Review: Extinction Parade 1: Zombieparade (Graphic Novel)

Und da wäre ich schon wieder mit der zweiten Comic-Review für den heutigen Tag. Bleibt mir nur noch, ein schönes Wochenende und gute Erholung von der vermutlich/eventuell stressigen Woche zu wünschen.

Extinction Parade 1
Zombieparade

The Extinction Parade #1-5, USA 2013-2014, 148 Seiten

Extinction Parade: Zombieparade | © Panini
© Panini

Autor:
Max Brooks
Zeichner:
Raulo Caceres

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98389-3

Genre:
Endzeit | Horror

 

Inhalt:

In den Augen der Vampire waren die Zombies, Untote wie sie, doch so grundlegend anders, eher ein Witz als alles andere, eine niedere Spezies, eine Spielart der Natur, für die Menschen womöglich gefährlich, doch für die Vampire zu keiner Zeit eine Bedrohung. So wie es schon immer Vampire gegeben hat, gab es auch immer die Zombies, doch ihr Erscheinen war stets von kurzer Dauer und belustigt betrachteten die Vampire ihr Aufbegehren. So dachte sich auch die uralte Vampirin vor zehn Jahren nichts dabei, als ihre Weggefährtin Laila ihr von einem neuerlichen Ausbruch in Kampong Raja berichtete.

Die Jahre vergingen, die Vampire fristeten ihr untotes Dasein und mehr und mehr Zombies überfluteten den Planeten, zerstörten und verschlangen Stadt um Stadt und die Vampire verschlossen weiter die Augen, bis zu dem unabwendbaren Moment, an dem sie erkennen mussten, welche Gefahr die Zombies auch für sie indirekt bedeuteten, sollten sie wirklich und wahrhaftig die menschliche Rasse schließlich doch noch ausrotten…

Rezension:

Als ich das erste Mal von der Verquickung von Vampiren und Zombies in Max Brooks‘ Extinction Parade: Zombieparade las, schwante mir ehrlicherweise nicht allzu viel gutes, zumal ich mich an die ähnliche Verquickung in George A. Romeros Empire of the Dead erinnert fühlte, wo die Sache ja alles andere als rund wirkte, doch im Nachhinein bin ich wirklich froh, dem Band dann doch aufgrund akuter Neugier eine Chance gegeben zu haben, denn Brooks zeigt Romero hier auf formidable Weise, wie man diese Sache richtig angeht und die beiden Subgenres stilvoll und gekonnt miteinander verknüpft, ohne dass es in ein wenig glaubwürdiges und halbgares Splatterfest mündet. Besonders zuträglich ist dem Band hierbei, dass man ihm deutlich Brooks‘ Erfahrung als Buchautor anmerkt, was zwar dazu führt, dass ein Großteil der Geschichte mehr erzählt wird, als das wirkliche Dialoge stattfinden, man die meiste Zeit also begleitende Textkästen liest, als den Figuren „beim Sprechen“ zuzusehen, doch funktioniert diese Herangehensweise hier ausnahmsweise richtig gut, so das sich mehr als einmal das Gefühl hatte, einen mehr als reichlich bebilderten Kurzroman zu lesen denn ein Comicalbum, was natürlich seine Grund darin hat, dass Max Brooks die Idee zu seiner Geschichte bereits in der titelgebenden Erzählung seiner Kurzgeschichtensammlung Zombieparade verschriftlicht hat, bevor sie nun von Crossed-Zeichner Raulo Caceres auch optisch umgesetzt worden ist.

Seine Erfahrungen mit Crossed bringen es auch mit sich, dass Caceres ausnehmend blutige, teils regelrecht schockierende Bilder findet, um die Geschichte packend und ansehnlich zu gestalten, auch wenn mir sein Stil wohl nie so hundertprozentig zusagen wird. Dennoch ist er in meinen Augen durchaus die richtige Wahl gewesen, die Geschichte umzusetzen, doch der eigentliche Clou von Extinction Parade: Zombieparade liegt tatsächlich in Max Brooks‘ konsequent zu Ende gedachter Grundidee, was passieren würde, wenn Vampire sich mit einer Zombie-Pandemie konfrontiert sehen würden, was damit beginnt, dass die Zombies sie überhaupt nicht wahrzunehmen scheinen, da sie – im klassischen Sinne schließlich tot – nicht als Nahrung für die wandelnden Toten in Betracht kommen, während die Vampire in ihrer unsterblichen Arroganz lange Zeit nicht zu realisieren scheinen, dass die Zombies mit den vermehrt dahinscheidenden Menschen ihnen auf lange Sicht ihre Daseinsgrundlage, ihre Blutlieferanten nehmen, doch unterschätzen die Vampire in ihrer vermeintlichen Allmacht auch schlicht die Bedrohung, die von den dahinstolpernden Kadavern ausgeht.

Das alles arbeitet Brooks so detailverliebt und gedankenvoll aus, dass es eine wahre Freude ist, der Geschichte von Kapitel zu Kapitel zu folgen, auch wenn man sich natürlich weit früher als die Vampire der Geschichte im Klaren darüber ist, welches Schicksal ihnen blüht, wenn erst die gesamte Menschheit überrannt sein wird. Dennoch ist dies eine der Geschichten, die einem in letzter Zeit vermehrt breitgetretenen Sujet durchaus neue Aspekte und Richtungen abzuringen imstande ist und damit gegenüber den oftmals immer gleichen Zombie-Geschichten gegenüber die Nase weit vorn hat. Einzig hinsichtlich der Langlebigkeit der Geschichte, die wohl tatsächlich als fortlaufende also folglich fortzusetzende Heftserie geplant ist, hege ich so meine Zweifel, denn auch wenn das Ende einer möglichen Fortsetzung Tür und Tor öffnet, wirkt die Geschichte in sich doch sehr rund und ausformuliert, so dass ich mir kaum vorstellen kann, was sich hieran anschließen mag, dass auch nur einen weiteren Sammelband zu füllen imstande wäre, doch soll das natürlich nicht den Wert des vorliegenden Bandes an sich mindern, der rundherum zu überzeugen versteht und tatsächlich sowohl Fans von Vampir- als auch Zombie-Geschichten gefallen dürfte, eben weil er das Thema einmal von einem gänzlich neuen Standpunkt aus angeht und sich eben nicht wie beispielsweise Empire of the Dead damit begnügt, die beiden Horrorgestalten schlicht nebeneinander koexistieren zu lassen.

Vor allem aber handelt es sich bei Extinction Parade: Zombieparade endlich einmal wieder um eine intelligente Zombie- beziehungsweise Vampir-Geschichte, die es eben auch nicht versäumt, den zahlreichen popkulturellen Ausgestaltungen der beiden Gattungen mit einem Augenzwinkern zu begegnen, sondern gleichsam wie ein fantasievolles Was-wäre-wenn?-Gedankenexperiment mit übernatürlichem Touch wirkt, während es Caceres zum Dank aber auch optisch rundherum blutig und durchgehend brachial zur Sache geht, weshalb die Zartbesaiteten dann vielleicht doch besser zu der zugrundeliegenden Kurzgeschichte greifen, wobei aber natürlich davon auszugehen ist, dass denen die Geschichte weder in der einen noch der anderen Fassung zusagen wird. Für Freunde intelligenter Horror-Stories, die auch zuweilen auf den gesellschaftskritischen Aspekt der frühen Zombie-Filme (womit wir wieder bei Romero wären) abstellen, ist Max Brooks‘ Adaption seiner eigenen Kurzgeschichte in Comic-Form aber auf jeden Fall einen Blick wert.

Fazit & Wertung:

Bestseller-Autor Max Brooks geht in Extinction Parade: Zombieparade der Frage nach, was passiert, wenn die Vampire belustigt und amüsiert dabei zusehen, wie die Menschheit von der Geißel der wandelnden Toten sukzessive dezimiert wird und widmet sich dabei mehr als nur einem interessanten Gedankenexperiment. Auch wenn der Band oft wirkt wie eine zunehmend blutiger bebilderte Kurzgeschichte und nur selten mit wörtlicher Rede und echter Interaktion zu punkten versteht, tut das der hohen Qualität der Veröffentlichung an sich kaum einen Abbruch.

8 von 10 unterschätzten Zombie-Horden

Extinction Parade 1: Zombieparade

  • Unterschätzte Zombie-Horden - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Bestseller-Autor Max Brooks geht in Extinction Parade: Zombieparade der Frage nach, was passiert, wenn die Vampire belustigt und amüsiert dabei zusehen, wie die Menschheit von der Geißel der wandelnden Toten sukzessive dezimiert wird und widmet sich dabei mehr als nur einem interessanten Gedankenexperiment. Auch wenn der Band oft wirkt wie eine zunehmend blutiger bebilderte Kurzgeschichte und nur selten mit wörtlicher Rede und echter Interaktion zu punkten versteht, tut das der hohen Qualität der Veröffentlichung an sich kaum einen Abbruch.

8.0/10
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Extinction Parade: Zombieparade ist am 16.06.15 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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