Review: Plush (Film)

Neuer Monat, neues Spiel, neues Glück und mal wieder ein Film, der unter falscher Vermarktung krankt, aber was rede ich mir den Mund fusselig, ändert ja doch nix. Achso, ja, und die entsprechende Kritik gibt es natürlich auch – und zwar jetzt:

Plush

Plush, USA 2013, 99 Min.

Plush | © Koch Media
© Koch Media

Regisseurin:
Catherine Hardwicke
Autoren:
Catherine Hardwicke
Arty Nelson

Main-Cast:
Emily Browning (Hayley)
Xavier Samuel (Enzo)
Cam Gigandet (Carter)
in weiteren Rollen:
Dawn Olivieri (Annie)
Thomas Dekker (Jack)
Frances Fisher (Camila)

Genre:
Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Plush | © Koch Media
© Koch Media

Die Rockband Plush um Frontfrau und Sängerin Hayley sowie ihren Bruder und Gitarristen Jack feiert Erfolge sondergleichen und füllt spielend die Hallen, doch während Hayley alsbald ihren späteren Ehemann Carter kennenlernt und schwanger wird, ergeht sich Jack in Drogenexzessen und stirbt unerwartet an einer Überdosis Heroin. Um den Fortbestand der Band zu sichern, engagiert die Managerin Annie den Gitarristen Enzo als Ersatz für Jack, zumal eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den beiden besteht, doch hilft das Hayley zunächst nicht weiter, hat sie schließlich die meisten Songs mit ihrem Bruder gemeinsam verfasst, derweil auch der ihrem toten Bruder gewidmete Song bei den Fans nur für mäßigen Applaus sorgt. Hayley beginnt an ihrem Talent zu zweifeln und während der Tour beginnt sie trotz Mann und Kindern zuhause eine Affäre mit dem charismatischen Enzo.

Die beiden beginnen zu schreiben und mit Enzo als Konter findet Hayley langsam aber sicher zu alter Größe zurück, doch macht sie ihm auch klar, dass ihre Affäre sich allein auf die Tour beschränkt und ist folglich sichtlich irritiert, als der Gitarrist nach ihrer Heimkehr plötzlich vor ihrer Tür steht und sich in die Familie drängt. Zunächst versucht sie Enzo durch gutes Zureden davon zu überzeugen, dass sie ihn bei ihr daheim nicht zu dulden bereit ist, doch er wickelt sie ein ums andere Mal um den Finger. Hayley weiß sich kaum noch zu helfen, sucht Trost und Beistand bei ihrer Managerin, während sie fürchtet, dass ihr Mann Lunte z riechen beginnt, doch auch als sie schlussendlich willens und bereit ist, die Affäre zu beenden, lässt Enzo sich nicht so leicht von ihr abspeisen.

Rezension:

Sicherlich hat es mich abgeschreckt, dass damit geworben wurde, dass Plush von Catherine Hardwicke stamme, die ja auch schon Twilight verbrochen habe, doch stammt von ihr schließlich auch Dreizehn, der mir wiederum ausgesprochen gut gefallen hat und überhaupt ist Emily Browning schließlich auch immer einen Blick wert und wenn sie dann noch erneut – wie schon bei Sucker Punch – ihr Gesangstalent unter Beweis stellen darf, dann umso mehr! Tatsächlich präsentiert sich gerade die erste Hälfte des Films als durchaus überzeugendes und unterhaltsames Musiker-Biopic, wenn auch hier fiktiver Natur, während sich erst in der zweiten Hälfte der eigentliche Thriller und die damit einhergehende Bedrohung langsam Bahn bricht, wobei man als Zuschauer natürlich relativ schnell blickt, woher der Hase läuft, die Geschichte also keineswegs neu oder überraschend sein mag, in Anbetracht des ungewöhnlichen Settings, in das man die Story zu betten wusste, aber durchaus zu gefallen weiß, insbesondere wenn einen auch die Musik nicht völlig kalt, wobei ich mir hier tatsächlich noch mehr von Brownings Gesangstalent zu hören erhofft hätte als nur diese Handvoll teils nur angespielter Songs, die letztlich im Film zu finden sind.

Szenenbild aus Plush | © Koch Media
© Koch Media

Derweil der eigentliche Plot also eigentlich recht überraschungsarm ist, muss man sich eben mehr auf die darstellerischen Leistungen fokussieren und da ist Plush wirklich extrem charismatisch besetzt und gespielt, denn Browning einerseits gelingt gekonnt der Spagat zwischen glaubwürdiger Rockröhre, fürsorgender Mutter, verunsicherter Künstlerin und zuletzt vehementer Beschützerin der eigenen Familie, während es nicht schwerfällt, nachzuvollziehen, weshalb Brownings Hayley dem mysteriösen Enzo verfällt, der, von Xavier Samuel verkörpert, ebenfalls vielschichtig zu agieren versteht und einen facettenreiche und schillernden Vollblutmusiker verkörpert, der seinen Charme auch gegenüber Hayleys Familie einzusetzen versteht und selbst deren Ehemann Carter, ebenfalls überzeugend gespielt von Cam Gigandet, auf seine Seite zieht. Zudem ist Dawn Olivieri (House of Lies) als quirlig-überdrehte Managerin Annie zu sehen und steuert speziell im Zusammenspiel mit Browning einige schöne Szenen bei, während Thomas Dekker als Hayleys Bruder Jack leider kaum in den ersten zehn Minuten zu sehen ist, bevor ihn sein viel zu früher Tod ereilt, der überhaupt erst Auslöser der folgenden Geschehnisse ist.

Diese ersten zehn Minuten allein, die vom kometenhaften Aufstieg der Band Plush und dem Leben der beiden Frontfiguren Hayley und Jack berichten, könnten übrigens direkt einem Musiksender entsprungen sein und wirken wie eine großartig hektisch geschnittene Doku, die in nur wenigen Minuten ein tieferes Verständnis für die Figuren und Gegebenheiten vermittelt, ohne dass der Film überhaupt erst richtig begonnen hätte, was wirklich sehr stimmungsvoll umgesetzt wurde, bevor zunächst das Tempo wieder gedrosselt wird, um die eigentliche Geschichte zu erzählen. Die wirkt in einigen Einstellungen schon recht surreal, was sich nicht nur in der Entstehung des fiktiven Musikvideos äußert, sondern eben auch in den vielen merkwürdigen Sequenzen, in denen sich langsam andeutet, dass etwas in Hayleys Leben gehörig aus dem Ruder läuft, was sich immer mehr und weiter aufbohrt bis hin zum finalen Befreiungsschlag gegen Ende, der mit brachialer Wucht begeistert und eines der wenigen echten Highlights des Films darstellt.

Szenenbild aus Plush | © Koch Media
© Koch Media

Aber noch ein Wort zur Vermarktung, über die ich mich ja schon bei manchem Film köstlich amüsiert habe, die aber oft auch – ebenso wie hier – die Zielgruppe systematisch verärgert, denn Plush handelt zwar von Verführung und Abhängigkeit, Verlangen und Sehnsucht, doch regelrecht erotisch, wie mancherorts beworben, wird es selten und auch die vom Marketing angedichteten SM-Tendenzen beschränken sich im Grunde auf ein kurzes Fesselspiel und einen Klaps auf den Po, weshalb auch der angedichtete Verweis zu Fifty Shades of Grey absoluter Nonsens ist und wer sich ähnliches erwartet, wird unweigerlich enttäuscht werden. Doch auch der Film selbst scheint nicht zu wissen, was er sein möchte, besteht wie gesagt es zwei Teilen, dem Musiker-Biopic sowie dem Thriller, wobei der Übergang sich schleichend vollzieht und eigentlich ziemlich gut gelungen ist, doch man wird beides mögen müssen (im besten Falle auch die Art der Musik), um auch Plush mögen zu können.

Fazit & Wertung:

Catherine Hardwickes Plush wirkt zwar dramaturgisch und inszenatorisch zuweilen etwas unausgegoren und spart an echten Überraschungsmomenten, doch weiß die Mär von der verunsicherten Musikerin, deren Leben nach dem Tod ihres Bruders immer weiter aus den Fugen gerät, durchaus zu gefallen, wenn man sich auch manchmal eine stringentere Aufbereitung des Themas gewünscht hätte. Kein Überflieger des Genres und weder als Musikfilm noch als Thriller wirklich zu empfehlen, doch dank großartiger Darsteller für Freunde des Metiers sicher einen Blick wert, wenn man sich von der Vorstellung löst, einen Erotik-Thriller geboten zu bekommen.

6 von 10 Gigs in ausgebuchten Hallen

Plush

  • Gigs in ausgebuchten Hallen - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Catherine Hardwickes Plush wirkt zwar dramaturgisch und inszenatorisch zuweilen etwas unausgegoren und spart an echten Überraschungsmomenten, doch weiß die Mär von der verunsicherten Musikerin, deren Leben nach dem Tod ihres Bruders immer weiter aus den Fugen gerät, durchaus zu gefallen, wenn man sich auch manchmal eine stringentere Aufbereitung des Themas gewünscht hätte. Kein Überflieger des Genres und weder als Musikfilm noch als Thriller wirklich zu empfehlen, doch dank großartiger Darsteller für Freunde des Metiers sicher einen Blick wert, wenn man sich von der Vorstellung löst, einen Erotik-Thriller geboten zu bekommen.

6.0/10
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Plush ist am 20.02.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Koch Media erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • RoM

    Ya‘ at‘ eeh‘, Wulf.
    Werben hat ja immer etwas (bis einiges) mit Flunkern oder Überzeichnen zu tun – allerdings sollte man/frau dabei durchaus bei vorweisbaren Realitäten bleiben. Schließlich ist Enttäuschung keine sonderliche Basis für alles Weitergehende.
    Beim Film-Marketing scheinen Teile der Branche auf ein miserabeles Kurzzeitgedächnis zu bauen – scheinbar.
    Gut nur, daß die Arbeiten von Miss Browning für sich selbst zu werben verstehen! :-)

    Immerhin – Catherine Hardwickes bester Film (‚Dreizehn‘) fand den Weg auf das Cover.

    bonté

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