Review: American Horror Story: Asylum | Staffel 2 (Serie)

Ja, auch einmal begonnene Serien schaue ich weiter, wobei es mir Serien wie dieser Art hier ja besonders einfach machen, auch mal zwischenzeitlich zu pausieren, weil die Geschichten eben in sich abgeschlossen sind und ich nicht Gefahr laufe, etwas wichtiges über eine der Figuren oder Ereignisse vergessen zu haben. Sei es wie es will, erzähle ich euch heute von meinen Eindrücken zu:

American Horror Story:
Asylum
Staffel 2

American Horror Story, USA 2011- , ca. 43 Min. je Folge

American Horror Story: Asylum | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Serienschöpfer:
Ryan Murphy
Brad Falchuk
Showrunner:
Ryan Murphy
Brad Falchuk

Main-Cast:
Zachary Quinto (Dr. Oliver Thredson)
Joseph Fiennes (Monsignor Timothy Howard)
Sarah Paulson (Lana Winters)
Evan Peters (Kit Walker)
Lily Rabe (Schwester Mary Eunice)
Lizzie Brocheré (Grace)
James Cromwell (Dr. Arthur Arden)
Jessica Lange (Schwester Jude)
in weiteren Rollen:
Chloë Sevigny (Shelley)
Clea DuVall (Wendy Peyser)
Mark Consuelos (Spivey)
Fredric Lehne (Frank McCann)
Britne Oldford (Alma Walker)
Naomi Grossman (Pepper)
Mark Margolis (Sam Goodman)
Dylan McDermott (Johnny Morgan)
Frances Conroy (Angel of Death)
Ian McShane (Leigh Emerson)
Franka Potente (Anne Frank)
Adam Levine (Leo Morrison)
Jenna Dewan-Tatum (Teresa Morrison)

Genre:
Horror | Thriller | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Es ist das Jahr 1964 und Kit Walker wird – nachdem er nach dem Verschwinden seiner Frau Alma steif und fest behauptet, sie sei von Aliens entführt worden – nach Briarcliff eingewiesen und verdächtigt, der gefürchtete Bloody Face Killer zu sein. Auch die Journalistin Lana Winters interessiert sich für den Fall von Kit Walker und begibt sich nach Briarcliff, doch der Leiterin der Klinik, Schwester Jude, gelingt es, die seinerzeit noch als Krankheit verschriene Homosexualität von Lana gegen sie einzusetzen und sie gegen ihren Willen ebenfalls in der Anstalt festzusetzen. Dort freundet sich Lana bald mit Kit und Grace Bertrand – einer weiteren Insassin – an und gemeinsam versuchen sie mehrfach, der Anstalt zu entkommen, doch geht von Schwester Jude nicht die einzige Gefahr in der Klinik aus, ist schließlich auch Dr. Arden dort beschäftigt, der sich an grausamen Menschenexperimente versucht, während der eigentliche Schirmherr von Briarcliff, der ehrgeizige Monsignor Timothy Howard blind zu sein scheint für die Geschehnisse hinter den Mauern der Institution.

Szenenbild aus American Horror Story: Asylum | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

So entgeht dem Monsignor auch lange Zeit, dass Schwester Mary Eunice vom Teufel beseelt worden ist und nun gemeinsame Sache mit Dr. Arden macht, um gegen Schwester Jude zu intrigieren. Derweil sehen sich Kit, Grace und Lana zwischen den Fronten gefangen und erst das Erscheinen des gerichtlich bestellten Psychiaters Dr. Oliver Thredson scheint eine Art Lichtblick für die unfreiwilligen Insassen von Briarcliff zu sein, deutet dieser schließlich an, Kit zu glauben, nicht der Bloody Face-Killer zu sein, ebenso wie er Lana zu verstehen gibt, ihr helfen zu wollen, Briarcliff zu entkommen, um die ganze Geschichte, die sich hinter den Mauern der Anstalt zugetragen hat, publik zu machen.

Rezension:

Nachdem ich beharrlich darauf gewartet habe, dass American Horror Story auch hierzulande auf Blu-ray erscheinen würde, wurden meine Gebete schlussendlich erhört und in weiser Voraussicht orderte ich seinerzeit gleich beide (erhältlichen) Staffeln der Serie in völliger Unkenntnis und ohne Wissen, ob mir Art und Darstellung gefallen wurden, doch hatte ich ja immerhin Ryan Murphy als Serienschöpfer, der als eine Art Qualitätsgarant zu fungieren wusste, hat er mich schließlich schon vor Jahren mit Nip/Tuck zu begeistern gewusst. So konnte ich mich auch schon während der Sichtung der ersten Staffel auf Asylum freuen, dass vom Thema und Setting her noch mehr meinem Geschmack zu entsprechen schien als Murder House und ich sollte mit dieser Annahme Recht behalten, denn auch der zweite Story Arc, der folglich gleichsam die zweite Staffel bildet, wusste mir mehr als gut zu gefallen, auch wenn ich sagen muss, dass er doch zuweilen von den Themen her sehr überladen wirkte, geht es hier schließlich eigentlich und vorrangig um das altbekannte Thema Glaube versus Wissenschaft, jedoch angereichert mit zahlreichen Horror-Versatzstücken, die es in dieser Fülle sicherlich nicht gebraucht hätte, um eine spannende Geschichte zu erzählen, denn gerade zum Ende hin fällt schon auf, dass nicht jedem Handlungsstrang dieselbe Sorgfalt und Aufmerksamkeit zuteil geworden ist.

Szenenbild aus American Horror Story: Asylum | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Gleich zu Anfang bekommen wir es nämlich in der Folge Willkommen in Briarcliff (2.01) mit einer Alien-Entführung zu tun, die auch als Initiator für die sich von hier aus entfaltende Geschichte von und in Briarcliff fungiert, doch bald schon gesellen sich ein früherer Nazi-Arzt, der Menschenexperimente durchführt, eine vom Teufel besessene Nonne und ein blutrünstiger Killer – Bloody-Face – hinzu, um nur die wichtigsten Aspekte zu nennen. Vieles davon verbindet sich durchaus stimmig mit dem Hauptplot um den von Evan Peters gespielten Kit Walker, der verdächtigt wird, Bloody-Face zu sein, doch vieles wirkt eben auch zusammen mit all den feinen Nuancen und anderen Themen, die hier aufs Trapez gebracht werden, manchmal doch arg überladen, zumal die Geschichte, eigentlich im Jahr 1964 angesiedelt, auch mehrfach weiter in die Zukunft driftet und bis in die heutige Zeit reicht, andererseits aber auch nicht an Rückblenden geizt, was die dreizehn Folgen von American Horror Story: Asylum ziemlich inhaltsschwer macht.

Unbestrittener Höhepunkt der Staffel ist dann auch nicht etwa das Finale, sondern die Folge Das Blatt wendet sich (2.10), nicht nur aufgrund einer wirklich großartigen und zutiefst surrealen Gesangs- und Tanzeinlage, sondern vor allem auch, weil sie viele der Handlungsstränge bereits zu Ende führt und mit einer Vielzahl schockierender Ereignisse aufwartet. Dementsprechend können die sich hieran anschließenden finalen drei Folgen auch deren Niveau nicht annähernd halten, denn mehr und mehr bewegt man sich nun weg von Briarcliff und dem ursprünglichen Anstalts-Horror und driftet gen Zukunft, sprich Gegenwart, so dass speziell Der Wahnsinn hat ein Ende (2.13) wie ein einziger, langer Epilog wirkt, der sich bemüht, noch die letzten losen Enden zu verknüpfen, was zwar sicherlich begrüßenswert und auch nicht unspannend ist, mit der eigentlichen Dramaturgie der Serie und dem namensgebenden Setting der Staffel nur noch wenig gemein hat. Vor allem merkt man das daran, dass die Serie hier mehr wie ein manchmal ungewohnt blutiges Drama wirkt und der Horror sich immer mehr zurücknimmt, auch wenn ich Murphys Serien-Kreation ja noch nie so wirklich zum Gruseln fand, weil sich dieser spezielle Tenor von Horrorfilmen schlichtweg nicht ins Serienformat adaptieren lässt, wie ich finde, doch düstere Stimmung, Beklemmung, schockierende Szenen und manchmal auch purer Ekel waren durchaus Stärken der Serie und treten nun einmal ab der elften Folge merklich in den Hintergrund, wenn man von einigen wenigen Ausbrüchen absieht.

Szenenbild aus American Horror Story: Asylum | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Dramaturgisch hat American Horror Story: Asylum also durchaus seine Höhen und Tiefen, überzeugt dafür auf der darstellerischen Seite umso mehr und es ist erstaunlich, welche Wandlung insbesondere die Figuren der von Jessica Lange gespielten Schwester Jude und der von Sarah Paulson verkörperten Lana Winters durchmachen, die hier schauspielerisch wahre Höchstleistungen erbringen, derweil auch Evan Peters in einer diesmal gänzlich anders ausgerichteten Rolle zu gefallen weiß. Weiterer Zugewinn für den Cast sind auch Chloë Sevigny in einer größeren Gastrolle sowie die Französin Lizzie Brocheré, deren Figur der Grace auf der Axtmörderin Lizzie Borden basiert. Besonders erwähnenswert ist aber diesmal das geballte Charisma auf Seiten der männlichen Darsteller, denn während Zachary Quinto in seiner Rolle als Dr. Thredson diesmal einen ungleich größeren Part als noch in der ersten Staffel übernehmen darf, gesellen sich nun Joseph Fiennes (Camelot) als Monsignor Timothy Howard und James Cromwell (Six Feet Under) zum Cast, während sich Dylan McDermott diesmal mit einer zwar kleinen, dafür umso gewichtigeren und herrlich gegen den Strich besetzten Rolle begnügen muss, derweil in der zweiten Staffelhälfte auch Ian McShane (Deadwood) eine Gastrolle übernehmen darf. Selbstverständlich muss man aber auch in dieser Staffel nicht auf Frances Conroy verzichten, die zwar erst in der Episode Engel des Todes (2.07) in Erscheinung tritt, diesmal dafür aber statt als geheimnisumwittertes Dienstmädchen als – das hat der Titel der Episode jetzt irgendwie schon verraten – Engel des Todes die Gänge von Briarcliff unsicher machen darf. Nicht unerwähnt bleiben sollte in dem Zusammenhang auch Lily Rabe, die bei ihrer Interpretation der Schwester Mary Eunice, die sich von der Verkörperung der Unschuld bis hin zum vom Teufel besessenen Miststück wandelt, derart überzeugend und nuanciert agiert, dass es eine wahre Freude ist.

Fazit & Wertung:

Wenn auch die zweite Staffel American Horror Story: Asylum themenmäßig zuweilen etwas überladen wirkt, ist dem Team um Serienschöpfer Ryan Murphy dennoch eine rundherum überzeugende Story gelungen, der lediglich auf den letzten Metern ein wenig die Luft auszugehen scheint. Dennoch überzeugt das Kernthema und die daraus resultierende Kontroverse zwischen Religion und Wissenschaft überaus, während es der Alien-Thematik nicht unbedingt auch noch bedurft hätte, die in weiten Teilen nur rudimentär angerissen und dadurch manchmal wie drangeklatscht wirkt. Aufgrund teils überragender darstellerischer Leistungen – allen voran durch Jessica Lange, Sarah Paulson und Lily Rabe – aber dennoch eine uneingeschränkte Empfehlung für Freunde ausgefeilter und höchst atmosphärischer Horror-Stories.

8,5 von 10 zu Unrecht in Briarcliff eingesperrten Insassen

American Horror Story: Asylum | Staffel 2

  • Zu Unrecht in Briarcliff eingesperrte Insassen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Wenn auch die zweite Staffel American Horror Story: Asylum themenmäßig zuweilen etwas überladen wirkt, ist dem Team um Serienschöpfer Ryan Murphy dennoch eine rundherum überzeugende Story gelungen, der lediglich auf den letzten Metern ein wenig die Luft auszugehen scheint. Dennoch überzeugt das Kernthema und die daraus resultierende Kontroverse zwischen Religion und Wissenschaft überaus, während es der Alien-Thematik nicht unbedingt auch noch bedurft hätte, die in weiten Teilen nur rudimentär angerissen und dadurch manchmal wie drangeklatscht wirkt. Aufgrund teils überragender darstellerischer Leistungen – allen voran durch Jessica Lange, Sarah Paulson und Lily Rabe – aber dennoch eine uneingeschränkte Empfehlung für Freunde ausgefeilter und höchst atmosphärischer Horror-Stories.

8.5/10
Leser-Wertung 1/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 2

01. Willkommen in Briarcliff (8/10)
02. Süßes und Saures (8/10)
03. Der Sturm (8/10)
04. Ich bin Anne Frank (1) (8/10)
05. Ich bin Anne Frank (2) (8,5/10)
06. Die Ursprünge des Bösen (8,5/10)
07. Engel des Todes (8,5/10)
08. Unheilige Nacht (9/10)
09. Der Kleiderbügel (8,5/10)
10. Das Blatt wendet sich (9,5/10)
11. Muttermilch (8,5/10)
12. Kontinuum (8/10)
13. Der Wahnsinn hat ein Ende (8/10)

 

– – –

American Horror Story: Asylum | Staffel 2 ist am 28.02.14 auf DVD und am 14.11.14 auf Blu-ray im Vertrieb von Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Franzi

    Perfekt zusammengefasst! Viel, viel besseres Setting und Charaktere, sogar ein paar Momente mit Unbehagen, aber leider etwas überladen. Ich mochte persönlich bisher die 3. Staffel am meisten.

  • Da kann ich, wie so oft, nur zustimmen – abgesehen davon, daß ich den letzten drei Episoden je etwa einen Punkt weniger gönnen würde, da sie im direkten Vergleich mit den vorherigen meines Erachtens schon recht deutlich abfallen. Trotzdem, von den drei Staffeln, die ich bislang gesehen habe, liegt „Asylum“ knapp in Führung, aber „Murder House“ und „Coven“ (das wie „Asylum“ gegen Ende etwas schwächelt) sind nicht weit entfernt.

    P.S.: Diese Woche hast du wirklich einen leichten Vornamen-Drehwurm, denn wenngleich Thomas Cromwell bei Ryan Murphy irgendwie sogar vorstellbar ist (wenngleich logischerweise nur als Figur), handelt es sich im letzten Abschnitt vor dem Fazit natürlich trotzdem um James Cromwell. Fehlt eigentlich nur noch Oliver, dann haben wir das große Cromwell-Triumvirat beisammen! Hmmm … das wäre doch eigentlich ein toller Stoff für eine Sitcom, oder? 😉

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