Review: Magic Magic (Film)

Immer wieder mittwochs – komme ich meist mit einem neuen Artikel ums Eck (wie an den meisten anderen Tagen natürlich auch). Und weil es der Turnus so will, steht heute wieder ein Film auf dem Plan, von dem man in den einschlägigen Blogs bisher hat wenig lesen können kurioserweise, aber neben dem vielen Mainstream-Gedöns, was ich mir wie viele andere so in steter Regelmäßigkeit gebe, kommen ja gerne auch mal ab und an solche Filme hier zum Tragen, weshalb ich mich natürlich auch diesmal freue, heute über folgenden Film sprechen zu können:

Magic Magic

Magic Magic, CL/USA 2013, 97 Min.

Magic Magic | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Sebastián Silva
Autor:
Sebastián Silva

Main-Cast:

Juno Temple (Alicia)
Emily Browning (Sara)
Michael Cera (Brink)
Catalina Sandino Moreno (Bárbara)
Agustín Silva (Agustín)

Genre:
Thriller | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Magic Magic | © Koch Media
© Koch Media

Frisch aus Kalifornien eingeflogen, sieht Alicia in Südamerika einem entspannten Urlaub mit ihrer Cousine Sara und deren Freund Agustín sowie Bárbara und dem etwas seltsamen Brink entgegen, doch bereits kurz nach Reiseantritt hin zum chilenischen Seengebiet bekommt Sara einen Anruf, dass sie – um an einer Klausur teilzunehmen – nach Santiago zurückkehren müsse und so beschließt sie, Alicia bei ihren Freunden zu lassen und später nachzukommen, auch wenn ihre Cousine heftigst dagegen protestiert. Unvermittelt sieht sich die schüchterne Alicia mit Unbekannten in ein Auto gepfercht und ist sichtlich verstört, als sich speziell bei Brink geradezu sadistische Tendenzen offenbaren, doch sie ist sich sicher, dass auch die anderen ihr mit kaum verhohlener Abneigung begegnen.

Ihre Aversion gegenüber den anderen wächst sich in der Abgeschiedenheit der Hütte bald schon zu einer handfesten Angststörung aus und Alicia beginnt, Dinge zu sehen, fühlt sich von Brink bedroht und bedrängt, kann auch Sara nicht einmal telefonisch erreichen, um ihr ihr Leid zu klagen und so versinkt sie immer weiter in den dumpfen Bildern und Gedanken ihrer Psyche und selbst als Sara wieder zu der Gruppe stößt, scheint diese kaum noch zu ihr durchdringen zu können, so weit hat sich Alicia mittlerweile in sich selbst und ihre wahnhafte Welt zurückgezogen.

Rezension:

Es ist sicherlich über die Maßen schwierig, Sebastián Silvas Magic Magic adäquat zu bewerten oder auch nur zu besprechen, denn einerseits handelt es sich um ein wahnsinnig eindringliches Drama oder Psychogramm, das mit einer Riege großartiger und großartig besetzter Darsteller zu punkten weiß, vor allem mit seiner symbolhaften Bildgestaltung, Unmengen an Deutungsebenen und Metaphern, vermeintlichen Zusammenhängen und unverständlichen wie verstörenden Szenen zum Mitfiebern und Nachdenken anregt, andererseits zum Schluss aber auch erschreckend richtungs- und ziellos wirkt, denn der erhoffte Twist oder eine Auflösung des Ganzen bleibt der Film vollends schuldig, offeriert stattdessen ein Ende, dass sich vom Rest des Geschehens kaum mehr abheben könnte, zwar in sich konsequent ist, im Kontext der Erzählung aber zumindest augenscheinlich nicht konsistent, zwar ebenfalls zum Nachdenken anregt, diesbezügliche Gedanken aber schnell gegen die Wand fahren lässt, weil die schwelgerische Deutungsvielfalt des Vorangegangenen ausgerechnet in diesem Schlüsselmoment der Erzählung nicht recht durchkommen will.

Szenenbild aus Magic Magic | © Koch Media
© Koch Media

Vielleicht eines der größten Probleme des Films mag aber die Vermarktungsstrategie gewesen sein, denn nicht nur der Trailer versucht zu suggerieren, man würde sich auf einen düsteren Horror-Thriller einlassen, wobei es sich eben trotz beklemmender Szenen, surrealer Einschübe und manch falscher Fährte dann doch um ein reinrassiges Drama handelt, das nur dahingehend mit dem Horror-Genre kokettiert, als dass das Fühlen und Erleben der mental instabilen Alicia, aus deren Sicht der Zuschauer beinahe den gesamten Film erlebt, dazu anhält, zu glauben, es drohe ihr Gefahr oder man wolle ihr Böses, womit sie aber auch nicht Unrecht haben muss, denn die sich mehr und mehr verschiebenden Bewusstseinsebenen lassen keine abschließenden Rückschlüsse darauf zu, was letztlich nur Alicias derangiertem Verstand entsprungen sein mag und was sich wirklich so oder ähnlich zugetragen hat. Um diese Atmosphäre der Unsicherheit und latenten Bedrohung erst einmal aufzubauen, bedient sich Silva allerdings eines recht simplen Kniffs und lässt nach nicht einmal zehn Filmminuten Alicias Cousine Sara in die Stadt zurückkehren, um eine Klausur zu schreiben, so dass sich die schon zu Beginn instabil und introvertiert wirkende junge Frau mit dem Umstand konfrontiert sieht, mit ihr wildfremden Personen eine abgelegene Waldhütte aufzusuchen.

Diese wiederum legen bald merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag und nach und nach türmen sich bei Alicia Eindrücke und Erlebnisse auf, die bei ihr dazu führen, eine regelrechte Psychose zu entwickeln, wobei fraglich bleibt, ob die ungewohnte Situation, die Abgeschiedenheit oder schlicht Angst und Unsicherheit der Auslöser sind oder ob ihre Probleme viel früher ihren Anfang genommen haben, wie später andeutungsweise suggeriert wird. Überhaupt geschieht bei Magic Magic vieles unterschwellig und kaum bemerkt, lässt sich in zweierlei Hinsicht deuten, bis man selbst kaum noch weiß, was wirklich geschieht und was nur eingebildet ist, wobei es speziell nach Saras Rückkehr – eine nur kurz währende Verschnaufpause in der psychischen Abwärtsspirale – Szenen gibt, bei denen klar ist, dass sie allein Alicias Geist entspringen, doch hilft das auch nicht weiter bei der Frage, wann das alles anfing, speziell wenn man die vielen wiederkehrenden Tier- und Natursymbole und –methapern in diese Überlegungen miteinbezieht, die – da schon zu Beginn des Films präsent – darauf hindeuten würden, dass Alicias Psyche bereits vor ihrer Ankunft einen Knacks hatte.

Szenenbild aus Magic Magic | © Koch Media
© Koch Media

Dieses Spiel mit den Bewusstseins- und Wahrnehmungsebenen versäumt Silva allerdings leider auf die Spitze zu treiben, denn während man die ersten zwei Drittel mit- und dem Ende, dem Twist, der Erklärung entgegenfiebert, offenbart sich im letzten Drittel recht schnell, dass dem Regisseur und Drehbuchautor gar nicht der Sinn nach einer profanen Auflösung gestanden haben kann, denn die Art und Weise, mit der er das Geschehen schließlich aus dem Ruder laufen lässt, ebenso wie das Finale, auf das er zusteuert, haben mir beinahe den gesamten – zuvor so überzeugenden und atmosphärischen – Film verleidet. Dementsprechend blieb ich auch etwas ratlos zurück und frage mich nun, was mir Magic Magic womöglich sagen wollte. Sicherlich schön, einmal nicht alles vorgekaut zu bekommen, aber einen in irgendeiner Form befriedigenderen Schluss hätte ich mir schon gewünscht. Bis dahin allerdings ist Silvas Werk sowohl großes Kino als auch große Kunst und ein mit Fug und Recht einmalig zu nennender Film, dem es natürlich sehr zupass kommt, dass er mit Juno Temple (Killer Joe) als Alicia geradezu perfekt besetzt ist, wenngleich ihr Emily Browning (Sucker Punch) und Michael Cera (Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt) in kaum etwas nachstehen. Für Fans der genannten DarstellerInnen und für Freunde höchst ungewöhnlicher Filme im Allgemeinen oder Psycho-Dramen im Speziellen lohnt sich ein Blick, speziell wenn man weiß, worauf man sich einlässt und eben keinen Horrorschocker erwartet.

Fazit & Wertung:

Sebastián Silvas Magic Magic ist ein höchst ungewöhnliches, intensives und packendes Filmerlebnis mit gehörigem Symbolgehalt, dem allerdings zum Ende hin merklich die Puste ausgeht, was darin mündet, dass die Auflösung kaum zu überzeugen weiß, wohingegen die darstellerischen Leistungen von Juno Temple, Emily Browning und Michael Cera über jeden Zweifel erhaben sind.

6,5 von 10 imaginierten Schrecken

Magic Magic

  • Imaginierte Schrecken - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Sebastián Silvas Magic Magic ist ein höchst ungewöhnliches, intensives und packendes Filmerlebnis mit gehörigem Symbolgehalt, dem allerdings zum Ende hin merklich die Puste ausgeht, was darin mündet, dass die Auflösung kaum zu überzeugen weiß, wohingegen die darstellerischen Leistungen von Juno Temple, Emily Browning und Michael Cera über jeden Zweifel erhaben sind.

6.5/10
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