänglich schwerfällt, mit dem in sich gekehrten Mathematiker warm zu werden, der doch allzu sehr von sich zu überzeugt sein scheint. Da verzeiht man dem Film auch, dass die eigentlichen Geschehnisse kaum zu überraschen wissen, was ein historischer Film, wenn auch nicht rundherum akkurat, eben so mit sich bringt.

Fazit & Wertung:

Morten Tyldums The Imitation Game ist nicht nur ein ungemein spannender Code-Entschlüsselungs-Thriller mit moralischem Subplot, sondern gleichsam ein zutiefst menschliches und berührendes Biopic, das natürlich gerade aufgrund der exzellenten Darsteller – allen voran Benedict Cumberbatch und Keira Knightley – zu überzeugen versteht. Das tröstet in weiten Teilen auch über eine gewisse Formelhaftigkeit und einen überhastet abgehandelten Schlussakt hinweg, schlicht, weil der Rest des Films über beinahe jeden Zweifel erhaben zu sein scheint. Ganz. Großes. Kino.

9 von 10 Ansätzen, einen nicht zu entschlüsselnden Code zu entschlüsseln

The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben

  • Ansätze, einen nicht zu entschlüsselnden Code zu entschlüsseln - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Morten Tyldums The Imitation Game ist nicht nur ein ungemein spannender Code-Entschlüsselungs-Thriller mit moralischem Subplot, sondern gleichsam ein zutiefst menschliches und berührendes Biopic, das natürlich gerade aufgrund der exzellenten Darsteller – allen voran Benedict Cumberbatch und Keira Knightley – zu überzeugen versteht. Das tröstet in weiten Teilen auch über eine gewisse Formelhaftigkeit und einen überhastet abgehandelten Schlussakt hinweg, schlicht, weil der Rest des Films über beinahe jeden Zweifel erhaben zu sein scheint. Ganz. Großes. Kino.

9.0/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 7/10 Punkte

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben ist am 26.06.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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  • Nessaalk

    Filmtechnisch und schauspielerisch exzellent, aber leider wird Turing als autistischer Freak dargestellt, was aber keiner seiner Zeitgenossen so bestätigt hat. Das ist eine Beschädigung seiner Person, die nur den Nervenkitzel erhöhen sollte. Warum muss ein genialer Wissenschaftler (und hier auch noch ein real existierender) im Kino immer ein Psychomonster sein??? Erträgt es der Zuschauer nicht, dass „so jemand“ zu allem Überfluss auch noch charmant und witzig sein konnte? Ich denke, der Zuschauer hätte da kein Problem, aber man will halt Kasse machen, also dreht man die Psycho-Schraube noch etwas weiter…

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