Review: Viel Lärm um Nichts (Film)

Heute – ich weiß, es ist heiß, aber als Blogger komme ich eben schlecht aus meiner Haut – habe ich mal wieder ein ganz besonderes Schmankerl für euch, denn Joss Whedon dreht eben nicht nur Superhelden-Blockbuster (The Avengers 1+2) und Kultserien (Buffy/Angel/Firefly), sondern dann eben auch mal so etwas hier, eine Shakespeare-Verfilmung, mal eben in zwölf Tagen runtergerockt. Und was dabei herauskommt, nun, das will ich euch nicht vorenthalten:

Viel Lärm um Nichts

Much Ado About Nothing, USA 2012, 109 Min.

Viel Lärm um Nichts | © Edel:Motion
© Edel:Motion

Regisseur:
Joss Whedon
Autoren:
Joss Whedon (Drehbuch)
William Shakespeare (Vorlage)

Main-Cast:

Amy Acker (Beatrice)
Alexis Denisof (Benedikt)
Clark Gregg (Leonato)
Nathan Fillion (Holzapfel)
Fran Kranz (Claudio)
Sean Maher (Don Juan)
Reed Diamond (Don Pedro)
Jillian Morgese (Hero)

Genre:
Komödie | Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Viel Lärm um Nichts | © Edel:Motion
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Leonato, seines Zeichens Gouverneur von Messina und Vater der hübschen Hero, wird von seinem Freund, dem Prinzen Don Pedro besucht, der soeben von einem Feldzug heimgekehrt ist. In seinem Gefolge befindet sich auch der junge Claudio, der sich beinahe augenblicklich in Hero verguckt und sie zu ehelichen wünscht, doch auch des Prinzen Stiefbruder – Don Juan – befindet sich im Gefolge und wünscht sich nichts sehnlicher, als Zwietracht zwischen den Liebenden zu sähen, zumal er noch immer an der Schmach zu knabbern hat, seinem Bruder im Feldzug unterlegen zu sein. Ganz anders sieht es da bei dem Kriegshelden Benedikt aus, der so rein gar nichts von der romantischen Liebe hält, ähnlich wie Leonatos Nichte Beatrice, mit der Benedikt sich prompt mehrere hitzige Wortgefechte liefert.

Don Pedro und Leonato allerdings, angestachelt vom jungen Glück von Claudio und Hero, derweil noch nichts von den Intrigen Don Juans ahnend, schließen einen Pakt, aus Beatrice und Benedikt binnen Wochenfrist ein Paar zu machen. Und so unnahbar und blitzgescheit die beiden sich auch zu geben meinen, erliegen sie doch schnell den Einflüsterungen und Manipulationen ihrer Freunde und Verwandten, während Don Juan seine ganz eigenen Pläne verfolgt, wiederum nicht mit den mehr als unfähigen Dienern des Gesetzes rechnend, doch auch ein blindes Huhn findet schließlich mal ein Korn. Aber reicht das, um Don Juans Machenschaften und somit die Verhinderung der Hochzeit zu vereiteln?

Rezension:

Szenenbild aus Viel Lärm um Nichts | © Edel:Motion
© Edel:Motion

Entstanden aus einer Schnapsidee und dem guten Zureden seiner Frau Kai Cole, nicht zuletzt aber aufgrund der langjährigen Tradition von Shakespeare-Lesungen im Privathaus von Joss Whedon, fasste dieser im Nachgang an seine Tätigkeit als Regisseur und Drehbuchautor für The Avengers den Entschluss, Shakespeares Viel Lärm um Nichts verfilmen zu wollen. Und wenn Joss Whedon ruft, so kommen sie alle, weshalb es kaum verwunderlich ist, dass der gesamte Film von einer Vielzahl bekannter Darstellerinnen und Darsteller bevölkert ist, angefangen von Amy Acker und Alexis Denisof (beide aus Angel), die sich während der Privatlesungen für die Rollen der Beatrice und des Benedikt prädestiniert hatten, über Reed Diamond und Fran Kranz aus der hierzulande eher unbekannten Serie Dollhouse, Sean Maher und Nathan Fillion (beide aus Firefly), Tom Lenk (Buffy) und last but not least als mehr als würdiger Ersatz für Anthony Stewart Head – der leider indisponiert war – Clark Gregg aus The Avengers und später Agents of S.H.I.E.L.D..

In gerade einmal zwölf Tagen filmte diese illustre Mannschaft nun ihre – respektive Whedons – Interpretation des Shakespeare’schen Stoffes in Whedons Privathaus in Santa Monica, das von seiner Frau bereits hinsichtlich möglicher Lesungen und Aufführungen designt und konzipiert worden ist, was sich nun bezahlt machen sollte. Und wer meint, eine Shakespeare-Verfilmung, die sich abgesehen von kleineren Textkürzungen und minimalen Änderungen beinahe sklavisch an das Original hält, könnte heutzutage als abendfüllender Spielfilm kaum funktionieren, geschweige denn begeistern, der muss sich nun von Whedons Viel Lärm um Nichts das Gegenteil beweisen lassen, denn was die beinahe schon familiär zu nennende Crew hier binnen kürzester Zeit auf die Beine gestellt und umgesetzt hat, ist eigentlich kaum zu glauben, denn in der Zeit, die andere Menschen im Urlaub verbringen, ist Whedon hier ein unvergleichliches Kleinod filmischer Schaffenskraft und Leidenschaft gelungen, das seinesgleichen sucht und sicherlich auch Nicht-Shakespeare-Fans zu begeistern wissen wird.

Szenenbild aus Viel Lärm um Nichts | © Edel:Motion
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Auf die erste Szene des zweiten Akts Bezug nehmend, wo eine Textpassage von Beatrice so verstanden werden kann, als habe sie bereits in der Vergangenheit Gefühle für Benedikt gehabt und er für sie, hat Whedon einzig ein der Geschichte vorangestelltes Intro ergänzt, das impliziert, die beiden hätten einen One-Night-Stand gehabt, doch davon abgesehen halten sich die folgenden Ereignisse recht eng an Shakespeares Theaterstück, werden aber dank Inbrunst und Intonation der Darsteller großartig interpretiert und erscheinen vor allem in ihrer gestelzten Sprache weit weniger als Fremdkörper, als es beispielsweise noch in Baz Luhrmanns Romeo & Julia der Fall war. Dem zuträglich ist vor allem das schlichte Schwarzweiß, in dem Viel Lärm um Nichts gehalten ist, denn ohne den sonst üblichen Pomp und Bombast bei einschlägigen Shakespeare-Interpretation wirkt das Treiben viel alltäglicher und unmittelbarer, als man es gewohnt ist, zumal die Riege von Darstellern ihre Chancen ausgiebig nutzt, Szenen zu improvisieren, was sich in einer herzerweichend komischen Szene widerspiegelt, in der Denisof‘ Figur des Benedikt der von Acker dargestellten Figur der Beatrice mit nur allzu affektiert wirkenden Sportübungen zu imponieren versucht, aber auch in dem Zusammenspiel von Fillion und Lenk, die ein wirklich großartiges Polizisten-Duo geben, das einerseits – wie die Szenen auf der Wache insgesamt – als Reminiszenz an einschlägige Krimi-Serien verstanden werden darf, in ihrem Zusammenspiel aber auch ein großes komödiantisches Talent offenbart.

Überhaupt merkt man dem gesamten Team von Viel Lärm um Nichts die Freude jederzeit an, die es bereitet haben muss, wie in einer Art Feriencamp Shakespeare zum Besten zu geben und dabei gleichsam einen gänzlich unabhängig produzierten Film auf Zelluloid zu bannen. Die hohe Kunst der sinnstiftenden Improvisation ging sogar so weit, dass eine ausufernde Party auf dem Anwesen von Leonato nicht einmal inszeniert worden ist, sondern tatsächlich so stattgefunden hat, während einzig die Darsteller gefärbtes Wasser statt echten Alkohol zu sich nahmen, während um sie herum die Party ihren Lauf nahm. Auch das Anwesen selbst entpuppt sich als perfekte Kulisse für das Lustspiel, verfügt über ausladende und wunderschön eingerichtete Räumlichkeiten und im Garten gar ein kleines Amphitheater, das als Kulisse für die Hochzeit zwischen Hero und Claudio dient. Jillian Morgese, die Whedon am Set von The Avengers kennengelernt hat und dort als Statistin eine Frau im Restaurant gespielt hat, kam hier sogar unverhofft zu ihrer ersten und prompt fordernden Hauptrolle, denn sie erweckte die junge Hero zum Leben und fügt sich nahtlos in das weitaus erfahrenere Ensemble ein.

Szenenbild aus Viel Lärm um Nichts | © Edel:Motion
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Überhaupt ist es aber als Kenner und Freund der Werke von Joss Whedon eine Freude, dieses Who is Who aus Film- und Serienproduktionen mit Whedons Handschrift in diesem ungewöhnlichen wie einzigartigen Werk vereint zu sehen, das so gar nichts mit hochpreisig produzierten Blockbuster-Produktionen gemein zu haben scheint, gänzlich mit Handkamera gefilmt worden ist und dennoch wie ein aufwendig produzierter Spielfilm wirkt, hochprofessionell, doch gleichzeitig verspielt und intim wie kaum eine andere Filmproduktion der letzten Jahre, zumal es jede einzelne Szene in höchstens zwei Takes abzuhandeln galt, um nicht den straffen Zeitplan zu gefährden, ein Umstand, der dem fertigen Film in keiner Weise anzusehen ist. Gerade nach Whedons Bruch mit dem Marvel-Universum machen mich Produktionen wie Viel Lärm um Nichts gespannt darauf warten, was er sich als nächstes wird einfallen lassen, denn das allein für diesen Film von Whedon und seiner Frau Cole die Bellwether Pictures als Produktionsstudio gegründet worden sind (die mittlerweile auch den nach einem Skript von Whedon entstandenen In Your Eyes veröffentlicht haben), unterstreicht noch einmal die sympathische, familiäre und intime Note, die dieser Film bei aller Professionalität doch in jedem Augenblick verströmt.

Fazit & Wertung:

Joss Whedons Viel Lärm um Nichts ist eine Komödie, aber auch ein Drama, ein Film über menschliches Verhalten, Manipulation und Verrat, über Ehrgefühl und das Konzept der romantischen Liebe, ein Film über Freundschaft und Hingabe, ein Film, der enger an dem originalen Stück von William Shakespeare kaum sein könnte und das, obwohl in die Neuzeit übertragen und schwungvoll wie nie interpretiert, ein Film vor allem aber, der wie ein Herzensprojekt aller Beteiligten wirkt, die sich dafür die Seele aus dem Leib gespielt haben und die ein inniges Band der Freundschaft verbindet, was mitunter daran liegen mag, dass genau das der Fall gewesen ist, als in Whedons privatem Anwesen die zwölftägigen Dreharbeiten begannen.

9 von 10 Shakespeare’schen Wort-Duellen

Viel Lärm um Nichts

  • Shakespeare'sche Wort-Duelle - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Joss Whedons Viel Lärm um Nichts ist eine Komödie, aber auch ein Drama, ein Film über menschliches Verhalten, Manipulation und Verrat, über Ehrgefühl und das Konzept der romantischen Liebe, ein Film über Freundschaft und Hingabe, ein Film, der enger an dem originalen Stück von William Shakespeare kaum sein könnte und das, obwohl in die Neuzeit übertragen und schwungvoll wie nie interpretiert, ein Film vor allem aber, der wie ein Herzensprojekt aller Beteiligten wirkt, die sich dafür die Seele aus dem Leib gespielt haben und die ein inniges Band der Freundschaft verbindet, was mitunter daran liegen mag, dass genau das der Fall gewesen ist, als in Whedons privatem Anwesen die zwölftägigen Dreharbeiten begannen.

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